Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Wolfgang Amadeus Mozart >

Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 102
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
Schließen

Navigation:

Wien, 25. Juli 1781.

Ich sage noch einmal, daß ich schon längst im Sinn gehabt, ein anders Logis zu nehmen, und das nur wegen dem Geschwätze der Leute, und mir ist leid, daß ich es wegen einer albernen Plauderei, woran kein wahres Wort ist, zu tun gezwungen bin. Ich möchte doch nur wissen, was gewisse Leute für Freud haben können, ohne allen Grund so im Tage hineinzureden. Weil ich bei ihnen wohne, so heirate ich die Tochter; von Verliebtsein war gar die Rede nicht, über das sind sie hinausgesprungen; sondern ich logiere mich ins Haus und heirate. Wenn ich mein Lebetag nicht aufs Heiraten gedacht habe, so ist es gewiß itzt, dann (ich wünsche mir zwar nichts weniger als eine reiche Frau) wenn ich itzt wirklich durch eine Heirat mein Glück machen könnte, so könnte ich ohnmöglich aufwarten, weil ich ganz andere Dinge im Kopf habe. Gott hat mir mein Talent nicht gegeben, damit ich es an eine Frau henke und damit mein junges Leben in Untätigkeit dahinlebe. Ich fange erst an zu leben und soll mir es selbst verbittern? Ich habe gewiß nichts über den Ehestand, aber für mich wäre er dermalen ein Übel. Nun, da ist kein ander Mittel, ich muß, wenn es schon nicht wahr ist, wenigstens den Schein vermeiden, obwohl der Schein an nichts anders beruht, als daß ich da wohne; dann wer nicht ins Haus kömmt, der kann nicht einmal sagen, daß ich mit ihr so viel Umgang habe wie mit allen andern Geschöpfen Gottes; dann die Kinder gehen selten aus, nirgends als in die Komödie, und da gehe ich niemalen mit, weil ich meistens nicht zu Hause bin zur Komödiestunde. Ein paarmal waren wir im Prater, und da war die Mutter auch mit, und ich, da ich im Hause bin, konnte es nicht abschlagen mitzugehen, und damals hörte ich noch keine solche Narrensreden. Da muß ich aber auch sagen, daß ich nichts als meinen Teil zahlen durfte, und da die Mutter solche Reden selbst gehört und auch von mir aus weiß, so muß ich sagen, daß sie selbst nicht mehr will, daß wir zusammen wohingehen sollen, und mir selbst geraten, wo änderst hinzuziehen, um fernere Verdrießlichkeiten zu vermeiden. Dann sie sagt, sie möchte nicht unschuldigerweise an meinem Unglücke schuld sein. Das ist also die einzige Ursach, warum ich schon längst (seitdem man so schwätzt) im Sinn gehabt, wegzuziehen, und insoweit Wahrheit gilt, habe ich keine, was aber die Mäuler anbelangt, habe ich Ursach; und wenn diese Reden nicht gingen, so würde ich schwerlich wegziehen, dann ich werde freilich leicht ein schöneres Zimmer bekommen, aber die Commodité und so freundschaftliche und gefällige Leute schwerlich. Ich will auch nicht sagen, daß ich im Hause mit der mir schon verheirateten Mademoiselle trotzig seie und nichts rede, aber verliebt auch nicht. Ich narriere und mache Spaß mit ihr, wenn es mir die Zeit zuläßt (und das ist nur abends, wenn ich zu Haus soupiere, dann morgens schreibe ich in meinem Zimmer, und nachmittags bin ich selten zu Hause), und also sonst weiter nichts. Wenn ich die alle heiraten müßt, mit denen ich gespaßt habe, so müßte ich leicht zweihundert Frauen haben...

 << Kapitel 101  Kapitel 103 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.