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Gutenberg > Jean Racine >

Mithridat

Jean Racine: Mithridat - Kapitel 6
Quellenangabe
typetragedy
booktitleRacine's ausgewählte Tragödien
authorJean Racine
yearca. 1890
translatorAdolf Laun
publisherBibliographisches Institut
addressLeipzig
titleMithridat
pages69
created20120227
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierter Aufzug.

Erster Auftritt.

Monimia. Phödime.

Monimia. Beim Himmel, Freundin, thu', was ich verlange;
Sieh, was es giebt, und sag' es mir sogleich.
Ich weiß nicht, aber ruhig bin ich nicht,
Und mancherlei Verdacht quält mir das Herz.
Warum noch zaudert Xiphares, wie kommt's,
Daß er die Wünsche, die sein Vater billigt,
Nicht gleich befriedigt? Mithridat, als er
Fortging, versprach, er wolle mir ihn senden;
Vielleicht verstellt' er sich! Ich hätte Nichts
Gestehen sollen. Hat er sich verstellt?
Und ich schloß ihm mein Innres auf! O Götter,
Ihr hättet mich in solcher Noth verlassen?
Hätt' ich in unbedachtem Liebeseifer
Der Rachsucht den Geliebten preisgegeben?
O Fürst, als lieberglüht du in mich drangst,
Dir mein Geheimniß zu enthüllen, ach,
Wie grausam hielt ich es vor dir zurück
Und ließ dich's büßen, als du's dennoch mir
Entrangst! Jetzt, wo dein Vater dir mißtraut,
Ja, wo dein Leben selbst gefährdet ist,
Da red' ich, lass' mich wie ein Kind bethören
Und zeig' ihm selber, wo dein Herz zu treffen. 215

Phödime. Gebieterin, sieh's doch nur richtig an,
Wie könnte bis zu solcher Arglist sich
Ein Mithridat erniedrigen? Wer zwang
Ihn denn zu solchem Umweg? Ohne Murren
Gingst du ja zum Altar ihm schon voraus.
Er sollte diesen Sohn verderben wollen,
Den er so zärtlich liebt? Bis jetzt entspricht,
Wie er gehandelt, dem, was er versprach.
Er sagte dir, ein wicht'ger Plan zwäng' ihn,
Dich morgen wider Willen zu verlassen,
Und das ist's, was allein ihn jetzt beschäftigt.
Die Reise zu beschleun'gen, ordnet er
Am Meeresstrande Alles selber an,
Die Schiffe nehmen rings die Truppen auf,
Und Xiphares ist überall bei ihm.
Verräth das eines Nebenbuhlers Groll,
Und widerspricht sein Handeln seinen Worten?

Monimia. Pharnazes doch, den er verhaften ließ,
Erfährt des Nebenbuhlers ganze Härte,
Wird Xiphares sie weniger empfinden?

Phödime. Pharnazes ist ihm nur der Römerfeind,
Da hat die Lieb' am Mißtraun keinen Theil.

Monimia. Wie gern lass' ich von dir mich überreden!
Dein tröstlich Wort beschwichtigt mich ein wenig,
Doch Xiphares erscheint noch immer nicht!

Phödime. O eitle Täuschung solcher Liebenden,
Nach deren Wunsch sich Alles richten soll.
Beim ersten Hinderniß gleich ungeduldig . . . .

Monimia. Phödime, ach, ich kann es noch nicht fassen, 216
Zwei kummervolle Jahre sind vergangen,
Und jetzt athm' ich zum ersten Male auf.
Geliebter Prinz, mit dir vereint zu sein!
Dein theures Leben hätt' ich nicht gefährdet?
Es dürften meine Ehr' und deine Pflicht
Nach langem Kampf sich dieser Liebe freun?
Daß ich dich liebe, dürft' ich jeden Tag
Dir wiederholen? Warum kommst du nicht?

 

Zweiter Auftritt.

Xiphares. Monimia. Phödime.

Monimia. In diesem Augenblick sprach ich von dir,
Ich sehnte mich, o Herr, dich hier zu sehn,
Um dir . . . .

Xiphares. Und jetzt muß ich dir Lebewohl . . . .

Monimia. Mir Lebewohl?

Xiphares. Ja und für's ganze Leben.

Monimia. Was hör' ich? Sagte man mir doch . . . O Götter,
Ich bin betrogen!

Xiphares. Ein versteckter Feind
Hat unser Einverständniß aufgespürt,
Der dich verräth und mich verderben will.
Der König, der noch kurz vorher Pharnazes
Nicht glauben wollte, weiß jetzt Alles, was
In unsren Herzen vorgeht. Er verstellt sich,
Ist freundlich gegen mich und schmeichelt mir,
Das, was er vorhat, schlau verbergend. Ich 217
Jedoch, an seiner Seite groß geworden,
Durchschau' nur allzu gut, was ihn bewegt,
Und les' in seinem Blick das Nahn der Rache.
Er treibt, er drängt und sendet Alle fort,
Die Mitgefühl mit meinem Unglück leicht
Zum Aufstand gegen ihn verleiten könnte.
Sein freundlich Wesen zeigte seine Arglist,
Auch hat Arbates meine Furcht bestätigt;
Er kam mir heimlich nah und sagte mir,
Im Auge Thränen: Man weiß Alles, flieh'!
Und zittern machte mich dies Wort um dich.
Das ist es, was allein mich zu dir führt;
Mir bangt um dich, und auf den Knien, o Fürstin,
Fleh' ich dich an. Gieb nach um deinetwillen,
Du bist in einer rauhen Hand, die vor
Dem Blut des Theuersten sogar nicht schaudert.
Du weißt nicht, bis zu welcher Grausamkeit
Die Eifersucht den König schon getrieben.
Vielleicht droht seine Wuth nur mir allein,
Vielleicht, indem er mich vernichtet, will
Er dich begnadigen. Benutz' es, Fürstin,
Benutz' es, bei den Göttern fleh' ich drum,
Und reiz' ihn nicht durch neue Weigerung.
Je wen'ger du ihn liebst, such' um so mehr
Ihm zu gefallen. Zwinge dich und such'
Dich zu verstellen, denk', daß er mein Vater!
O leb' und laß bei allem meinen Unglück
Dir meine Liebe Nichts als Thränen kosten!

Monimia. So hab' ich ins Verderben dich gestürzt!

Xiphares. O edele Monimia, klage dich
Des Leids nicht an, das mich befällt. O nein,
Nicht deine Huld allein ist's, die mir schadet,
Ich bin ein Armer, den sein Mißgeschick
Verfolgt. Es hat mir meines Vaters Freundschaft 218
Geraubt und mir zum Nebenbuhler ihn
Gegeben, meine Mutter stachelte
Es zur Empörung an und weckt den Feind
In dieser bösen Stund', uns zu verrathen.

Monimia. Und wie, du kennst ihn noch nicht, diesen Feind?

Xiphares. Ach nein, und das vermehrt noch meine Qual.
O könnt' ich sein verräth'risch Herz durchbohren,
Bevor ich selber mich dem Tode weihe!

Monimia. Nun, Herr, so lern' ihn kennen, suche nicht
Ihn anderswo, als hier. Sieh her, Ich bin's.
Triff mich, laß keine Schonung walten. Ich
Hab' dies gethan, und mich mußt du bestrafen.

Xiphares. Du?

Monimia. Wüßtest du, wie grausam hinterlistig
Er meine Schwäche zu bethören wußte
Und Lieb' und Freundschaft für dich heuchelte,
Wie gern in dir er meinen Gatten sah!
Wer hätt' ihm nicht geglaubt? Doch nein, ich durfte
Dich nicht preisgeben seiner falschen Güte,
Und dreimal von der Gottheit selbst gewarnt . . . .
O wär' ich dieser Stimme stets gefolgt,
O hätt' ich es vermocht zu schweigen! Ach,
Warum hab' ich nicht ferner dich geschont! warum
Lehnt' ich des Königs tückisches Geschenk
Nicht ab! Und mögest du mir auch verzeihn,
Ich will mich selbst dafür bestrafen.

Xiphares. Wie,
Du selbst, die Liebe war's, o Fürstin, die
Mich in Gefahr gebracht? Entsprang mein Unglück 219
So schönem Grund? Der Liebe Uebermaß
Hat das Geheimniß unsrer Lieb' enthüllt,
Und du beklagst, daß du mich glücklich machtest?
Was wünscht' ich mehr! Jetzt sterb' ich treu und glücklich,
Dich aber ruft dein Schicksal auf den Thron.
Nicht länger, Fürstin, widersetze dich
Und schließ' den Bund, der dich zu ihm erhebt.

Monimia. Wie, dem Barbaren, deß verhaßte Liebe
Uns ewig trennt, ihm soll ich mich verbinden?

Xiphares. Bedenk', noch heute Morgen wolltest du
Dich fügen und mich niemals wiedersehn.

Monimia. Ach, kannt' ich seine ganze Grausamkeit?
Soll ich, indem ich seine Wuth beschön'ge,
Wenn ich, von seinem Stahl durchbohrt, dich sehe,
Dem wilden Gatten zum Altare folgen?
Soll meine Hand in seine legen, die
Noch von dem Blute des Geliebten raucht?
O flieh' und rette dich vor seinem Grimm!
Verliere nicht die Zeit, indem du mich
Zu überreden suchst. Mir wird ein Gott
Einflößen, was ich soll. O Himmel, wenn
Er jetzt uns überraschte! Horch, man kommt.
Geh', eil', entschließe dich zu leben, warte
Zum mindsten ab, was mir mein Schicksal bringt.

 

Dritter Auftritt

Monimia. Phödime.

Phödime. Wie war sein Leben in Gefahr, o Fürstin!
Der König ist's! 220

Monimia. Eil', hilf ihm, sich verbergen!
Verlaß ihn nicht! Daß er nicht eh'r sein Schicksal
Entscheid', als bis er von dem meinen hört!

 

Vierter Auftritt.

Mithridat. Monimia.

Mithridat. Auf, Fürstin, auf! Geheime Gründe drängen,
Mich rasch aus diesem Ort zurückzuziehn,
Dieweil, bereit zu folgen, meine Krieger
Zu Schiff' gehn und der Abfahrt harr'n. O komm,
Und möge am Altar ein ewig Band,
Wie ich's gelobt, uns aneinander knüpfen.

Monimia. Uns Beide, Herr?

Mithridat. Du wagst zu schwanken, Fürstin?

Monimia. Verbotest du mir nicht, daran zu denken?

Mithridat. Ich hatte damals meine Gründe, doch
Das sei vergessen. Jetzt, o Fürstin, sinne
Nur, wie du meiner Lieb' entsprechen magst;
Bedenk', daß du dein Herz mir schuldig bist

Monimia. Warum, o Herr, gabst du mir's denn zurück?

Mithridat. Wie, immer noch den undankbaren Sohn
Im Herzen? Glaubst du . . . .

Monimia. Herr, du hättest mich
Betrogen? 221

Mithridat. Ha, Verrätherin, ziemt dir's,
Also zu reden? Bargst du nicht im Herzen
Schon jene treuvergeßne Liebe? Als
Ich dich zum Gipfel hoher Ehr' erhob,
Ersannst du mir den schwärzesten Verrath;
Du Undankbare, die du feindlicher
Mir als die Römer bist, vergissest du,
Von welch erhabnem Rang ich niederstieg,
Um zu dem Thron, an den du nie gewagt
Zu denken, dich emporzuheben? Sieh
In mir nicht den Besiegten, den Verfolgten,
Den Sieger sieh in mir, den jeder fürchtet;
Bedenk', als ich in Ephesus dich liebte,
Wie ich aus hundert Königstöchtern dich
Herausgewählt, wie manches Bündniß ich
Um dich verschmäht und wie viel Staaten ich
Zu Füßen dir gelegt! Wenn damals schon
Dich unbesiegbar eine andre Neigung
Erfüllt' und gegen mich erkältete,
Warum denn schwiegst du, eh' hierher du kamst,
Und schobst das traurige Geständniß auf,
Bis mir das Schicksal Alles raubte
Und ich mich überall verlassen sah,
Du mir allein als Trost und Hoffnung bliebst?
Und jetzt, wo ich die Schmach vergessen will,
Und vor mir jenes düstre Bild verberge,
Wagst du Vergangenes zurückzurufen
Und mich, den du beleidigt, anzuklagen?
Ich sehe, daß um den Verräther dich
Ein thöricht Hoffen noch verblendet. Götter,
Zu welcher Prüfung habt ihr mich verdammt!
Welch ein geheimer Zauber bannt in mir
Den Zorn, der rasch und streng zu strafen weiß?
Benutz' den Augenblick, den meine Liebe
Dir jetzt noch gönnt. Komm, ich befehle dir's 222
Zum letzten Mal. Dem frevelhaften Sohn
Zu Lieb' stürz' dich nicht unnütz in Gefahr.
Du wirst ihn niemals wiedersehn und ohne
Mit einer Neigung, welche mir du schuldest,
Dich noch zu schmücken, laß aus dem Gedächtniß
Ihn schwinden, wie er deinem Aug' entschwindet.
Und jetzt erkenne meine Güt' und sorge,
Daß du dich des Verzeihens würdig machst.

Monimia. Wohl weiß ich, welche Dankbarkeit, o Herr,
Mich zum Gehorsam gegen dich verpflichtet.
Wie hoch auch meiner Ahnen Rang einst war,
Ihr Ruhm aus solcher Fern' besticht mich nicht,
Und ich erkenn' es, wie ich durch Geburt
Weit unter einem solchen Hymen stehe.
Und trotz der Neigung, trotz den ersten Wünschen
Für einen Sohn, nach dir dem Größesten
Der Sterblichen, entsagt' ich, Herr, sobald
Um meine Stirn dies Diadem sich wob,
Ihm und auch mir. Gemeinsam hatten wir
Beschlossen, uns zu opfern. Meinem Wink
Gehorsam eilt' er, fern mich zu vergessen;
Der Liebe Glut erlosch beinah im Dunkel
Des Schweigens, selbst mein Loos erschien mir nicht
Beklagenswerth, denn mußt' ich süß're Wünsche
Auch opfern, doch beglückt' ich einen Helden
Wie du. Du selbst, o Herr, hast vom Gehorsam
Mich losgelöst. Die unglücksel'ge Neigung,
Die schon besiegt war, deren Glut erlosch,
Weil er sich meinem Blick entzog, du hast
Durch List sie aufgedeckt und zum Geständniß
Mich überredet. Leugnen werd' ich nicht,
Wenn du es auch vergessen könntest. Mir
Bleibt diese Schmach, zu der du mich gezwungen,
Auf immerdar im Geiste gegenwärtig.
Stets werd' ich denken, daß du mir nicht traust; 223
Das Grab, o Herr, ist mir so schrecklich nicht,
Als eines Gatten Bett, der mich betrog,
Der ew'gen Kummer mir bereitete
Und mich erröthen ließ ob einer Glut,
Die ihm nicht galt.

Mithridat. Ist das dein letztes Wort?
Die Ehre, die ich dir bestimmt, verschmähst du?
Bedenk' es wohl! Ich wart', um zu beschließen.

Monimia. Vergebens suchst du, Herr, mich zu betäuben.
Ich kenne dich und weiß, was zu erwarten,
Welch Unheil ich herabzieh' auf mein Haupt;
Doch mein Entschluß steht fest, es wird ihn Nichts
Erschüttern, siehst du doch, wie ich zu sprechen
Und die Bescheidenheit, die ich bis jetzt gewahrt,
Zu übertreten wage. Du hast meiner Hand,
Der unheilvollen, dich bedient, um in
Des eignen Sohnes Brust den Dolch zu stoßen;
An dem Geheimniß unschuldvoller Liebe
Hast du mich zur Verrätherin gemacht.
Verlör' er drob auch nur des Vaters Neigung,
Er stirbt daran, Herr; nie wird meine Liebe
Der Preis so listig grausamen Betrugs.
Jetzt richte über die Empörerin
Und brauche alle Macht, die man dir gab,
Ich harre deines Spruchs. Befiehl nur, Herr,
Nur bitt' ich Eins, indem ich dich verlasse:
Glaub', denn der Tugend schuld' ich dies Geständniß,
Mitschuld'ge hatt' ich nicht, ich war's allein,
Die dich verrieth. Dein Wunsch, er wär' erfüllt,
Hätt' ich, Herr, deines Sohnes Wunsch befolgt. 224

 

Fünfter Auftritt.

Mithridat. Sie geht, und ich durch feiges Schweigen scheine
Die Keckheit ihres Gehns zu billigen.
Das fehlte noch, daß ich aus Herzensschwäche
Mich ob zu großer Grausamkeit verklagte!
Wer bin ich denn? Ist das Monimia
Und bin ich Mithridat? Nein, nein, Nichts mehr
Von Lieben und Verzeihn. Mein Ingrimm kehrt
Zurück, und ich erkenne mich aufs Neu'.
Mit Einem Schlag will ich drei Undankbare
Im Scheiden opfern. Rom ist jetzt mein Ziel,
Durch solche Opfer will ich meinem Haß
Die Götter günstig stimmen, denn ich muß,
Ich kann's; sie haben keine Stütze mehr,
Die schlimmsten der Empörer sind schon fern
Vom Land. Ich will ohn' Unterschied im Lieben
Und Hassen gleich mit Xiphares beginnen.
Doch welche Wuth packt mich! Was sprach ich da?
Ich will, Unglücklicher, wen will ich opfern?
Den Sohn, vor dem Rom zittert, der vielleicht
Den Vater rächt? Warum ein Blut vergießen,
Deß ich noch einst bedürftig bin? Hat denn
Bei meinem Sturz das Schicksal mir zu viel
Der Freunde noch gelassen? Besser wär's,
Ich suchte seine Liebe zu gewinnen.
Des Rächers, der Geliebten nicht, bedarf ich.
Ist's da nicht besser, da ich ihrer doch
Entbehren muß, daß ich dem Sohn sie lasse,
Den ich mir aufbewahren will? Es sei,
Er nehme sie. O eiteles Bemühn!
Ich fühle nur, wie schwach mein Herz, das sich
Umsonst zu täuschen sucht. Ich glüh' für sie,
Ich lieb' und, weit entfernt sie zu verbannen . . . .
Doch das ist ein Verbrechen auch, das sie 225
Mir büßen soll. Zu lang schon war mein Ruhm
Gebannt in Liebesfesseln. Möge sie
Allein denn untergehn, jedoch mein Sohn
Begleite mich. Ein wenig Festigkeit,
Mit der ich ihr Verweigern strafe, wird
Mich von der Furcht vor ihr befrein. Warum
Hält noch das Mitleid mich zurück? Bestraft'
Ich nicht geringere Verbrechen schon?
Monimia! Mein Sohn! Unnützer Zorn,
Wie würdet ihr, o Römer, triumphiren,
Erführt ihr meine Schmach und wüßtet ihr,
Wie feig mein Herz im Liebeskampf sich windet!
Hab' ich nicht längst, Verrath von theurer Hand
Befürchtend, gegen jedes Giftes Wirkung
Zu schützen mich gesucht und selbst die Kraft
Des tödtlichsten durch Müh' und Kunst geschwächt?
Ach, klüger wär's und glücklicher für mich,
Hätt' ich mich vor der Liebe Gift geschützt
Im Herzen, das vom Eis des Alters schon
Erstarrt. Wie soll ich diesem Wirrsaal, ach, entgehn!

 

Sechster Auftritt.

Mithridat. Arbates.

Arbates. Herr, deine Truppen alle weigern sich
Davonzuziehn. Pharnazes hält sie hier
Zurück und theilet ihnen mit, daß du
Nach Rom zu neuen Kämpfen ziehst.

Mithridat. Pharnazes?

Arbates. Zuerst verführt' er seine eignen Wachen,
Und selbst die Kühnsten schreckt der Name Roms,
Sie träumen nur von schrecklichen Gefahren; 226
Die Einen klammern ängstlich sich ans Ufer,
Die Andern, die schon auf der Abfahrt waren,
Ringen sich in den Fluten oder halten
Dem Schiffsvolk drohend ihre Speer' entgegen.
Verwirrung überall, sie hören nicht,
Sie schrein nach Frieden, wollen sich ergeben;
Pharnazes führt sie an, er schmeichelt ihnen,
Und schon im Namen Roms verspricht er ihnen
Den Frieden.

Mithridat. Ha, Verräther! Eilt. Man rufe
Mir seinen Bruder, daß er schleunigst mir
Zu Hülfe komme!

Arbates. Was er vorhat, Herr,
Vermag ich nicht zu sagen, aber plötzlich
Eilt' er wie außer sich dem Hafen zu.
Man sagt, daß er mit einem Trupp Getreuer
Sich mitten in die Meutrerschaar begab.
Das ist's, was ich erfuhr.

Mithridat. Ha, was vernehm' ich!
Ihr Schurken, meine Rache hat zu lang
Gezaudert. Doch ich fürcht' euch nicht. Die Meutrer,
Wie frech sie sind, vermögen doch mein Antlitz
Nicht zu ertragen. Sehn nur will ich sie,
Ich will mit eigner Hand vor ihren Augen
Hinopfern meine frevelhaften Söhne.

 

Siebenter Auftritt.

Mithridat. Arbates. Arcas.

Arcas. Herr, Alles ist verloren! Rings umzingeln
Pharnazes, die Rebellen und die Römer
Schon diesen Platz. 227

Mithridat. Die Römer!

Arcas. Rings mit Römern
Ist schon der Strand bedeckt, und bald bist du
In dieser Mauern Ring belagert.

Mithridat (zu Arcas). Götter!
Eil'. Höre, Arcas . . . . Ungetreue Fürstin,
Du wahrlich sollst dich nicht des Unglücks freun,
Das jetzt von allen Seiten mich bedrängt. 228

 

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