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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 147
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Prag, 4. November 1787.

Liebster, bester Freund!

Ich hoffe, Sie werden mein Schreiben erhalten haben. Den 29. Oktober ging meine Opera Don Giovanni in scena und zwar mit dem lautesten Beifall. Gestern wurde sie zum vierten Mal (und zwar zu meinem Benefize) aufgeführt. Ich gedenke den 12. oder 13. von hier abzureisen, bei meiner Zurückkunft sollen Sie also die Aria gleich zu singen bekommen. NB. unter uns! Ich wollte meinen guten Freunden (besonders Bridi und Ihnen) wünschen, daß Sie nur einen einzigen Abend hier wären, um Anteil an meinem Vergnügen zu nehmen. Vielleicht wird sie doch in Wien aufgeführt? Ich wünsche es. Man wendet hier alles mögliche an, um mich zu bereden, ein paar Monate noch hierzubleiben und noch eine Opera zu schreiben; ich kann aber diesen Antrag, so schmeichelhaft er ist, nicht annehmen.

Nun, liebster Freund, wie befinden Sie sich? Ich hoffe, daß Sie sich alle so wohl und gesund befinden mögen wie wir; am Vergnügtsein kann es Ihnen, liebster Freund, wohl nicht fehlen, da Sie alles besitzen, was Sie sich in Ihren Jahren und in Ihrer Lage nur wünschen können, besonders da Sie nun von Ihrer vorigen, etwas unruhigen Lebensart ganz zurückzukommen scheinen. Nicht wahr, Sie werden täglich mehr von der Wahrheit meiner kleinen Strafpredigten überzeugt? Ist das Vergnügen einer flatterhaften, launigten Liebe nicht himmelweit von der Seligkeit unterschieden, welche eine wahrhafte, vernünftige Liebe verschafft? Sie danken mir wohl gar öfters so in Ihrem Herzen für meine Belehrungen! Sie werden mich noch ganz stolz machen! Doch ohne allen Spaß, Sie sind mir doch im Grunde ein bißchen Dank schuldig, wenn Sie anderst der Fräulein N. würdig geworden sind; dann ich spielte doch bei Ihrer Besserung oder Bekehrung gewiß nicht die unbedeutendste Rolle.

Mein Urgroßvater pflegte seiner Frauen, meiner Urgroßmutter, diese ihrer Tochter, meiner Großmutter, diese wieder ihrer Tochter, meiner Mutter, diese abermal ihrer Tochter, meiner leiblichen Schwester, zu sagen, daß es eine sehr große Kunst sei, wohl und schön zu reden, aber vielleicht eine nicht minder große, zur rechten Zeit aufzuhören. Ich will also dem Rat meiner Schwester dank unserer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter folgen und nicht nur meiner moralischen Ausschweifung, sondern meinem ganzen Brief ein Ende machen ...

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