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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 148
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 27. Juni 1788.

Verehrungswürdigster Ordensbruder!

Liebster, bester Freund!

Ich habe immer geglaubt, dieser Tagen selbst in die Stadt zu kommen, um mich bei Ihnen wegen Ihrer mir bewiesenen Freundschaft mündlich bedanken zu können. Nun hätte ich aber nicht einmal das Herz vor Ihnen zu erscheinen, da ich gezwungen bin, Ihnen frei zu gestehen, daß ich Ihnen das mir Geliehene ohnmöglich so bald zurückzahlen kann, und Sie ersuchen muß, mit mir Geduld zu haben. Daß die Umstände dermalen so sind, und Sie mich nach meinem Wunsch nicht unterstützen können, macht mir viele Sorgen. Meine Lage ist so, daß ich unumgänglich benötiget bin, Geld aufzunehmen. Aber Gott, wem soll ich mich vertrauen? Niemandem als Ihnen, mein Bester! Wenn Sie mir nur wenigstens die Freundschaft tun wollen, mir durch einen andern Weg Geld zu verschaffen! Ich zahle ja gerne die Interessen, und derjenige, der mir lehnt, ist ja durch meinen Charakter und meine Besoldung, glaub ich, gesichert genug. Es tut mir leid genug, daß ich in diesem Falle bin, ebendeswegen wünschte ich aber eine etwas ansehnliche Summe auf einen etwas längeren Termin zu haben, um einem solchen Falle vorbeugen zu können. Wenn Sie, liebster Bruder, mir in dieser meiner Lage nicht helfen, so verliere ich meine Ehre und Kredit, welches das einzige ist, was ich zu erhalten wünsche. Ich baue aber ganz auf Ihre echte Freundschaft und Bruderliebe und erwarte zuversichtlich, daß Sie mir mit Rat und Tat an die Hand gehen werden. Wenn mein Wunsch in Erfüllung geht, so kann ich frei Odem schöpfen, weil ich dann imstande sein werde, mich in Ordnung zu bringen und mich darinnen zu erhalten. Kommen Sie doch zu mir und besuchen Sie mich, ich bin immer zu Hause. Ich habe in den zehn Tagen, daß ich hier wohne, mehr gearbeitet als im andern Logis die zwei Monat, und kämen mir nicht so oft so schwarze Gedanken (die ich mir mit Gewalt ausschlagen muß), würde es mir noch besser vonstatten gehen, dann ich wohne angenehm, bequem und wohlfeil. Ich will Sie nicht länger mit meinem Gewäsch aufhalten, sondern schweigen und hoffen...

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