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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 24
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Augsburg, 14. Oktober 1777.

... Mithin haben wir uns nicht im Dato geirret; dann wir haben noch vor Mittag geschrieben, und wir werden, glaube ich, künftigen Freitag, als übermorgen, wieder weg. Dann hören Sie nur, wie schön generös die Herren Augsburger sind! Ich bin noch in keinem Ort mit so vielen Ehrenbezeugungen überhäufet worden wie hier. Mein erster Gang war zum Herrn Stadtpfleger Longotabarro. Mein Herr Vetter, der ein rechter braver, lieber Mann und ein ehrlicher Burger ist, hat mich hinbegleitet und hatte die Ehre, oben im Vorhause wie ein Lakai zu warten, bis ich von dem Erzstadtpfleger herauskommen würde. Ich ermangelte nicht, gleich von Anfang die untertänigste Empfehlung vom Papa auszurichten. Er erinnerte sich allergnädigst auf alles und fragte mich: »Wie ists dem Herrn immer gegangen?« Ich sagte gleich darauf: »Gott Lob und Dank, recht gut, und Ihnen, hoffe ich, wird es auch recht gut gegangen sein?« Er wurde hernach höflicher und sagte »Sie«, und ich sagte »Euer Gnaden«, wie ich es gleich vom Anfang getan hatte. Er gab mir keinen Fried, ich mußte mit ihm hinauf zu seinem Schwiegersohn (im zweiten Stock), und mein Herr Vetter hatte die Ehre, unterdessen über einer Stiege im Pfletz zu warten. Ich mußte mich zurückhalten mit allem Gewalt, sonst hätte ich mit der größten Höflichkeit etwas gesagt. Ich hatte oben die Ehre, in Gegenwart des gestarzten Herrn Sohn und der langhachsigten gnädigen jungen Frau und der einfältigen alten Frau so beiläufig dreiviertel Stund auf einem guten Klavichord vom Stein zu spielen. Ich spielte Phantasien und endlich alles, was er hatte, prima vista, unter andern sehr hübsche Stücke von einem gewissen Edelmann. Da war alles in der größten Höflichkeit, und ich war auch sehr höflich; dann meine Gewohnheit ist, mit den Leuten so zu sein, wie sie sind; so kömmt man am besten hinaus. Ich sagte, daß ich nach dem Essen zum Stein gehen würde. Der junge Herr trug sich allsogleich selbst an, mich hinzuführen. Ich dankte ihm für seine Güte und versprach, nach Mittag um zwei Uhr zu kommen. Ich kam, wir gingen miteinander in Gesellschaft seines Herrn Schwagers, der einem völligen Studente gleichsieht. Obwohlen ich gebeten hatte, stillzuhalten, wer ich seie, so war Herr von Langenmantel doch so unvorsichtig und sagte zum Herrn Stein: »Hier habe ich die Ehre, Ihnen einen Virtuosen auf dem Klavier aufzuführen« und schmutzte darzu. Ich protestierte gleich und sagte, ich wäre nur ein unwürdiger Skolar vom Herrn Sigl in München, von dem ich ihm viele tausend Komplimenten ausgerichtet habe. Er sagte nein mit dem Kopf und endlich: »Sollte ich wohl die Ehre haben, den Herrn Mozart vor meiner zu haben?« – »O nein,« sprach ich, »ich nenne mich Trazom, ich habe auch hier einen Brief an Sie.« Er nahm den Brief und wollte ihn gleich erbrechen, ich ließe ihm aber nicht Zeit und sagte: »Was wollen Sie denn jetzt da den Brief lesen? Machen Sie dafür auf, daß wir in Saal hinein können; ich bin so begierig, Ihre Pianoforte zu sehen.« – »Nu, meintwegen. Es seie, wie es wolle; ich glaube aber, ich betrüge mich nicht.« Er machte auf, ich lief gleich zu einem von den drei Klavieren, die im Zimmer stunden. Ich spielte, er konnte kaum den Brief aufbringen vor Begierde, überwiesen zu sein; er las nur die Unterschrift. »O!« schrie er und umarmte mich; er verkreuzigte sich, machte Gesichter und war halt sehr zufrieden. Wegen seinen Klavieren werde ich nachgehends sprechen. Er führte mich hernach gleich in ein Koffeehaus, wo ich, wie ich hineintrat, glaubte, ich müßte wieder zurückfallen für Gestank und Rauch von Tobak. Ich mußte halt in Gottes Namen eine Stunde aushalten. Ich ließ mir auch alles gefallen, obwohlen ich in der Türkei zu sein glaubte. Er machte mir dann viel Wesens mit einem gewissen Graf (Compositeur, doch nichts als von Flutenkonzerts); er sagte mir: »Das ist ganz was Besonderes«, und was man halt Übertriebenes sagen kann. Ich schwitzte im Kopf, Händ und ganzen Leibe vor Angst. Dieser Graf ist ein Bruder zu die zwei, wo einer im Haag und der andere zu Zürich ist. Er gab nicht nach und führte mich gleich zu ihm. Das ist ein ganz nobler Mann; er hatte einen Schlafrock an, wo ich mich nicht schämete, auf der Gasse ihn zu tragen. Er setzt alle Wörter auf Stelzen und macht gemeiniglich das Maul ehender auf, als er nur weiß, was er sagen will; manchmal fällt es auch zu, ohne etwas zu tun gehabt zu haben. Er produzierte nach vielen Komplimenten ein Konzert auf zwei Fluten; ich mußte die erste Violin spielen. Das Konzert ist so: gar nicht gut ins Gehör, nicht natürlich; er marschiert oft in die Töne gar zu plump, und dies alles ohne die mindeste Hexerei. Wie es vorbei war, so lobte ich ihn recht sehr; dann er verdient es auch. Der arme Mann wird Mühe genug gehabt haben; er wird genug studieret haben. Endlich brachte man ein Klavichord aus dem Kabinett heraus (vom Herrn Stein seiner Arbeit), recht gut, nur voll Mist und Staub. Herr Graf, welcher Direktor hier ist, stund da wie einer, der immer geglaubt hat, ganz besonder in seiner Reise durch die Töne zu sein, und nun findet, daß man noch besonderer sein kann, und ohne dem Qhr wehe zu tun. Mit einem Wort, es war halt alles in Verwunderung ...

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