Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Wolfgang Amadeus Mozart >

Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 116
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
Schließen

Navigation:

Wien, 23. Jenner 1782.

Es ist nichts Unangenehmers, als wenn man so in Ungewißheit, ohne zu wissen, was geschieht, leben muß. So ist nun dermalen mein Fall in betreff meiner Akademie und eines jeden, der eine zu geben willens ist. Der Kaiser war schon verflossenes Jahr gesonnen, die ganze Fasten durch mit den Schauspielen fortzufahren. Vielleicht geschieht es diesmal. Basta! Wenigstens bin ich doch des Tages versichert (wenn nicht gespielt wird), nämlich des dritten Sonntags in der Fasten. Wenn ich es nur vierzehn Täge vorher gewiß weiß, dann bin ich zufrieden; dann sonst ist mein ganzes Konzept verruckt, oder ich muß mich umsonst in Unkösten setzen. Die Gräfin Thun, Adamberger und andere gute Freunde raten mir, ich soll aus meiner Münchner Oper die besten Sachen herausziehen und sie alsdann im Theater aufführen und nichts als ein Konzert und zuletzt eine Phantasie spielen. Ich habe es auch schon im Sinne gehabt, und nun bin ich ganz dazu entschlossen, besonders weil Clementi auch eine Akademie geben wird. Da Hab ich folglich schon einen kleinen Avantage über ihn, besonders da ich es vielleicht zweimal geben kann ...

Nun will ich Ihnen wegen dem wenigen Gewissen meine Meinung sagen. Ich habe hier auf dreierlei Sachen mein Augenmerk. Das erste ist nicht gewiß, und wenn auch, vermutlich nicht viel; das zweite wäre das Beste, aber Gott weiß, ob es geschieht, und das dritte wäre nicht zu verachten, nur schade, daß es nur das Futurum und nicht das Präsens sein könnte. Das erste ist der junge Fürst Liechtenstein (er will es aber noch nicht wissen lassen). Dieser will eine Harmoniemusik aufnehmen, zu welcher ich die Stücke setzen soll; da würde freilich nicht viel ausfallen, doch wenigstens wäre es etwas Sicheres, und ich würde den Akkord niemalen anderst als lebenslänglich eingehen. Das zweite (welches aber bei mir das erste ist) ist der Kaiser selbst. Wer weiß, ich will mit Herrn von Strack davon reden; ich zweifle nicht, daß er das Seinige gewiß dabei tun wird, dann er zeigt einen recht guten Freund von mir; doch ist den Hofschranzen niemalen zu trauen. Die Rede des Kaisers gegen mich hat mir einige Hoffnung eingeflößt. Große Herren hören dergleichen Reden nicht gerne, geschweige daß sie selbst solche führen sollten; sie müssen immer einen Metzgerstich erwarten, und dergleichen Sachen wissen sie sonst hübsch auszuweichen. Das dritte ist der Erzherzog Maximilian. Bei diesem kann ich sagen, daß ich alles gelte; er streicht mich bei allen Gelegenheiten hervor, und ich wollte fast gewiß sagen können, daß, wenn er schon Kurfürst von Köln wäre, ich auch schon sein Kapellmeister wäre. Nur schade, daß solche Herren nichts im voraus tun wollen! Das simple Versprechen getrauete ich mir schon herauszulocken, allein was hilft mir das für itzt? Bares Geld ist besser. Liebster, bester Vater! wenn ich von unserm lieben Gott schriftlich haben könnte, daß ich gesund bleibe und nicht krank sein werde, o, so wollt ich mein liebes, treues Mädchen noch heute heiraten. Ich habe nun drei Skolarinnen. Da komm ich den Monat auf achtzehn Dukaten; dann ich mache es nicht mehr mit zwölf Lektionen, sondern monatlich. Ich habe mit Schaden erfahren, daß sie oft ganze Wochen ausgesetzt; nun aber, mögen sie lernen oder nicht, so muß mir jede sechs Dukaten geben. Auf diese Art will ich noch mehrere bekommen, doch brauch ich nur noch eine; mit vier habe ich genug, das macht vierundzwanzig Dukaten, das sind hundertundzwei Fl. und vierundzwanzig Kr. Mit diesem kann man hier mit einer Frau (still und ruhig, wie wir zu leben wünschen) schon auskommen; allein wenn ich krank werde, so haben wir keinen Kreuzer einzunehmen. Ich kann freilich das Jahr wenigstens eine Opera schreiben, ich kann alle Jahr eine Akademie geben, ich kann Sachen stechen lassen, Sachen mit Souscription herausgeben; es gibt auch andere bezahlte Akademien, besonders wenn man lange in einem Orte ist und schon Kredit hat. Solche Sachen wünschte ich mir aber nur als Akzidentien und nicht als Notwendigkeiten zu betrachten; doch wenn es nicht geht, so muß es brechen, und ich wage es ehender auf diese Art, als daß ich lange warten sollte. Mit mir kann es nicht schlechter, sondern es muß immer besser gehen. Warum ich aber nicht mehr lange warten kann, ist nicht allein meinetwegen, sondern hauptsächlich ihretwegen: ich muß sie sobald möglich erretten, davon werde ich Ihnen im nächsten Brief schreiben ...

 << Kapitel 115  Kapitel 117 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.