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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 19
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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München, 26. September 1777.

Wir sind den 24. abends um halbe fünf Uhr glücklich in München angelanget. Was mir gleich das Neueste war, daß wir zur Maut fahren mußten, begleitet mit einem Grenadier mit aufgepflanztem Bajonette. Die erste bekannte Person, die uns im Fahren begegnete, war Signor Consoli, welcher mich gleich kannte und eine unbeschreibliche Freude hatte, mich zu sehen. Er war den andern Tag gleich bei mir. Die Freude des Herrn Albert kann ich nicht genug ausdrücken, er ist in der Tat ein grundehrlicher Mann und unser sehr guter Freund. Nach meiner Ankunft war ich bis zur Essenzeit immer beim Klavier. Herr Albert war noch nicht zu Hause. Hernach aber kam er, und wir gingen mitsammen herab zum Tisch. Da traf ich den Monsieur Sfeer und einen gewissen Sekretär, seinen recht guten Freund, an. Beide lassen sich empfehlen. Wir kamen spät ins Bett und waren müd von der Reis'. Wir stunden doch schon um sieben Uhr auf. Meine Haar waren aber in einer solchen Unordnung, daß ich vor halb elf Uhr nicht zum Graf Seeau kam. Als ich hinkam, hieß es, er seie schon auf die Jagd gefahren: Geduld! Ich wollte unterdessen zum Chorherrn Bernard gehen; er ist aber mit dem Baron Schmid auf Güter gereiset. Herrn Bellval traf ich voll in Geschäften an. Er gab mir tausend Komplimenten auf. Unter dem Mittagessen kam Rossi, um zwei Uhr kam Consoli und um drei Uhr Beecké und Herr von Bellval. Ich machte meine Visite bei der Frau von Durst, welche bei den Franziskanern logiert. Um sechs Uhr machte ich mit Herrn Beecké einen kleinen Spaziergang. Es gibt hier einen gewissen Professor Huber, vielleicht erinnern Sie sich besser als ich; er sagt, er hat mich das letzte Mal zu Wien beim jungen Herrn von Mesmer gesehen und gehört. Er ist nicht zu groß, nicht zu klein, bleich, weißgraue Haar und sieht in der Physiognomie dem Herrn Unterbereiter nicht ungleich. Dieser ist auch ein Viceintendant du theatre: seine Arbeit ist, die Komödie, die man aufführen will, durchzulesen, zu verbessern, zu verderben, hinzuzutun, hinwegzusetzen. Er kömmt alle Abend zum Albert, er spricht sehr oft mit mir.

Heut, als den 26. Freitag, war ich um halb neun Uhr beim Graf Seeau. Es war so. Ich ging ins Haus hinein, und Madame Nießer, die Komödiantin, ging just heraus und fragte mich: »Sie wollen gewiß zum Grafen?« – »Ja.« – »Er ist noch in seinem Garten; Gott weiß, wann er kömmt.« Ich fragte sie, wo sein Garten seie. »Ja,« sagte sie, »ich habe auch mit ihm zu sprechen, wir wollen mitsammen gehen.« Kaum kamen wir vors Tor hinaus, so kam uns der Graf entgegen und war etwa zwölf Schritt von mir, so erkannte er mich und nannte mich beim Namen. Er war sehr höflich; er wußte schon, was mit mir vorgegangen ist. Wir gingen ganz allein und langsam die Treppe hinauf; ich entdeckte mich ihm ganz kurz. Er sagte, ich sollte nur schnurgerade bei S. Kurfürstlichen Durchlaucht Audienz begehren; sollte ich aber im Fall nicht zukommen können, so sollte ich meine Sache nur schriftlich vorbringen. Ich bat ihn sehr, dieses alles stillzuhalten; er versprach es mir. Als ich ihm sagte, es ging hier wirklich ein rechter Compositeur ab, so sagte er: »Das weiß ich wohl.« Nach diesem ging ich zum Bischof in Chiemsee und war eine halbe Stund bei ihm. Ich erzählte ihm alles, er versprach mir, sein möglichstes in dieser Sache zu tun. Er fuhr um ein Uhr nach Nymphenburg und versprach mir, mit S. Kurfürstlichen Durchlaucht der Kurfürstin gewiß zu sprechen. Sonntag abends kommt der Hof herein ...

Herr Johannes Krönner ist Vizekonzertmeister deklariert worden und das durch eine grobe Red. Er hat zwei Sinfonien ( Dio mene liberi) von seiner Komposition produziert. Der Kurfürst fragt ihn: »Hast Du das wirklich komponiert?« – »Ja, Euer Kurfürstliche Durchlaucht.« – »Von wem hast Dus gelernt?« – »Von einem Schulmeister in der Schweiz. Man macht soviel aus der Komposition. Dieser Schulmeister hat mir doch mehr gesagt, als alle unsere Compositeurs hier mir sagen könnten.« Heut ist der Graf Schönborn und seine Gemahlin, die Schwester des Erzbischofs, angelanget. Ich war just in der Komödie. Herr Albert sagte im Diskurs, daß ich hier seie, und erzählte ihm, daß ich aus den Diensten bin. Er und sie haben sich verwundert, sie haben ihm absolument nicht glauben wollen, daß ich 12 Fl. 30 Kr. seligen Angedenkens gehabt habe! Sie wechselten nur Post, sie hätten mich gern gesprochen, ich traf sie aber nicht mehr an. Jetzt aber bitt ich, daß ich nach Ihren Umständen und Ihrer Gesundheit mich erkundigen darf. Ich hoffe, wie auch meine Mama, daß sich beide recht wohl befinden. Ich bin immer in meinem schönsten Humor: mir ist so federleicht ums Herz, seitdem ich von dieser Chicane weg bin! Ich bin auch schon fetter ... Meine Schwester die Canaglie umarme ich.

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