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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 63
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Paris, 31. Juli 1778.

Ich hoffe, Sie werden meine zwei letzten vom 11. und 18. (glaube ich) richtig erhalten haben. Ich habe unterdessen Ihre zwei vom 13. und 20. empfangen. Das erste preßte mir Tränen des Schmerzens aus, weil ich wieder an den traurigen Hintritt meiner lieben seligen Mutter erinnert wurde und mir alles wieder lebhaft fürkam. Das werde ich gewiß mein Lebetag nicht vergessen. Sie wissen, daß ich mein Lebetag (obwohlen ich es gewunschen) niemand habe sterben gesehen, und zum ersten Male mußte es just meine Mutter sein. Auf diesen Augenblick hatte ich auch am meisten Sorg und bat Gott flehentlich um Stärke. Ich wurde erhört, ich hatte sie. So traurig mich Ihr Brief machte, so war ich doch ganz außer mir für Freude, als ich vernahm, daß Sie alles so nehmen, wie es zu nehmen ist, und ich folglich wegen meinem besten Vater und liebsten Schwester außer Sorge sein kann. Sobald ich Ihren Brief ausgelesen hatte, so war auch das erste, daß ich auf die Knie niederfiel und meinem lieben Gott aus ganzem Herzen für diese Gnad dankte. Nun bin ich ganz ruhig, weil ich weiß, daß ich wegen den zwei Personen, die mir das Liebste auf dieser Welt sind, nichts zu befürchten habe, welches nun das größte Unglück für mich wäre und mich ganz gewiß darniederreißen würde. Sorgen Sie also beide für Ihre mir so schätzbare Gesundheit, ich bitte Sie, und gönnen Sie demjenigen, der sich schmeichelt, daß er Ihnen nun das Liebste auf der Welt ist, das Glück, Vergnügen und die Freude, Sie bald umarmen zu können. Ihr letzter Brief preßte mir Tränen der Freude aus, indeme ich dadurch immer mehr Ihrer wahren väterlichen Liebe und Sorge gänzlich überzeugt wurde. Ich werde mich aus allen Kräften bestreben, Ihre väterliche Liebe immer mehr zu verdienen. Ich danke Ihnen für das Pulver durch den zärtlichsten Handkuß und bin überzeugt, daß Sie froh sind, daß ich nicht benötiget bin, Gebrauch davon zu machen. Unter der Krankheit meiner seligen Mutter wäre es einmal bald notwendig gewesen, aber itzt, Gott Lob und Dank, bin ich ganz frisch und gesund. Nur bisweilen habe ich so melancholische Anfälle, da komme ich aber am leichtesten davon durch Briefe, die ich schreibe oder erhalte; das muntert mich dann wieder auf. Glauben Sie aber sicher, daß es niemalen ohne Ursach geschieht ...

Ich werde nun mein möglichstes tun, um mich hier mit Skolaren fortzubringen und soviel möglich Geld zu machen. Ich tue es jetzt in der süßen Hoffnung, daß bald eine Veränderung geschieht. Dann das kann ich Ihnen nicht leugnen, sondern muß es bekennen, daß ich froh bin, wenn ich hier erlöset werde. Dann Lektion zu geben, ist hier kein Spaß: man muß sich ziemlich abmatten damit, und nimmt man nicht viele, so macht man nicht viel Geld. Sie dürfen nicht glauben, daß es Faulheit ist; nein! sondern weil es ganz wider mein Genie, wider meine Lebensart ist. Sie wissen, daß ich sozusagen in der Musik stecke, daß ich den ganzen Tag damit umgehe, daß ich gerne spekuliere, studiere, überlege. Nun bin ich hier durch diese Lebensart dessen behindert. Ich werde freilich einige Stunden frei haben, allein die wenigen Stunden werden mir mehr zum Ausrasten als zum Arbeiten notwendig sein.

Wegen der Opera habe ich schon in meinem Vorigen Meldung getan. Ich kann nicht anderst, ich muß eine große Opera oder gar keine schreiben. Schreibe ich eine kleine, so bekomme ich wenig; dann hier ist alles taxiert. Hat sie dann das Unglück, den dummen Franzosen nicht zu gefallen, so ist alles gar, ich bekomme keine mehr zu schreiben, habe wenig davon, und meine Ehre hat Schaden gelitten. Wenn ich aber eine große Opera schreibe, so ist die Bezahlung besser, ich bin in meinem Fach, was mich freuet, habe mehr Hoffnung, Beifall zu erhalten, weil man in einem großen Werk mehr Gelegenheit hat, sich Ehre zu machen. Ich versichere, daß, wenn ich eine Opera zu schreiben bekomme, mir gar nicht bang ist. Die Sprache hat der Teufel gemacht, das ist wahr, und ich sehe all die Schwierigkeiten, die alle Compositeurs gefunden haben, gänzlich ein; aber ohngeacht dessen fühle ich mich imstande, diese Schwierigkeiten so gut als alle andern zu übersteigen. Au contraire, wenn ich mir öfters vorstelle, daß es richtig ist mit meiner Opera, so empfinde ich ein ganzes Feuer in meinem Leibe und Zittern auf Hände und Füße für Begierde, den Franzosen immer mehr die Teutschen kennen, schätzen und fürchten zu lernen. Warum gibt man denn keinem Franzosen eine große Opera? Warum müssen es denn Fremde sein? Das Unausstehlichste dabei würden mir die Sänger sein. Nun, ich bin bereit. Ich fange keine Händel an; fordert man mich aber heraus, so werde ich mich zu defendieren wissen. Wenn es aber ohne Duell abläuft, so ist es mir lieber, dann ich raufe mich nicht gern mit Zwergen.

Gott gebe es, daß bald eine Veränderung geschieht! Unterdessen wird es an meinem Fleiß, Mühe und Arbeit gewiß nicht fehlen. Auf den Winter, wenn alles von dem Lande hereinkömmt, habe ich meine Hoffnung. Unterdessen leben Sie recht wohl und haben Sie mich immer lieb. Das Herz lacht mir, wenn ich auf den glücklichen Tag denke, wo ich wieder das Vergnügen haben werde, Sie zu sehen und von ganzem Herzen zu umarmen...

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