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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 150
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Dresden, 13. April 1789.

Um sieben Uhr früh.

Liebstes, bestes Weibchen!

Wir glaubten Samstags nach Tisch in Dresden zu sein, kamen aber erst gestern, Sonntags, um sechs Uhr abends an; so schlecht sind die Wege. Ich ging gestern noch zu Neumanns, wo Madame Duschek wohnt, um ihr den Brief von ihrem Manne zu übergeben. Es ist im dritten Stock auf dem Gange, und man sieht vom Zimmer jeden, der kömmt; als ich an die Tür kam, war schon Herr Neumann da und fragte mich, mit wem er die Ehre hätte zu sprechen. Ich antwortete: »Gleich werde ich sagen, wer ich bin; nur haben Sie die Güte, Madame Duschek herausrufen zu lassen, damit mein Spaß nicht verdorben wird.« In diesem Augenblicke stund aber schon Madame Duschek vor meiner, dann sie erkannte mich vom Fenster aus und sagte gleich: »Da kömmt jemand, der aussieht wie Mozart.« Nun war alles voller Freude. Die Gesellschaft war groß und bestund meistens aus lauter häßlichen Frauenzimmern, aber sie ersetzten den Mangel der Schönheit durch Artigkeit. Heut geht der Fürst und ich zum Frühstück hin, dann zu Naumann, dann in die Kapelle. Wir werden morgen oder übermorgen von hier nach Leipzig gehen. Nach Empfang dieses Briefes mußt Du schon nach Berlin poste restante schreiben. Ich hoffe, Du wirst mein Schreiben von Prag richtig erhalten haben. Neumanns lassen sich alle Dir samt Duscheks empfehlen, wie auch dem Herrn und Frau Schwägerin Langens.

Liebstes Weibchen, hätte ich doch auch schon einen Brief von Dir! Wenn ich Dir alles erzählen wollte, was ich mit Deinem lieben Porträt anfange, würdest du wohl recht lachen. Zum Beispiel, wenn ich es aus seinem Arrest herausnehme, so sage ich: »Grüß Dich Gott, Stanzerl! grüß Dich Gott, Spitzbub! Knallerballer! Spitzignas! Bagatellerl! schluck und druck!« Und wenn ich es wieder hineintue, so lasse ich es so nach und nach hinunterrutschen und sage immer: »Nu – Nu – Nu – Nu!«, aber mit dem gewissen Nachdruck, den dieses so vielbedeutende Wort erfordert, und bei dem letzten Schneller: »Gute Nacht, Mauserl, schlaf gesund!« Nun glaube ich so ziemlich was Dummes (für die Welt wenigstens) hingeschrieben zu haben, für uns aber, die wir uns so innig lieben, ist es gewiß nicht dumm. Heute ist der sechste Tag, daß ich von Dir weg bin, und bei Gott, mir scheint es schon ein Jahr zu sein. Du wirst wohl oft Mühe haben, meinen Brief zu lesen, weil ich in Eil und folglich etwas schlecht schreibe. Adieu, liebe Einzige! Der Wagen ist da, da heißt es nicht: bravo und der Nagen ist auch schon da, sondern male! Lebe wohl und liebe mich ewig so wie ich Dich; ich küsse Dich millionenmal auf das zärtlichste und bin ewig Dein Dich zärtlich liebender Gatte.

P.S. Wie führt sich unser Karl auf? Ich hoffe gut. Küsse ihn statt meiner. An Herrn und Frau von Puchberg alles Schöne. NB. Du mußt in Deinen Briefen nicht das Maß nach den meinigen nehmen; bei mir fallen sie nur deswegen etwas kurz aus, weil ich pressiert bin, sonst würde ich einen ganzen Bogen überschreiben; Du hast aber mehr Muße. Adieu.

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