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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 111
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 5. Dezember 1781.

Heute habe ich keinen Brief von Ihnen, ich will Ihnen also von Neuigkeiten schreiben, was ich weiß. Es gibt deren zwar wenige, und die wenigen sind meistens erlogen, und das ist eben die Ursach, warum ich Ihnen keine schreibe, weil ich fürchten muß, ich werde dabei zuschanden; wie zum Beispiel der General Laudon schon wirklich tot war und nun aber (Glück dem Haus Österreich!) wieder auferstanden ist. Der Großfürst bleibt bis Neujahr hier, und dem Kaiser ist es nun bange geworden, wie er ihn diese lange Zeit durch unterhalten könne. Damit er aber nicht viel Kopfzerbrechens hat, so unterhaltet er ihn gar nicht. Es ist ja genug, wenn er seine Frau unterhaltet, und dazu ist er allein genug. Auf dem Schönbrunner Ball war eine grausame Konfusion. Weil vermög der trefflichen Anstalten solches ohne Hexerei vorzusehen war, so ging auch der Herr Ego nicht darauf, weil er kein Liebhaber von Gedränge, Rippenstößen und Prügel ist, und sollten es auch kaiserliche sein. Der Kammerfourier Strobel hatte die Billetter auszuteilen; auf dreitausend Personen war der Antrag. Es wurde öffentlich kundgemacht, daß jedermann sich bei dem obengedachten Strobel könne aufschreiben lassen. Da ist nun alles hingelaufen, und der Strobel hat aufgeschrieben; und da durfte man dann nichts als um die Billetter schicken. Einigen, die zu bekannt sind, wurden sie ins Haus geschickt, und solche Kommission gab man dem nächstbesten Buben. Da geschah es, daß ein Bub auf der Treppe einen Vorbeigehenden fragte, ob er nicht so und so hieße. Dieser sagte aus Spaß ja, und er gab ihm ein Billett. Ich weiß zwei Häuser, welche dieser Unordnung wegen kein Billett bekommen haben. Sie waren aufgeschrieben, schickten hin, der Strobel ließ ihnen sagen, er hätte ihnen ja die Billetter längst geschickt. Auf diese Art war der Ball voll Friseurs und Stubenmädchens. Nun kömmt aber das Schönste, worüber sich die Noblesse sehr aufgehalten hat. Der Kaiser führte immer die Großfürstin am Arm, es waren zwei Partien Contredanse von der Noblesse, Römer und Tartaren. Bei einem von diesen geschahe es, daß der ohnehin schon unartige Wiener Pöbel sich so zudrängte, daß sie die Großfürstin dem Kaiser vom Arm weg mitten in die Tanzenden hineinstoßen. Der Kaiser fing an mit den Füßen zu stampfen, sakramentierte wie ein Lazzarone, stieß einen ganzen Haufen Volk zurück und holte links und rechts aus. Einige von der ungarischen Garde wollten allzeit mitgehen, um Platz zu machen, allein er schickte sie weg. Auf diese Art geschieht ihm recht; dann das geht nicht, Pöbel bleibt doch immer Pöbel.

Diesen Augenblick erhalte Ihr Schreiben vom 27. November. Das ist gewiß, daß der Kaiser dem Herzog von Württemberg entgegengefahren ist, und zwar der Prinzessin zulieb. Aus diesem macht auch kein Mensch hier einiges Geheimnis; nur weiß man nicht, ob das ein Brocken für ihn selbst oder für einen toskanischen Prinzen seie. Glaublicher ist das Letzte; allein der Kaiser ist mir gar zu zärtlich mit ihr, er küßt ihr ohnaufhörlich die Hände, eine nach der andern und öfters beide zugleich. Nur das wundert mich, weil sie sozusagen noch ein Kind ist. Wenn aber das wahr ist und geschieht, was man sagt, so glaub ich nun selbst wieder, daß ihm das Hemd näher ist als der Rock; dann sie soll zwei Jahr hier in einem Kloster bleiben, und vermutlich, wenns keine Hexen gibt, wird sie meine Skolarin auf dem Klavier sein ...

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