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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 105
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 3. September 1781.

Ich schreibe Ihnen nun in meinem neuen Zimmer, auf dem Graben Nr. 1175 im dritten Stock. Aus dem, wie Sie mein letztes Schreiben aufgenommen, sehe ich leider, daß Sie (als wenn ich ein Erzbösewicht oder ein Dalk oder beides zugleich wäre) mehr dem Geschwätze und Schreiberei anderer Leute trauen als mir und folglich gar kein Vertrauen auf mich setzen. Ich versichere Sie aber, daß mir dies alles gar nichts macht; die Leute mögen sich die Augen aus dem Kopfe schreiben, und Sie mögen ihnen Beifall geben, wie Sie wollen, so werde ich mich deswegen um kein Haar verändern und der nämliche ehrliche Kerl bleiben wie sonst. Und das schwöre ich Ihnen, daß, wenn nicht Sie es hätten haben wollen, daß ich ein anders Quartier nehmen sollte, ich gewiß nicht würde ausgezogen sein; dann es kömmt mir vor, als wenn einer von seinem eigenen kommoden Reisewagen sich in einen Postwagen setzte. Doch stille davon! dann es nützt doch nichts, dann die Faxen, die Gott weiß wer Ihnen in Kopf gesetzt hat, überwiegen doch immer meine Gründe. Nur das bitte ich Ihnen, wenn Sie mir etwas schreiben, das Ihnen an mir nicht recht ist oder das Sie glauben, daß es besser sein könnte, und ich schreibe Ihnen dann wieder meine Gedanken darüber, so halte ich es allzeit für etwas, das zwischen Vater und Sohn geredet ist, also ein Geheimnis und nicht als etwas, das andere auch wissen sollen. Mithin bitte ich Sie, lassen Sie es dann dabei bewenden und adressieren Sie nicht an andere Leute; dann bei Gott, andern Leuten gib ich nicht fingerlang Rechenschaft von meinem Tun und Lassen, und sollte es der Kaiser sein. Haben Sie immer Vertrauen auf mich, dann ich verdiene es. Ich habe Sorge und Kümmernis genug hier für meinen Unterhalt; verdrießliche Briefe zu lesen, ist dann gar keine Sache für mich. Ich habe vom Anfang, als ich hieherkam, von mir ganz allein leben müssen, was ich durch meine Bemühung habe erhalten können; die andern haben immer ihre Besoldung dabei gezogen. Ceccarelli hat mehr verdient als ich, hat sich aber hier brav ausgeleert; wenn ich es so gemacht hätte, so wäre ich gar nicht imstande gewesen zu quittieren. Daß Sie, mein liebster Vater, noch kein Geld von mir bekommen, ist gewiß meine Schuld nicht, sondern die dermalige üble Saison. Haben Sie nur Geduld, ich muß sie ja auch haben; ich werde Sie bei Gott nicht vergessen. Als die Histori mit dem Erzbischof war, schrieb ich um Kleider; ich hatte ja nichts bei mir als mein schwarzes Kleid. Die Trauer war aus, es wurde warm, die Kleider kamen nicht, ich mußte mir also machen lassen; wie ein Lump konnte ich nicht in Wien herumgehen, besonders in diesem Falle; meine Wäsche sah aus zum Erbarmen, kein Hausknecht hatte hier Hemden von so grober Leinwand, als ich sie hatte, und das ist gewiß das Abscheulichste an einem Mannsbild; mithin wieder Ausgaben! Ich hatte eine einzige Skolarin, die blieb mir drei Wochen aus, da verlor ich wieder dabei. Wegwerfen darf man sich nicht hier, das ist ein Hauptprinzipium, sonst hat man es auf immer verdorben. Wer am impertinentesten ist, der hat den Vorzug. Aus allen Ihren Briefen sehe ich, daß Sie glauben, daß ich nichts tue als mich hier amüsieren; da betrügen Sie sich wohl stark, ich kann wohl sagen, daß ich gar kein Vergnügen habe, gar keins als das einzige, daß ich nicht in Salzburg bin. Im Winter hoffe ich, daß alles gutgehen wird, und da werde ich Sie, bester Vater, gewiß nicht vergessen. Sehe ich, daß es guttut, so bleibe ich noch länger hier; wo nicht, so habe ich im Sinn, schnurgerade nach Paris zu gehen, und darüber bitte ich Sie um Ihre Meinung ...

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