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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 18
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wasserburg, 23. September 1777.

undecima hora nocte tempore.

Mon très cher père!

Wir sind, Gott Lob und Dank, glücklich zu Waging, Stein, Frabertsham und Wasserburg ankommen. Nun eine kleine Reis'beschreibung. Gleich als wir zum Tor kamen, mußten wir fast eine Viertelstund warten, bis uns das Tor ganz aufgemacht wurde; dann man war im Arbeiten. Vor Schinn begegneten wir eine Anzahl Kühe, worunter eine merkwürdig war, dann sie war einseitig, welches wir noch niemal gesehen haben. Zu Schinn endlich sahen wir einen Wagen, welcher still stunde, und Ecce – unser Postillion rief alsogleich: »Da müssen wir wechseln.« – »Meintwegen!« sprach ich. Meine Mama und ich parlierten, als ein dicker Herr an Wagen kam, dessen Sinfonie mir sogleich bekannt war; es war ein Kaufmann von Memmingen. Er betrachtet mich eine gute Weile; endlich sagt er: »Sie sind ja der Herr Mozart?« – »Zu dienen, ich kenne Sie auch, aber Ihren Namen nicht; ich habe Sie vor einem Jahr in Mirabell bei der Musik gesehen.« Darauf entdeckte er mir seinen Namen, den ich aber, Gott Lob und Dank, vergessen habe. Doch behielte ich aber einen vielleicht wichtigeren. Er hatte damals, als ich ihn in Salzburg gesehen, einen jungen Menschen bei sich und nun einen Bruder dieses jungen Menschen, welcher von Memmingen ist und sich Herr von Unhold schreibt; dieser junge Herr bat mich recht, ich möchte doch, wenns möglich ist, nach Memmingen kommen. Wir gaben diesen Herren hunderttausend Komplimenten an Papa und meine Schwester die Canaglie auf. Sie versprachen uns auch, daß sie selbe gewiß ausrichten werden. Dies Postwechseln war mir sehr ungelegen, dann ich hätte dem Postillion gern von Waging aus einen Brief mitgegeben. Nun hatten wir die Ehre (nachdem wir zu Waging ein wenig geessen hatten), von den nämlichen Pferden fortgezogen zu werden, mit welchen wir schon anderthalb Stund bis Stein gefahren sind. Zu Waging war ich allein auf einen Augenblick bei dem Herrn Pfarrer. Er machte große Augen; er wußte von unsrer ganzen Histori nichts. Von Stein fuhren wir mit einem Postillion, der ein ganz erschröcklicher Phlegmatikus war, NB. im Fahren. Wir glaubten nicht mehr auf die Post zu kommen. Endlich kamen wir doch an (meine Mama schläft schon halb), NB. weil ich dieses schreibe. Von Frabertsham bis Wasserburg ging alles ganz gut. Viviamo come i principiuns gehet nichts ab als der Papa. Je nu, Gott wills so haben. Es wird noch alles gut gehen. Ich hoffe, der Papa wird wohlauf sein und so vergnügt wie ich. Ich gebe mich ganz gut drein. Ich bin der anderte Papa, ich gib auf alles acht und habe mir auch gleich ausgebeten, die Postillionen auszuzahlen, dann ich kann doch mit die Kerls besser sprechen als die Mama. Zu Wasserburg beim Stern ist man unvergleichlich bedienet. Ich sitze da wie ein Prinz. Vor einer halben Stund (meine Mama war just auf dem H...l) klopfte der Hausknecht an und fragte sich um allerlei Sachen an, und ich antwortete ihm mit aller meiner Ernsthaftigkeit, wie ich im Porträt bin. Ich muß schließen. Meine Mama ist schon völlig ausgezogen. Wir bitten alle zwei, der Papa möchte Achtung geben auf seine Gesundheit, nicht zu früh ausgehen, sich nicht selbst Verdruß machen, brav lachen und lustig sein und allzeit mit Freuden, wie wir gedenken, daß der Mufti H. C. ein Schwanz, Gott aber mitleidig, barmherzig und liebreich seie. Ich küsse dem Papa zu tausendmal die Hände und umarme meine Schwester Canaglie so oft, als ich heut schon – Tobak genommen habe ... Ich glaube, ich habe zu Haus meine Dekreter vergessen. Ich bitte, mir selbe in Bälde zu schicken. ... Die Feder ist grob, und ich bin nicht höflich.

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