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Mit versiegelter Order

John Goodwin: Mit versiegelter Order - Kapitel 36
Quellenangabe
authorJohn Goodwin
titleMit versiegelter Order
publisherNeufeld & Henius / Verlag
yearo.J.
translatorF. V. Bothmer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20181011
projectidc6c011ac
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35. Kapitel.
McBrayne auf dem Kriegspfade

Mac hob seine mißhandelte Kopfbedeckung auf, steckte gedankenvoll einen Finger durchs Schußloch und zog sich die Mütze kurz entschlossen wieder über die Ohren. Darauf erstieg er den Hang und betrachtete kopfschüttelnd seinen gefallenen Gegner, der lang ausgestreckt mit nach oben gewendetem, starrem Gesicht zwischen den Riedbüscheln lag. Die weitaufgerissenen Augen blickten mit glasigem Ausdruck gen Himmel, und aus dem kleinen blauschwarzen Loch in der Stirn floß ein wenig Blut.

»Weiß ja nich genau, wer de bist«, murmelte der Sieger. »Kann mer's aber so ziemlich denken.«

Er drehte sich um und stieg behutsam zum Fluß hinunter, wo er seine Blicke hin und her wandern ließ, bis sie endlich an dem gestrandeten Dingi haften blieben. Mit erheblicher Mühe gelang es ihm, hinüberzukommen. Das Boot befand sich in traurigem Zustande. Bis an die Ruderbänke stand es voll Wasser. Mac wischte sich abermals das lästige Blut vom Gesicht, beugte sich nieder und tauchte mit dem rechten Arm bis über den Ellenbogen ins trübe Wasser, das im Boot stand. Mit einem zufriedenen Prusten zog er eine gefüllte Flasche herauf, die er andachtsvoll an den Mund führte. Als er sie nach geraumer Zeit tiefaufatmend wieder absetzte, war der Pegel darin ganz erheblich gefallen. Er stellte das Gefäß neben sich und machte sich mit bewundernswerter Energie an die Instandsetzung des Fahrzeugs. Erst mußte es leergeschöpft werden, dann zog er es höher ans Ufer und schließlich begann er am Motor zu basteln, der jedoch keinerlei Lust zeigte, seinen Pflichten nachzukommen. Erst nachdem der Maschinist brummend und knurrend sämtliche Teile herausgenommen und frisch geölt hatte, besann sich der Motor eines Besseren, und schließlich lohnte er die hartnäckigen Bemühungen Macs mit einem vielversprechenden Knattern. Grinsend schob der Mann das Dingi wieder ins Wasser, kletterte an Bord und fuhr los. Als das Boot aber den Bug dem Meere zukehren wollte, riß er ärgerlich das Ruder herum.

»Nich darunter, Kanallje«, fluchte er. »Wir fahr'n dem Schipper nach und sollten wir dabei ooch in Deubels Küche kommen.« Bald daraus verschwand er in dem Seitenarm, in den auch die Banditen mit ihren Gefangenen eingebogen waren. Zunächst ging es nur langsam vorwärts. Das Fahrwasser erwies sich als sehr eng, und da immer wieder Entengrütze in die Schraube geriet, mußte er sich streckenweise mit dem Bootshaken weiterstaken. Die ganze Wasserbahn sah überhaupt recht wenig vertrauenerweckend aus, aber McBrayne war nicht der Mann dazu, klein beizugeben. Bald darauf wurde die Rinne freier, und mit lebhafter Befriedigung bemerkte der Maschinist mehrfach frische Eindrücke von Ruderblättern im weichen Uferboden. Jedenfalls also befand er sich vorläufig auf richtigem Kurs. Er drehte seine Mütze so herum, daß der Schirm seinen Nacken vor den glühenden Sonnenstrahlen schützte, und fauchend setzte das Dingi seine Entdeckungsfahrt fort.

Mac gönnte sich einen neuen Stärkungsschluck, und während er das eine Bein über die Ruderpinne legte, riß er einen Fetzen vom Ärmel seines Hemdes herunter und legte ihn sich um den Kopf. Seine schlammüberzogenen und am Leibe getrockneten Kleider sahen schauderhaft aus. Überhaupt hätte man mit seiner Erscheinung kleine Kinder zittern machen können, denn der Ausdruck seines Gesichts war geradezu furchterregend.

In einem eingebauten Kästchen fand sich noch Werg und ein Kännchen voll Maschinenöl. Dies Material bot ihm willkommene Gelegenheit zum Putzen und Ölen seiner Flinte, denn so verwahrlost der Gute selbst auch immer herumzulaufen pflegte, für die peinliche Sauberkeit seiner Waffe war ihm keine Anstrengung zu groß. Das vor ihm liegende Fahrwasser ließ er keinen Augenblick aus den Augen.

Drei Meilen weiter teilte sich der Kanal in zwei Arme, und nun war guter Rat teuer. Langes Suchen hatte keinen Zweck, und kurz entschlossen wählte er den Wasserlauf, der von einem erhöhten, baumbewachsenen Gelände herzukommen schien, das sich in der Ferne über dem flimmernden Dunst erhob.

Als die Sonne im Zenith stand, hatte sich die Lage für Macs Weiterkommen erneut weiter verschlechtert. Zweimal noch war er an eine Gabelung gelangt, so daß die Chancen für die richtige Wahl des Weges nunmehr wie eins zu drei standen.

Plötzlich wurde der Mut des einsamen Mannes neu belebt. Am linken Ufer bemerkte er die unverkennbare Spur eines Bootskiels, und das Gras war im Umkreise einiger Meter niedergestampft. Augenscheinlich also hatte man hier gerastet und war sogar an Land gegangen. Allerdings war weit und breit weder eine Menschenseele noch ein Boot zu sehen.

McBrayne drosselte seinen Motor und überlegte. Schließlich aber drehte er bei und erkletterte den Hang, um sich zu orientieren. Unter den plumpen Fußspuren hoben sich zwei ganz deutlich hervor. Die einen waren von Seestiefeln verursacht worden, die anderen konnten nur von einer schmalen Frauensohle herrühren. Die Eindrücke begannen unter der dörrenden Einwirkung der Sonnenstrahlen bereits zu trocknen. Sämtliche Spuren mündeten in einen engen, mehrfach gewundenen Buschpfad ein.

McBrayne machte das Dingi am Ufer fest, nahm seine Flinte über den Buckel, stopfte sich die Whiskyflasche mit einiger Anstrengung in die Tasche und trat entschlossen die Wanderung an.

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