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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 49
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Mannheim, 7. Februar 1778.

Der Herr von Schiedenhofen hätte mir wohl durch Sie längst Nachricht geben können, daß er im Sinn hat, bald Hochzeit zu halten; ich hätte ihm neue Menuett darzu komponiert. Ich wünsche ihm von Herzen Glück. Das ist halt wiederum eine Geldheirat, sonst weiter nichts. So möchte ich nicht heiraten: ich will meine Frau glücklich machen und nicht mein Glück durch sie machen. Drum will ichs auch bleiben lassen und meine goldene Freiheit genießen, bis ich so gut stehe, daß ich Weib und Kinder ernähren kann. Dem Herrn von Schiedenhofen war es notwendig, sich eine reiche Frau zu wählen; das macht sein Adel. Noble Leute müssen nie nach Gusto und Liebe heiraten, sondern nur aus Interesse und allerhand Nebenabsichten; es stünde auch solchen hohen Personen gar nicht gut, wenn sie ihre Frau etwa noch liebeten, nachdem sie schon ihre Schuldigkeit getan und ihnen einen plumpen Majoratsherren zur Welt gebracht hat. Aber wir arme gemeine Leute, wir müssen nicht allein eine Frau nehmen, die wir und die uns liebt, sondern wir dürfen, können und wollen so eine nehmen, weil wir nicht nobel, nicht hochgeboren und adlig und nicht reich sind, wohl aber niedrig, schlecht und arm, folglich keine reiche Frau brauchen, weil unser Reichtum nur mit uns ausstirbt; dann wir haben ihn im Kopf. Und diesen kann uns kein Mensch nehmen, ausgenommen, man hauete uns den Kopf ab, und dann – brauchen wir nichts mehr...

Die Hauptursach, warum ich mit den Leuten nicht nach Paris gehe, habe schon im vorigen Brief geschrieben. Die zweite ist, weil ich recht nachgedacht habe, was ich in Paris zu tun habe. Ich könnte mich mit nichts recht fortbringen als mit Skolaren, und zu der Arbeit bin ich nicht geboren. Ich habe hier ein lebendiges Beispiel. Ich hätte zwei Skolaren haben können, ich bin zu jedem dreimal gegangen, dann habe ich einen nicht angetroffen, mithin bin ich ausgeblieben. Aus Gefälligkeit will ich gern Lektion geben, besonders wenn ich sehe, daß eines Genie, Freude und Lust zum Lernen hat. Aber zu einer gewissen Stund in ein Haus gehen müssen oder zu Haus auf einen warten müssen, das kann ich nicht, und sollte es mir noch so viel eintragen; das ist mir ohnmöglich, das lasse ich Leuten über, die selbst nichts können als Klavier spielen. Ich bin ein Komponist und bin zu einem Kapellmeister geboren. Ich darf und kann mein Talent im Komponieren, welches mir der gütige Gott so reichlich gegeben hat (ich darf ohne Hochmut so sagen, dann ich fühle es nun mehr als jemals), nicht so vergraben, und das würde durch die vielen Skolaren; dann das ist ein sehr unruhiges Metier. Ich wollte lieber so zu sagen das Klavier als die Komposition negligieren; dann das Klavier ist nur meine Nebensach, aber Gott sei Dank eine sehr starke Nebensach. Die dritte Ursach dann ist, weil ich nicht gewiß weiß, ob unser Freund Grimm zu Paris ist. Wenn der zu Paris ist, so kann ich noch allzeit auf dem Postwagen nachkommen; dann es geht ein charmanter Postwagen von hier über Straßburg nach Paris. Wir wären allzeit so gereist. Sie gehen auch so. Der Herr Wendling ist untröstlich, daß ich nicht mitgehe; ich glaube aber, daß die Ursach mehr Interesse als Freundschaft ist. Ich habe ihm nebst der Ursach, die ich im letzten Brief geschrieben habe (nämlich, daß ich seit meiner Abwesenheit drei Briefe bekommen hätte), auch diese wegen den Skolaren gesagt und ihn gebeten, er möchte mir etwas Gewisses zuwegen bringen, so würde ich, wenn ich anderst kann, mit Freuden nachkommen, absonderlich wenn es eine Opera wäre. Das Opernschreiben steckt mir halt stark im Kopf, französisch lieber als teutsch, italienisch aber lieber als teutsch und französisch. Beim Wendling sind sie alle der Meinung, daß meine Komposition außerordentlich in Paris gefallen würde. Das ist gewiß, daß mir gar nicht bang wäre, dann ich kann so ziemlich, wie Sie wissen, aller Art und Stil von Kompositions annehmen und nachahmen. Ich habe der Mademoiselle Gustel (die Tochter) gleich nach meiner Ankunft ein französisches Lied, wozu sie mir den Text gegeben hat, gemacht, welches sie unvergleichlich singt. Hier habe ich die Ehre damit aufzuwarten. Beim Wendling wirds alle Täg gesungen, sie sind völlig Narren darauf...

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