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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 151
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Dresden, 16. April 1789.

Nachts um halb zwölf Uhr.

Liebstes, bestes Weibchen!

Wie? noch in Dresden? Ja, meine Liebe; ich will Dir alles haarklein erzählen. Montags den 13., nachdem wir bei Neumanns Frühstück genommen hatten, gingen wir alle nach Hof in die Kapelle; die Messe war vom Naumann (welcher sie selbst dirigierte), sehr mittelmäßig. Wir waren in einem oratoire der Musik gegenüber; auf einmal stupfte mich Neumann und führte mich dem Herrn von König, welcher Directeur des plaisirs (der traurigen kurfürstlichen plaisirs) ist. Er war außerordentlich artig, und auf die Frage, ob ich mich nicht wollte bei S. Durchlaucht hören lassen, antwortete ich, daß es mir zwar eine Gnade seie, ich mich aber, da ich nicht von mir allein abhänge, nicht aufhalten kann. So blieb es. Mein fürstlicher Reisegefährte lud die Neumannschen samt Duschek zu Mittage; unter dem Essen kam die Nachricht, daß ich den folgenden Tag, als Dienstag den 14., abends um halb sechs Uhr bei Hofe spielen sollte. Das ist ganz was Außerordentliches für hier; dann hier kommt man sonst schwer zu Gehör, und Du weißt, daß ich gar keine Gedanken auf hier hatte. Wir hatten bei uns à l'hôtel de Pologne ein Quartett arrangiert. Wir machten es in der Kapelle mit Antoine Teyber (welcher, wie Du weißt, hier Organist ist) und mit Herrn Kraft (Violincellist vom Fürst Esterhazy), welcher mit seinem Sohne hier ist, aus; ich gab bei dieser kleinen Musik das Trio, welches ich Herrn von Puchberg schrieb; es wurde so ganz hörbar exekutiert. Duschek sang eine Menge von Figaro und Don Juan. Des andern Tages spielte ich bei Hofe das neue Konzert in D; folgenden Tags, Mittwochs den 15. vormittag, erhielt ich eine recht schöne Dose; wir speisten dann beim russischen Gesandten, allwo ich viel spielte. Nach Tisch wurde ausgemacht, auf eine Orgel zu gehen; um vier Uhr fuhren wir hin; Naumann war auch da. Nun mußt Du wissen, daß hier ein gewisser Häßler (Organist von Erfurt) ist; dieser war auch da; er ist ein Schüler von einem Schüler vom Bach; seine Force ist die Orgel und das Klavier (Klavichord). Nun glauben die Leute hier, weil ich von Wien komme, daß ich diesen Geschmack und diese Art zu spielen gar nicht kenne. Ich setzte mich also zur Orgel und spielte. Der Fürst Lichnowsky (weil er Häßler gut kennt) beredet ihn mit vieler Mühe auch zu spielen. Die Force von diesem Häßler besteht auf der Orgel in Füßen, welches, weil hier die Pedale stufenweise gehen, eben keine so große Kunst ist; übrigens hat er nur Harmonie und Modulationen vom alten Sebastian Bach auswendig gelernt und ist nicht imstande, eine Fuge ordentlich auszuführen, und hat kein solides Spiel, ist folglich noch lange kein Albrechtsberger. Nach diesem wurde beschlossen, noch einmal zum russischen Gesandten zu gehen, damit mich Häßler auf dem Fortepiano hört. Häßler spielte auch. Auf dem Fortepiano finde ich nun die Auernhammer ebenso stark; Du kannst Dir nun vorstellen, daß seine Schale ziemlich sank... Nach der Opera gingen wir nach Hause. Nun kömmt der glücklichste Augenblick für mich; ich fand einen so lange mit heißer Sehnsucht gewunschenen Brief von Dir, Liebste, Beste! Duschek und Neumanns waren wie gewöhnlich da; ich ging gleich im Triumphe in mein Zimmer, küßte den Brief unzählige Male, ehe ich ihn erbrach, dann verschlang ich ihn mehr, als ich ihn las. Ich blieb lange in meinem Zimmer, dann ich konnte ihn nicht oft genug lesen, nicht oft genug küssen; als ich wieder zur Gesellschaft kam, fragten mich Neumanns, ob ich einen Brief erhalten hätte, und auf meine Bejahung gratulierten sie mir alle herzlich dazu, weil ich täglich darüber klagte, daß ich noch keine Nachricht hätte. Die Neumannschen sind herrliche Leute. Nun über Deinen lieben Brief, dann die Fortsetzung meines hiesigen Aufenthaltes bis zur Abreise wird nächstens folgen.

Liebes Weibchen, ich habe eine Menge Bitten an Dich.

1. bitte ich Dich, daß Du nicht traurig bist;

2. daß Du auf Deine Gesundheit achtest und der Frühlingsluft nicht trauest;

3. daß Du nicht allein zu Fuße, am liebsten aber gar nicht zu Fuße ausgehest;

4. daß Du meiner Liebe ganz versichert sein sollst; keinen Brief habe ich Dir noch geschrieben, wo ich nicht Dein liebes Porträt vor meiner gestellt hätte;

5. bitte ich Dich, nicht allein auf Deine und meine Ehre in Deinem Betragen Rücksicht zu nehmen, sondern auch auf den Schein. Sei nicht böse auf diese Bitte. Du mußt mich ebendeshalb noch mehr lieben, weil ich auf Ehre halte;

6. et ultimo bitte ich Dich, in Deinen Briefen ausführlicher zu sein. Ich möchte gern wissen, ob Schwager Hofer den Tag nach meiner Abreise gekommen ist, ob er öfters kömmt, so wie er mir versprochen hat, ob die Langischen bisweilen kommen, ob an dem Porträt fortgearbeitet wird, wie Deine Lebensart ist; lauter Dinge, die mich natürlicherweise sehr interessieren.

Nun lebe wohl, Liebste, Beste! Denke, daß ich alle Nacht, ehe ich ins Bett gehe, eine gute halbe Stunde mit Deinem Porträt spreche, und so auch beim Erwachen. Übermorgen, den 18., gehn wir ab; Du schreibst nun immer nach Berlin poste restante.

O Stru! Stri! ich küsse und drücke Dich 1 095 060 437 082 mal (hier kannst Du Dich im Aussprechen üben) und bin ewig Dein treuester Gatte und Freund ...

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