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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 126
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 17. August 1782.

Ich habe letzthin vergessen, Ihnen zu schreiben, daß meine Frau und ich zusammen am Portiunkulatage bei den Theatinern unsere Andacht verrichtet haben. Wenn uns auch wirklich die Andacht nicht dazu getrieben hätte, so mußten wir es der Zettel wegen tun, ohne welche wir nicht hätten kopuliert werden können. Wir sind auch schon eine geraume Zeit lediger allzeit mitsammen sowohl in die heilige Messe als zum Beichten und Kommunizieren gegangen, und ich habe gefunden, daß ich niemalen so kräftig gebetet, so andächtig gebeichtet und kommuniziert hatte als an ihrer Seite; und so ging es ihr auch. Mit einem Worte, wir sind füreinander geschaffen, und Gott, der alles anordnet und folglich dieses auch also gefüget hat, wird uns nicht verlassen. Wir beide danken Ihnen auf das gehorsamste für Ihren väterlichen Segen. Sie werden hoffentlich unterdessen den Brief von der Meinigen erhalten haben.

Wegen dem Gluck habe den nämlichen Gedanken, den Sie, mein liebster Vater, mir geschrieben; nur will ich Ihnen noch etwas sagen. Die Herren Wiener (worunter aber hauptsächlich der Kaiser verstanden ist) sollen nur nicht glauben, daß ich wegen Wien allein auf der Welt seie. Keinem Monarchen in der Welt diene ich lieber als dem Kaiser, aber erbetteln will ich keinen Dienst. Ich glaube so viel imstande zu sein, daß ich jedem Hofe Ehre machen werde. Will mich Teutschland, mein geliebtes Vaterland, worauf ich (wie Sie wissen) stolz bin, nicht aufnehmen, so muß in Gottes Namen Frankreich oder England wieder um einen geschickten Teutschen mehr reich werden, und das zur Schande der teutschen Nation. Sie wissen wohl, daß fast in allen Künsten immer die Teutschen diejenigen waren, welche exzellierten. Wo fanden sie aber ihr Glück? wo ihren Ruhm? In Teutschland wohl gewiß nicht! Selbst Gluck, hat ihn Teutschland zu diesem großen Mann gemacht? Leider nicht! Gräfin Thun, Graf Zichy, Baron van Swieten, selbst der Fürst Kaunitz ist deswegen mit dem Kaiser sehr unzufrieden, daß er nicht mehr die Leute von Talent schätzt und sie aus seinem Gebiet läßt. Letzterer sagte jüngsthin zum Erzherzog Maximilian, als die Rede von mir war, daß solche Leute nur alle hundert Jahr auf die Welt kämen, und solche Leute müsse man nicht aus Teutschland treiben, besonders wenn man so glücklich ist, sie wirklich in der Residenzstadt zu besitzen. Sie können gar nicht glauben, wie gütig und höflich der Fürst Kaunitz mit mir war, als ich bei ihm war; zuletzt sagte er noch: »Ich bin Ihnen verbunden, mein lieber Mozart, daß Sie sich die Mühe gegeben haben, mich zu besuchen« usw. Sie können auch nicht glauben, was sich die Gräfin Thun, Baron van Swieten und andere Große für Mühe geben, mich hierzubehalten; allein ich kann auch nicht solange warten und will auch wirklich nicht so auf Barmherzigkeit warten, finde, daß ich eben auch (wenn es schon der Kaiser ist) seine Gnade nicht so vonnöten habe. Mein Gedanke ist, künftige Fasten nach Paris zu gehen, versteht sich nicht ganz so auf Geratewohl. Ich habe deswegen schon an Le Gros geschrieben und erwarte Antwort. Hier habe es auch, besonders den Großen, so im Diskurs gesagt. Sie wissen wohl, daß man öfters im Reden so was hinwerfen kann, welches mehr Wirkung tut, als wenn man es so diktatorisch hindeklamiert. Wenn ich mich zu dem Concert spirituel und Concert des amateurs engagieren kann, und dann Skolaren bleiben mir nicht aus, und da ich itzt eine Frau habe, kann ich sie leichter und fleißiger versehen; dann mit der Komposition usw.; und hauptsächlich aber ist es mir wegen der Opera. Ich habe mich die Zeit her täglich in der französischen Sprache geübt und nun schon drei Lektionen im Englischen genommen. In drei Monaten hoffe ich so ganz passabel die engländischen Bücher lesen und verstehen zu können.

Nun leben Sie recht wohl ...

Allerliebste, Allerbeste, Allerschönste,

Vergoldete, versilberte und verzuckerte,

Werteste und schätzbarste

Gnädige Frau

Baronin!

Hier habe ich die Ehre, Ew. Gnaden das bewußte Rondeau samt den zwei Teilen von den Komedien und dem Bändchen Erzählungen zu schicken. Ich habe gestern einen großen Bock geschossen! Es war mir immer, als hätte ich noch etwas zu sagen, allein meinem dummen Schädel wollte es nicht einfallen! Und das war, mich zu bedanken, daß sich Ew. Gnaden gleich soviel Mühe wegen dem schönen Frack gegeben, und für die Gnade, mir solch einen zu versprechen! Allein mir fiel es nicht ein; wie dies dann mein gewöhnlicher Fall ist. Mich reuet es auch oft, daß ich nicht anstatt der Musik die Baukunst erlernt habe; dann ich habe öfters gehört, daß derjenige der beste Baumeister seie, dem nichts einfällt. Ich kann wohl sagen, daß ich ein recht glücklicher und unglücklicher Mensch bin! Unglücklich seit der Zeit, da ich Ew. Gnaden so schön frisiert auf dem Ball sah! dann meine ganze Ruhe ist nun verloren! Nichts als Seufzen und Ächzen! Die übrige Zeit, die ich noch auf dem Ball zubrachte, konnte ich nichts mehr tanzen, sondern sprang; das Souper war schon bestellt: ich aß nicht, sondern ich fraß. Die Nacht durch, anstatt ruhig und sanft zu schlummern, schlief ich wie ein Ratz und schnarchte wie ein Bär, und ohne mir viel darauf einzubilden, wollte ich fast darauf wetten, daß es Ew. Gnaden á proportion eben auch so ging! Sie lächeln? werden rot? O ja, ich bin glücklich! mein Glück ist gemacht! Doch ach! wer schlägt mich auf die Achseln? wer guckt mir in mein Schreiben? Auweh, auweh, auweh! mein Weib! Nun in Gottes Namen, ich hab sie einmal und muß sie behalten! Was ist zu tun? Ich muß sie loben und mir einbilden, es seie wahr! Glücklich bin ich, weil ich keine Auernhammer brauche, um Ew. Gnaden zu schreiben wie Herr von Taisen, oder wie er heißt (ich wollte, er hätte gar keinen Namen!), dann ich hatte an Ew. Gnaden selbst etwas zu schicken. Und auch außer diesem hätte ich Ursach gehabt, Ew. Gnaden zu schreiben; doch das traue ich mir in der Tat nicht zu sagen; doch warum nicht? Also Courage! Ich möchte Ew. Gnaden bitten, daß – pfui Teufel, das wäre grob! Apropos, kennen Ew. Gnaden das Liedchen nicht?

Ein Frauenzimmer und ein Bier,
Wie reimt sich das zusamm?
Das Frauenzimmer besitzt ein Bier,
Davon schickt sie ein Blutzer mir;
So reimt es sich zusamm.

Nicht wahr, das hätte ich recht fein angebracht? Nun aber senza burle! Wenn mir Ew. Gnaden auf heute abends einen Blutzer zukommen lassen könnten, so würden Sie mir wohl eine große Gnade erweisen. Dann meine Frau ist – ist – ist und hat Gelüste und aber nur zu einem Bier, welches auf englische Art zugerichtet ist. Nun brav, Weiberl! Ich sehe endlich, daß du doch zu etwas nütze bist! Meine Frau, die ein Engel von einem Weibe ist, und ich, der ein Muster von einem Ehemann bin, küssen beide Ew. Gnaden tausendmal die Hände und sind ewig Dero getreue Vasallen

Mozart, magnus, corpore parvus,
et Constantia, omnium uxorum pulcherrima et prudentissima.

Wien, 2. Oktober 1782.

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