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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 66
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Paris, 11. September 1778.

Ich habe Ihre drei Briefe richtig erhalten. Nun will ich Ihnen nur auf den letzten antworten, weil dies das wichtigste ist. Als ich ihn durchlas (es war Monsieur Heina, der sich Ihnen beiden empfiehlt, bei mir), zitterte ich für Freude, dann ich sah mich schon in Ihren Armen. Es ist wahr, Sie werden es mir selbst gestehen, daß es kein großes Glück ist, was ich da mache; aber wenn ich mir vorstelle, daß ich Sie, liebster Vater, und meine liebe Schwester ganz von Herzen küsse, so kenne ich kein andres Glück nicht. Dies ist auch wirklich das einzige, was mich bei den Leuten hier, die mir die Ohren voll anschreien, daß ich hierbleiben soll, entschuldiget, dann ich sage ihnen allzeit gleich: »Was wollen Sie denn? Ich bin zufrieden damit, und da ist es gar; ich hab ein Ort, wo ich sagen kann, ich bin zu Haus, lebe in Frieden und Ruhe mit meinem besten Vater und liebsten Schwester, kann tun, was ich will, dann ich bin außer meinem Dienste mein Herr, Hab ein ewiges Brot, kann weg, wenn ich will, kann alle zwei Jahr eine Reise machen; was will ich mehr?« Das einzige, ich sage es Ihnen, wie es mir ums Herz ist, was mich in Salzburg degoutiert, ist, daß man mit den Leuten keinen rechten Umgang haben kann und daß die Musik nicht besser angesehen ist und daß der Erzbischof nicht gescheuten Leuten, die gereiset sind, glaubt. Dann ich versichere Sie, ohne Reisen (wenigstens Leute von Künsten und Wissenschaften) ist man wohl ein armseliges Geschöpf, und versichere Sie, daß, wenn der Erzbischof mir nicht erlaubt, alle zwei Jahr eine Reise zu machen, ich das Engagement ohnmöglich annehmen kann. Ein Mensch von mittelmäßigem Talent bleibt immer mittelmäßig, er mag reisen oder nicht, aber ein Mensch von superieurem Talent (welches ich mir selbst, ohne gottlos zu sein, nicht absprechen kann) wird schlecht, wenn er immer in dem nämlichen Ort bleibt. Wenn sich der Erzbischof mir vertrauen wollte, so wollte ich ihm bald seine Musik berühmt machen; das ist gewiß wahr. Ich versichere Sie, daß mir diese Reise nicht unnützlich war, in der Komposition versteht es sich; dann das Klavier spiel ich, so gut ich kann. Nur eins bitte ich mir zu Salzburg aus, und das ist: daß ich nicht bei der Violin bin, wie ich sonst war; keinen Geiger gebe ich nicht mehr ab; beim Klavier will ich dirigieren, die Arien akkompagnieren. Es wäre halt doch gut gewesen, wenn ich hätte können eine schriftliche Versicherung bekommen auf die Kapellmeisterstelle; dann sonst habe ich etwa die Ehre, doppelte Dienste zu verrichten, für einen nur bezahlt zu sein, und auf die Letzt setzt er mir wieder einen Fremden vor. Allerliebster Vater! ich muß es Ihnen bekennen, wenn es nicht wäre, um das Vergnügen zu haben, Sie beide wiederzusehen, so könnte ich mich wahrhaftig nicht dazu entschließen, und auch um von Paris wegzukommen, das ich nicht leiden kann, obwohlen itzt meine Sachen immer besser zu gehen anfingen und ich nicht zweifle, daß, wenn ich mich entschließen könnte, etliche Jahr hier auszuhalten, ich meine Sache ganz gewiß sehr gut machen würde. Dann ich bin itzt so ziemlich bekannt, die Leute mir nicht so, aber ich ihnen. Ich habe mir durch meine zwei Sinfonien sehr viele Ehre gemacht; ich hätte itzt (weil ich gesagt habe, daß ich reise) wirklich eine Opera machen sollen, allein ich habe zum Noverre gesagt: »Wenn Sie mir gutstehen, daß sie produziert wird, sobald sie fertig ist, und man mir gewiß sagt, was ich dafür bekomme, so bleibe ich noch drei Monat hier und schreibe sie.« Dann ich habe es nicht gleich gerade verwerfen können, sonst hätte man geglaubt, ich traue mir nicht. Das hat man mir aber nicht zuwegen gebracht, und ich wußte es schon vorher, daß es nicht sein kann, weil es hier der Gebrauch nicht ist. Hier ist es so, wie Sie es vielleicht schon wissen: wenn die Opera fertig ist, so probiert man sie; finden die dummen Franzosen sie nicht gut, so gibt man sie nicht, und der Komponist hat umsonst geschrieben; findet man sie gut, so setzt man sie in scena; darnach sie im Beifall wächst, darnach ist die Bezahlung; es ist nichts Sicheres. Überhaupt diese Sachen spare ich mir Ihnen mündlich zu sagen; übrigens sage ich Ihnen aufrichtig, daß meine Sachen gut zu gehen anfingen; es läßt sich nichts übereilen; chi và piano, và sano. Mit meiner Complaisance habe ich mir Freundschaft und Protektion zuwegen gebracht; wenn ich Ihnen alles schreiben wollte, so würden mir die Finger wehe tun; dieses werde ich Ihnen alles mündlich sagen und klar für die Augen stellen...

Daß der Monsieur Grimm imstande ist, Kindern zu helfen, aber nicht erwachsenen Leuten und – aber nein, ich will nichts schreiben – doch ich muß. Bilden Sie sich nur nicht ein, daß dieser der nämliche ist, der er war; wenn nicht die Madame d'Epinay wäre, wäre ich nicht im Hause, und auf diese Tat darf er nicht so stolz sein, dann ich hätte vier Häuser, wo ich logieren könnte und die Tafel hätte. Der gute Mann hat halt nicht gewußt, daß, wenn ich hiergeblieben wäre, ich auf das künftige Monat ausgezogen wäre und in ein Haus gekommen wäre, wo es nicht so einfältig und dumm zugeht wie bei ihm und wo man es nicht immer einem Menschen unter die Nase rupft, wenn man ihm eine Gefälligkeit erweist. Auf diese Art könnte ich wirklich eine Gefälligkeit vergessen. Ich will aber generöser sein als er. Mir ist nur leid, daß ich nicht hierbleibe, um ihm zu zeigen, daß ich ihn nicht brauche und daß ich so viel kann als sein Piccini, obwohlen ich nur ein Teutscher bin. Die größte Guttat, die er mir erwiesen, besteht aus fünfzehn Louisdor, die er mir bröckelweise beim Leben und Tod meiner seligen Mutter geliehen hat. Ist ihm etwa für diese bang? Wenn er da einen Zweifel hat, so verdient er wahrhaftig einen Fuß--, dann er setzt ein Mißtrauen in meine Ehrlichkeit (welches das einzige ist, was mich in Wut zu bringen imstande ist) und auch in mein Talent. Doch das letzte ist mir schon bekannt, dann er sagte einmal selbst zu mir, daß er nicht glaube, daß ich imstande seie, eine französische Opera zu schreiben. Die fünfzehn Louisdor werde ich ihm beim Abschied, mit etlichen sehr höflichen Worten begleitet, mit Dank zurückstellen. Meine Mutter seliger hat oft zu mir gesagt: »Ich weiß nicht, der –-- kommt mir ganz anderst vor.« Ich habe aber allzeit seine Partie genommen, obwohlen ich heimlich auch davon überzeugt war. Er hat mit keinem Menschen von mir geredet, und hat er es getan, so war es allzeit dumm und ungeschickt, niederträchtig. Er hat wollen, ich soll immer zum Piccini laufen und auch zum Caribaldi, dann man hat jetzt eine miserable Opera buffa hier, und ich habe allzeit gesagt: »Nein, da gehe ich keinen Schritt hin« usw. Mit einem Wort, er ist von der welschen Partie, ist falsch und sucht mich selbst zu unterdrücken. Das ist unglaublich, nicht wahr? es ist aber doch so. Hier ist der Beweis: ich habe ihm als meinem wahren Freund mein ganzes Herz eröffnet, und er hat guten Gebrauch davon gemacht; er hat mir allzeit schlecht geraten, weil er wußte, daß ich ihm folgen werde; das hat ihm aber nur zwei- oder dreimal gelungen, dann hernach habe ich ihn um nichts mehr befragt, und wenn er mir etwas geraten, nicht getan, aber allzeit ja gesagt, damit ich nicht mehr Grobheiten noch bekommen habe.

Nun genug von diesem! mündlich werden wir mehrer reden. Die Madame d'Epinay aber hat ein besseres Herz; das Zimmer gehört ihr, wo ich bin, nicht ihm; das ist das Krankenzimmer; wenn jemand im Hause krank ist, so tut man ihn da herauf; es ist nichts Schönes daran als die Aussicht; es ist pur Mauer, kein Kasten und nichts da. Nun sehen Sie, ob ich es da länger hätte aushalten können; ich hätte Ihnen dieses längst geschrieben, habe aber geforchten, Sie möchten mir nicht glauben. Aber itzt kann ich nicht mehr schweigen. Sie mögen mir glauben oder nicht; aber Sie glauben mir, ich weiß es gewiß, ich habe doch noch so viel Kredit bei Ihnen, daß Sie überzeugt sind, daß ich die Wahrheit sage. Das Essen habe ich auch bei der Madame d'Epinay. Sie dürfen nicht glauben, daß er ihr etwas zahlt, dann ich koste ihr nicht nagelgroß. Sie haben die nämliche Tafel, ob ich da bin oder nicht; dann Sie wissen niemal, wenn ich zum Essen komme, mithin können sie auf mich nicht antragen; und auf die Nacht esse ich Früchte und trinke ein Glas Wein. Weil ich im Hause bin, welches itzt über zwei Monat ist, habe ich nicht öfter als höchstens vierzehnmal da gespeist; also außer den fünfzehn Louisdor, die ich mit Dank zurückgeben werde, hat er keine andere Ausgabe für mich als die Kerzen, und da schämete ich mich in der Tat anstatt seiner, wenn ich ihm die Proposition machen sollte, daß ich sie mir schaffen will; ich trauete es mir wahrhaftig nicht zu sagen; bei meiner Ehre, ich bin schon einmal so ein Mensch. Ich habe mir neulich, wo er ziemlich hart, einfältig und dumm mit mir gesprochen, nicht zu sagen getrauet, daß er wegen den fünfzehn Louisdor nicht bang sein sollte, weil ich geforchten habe, ich möchte ihn damit beleidigen; ich habe nichts als ausgehalten und gefragt, ob er fertig ist, und dann »gehorsamster Diener!« Er hat prätendiert, ich soll in acht Tagen abreisen; so eilt er. Ich habe gesagt: »Es kann nicht sein« und die Ursachen. »Ja, da nutzt nichts, das ist einmal der Willen Ihres Vaters.« – »Bitte um Verzeihung, er hat mir geschrieben, im nächsten Brief werde ich erst sehen, wann ich abreisen soll.« – »Halten Sie sich nur reisefertig.« ...

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