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Mit versiegelter Order

John Goodwin: Mit versiegelter Order - Kapitel 30
Quellenangabe
authorJohn Goodwin
titleMit versiegelter Order
publisherNeufeld & Henius / Verlag
yearo.J.
translatorF. V. Bothmer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20181011
projectidc6c011ac
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29. Kapitel.
Der Mörder

Hickman bemerkte es und fröstelte. »Wenn es zum Blutvergießen kommt, will ich nichts damit zu tun haben, Dan. Für derlei habe ich nie etwas übrig gehabt und –«

»Du?« unterbrach ihn Ricardo verächtlich. »Du leidest wohl an Größenwahn? – Nein, mein Kleiner; das machen Carquinez und ich ohne deine gütige Mitwirkung. – Carq ist das richtige Raubtier, wie man es für solche Arbeit benötigt. Außerdem führt er eine Bande von einem halben Dutzend Kerlen, die ebenso verwegen sind wie er selbst. Schon seit Jahren ist er hier ansässig, wo ihn kein Mensch finden kann, wenn er nicht will.«

»Wie willst du es aber anstellen, Dan? – Sie werden doch im Rennboot vorbeisausen, ohne daß du sie anzuhalten vermagst. Es ist einfach unmöglich, sage ich dir.«

»Und ich sage dir, daß du ein Esel bist«, versetzte sein Gefährte grob. »Ich werde die Angelegenheit mal gleich mit Carquinez besprechen.«

Er drehte sich um und rief dem in einiger Entfernung hockenden Banditen ein paar Worte zu, worauf dieser sofort herbeikam.

Hickman erhob sich hastig. »Wenn du dich wirklich mit ihm unterhalten willst, dann gib mir wenigstens deine Feldflasche und etwas zu rauchen, damit ich abseits warten kann«, bat er. »Ich habe für alle Zeiten genug von dem widerwärtigen Scheusal, und meine Nerven ertragen seine Gegenwart nicht länger.«

»Meinetwegen«, sagte Dan achselzuckend. »Mach' nur, daß du wegkommst, du Jammerlappen!«

Hickman entfernte sich und warf sich im Schatten einiger Zwergpalmen nieder. Die Konferenz dauerte ziemlich lange. Carquinez sprach sehr viel, und als Hickman einmal hinschaute, bemerkte er wieder das unheimliche Feuer in den Augen des Banditen. Der zeitweilige Eigner der ›Arrow‹ aber war am Ende seiner Kräfte. Sein ganzes Verlangen ging dahin, möglichst nichts mehr mit dieser Geschichte, mit Miß Drew, dem ungehobelten Seemann und überhaupt mit der ganzen leidigen Sache zu tun zu haben. Lediglich Enttäuschung und Elend hatte er davon gehabt. Außerdem empfand er vor den beiden Männern da drüben eine steigende Angst. Nein, es war wirklich an der Zeit, dies hoffnungslose Geschäft zu liquidieren!

Der Mexikaner hingegen schien bei den Vorschlägen Dans geradezu aufzuleben. »Bueno!« rief er endlich und sprang elastisch auf die Füße. »So geht's und ich muß gestehen, daß ich selbst nicht auf den Gedanken gekommen wäre. Also, Senor, damit da keine Unklarheiten bleiben: Wenn ich Ihre Instruktionen ausgeführt habe, erhalte ich freie Hand für meine eigenen Zwecke?«

»Mein Wort«, versicherte Ricardo. »Vollkommen freie Hand. Das Weitere geht mich überhaupt nichts mehr an.«

»Mich aber desto mehr!« Der Mestize grinste zähnefletschend. »Nun, Senor, Sie können sich fest auf mich verlassen!«

»Das weiß ich, und darüber brauchen wir kein weiteres Wort zu verlieren. Holen Sie nun aber bald Ihre Leute. Wir treffen uns bei den Engen, wo wir dann auch noch die letzten Einzelheiten festsetzen. Beeilen Sie sich!«

Lautlos verschwand der Mexikaner in den Büschen. Nun kam auch Hickman wieder herbei.

»Alles in schönster Ordnung, Hick«, sagte sein Freund. »Ich fahre gleich nach Lexton hinüber, um mir das nötige Material zu besorgen. Kirkpatrick wird sich erst neues Benzin verschaffen müssen und das wird da oben gar nicht so leicht zu kriegen sein. Ich denke daher, daß er erst morgen früh herunterkommen wird, aber immerhin will ich schon vorher aus Posten sein. – Komm, Hick, ich wollte dich eigentlich nach Lexton bringen, damit du dich des jungen Sinclair annehmen könntest, aber ich bin mittlerweile zur Einsicht gelangt, daß du selbst dazu nicht zu gebrauchen bist.«

»Sinclair!« schrie der Überraschte. »Sinclair Brewster? Hast du etwa den dummen Bengel auch wieder mit herübergebracht?«

»Blieb mir ja gar nichts anderes übrig, denn ich durfte ihn keine achtundvierzig Stunden aus den Augen lassen. In London hat er sich doch gleich wieder derart vollaufen lassen, daß er einen schweren Zusammenbruch erlitt. Es war bereits sein zweiter und der dritte würde ihm das Leben kosten. Darauf aber darf ich es natürlich unter keinen Umständen ankommen lassen. Hier nun halte ich ihn unter Druck, und der Alkohol ist auch so biestig teuer, daß er sich nicht sehr viel verschaffen kann, zumal ich ihm sehr wenig Taschengeld zukommen lasse. Es gibt derzeit in ganz Amerika keinen so überzeugten Anhänger der Prohibition wie mich, denn Säufer sind immer geschwätzig und verraten einen.«

»Richtig«, sagte Hickman selbstgefällig. »Ich trinke nicht und schwatze nicht.«

»Das erstere weiß ich. Ob du aber nicht plaudern würdest, wenn man dich in die Enge triebe, das – wollen wir dahingestellt sein lassen. Na, jedenfalls gebe ich dir die Gelegenheit, von hier wegzukommen. Das ist doch edelmütig, was? – Jetzt steig ein.«

Ganz harmlos deutete er auf das Boot, aber es lag ein so sonderbarer Klang in seiner Stimme, daß Hickman zögerte.

»Dan«, stammelte er. »Mach d–dir keine Sorgen – um – um mich. Ich – ich finde wohl auch allein meinen Weg und –«

»Hast du mich verstanden?« zischte Ricardo. »Ich will nicht, daß irgendein Zeuge hier zurückbleibt. Weder tot noch lebendig! Marsch!«

Hickman bedachte seinen unbewaffneten Zustand und taumelte ins Boot, das gleich darauf vom Ufer abstieß.

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