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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 48
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Mannheim, 4. Februar 1778.

... Nun kommt etwas Notwendiges, wo ich mir gleich eine Antwort darauf bitte. Meine Mama und ich haben uns unterredet und sind übereinkommen, daß uns das Wendlingische Leben gar nicht gefällt. Der Wendling ist ein grundehrlicher und sehr guter Mann, aber leider ohne alle Religion, und so das ganze Haus. Es ist ja genug gesagt, daß seine Tochter Mätresse war. Der Ramm ist ein braver Mensch, aber ein Libertin. Ich kenne mich; ich weiß, daß ich so viel Religion habe, daß ich gewiß niemals etwas tun werde, was ich nicht imstande wäre, vor der ganzen Welt zu tun; aber nur der Gedanke, nur allein auf der Reise mit Leuten in Gesellschaft zu sein, deren Denkungsart sehr von der meinigen (und aller ehrlichen Leute ihrer) unterschieden ist, schreckt mich; übrigens können sie tun, was sie wollen. Ich habe das Herz nicht, mit ihnen zu reisen; ich hätte keine vergnügte Stunde; ich wüßte nicht, was ich reden sollte; dann mit einem Wort, ich habe kein rechtes Vertrauen auf sie. Freunde, die keine Religion haben, sind von keiner Dauer. Ich Hab ihnen schon so einen kleinen Progusto gegeben. Ich habe gesagt, daß seit meiner Abwesenheit drei Briefe gekommen sind, daraus ich ihnen weiter nichts sagen kann, als daß ich schwerlich mit ihnen nach Paris reisen werde; vielleicht werde ich nachkommen, vielleicht gehe ich aber wo anderst hin; sie sollen sich auf mich nicht verlassen.

Mein Gedanke ist dieser. Ich mache hier ganz kommode vollends die Musik für den De Jean. Da bekomme ich meine zweihundert Fl. Hier kann ich bleiben, solange ich nur will. Weder Kost, weder Logis kost mir etwas. Unter dieser Zeit wird sich Herr Weber bemühen, sich wo auf Konzerts mit mir zu engagieren. Da wollen wir miteinander reisen. Wenn ich mit ihm reise, so ist es just so viel, als wenn ich mit Ihnen reisete. Deswegen habe ich ihn gar so lieb, weil er, das Äußerliche ausgenommen, ganz Ihnen gleicht und ganz Ihren Caractère und Denkungsart hat. Meine Mutter, wenn sie nicht, wie Sie wissen, zum Schreiben zu faul kommode wäre, so würde sie Ihnen das nämliche schreiben. Ich muß bekennen, daß ich recht gern mit ihnen gereist bin. Wir waren vergnügt und lustig. Ich hörte einen Mann sprechen wie Sie, ich durfte mich um nichts bekümmern; was zerrissen war, fand ich geflickt; mit einem Wort, ich war bedient wie ein Fürst. Ich habe diese gedrückte Familie so lieb, daß ich nichts mehr wünsche, als daß ich sie glücklich machen könnte; und vielleicht kann ich es auch. Mein Rat ist, daß sie nach Italien gehen sollten. Da wollte ich Sie also bitten, daß Sie, je eher je lieber, an unsern guten Freund Lugiati schreiben möchten und sich erkundigen, wie viel und was das meiste ist, was man einer Primadonna in Verona gibt? Je mehr, je besser; herab kann man allzeit. Vielleicht könnte man auch die Ascensa in Venedig bekommen. Für ihr Singen stehe ich mit meinem Leben, daß sie mir gewiß Ehre macht. Sie hat schon die kurze Zeit von mir viel profitiert, und was wird sie erst bis dahin profitieren! Wegen der Aktion ist mir auch nicht bang. Wenn das geschieht, so werden wir, Monsieur Weber, seine zwei Töchter und ich, die Ehre haben, meinen lieben Papa und meine liebe Schwester im Durchreisen auf vierzehn Täge zu besuchen. Meine Schwester wird an der Mademoiselle Weber eine Freundin und Kameradin finden, dann sie steht hier im Ruf wie meine Schwester in Salzburg wegen ihrer guten Aufführung, der Vater wie meiner und die ganze Familie wie die Mozartische. Es gibt freilich Neider, wie bei uns; aber wenn es darzu kömmt, so müssen sie halt doch die Wahrheit sagen. Redlich währt am längsten. Ich kann sagen, daß ich mich völlig freue, wenn ich mit ihnen nach Salzburg kommen sollte, nur damit Sie sie hören. Meine Arien von der de' Amicis, sowohl die Bravouraria als Parto m´affretto und Dalla sponda tenebrosa singt sie süperb. Ich bitte Sie, machen Sie Ihr mögliches, daß wir nach Italien kommen. Sie wissen mein größtes Anliegen – Opern zu schreiben.

Zu Verona will ich gern die Oper um dreißig Zechinen schreiben, nur damit sie sich Ruhm macht; dann wenn ich sie nicht schreibe, so fürchte ich, wird sie sakrifiziert. Bis dahin werde ich mir schon durch andere Reisen, die wir miteinander machen wollen, so viel Geld machen, daß es mir nicht wehe tut. Ich glaube, wir werden in die Schweiz gehen, vielleicht auch nach Holland; schreiben Sie mir nur bald darüber. Wenn wir uns wo lange aufhalten, so taugt uns die andere Tochter, welche die älteste ist, gar zu gut; dann wir können eigene Hauswirtschaft führen, weil sie auch kocht...

Geben Sie mir bald Antwort, das bitte ich Sie. Vergessen Sie meinen Wunsch nicht, Opern zu schreiben! Ich bin einem jeden neidig, der eine schreibt; ich möchte ordentlich für Verdruß weinen, wenn ich eine Aria höre oder sehe. Aber italienisch, nicht teutsch! eine seria, nicht buffa! Den Brief von Heufeld hätten Sie mir nicht schicken dürfen, er hat mir mehr Verdruß als Freude gemacht. Der Narr meinte, ich werde eine komische Opera schreiben und so grad auf ungewiß, auf Glück und Dreck! Ich glaub auch, daß er seiner Edlerei keine Schande angetan hätte, wenn er »der Herr Sohn« und nicht »Ihr Sohn« geschrieben hätte! Nu, er ist halt a Wiener Lümmel, oder er glaubt, die Menschen bleiben immer zwölf Jahr alt. Nun habe ich alles geschrieben, wie es mir ums Herz ist; meine Mutter ist mit meiner Denkungsart ganz zufrieden...

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