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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 21
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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München, 2. Oktober 1777.

... Beim Salern spielte ich die drei Täge durch viel Sachen vom Kopf, dann die zwei Kassationen für die Gräfin und die Finalmusik mit dem Rondeau auf die Letzt auswendig. Sie können sich nicht einbilden, was der Graf Salern für eine Freude hatte. Er versteht doch die Musik, dann er sagte allzeit Bravo, wo andere Kavaliere eine Prise Tobak nehmen, sich schnauzen, räuspern oder einen Diskurs anfangen. Ich sagte ihm: »Ich wünschte nur, daß der Kurfürst da wäre, so könnte er doch was hören. Er weiß nichts von mir, er weiß nicht, was ich kann. Daß doch die Herren einem jeden glauben und nichts untersuchen wollen! Ja, das ist allzeit so! Ich lasse es auf eine Prob ankommen; er soll alle Komponisten von München herkommen lassen, er kann auch einige von Italien und Frankreich, Teutschland, England und Spanien beschreiben; ich traue mir mit einem jeden zu schreiben.« Ich erzählte ihm, was mit mir in Italien vorgegangen ist; ich bat ihn, wenn ein Diskurs von mir wäre, diese Sachen anzubringen. Er sagte: »Ich bin der Wenigste, aber was bei mir besteht, von ganzem Herzen.« Er ist halt auch der Meinung, daß, wenn ich so hierbleiben könnte unterdessen, die Sache hernach von sich selbst ging. Für mich allein wäre es nicht ohnmöglich, mich durchzubringen, denn vom Graf Seeau wollte ich wenigstens dreihundert Fl. bekommen. Für das Essen dürfte ich mich nicht sorgen, dann ich wäre immer eingeladen, und wäre ich nicht eingeladen, so machte sich Albert eine Freude, mich bei sich zu Tisch zu haben. Ich esse wenig, trinke Wasser, auf die Letzt zur Frucht ein klein Glas Wein. Ich würde den Kontrakt mit Graf Seeau (alles auf Einraten meiner guten Freunde) so machen: alle Jahre vier teutsche Opern, teils buffe und serie, zu liefern; da hätte ich von einer jeden eine Sera oder Einnahme für mich, das ist schon so der Brauch. Das würde mir allein wenigstens fünfhundert Fl. tragen, das wäre mit meinem Gehalt schon achthundert Fl., aber gewiß mehr; dann der Reiner, Komödiant und Sänger, nahm in seiner Sera zweihundert Fl. ein, und ich bin hier sehr beliebt. Und wie würde ich erst beliebt werden, wenn ich der teutschen Nationalbühne in der Musik emporhälfe! Und das würde durch mich gewiß geschehen, dann ich war schon voll Begierde zu schreiben, als ich das teutsche Singspiel hörte. Die erste Sängerin heißt Keiserin, ist eine Kochstochter von einem Grafen hier, ein sehr angenehmes Mädel, hübsch auf dem Theater; in der Nähe sah ich sie noch nicht. Sie ist hier geboren. Wie ich sie hörte, war es erst das dritte Mal, daß sie agierte. Sie hat eine schöne Stimme, nicht stark, doch auch nicht schwach, sehr rein, gute Intonation. Ihr Lehrmeister ist Valesi, und aus ihrem Singen kennt man, daß ihr Meister sowohl das Singen als das Singenlehren versteht. Wenn sie ein paar Täkte aushält, so hab ich mich sehr verwundert, wie schön sie das Crescendo und Decrescendo macht. Den Triller schlägt sie noch langsam, und das freut mich recht; dann er wird nur desto reiner und klarer, wenn sie ihn einmal geschwinder machen will; geschwind ist er ohnehin leichter. Die Leute haben hier eine rechte Freud mit ihr und ich mit ihnen. Meine Mama war im Parterre: sie ging schon um halb fünf Uhr hinein, um Platz zu bekommen. Ich ging aber erst um halb sieben Uhr, dann ich kann überall in die Logen gehen; ich bin ja bekannt genug. Ich war in der Loge vom Haus Branca, ich betrachtete die Keiserin mit einem Fernglas, und sie lockte mir öfters eine Zähre ab. Ich sagte oft: Brava, bravissima! Dann ich dachte immer, daß sie erst das dritte Mal auf dem Theater ist. Das Stück hieß Das Fischermädchen, eine nach der Musik des Piccini sehr gute Übersetzung. Originalstücke haben sie noch nicht. Eine teutsche Opera seria möchten sie auch bald geben, und man wünscht halt, daß ich sie komponierte. Der gemeldete Professor Huber ist auch von den wünschenden Personen. Nun muß ich ins Bett; es tuts nicht mehr anderst. Just Punkte zehn Uhr! Baron Rumling machte mir neulich das Kompliment: »Die Spektakeln sind meine Freude. Gute Acteurs und Actrices, gute Sänger und Sängerinnen und dann einen so braven Komponisten dazu wie Sie.« Das ist freilich nur geredet, und reden läßt sich viel. Doch hat er niemals mit mir so geredet...

Um zehn Uhr war ich bei der Gräfin Salern bei Hof... Hernach speiste ich im Haus Branca, der Herr Geheimrat von Branca war beim französischen Gesandten eingeladen, folglich nicht zu Haus. Man heißt ihn Exzellenz. Die Frau ist eine Französin, kann fast gar nichts Teutsch, mit ihr habe ich beständig Französisch gesprochen. Ich sprach ganz keck; sie sagte mir, ich rede gar nicht schlecht, und ich hätte eine gute Gewohnheit, daß ich langsam spräche, dann durch dieses mache ich mich sehr gut verstehen. Sie ist eine recht brave Frau, voll Lebensart. Die Fräulein spielt artig, das Tempo fehlt ihr noch. Ich habe geglaubt, sie oder ihr Gehör seie die Ursach, aber ich kann keinem Menschen schuld geben als ihrem Lehrmeister: er hat zu viel Nachsicht, er ist gleich zufrieden. Ich habe heut mit ihr probiert; ich wollte wetten, daß, wenn sie zwei Monate bei mir lernte, sie recht gut und akkurat spielen würde... Morgen werden wir eine kleine Schlakademie zusammen machen, auf dem elenden Klavier Nota bene! Auweh! auweh! auweh!

Ich wünsche halt eine rechte ruhsame Nacht und bessere einen guten Wunsch und höre bald zu hoffen, daß der gesund völlig Papa ist. Ich Verzeihung um bitte wegen meiner abscheulichen Schrift, aber Tinte, Eile, Schlaf, Traum und alles halt. Ich Papa Ihnen mein allerhändigster küsse tausendmal die liebsten und meine umarme die Herzen

Schwester ich von ganzem Canaglien und bin von nun an bis in Ewigkeit Amen

Wolfgang gehorsamster Dero

Amade Mozart Sohn.

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