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Gutenberg > Gerhart Hauptmann >

Michael Kramer

Gerhart Hauptmann: Michael Kramer - Kapitel 4
Quellenangabe
authorGerhart Hauptmann
titleMichael Kramer
publisherPropyläen Verlag
editorHans-Egon Haß
year1965
firstpub1900
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170113
projectidfa8c470d
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Zweiter Akt

Das Atelier des alten Kramer in der Kunstschule. Ein geschlossener grauer Vorhang verdeckt den eigentlichen Atelierraum. Vor dem Vorhang rechts eine Tür, zu der ein Treppchen hinaufführt. Ebenfalls rechts, weiter vorn, ein altes Ledersofa und ein kleines, bedecktes Tischchen davor. Links die Hälfte eines großen Atelierfensters, das sich hinter dem Vorhang fortsetzt. Darunter ein kleines Tischchen, auf welchem Radierutensilien und eine angefangene Platte liegen. Auf dem Sofatisch Schreibzeug, Papier, ein alter Leuchter mit Licht usw. Gipsabgüsse: Arm, Fuß, Frauenbusen und auch die Totenmaske Beethovens hängen über dem Sofa an der Wand, deren Färbung gleichmäßig bläulich-grau ist. Über den Vorhang hinweg, der etwa bis zu zwei Drittel der Höhe des Raumes reicht, sieht man rechts die Spitze einer großen Staffelei. – Über dem Sofatisch Gasrohr. – Zwei einfache Rohrstühle vervollständigen die Einrichtung. Es herrscht überall Sauberkeit und peinliche Ordnung.

Michael Kramer sitzt auf dem Sofa und unterschreibt ächzend mehrere Dokumente, auf die der Pedell Krause, die Mütze in der Hand, wartet. Krause ist breit und behäbig, Kramer ein bärtiger Mann über fünfzig, mit vielen weißen Flocken im schwarzen Bart und Haupthaar. Sein Kopf sitzt zwischen zu hohen Schultern. Er trägt den Nacken gebeugt, wie unter einem Joch. Seine Augen sind tiefliegend, dunkel und brennend, dabei unruhig. Er hat lange Arme und Beine, sein Gang ist unschön, mit großen Schritten. Sein Gesicht ist blaß und grüblerisch. Er ächzt viel. Seine Sprechweise hat etwas ungewollt Grimmiges. Mit den unförmigen, spiegelblank geputzten Schuhen geht er sehr auswärts. Sein Anzug besteht in schwarzem Gehrock, schwarzer Weste, schwarzen Beinkleidern, veraltetem Umlegekragen, Oberhemd und schwarzem Schlipsbändchen, tadellos gewaschen und tadellos gehalten. Die Manschetten hat er aufs Fensterbrett gestellt. Er ist alles in allem eine absonderliche, bedeutende, nach dem ersten Blick eher abstoßende als anziehende Erscheinung. Vor dem Fenster links steht Lachmann, mit dem Rücken gegen das Zimmer. Er wartet und blickt hinaus.

Kramer, zu Lachmann. Sehn Se, wir murksen hier immer so weiter. Zu Krause. So. Grüßen Se den Direktor schön. Er steht auf, packt die Papiere zusammen und händigt sie dem Pedell ein, dann fängt er an, die gestörte Ordnung auf seinem Tischchen wiederherzustellen. Sie sehn sich woll meine Pappeln an?

Lachmann, der die Kupferplatte angesehen hatte, erschrickt ein wenig und erhebt sich aus der gebeugten Stellung. Entschuldigen Sie.

Krause. Gu'n Morgen, Herr Kramer. Gu'n Morgen, Herr Lachmann.

Lachmann. Guten Morgen, Herr Krause.

Kramer. Behüt Sie Gott. Krause ab. Vor fünf Jahren hat mich Böcklin besucht. Hörn Se, der hat vor dem Fenster gestanden ... der konnte sich gar nicht satt sehen, hörn Se.

Lachmann. Die Pappeln sind wirklich ganz wunderbar schön. Sie haben mir damals schon Eindruck gemacht, vor Jahren, als ich zuerst hierherkam. Sie stehen so würdig in Reih und Glied. Die Schule wirkt ordentlich tempelhaft.

Kramer. Hörn Se, das täuscht.

Lachmann. Aber doch nur zum Teil! – Daß Böcklin je hier war, wußte ich gar nicht.

Kramer. Damals hatten sie doch die Idee gefaßt, da drüben im Provinzialmuseum, da sollt' er das Treppenhaus doch ausmalen. Dann hat's aber so'n Professor gemacht. Ach, hörn Se, es wird zu viel gesündigt.

Lachmann. In dieser Beziehung ganz grenzenlos.

Kramer. Aber wissen Sie was, es war niemals anders. Nur tut's einem heut ganz besonders leid. Was für Schätze könnte die Gegenwart aufspeichern mit dem riesigen Aufwand, hörn Se mal an, der heut so im Lande getrieben wird! So müssen die Besten beiseite stehn. Lachmann hat ein radiertes Blatt aufgenommen, und Kramer fährt fort in bezug darauf. Das is so'n Blatt für mein Formenwerk. Die Platte war aber nicht gut gewischt. Die ganze Geschichte stimmt auch noch nicht. Ich muß erst noch richtig dahinterkommen.

Lachmann. Ich habe auch mal zu radieren versucht, ich hab's aber bald wieder aufgesteckt.

Kramer. – Was haben Sie denn nu gearbeitet, Lachmann?

Lachmann. Porträts und Landschaften, das und jen's. Viel ist nicht geworden, leider Gott's.

Kramer. Immer arbeiten, arbeiten, arbeiten, Lachmann. Hörn Se, wir müssen arbeiten, Lachmann. Wir schimmeln sonst bei lebendigem Leibe. Sehn Se sich so ein Leben mal an, wie so'n Mann arbeitet, so'n Böcklin. Da wird auch was, da kommt was zustande. Nicht bloß, was er malt: der ganze Kerl. Hörn Se, Arbeit ist Leben, Lachmann!

Lachmann. Dessen bin ich mir auch vollkommen bewußt.

Kramer. Ich bin bloß 'n lumpiger Kerl ohne Arbeit. In der Arbeit werd' ich zu was.

Lachmann. Bei mir geht leider die Zeit herum, und zum Eigentlichen komm' ich nicht recht.

Kramer. Wieso, hörn Se?

Lachmann. Weil ich anderes zu tun habe: Arbeit, die gar keine Arbeit ist.

Kramer. Wie soll denn das zu verstehn sein, hörn Se?

Lachmann. Ich war früher Maler und weiter nichts. Heut bin ich gezwungen, Zeilen zu schinden.

Kramer. Was heißt das?

Lachmann. Ich schreibe für Zeitungen.

Kramer. So?!

Lachmann. Mit andern Worten heißt das, Herr Kramer, ich verwende die meiste kostbare Zeit, um ein bißchen trockenes Brot zu erschreiben; zu Butter langt es wahrhaftig nicht. Wenn man erst mal Frau und Familie hat ...

Kramer. 'n Mann muß Familie haben, Lachmann. Das ist ganz gut, das gehört sich so. Und was Ihre Schreiberei anbelangt: schreiben Se nur recht gewissenhaft. Sie haben ja Sinn für das Echte, hörn Se; da können Sie vielfach förderlich sein.

Lachmann. Es ist aber alles bloß Sisyphusarbeit. Im Publikum ändert sich wirklich nichts. Da wälzt man täglich den Sisyphusstein ...

Kramer. Hörn Se, was wären wir ohne das?

Lachmann. Aber schließlich opfert man doch sich selbst. Und wenn man schon mit dem Malen nicht durchkommt, so ...

Kramer. Hörn Se, das ist ganz einerlei. Wäre mein Sohn 'n Schuster geworden und täte als Schuster seine Pflicht, ich würde ihn ebenso achten, sehn Se. Haben Se Kinder?

Lachmann. Eins. Einen Sohn.

Kramer. Na hörn Se, da haben Se doch was gemacht, was Besseres kann einer doch nicht machen. Da muß das doch gehen wie geschmiert mit Ihren Artikeln, hören Se, was?

Lachmann. Das kann ich grade nicht sagen, Herr Kramer.

Kramer. Pflichten, Pflichten, das ist die Hauptsache. Das macht den Mann erst zum Manne, hörn Se. Das Leben erkennen im ganzen Ernst, und hernach, sehn Se, mag man sich drüber erheben.

Lachmann. Das ist aber manchmal wirklich nicht leicht.

Kramer. Hörn Se, das muß auch schwer sein, sehn Se. Da zeigt sich's eben, was einer ist. Da kann sich ein Kerl erweisen als Kerl. Die Lotterbuben von heutzutage, die denken, die Welt ist'n Hurenbett. Der Mann muß Pflichten erkennen, hörn Se.

Lachmann. Doch aber auch Pflichten gegen sich selbst.

Kramer. Ja, hörn Se, da haben Sie freilich recht. Wer Pflichten gegen sich selbst erkennt, erkennt auch Pflichten gegen die andern. Wie alt ist denn Ihr Sohn?

Lachmann. Drei Jahre, Herr Kramer.

Kramer. Hörn Se, als damals mein Junge zur Welt kam ... ich hatte mir das in den Kopf gesetzt! – ganze vierzehn Jahre hab' ich gewartet, da brachte die Frau den Arnold zur Welt. Hörn Se, da hab' ich gezittert, hörn Se. Den hab' ich mir eingewickelt, sehn Se, und hab' mich verschlossen in meine Klause, und hörn Se, das war wie im Tempel, Lachmann: da hab' ich ihn dargestellt, sehn Se, vor Gott. – Ihr wißt gar nicht, was das ist, so'n Sohn! Ich hab' es, wahrhaftigen Gott, gewußt. Ich hab' mir gedacht: ich nicht, aber du! Ich nicht, dacht' ich bei mir: du vielleicht! – Bitter. Mein Sohn ist'n Taugenichts, sehn Se, Lachmann! und doch würd' ich immer wieder so handeln.

Lachmann. Herr Kramer, das ist er sicherlich nicht.

Kramer, heftiger, grimmiger. Hörn Se, lassen Se mich in Ruhe, 'n Lotterbube und weiter nichts! Aber sprechen wir lieber nicht davon. – Ich will Ihnen mal was sagen, Lachmann, das ist der Wurm meines Lebens, sehn Se. Das frißt mir am Mark! Aber lassen wir das.

Lachmann. Das wird sich noch alles sicherlich ändern.

Kramer, immer heftig, bitter und grimmig. Es ändert sich nicht! Es ändert sich nicht! Es ist keine gute Faser an ihm. Der Junge ist angefressen im Kern. Ein schlechter Mensch! Ein gemeiner Mensch! Das kann sich nicht ändern, das ändert sich nicht. Hörn Se, ich könnte alles verzeihn, aber Gemeinheit verzeih' ich nicht. Eine niedrige Seele widert mich an, und sehn Se, die hat er, die niedrige Seele, feige und niedrig: das widert mich an. Er geht zu einem einfachen, grau gestrichenen Wandschrank. Ach hörn Se, der Lump hat so viel Talent, man möchte sich alle Haare ausraufen. Wo unsereiner sich mühen muß, man quält sich Tage und Nächte lang, da fällt dem das alles bloß so in den Schoß. Sehn Se, da haben Se Skizzen und Studien. Ist das nicht wirklich ein Jammer, hörn Se? Wenn er sich hinsetzt, wird auch was. Was der Mensch anfängt, hat Hand und Fuß. Sehn Se, das sitzt, das ist alles gemacht, da könnte man bittre Tränen vergießen. Er geht mehrmals im Vorraum auf und ab, während Lachmann die Skizzen und Studien durchsieht. Es klopft. Herein!

Michaline kommt im Straßenanzug.

Michaline. Vater, ich will nur Lachmann abholen.

Kramer, über die Brille. Höre, die Schule läßt du im Stich?

Michaline. Ich komme eben vom Korrigieren. – Lachmann, ich hab' deine Frau getroffen; sie wollte nicht anwachsen im Café, sie ginge lieber zu deiner Mutter. Lachmann und Michaline lachen.

Kramer. Warum haben Se se denn nicht mitgebracht?

Lachmann. Sie ist nicht besonders atelierfähig.

Kramer. Unsinn. Was heißt das? Verstehe ich nicht!

Michaline ist hinter Lachmann getreten und blickt mit auf eine Studie, die er eben betrachtet. Die Mühle hier hab' ich auch mal gemalt.

Kramer. Hm, hm, aber anders.

Michaline. Es war nicht die Ansicht.

Kramer. Nein, nein, der Ansicht bin ich ja auch. Lachmann lacht.

Michaline. Vater, das ficht mich durchaus nicht an. Wenn einer tut, was er irgend kann, na, so kann man eben nicht mehr verlangen.

Kramer. Mädel, du weißt ja, wie Hase läuft.

Michaline. Natürlich weiß ich's, und zwar sehr genau: du hältst nämlich nicht das geringste von mir.

Kramer. Höre, woraus entnimmst du das? Wenn Arnold nur halb so fleißig wäre und halb so versorgt, hier oben, im Hirnkasten, so wäre der Junge ein ganzer Kerl, da kann er sich gar nicht messen mit dir. Aber sonst: der Funke, den hast du nicht, 'n Mensch muß klar sein über sich selbst. Du bist ja auch klar, und das ist dein Vorzug. Darum kann man auch mit dir reden 'n Wort. Was Zähigkeit macht und Fleiß und Charakter, das hast du aus dir gemacht, Michaline, und damit kannst du zufrieden sein. – – Er sieht nach der Taschenuhr. Zehn. – Lachmann, jetzt wird wohl nicht recht mehr was werden. Ich freue mich, daß Sie gekommen sind. Ich will auch dann gerne mit Ihnen gehn, meinethalben können wir wo 'n Glas Bier trinken. Jetzt muß ich noch mal in die Klasse sehn, und auf elf Uhr hab' ich den Sohn bestellt.

Michaline, ernst. Vater, würdest du Lachmann nicht mal dein Bild zeigen?

Kramer, schnell herum. Nein, Michaline! Wie kommst du darauf?

Michaline. Ganz einfach: er hat davon gehört und hat mir gesagt, daß er's gerne sehn möchte.

Kramer. – – – Laßt mich mit solchen Sachen in Ruh'. Da kommen sie alle und wollen mein Bild sehen. Malt euch doch Bilder, soviel ihr wollt! Ich kann es Ihnen nicht zeigen, Lachmann.

Lachmann. Herr Kramer, ich dränge Sie sicherlich nicht ...

Kramer. Sehn Se, das wächst mir über den Kopf. Ich lebe nun sieben Jahr mit dem Bilde. Erst hat's Michaline einmal gesehn – der Junge hat niemals danach gefragt! –, jetzt ist der Direktor Müring gekommen, und nu wächst mir die Sache über den Kopf. Hörn Se, das geht nicht, das kann ich nicht. Wenn Se nu 'ne Geliebte haben, und alle kriechen sie zu ihr ins Bett ... das is ja 'ne Schweinerei, weiter nichts, da muß einem ja die Lust vergehn. – Lachmann, es geht nicht! ich mag das nicht!

Michaline. Vater, das Beispiel verstehe ich nicht. Diese Art der Zurückhaltung scheint mir wie Schwäche.

Kramer. Denke darüber ganz, wie du willst. Andrerseits merke dir auch, was ich sage: – Das wächst nur aus Einsiedeleien auf! Das Eigne, das Echte, Tiefe und Kräftige, das wird nur in Einsiedeleien geboren. Der Künstler ist immer der wahre Einsiedler. So! Und nun geht und laßt mich in Ruh'.

Michaline. Schade, Vater! Mir tut es leid. Wenn du dich so verbarrikadierst, sogar vor Lachmann ... das wundert mich. Dann entschlägst du dich eben jeglicher Anregung. Übrigens, wenn du ganz ehrlich bist: seit neulich Direktor Müring hier war ... das hat dich wirklich erfrischt, mußt du sagen. Du warst hinterher ganz aufgekratzt.

Kramer. Es ist ja nichts dran. Es ist ja noch nichts. Hörn Se, machen Se mich doch nicht unglücklich! Es muß doch was da sein, eh man was zeigt. Glauben Sie denn, das is'n Spaß? Hörn Se, wenn einer die Frechheit hat, den Mann mit der Dornenkrone zu malen – hörn Se, da braucht er ein Leben dazu. Hörn Se, kein Leben in Saus und Braus: einsame Stunden, einsame Tage, einsame Jahre, sehn Se mal an. Hörn Se, da muß er mit sich allein sein, mit seinem Leiden und seinem Gott. Hörn Se, da muß er sich täglich heiligen! Nichts Gemeines darf an ihm und in ihm sein. – Sehn Se, da kommt dann der Heil'ge Geist, wenn man so einsam ringt und wühlt. Da kann einem manchmal was zuteil werden. Da wölbt sich's, sehn Se, da spürt man was. Da ruht man im Ewigen, hörn Se mal an, und da hat man's vor sich in Ruhe und Schönheit. Da hat man's, ohne daß man's will. Da sieht man den Heiland! da fühlt man ihn. Aber wenn erst die Türen schlagen, Lachmann, da sieht man ihn nicht, da fühlt man ihn nicht. Da ist er ganz fort, sehn Se, ganz weit fort.

Lachmann. Herr Kramer, es tut mir jetzt wirklich sehr leid ...

Kramer. Ach hörn Se, da ist ja nichts leid zu tun, da muß jeder für sich selber sorgen. Der Ort, wo du stehst, ist heiliges Land, das muß man sich bei der Arbeit sagen. Ihr andern: draußen geblieben, verstanden? Da ist Raum genug für das Jahrmarktsgetümmel. – Kunst ist Religion. Wenn du betest, geh in dein Kämmerlein. Wechsler und Händler raus aus dem Tempel. Er dreht den Schlüssel der Eingangstür um.

Michaline. Aber Wechsler und Händler sind wir doch nicht.

Kramer. Das seid ihr nicht. Gott bewahre, nein, aber wenn auch! es wächst mir über den Kopf. – Ich verstehe das ja ganz gut von dem Lachmann. Will eben mal sehen, was dahintersteckt. Hat immer nur große Worte geschluckt, möchte nun wirklich mal was zu sehn kriegen. Es steckt nichts dahinter! ich sag' es ihm ja. Es ist nichts los mit dem alten Kerl. Er sieht es manchmal, er fühlt es auch – und dann nimmt er den Spachtel und kratzt es runter. Es klopft. Es klopft. Vielleicht 'nmal später, Lachmann! – Herrein! – Es is ja nun doch nichts mehr. – Hörn Se, es hat doch geklopft! Herrein!

Michaline. Du hast ja die Tür verschlossen, Vater.

Kramer. Ich? Wann denn?

Michaline. Eben, im Augenblick. Eben! als du noch eben durchs Zimmer gingst.

Kramer. Mach auf und sieh nach.

Michaline öffnet ein wenig. Eine Dame, Papa.

Kramer. Modell wahrscheinlich. Ich brauche keins!

Liese Bänsch, noch außerhalb. Könnt' ich den Herrn Professor sprechen?

Michaline. Was wünschen Sie denn, wenn ich fragen darf?

Liese Bänsch. Ich möchte den Herrn Professor selbst sprechen.

Michaline. Was soll das für ein Professor sein?

Kramer. Sage ihr doch, hier wohnt kein Professor.

Liese Bänsch. Wohnt denn Professor Kramer nicht hier?

Kramer. Ich heiße Kramer, treten Sie ein.

Liese Bänsch tritt ein. Schlankes, hübsches Frauenzimmer, kokottenhaft aufgedonnert.

Liese Bänsch. Ach, wenn Sie erlauben, bin ich so frei.

Kramer. Geht mal in euer Museum, Kinder. Ihr wolltet ja doch ins Museum gehn! Um zwölfe, Lachmann, erwart' ich Sie. Er geleitet Lachmann und Michaline nach der Tür. Lachmann und Michaline ab. Mit wem hab' ich die Ehre? Ich stehe zu Diensten.

Liese Bänsch, nicht ohne Verlegenheit, aber mit viel Affektation. Herr Professor, ich bin die Liese Bänsch. Ich komme in einer heiklen Sache.

Kramer. Bitte setzen Sie sich. Sie sind Modell?

Liese Bänsch. O nein, Herr Professor, da täuschen Sie sich. Ich habe das, Gott sei Dank, nicht nötig. Gott sei Dank, Herr Professor, ich bin kein Modell.

Kramer. Und ich, Gott sei Dank, kein Professor, mein Fräulein! – Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuchs?

Liese Bänsch. Das wollen Sie gleich so wissen, schlankweg? Ich darf wohl ein bißchen verschnaufen, nicht wahr? Ich hatte mich nämlich sehr echauffiert. Erst wollt' ich ja unten schon wieder umkehren, aber schließlich faßt' ich mir doch ein Herz.

Kramer. Bitte! Sobald es Ihnen beliebt.

Liese Bänsch hat sich gesetzt, hustet und tupft vorsichtig ihr geschminktes Gesicht unterm Schleier. Nein, daß Sie auch so was von mir denken! Das ist nur gut, daß das Georg nicht gehört hat. Mein Bräutjam ist nämlich beim Gericht, da gerät er gleich immer außer sich. Seh' ich denn wirklich aus wie'n Modell?

Kramer, einen Fenstervorhang ziehend. Das kommt darauf an, wer Sie malen will. Unter Umständen können wir alle Modell sein. Wenn Sie glauben, daß das einen Makel einschließt, so kann das durchaus nur auf Irrtum beruhn.

Liese Bänsch. Nein, wissen Sie was, ich fürchte mich förmlich. Nehmen Sie mir's nicht übel, Herr Kramer, ich hab' förmlich Angst vor Ihnen gehabt.

Kramer. Und kurz und gut, worum handelt sich's denn?

Liese Bänsch. Ich habe mich so befragt um Sie, und da haben sie alle so getan, als wenn Sie, ja ... wer weiß was wären, so'n Gottseibeiuns oder so was.

Kramer. Aufrichtig verbunden. Was wünschen Sie? Ich kann Ihnen die Versicherung geben, es wird Ihnen hier kein Haar gekrümmt.

Liese Bänsch. Arnold hat auch solche Angst vor Sie.

Kramer, betroffen und verwirrt. – – – Arnold? Was heißt das? – Wie heißt der Mensch?

Liese Bänsch erhebt sich ängstlich. Nein aber auch, wie Sie gucken, Herr Kramer! Da mach' ich mich lieber schnell wieder fort. Arnold macht auch immer solche Augen und ...

Kramer. – – Arnold? Ich kenne den Menschen nicht –? –

Liese Bänsch, ängstlich und beschwichtigend. Herr Kramer, ich bitte, es tut ja nichts weiter. Dann kann ja die Sache auf sich beruhn. Ich bin ohne Wissen der Eltern hier ... es ist, wie gesagt, 'ne heikle Sache. Ich spreche dann lieber gar nicht davon.

Kramer, gewaltsam beruhigt. – – Ich sehe Sie heute zum erstenmal. Sie müssen mich deshalb schon gütigst entschuldigen. Ich hab' einen Sohn, der Arnold heißt. Und wenn Sie von Arnold Kramer reden ...

Liese Bänsch. Ich rede von Arnold Kramer, gewiß.

Kramer. Nun gut! Das wundert mich ... wundert mich nicht. – – – Was wissen Sie also von ihm zu berichten?

Liese Bänsch. Ach, daß er so dumm ist und so verrückt und daß er mich immer nicht zu Ruh' läßt.

Kramer. Hm! So! Inwiefern? Wie meinen Sie das?

Liese Bänsch. Nu weil er mich immer lächerlich macht. Ich kann ihn partout doch nicht zur Vernunft bringen.

Kramer. So? Ja, das ist schwer. Das glaub' ich wohl.

Liese Bänsch. Ich hab' ihm gesagt: Geh nach Hause, Arnold. Is nicht. Er hockt die ganze Nacht.

Kramer. Also war er bei Ihnen die letzte Nacht?

Liese Bänsch. Na es bringt ihn ja eben kein Mensch vom Flecke. Papa hat's versucht, Mama hat's versucht, unsere Herren vom Stammtisch haben's versucht, ich hab' es versucht, es ist aber alles ganz umsonst. Er sitzt nur und glubscht immer so wie Sie, und eh nicht der letzte Gast hinaus ist, rührt und rückt er sich nicht vom Platz.

Kramer. Ihr Vater ist Gastwirt?

Liese Bänsch. Restaurateur.

Kramer. Und die Herren vom Stammtisch, wer sind denn die?

Liese Bänsch. Assessor Schnabel, Baumeister Ziehn, mein Bräutigam und mehrere andre Herren.

Kramer. Und die haben sich auch alle Mühe gegeben, ihn, was man so sagt, hinauszubefördern?

Liese Bänsch. Sie nennen ihn immer den Marabu. Lachend. Das is so'n Vogel, wissen Sie ja. Sie meinen, er sähe genau so aus. Wohl, weil er so etwas verwachsen ist ...

Kramer. Ja, ja, ganz recht. – Die Herren vom Stammtisch sind wohl sehr lustig?

Liese Bänsch. Riesig! Zum Totlachen! Kolossal! Ein Jokus ist das manchmal, nicht zu beschreiben. Zwerchfellerschütternd, sag' ich Ihn. Arnold ißt immer so viel Brot, das steht doch so gratis herum auf den Tischen; da haben sie neulich 'n Korb aufgehängt, grade über dem Platz, wo er immer sitzt. Verstehn Sie? So von der Decke runter, aber nicht zu erreichen von unten aus. Das ganze Lokal hat gewiehert förmlich.

Kramer. Und da sitzt mein Sohn an demselben Tisch?

Liese Bänsch. O nein, das duldet mein Bräutjam schon gar nicht. Er hockt immer ganz allein für sich. Aber weil er sich manchmal ein Blättchen herausnimmt und immer so hämisch herüberschielt, da paßt das den Herren manchmal nicht. Und einer ist auch schon mal aufgestanden und hat ihn deswegen zur Rede gestellt.

Kramer. Er dürfe nicht zeichnen, meinen die Herren?

Liese Bänsch. Ja, weil es bloß immer Fratzen sind. Das muß man sich doch verbieten, Herr Kramer. Er hat mir mal eine Zeichnung gezeigt: so'n kleiner Hund und so viele große, das war so gemein ... ganz schauderhaft.

Kramer. Zahlt Arnold, was er bei Ihnen genießt?

Liese Bänsch. Ach schon! deswegen komme ich nicht. Er trinkt seine zwei, höchstens drei Glas Bier, und wenn es weiter nichts wär', Herr Kramer ...

Kramer. Sie sind also ein Gemüt, wie man sagt. – Nun, wenn ich Sie recht begreife, mein Fräulein, so ist mein Sohn, ja, wie soll ich sagen, in Ihrem Haus so 'ne Art Hanswurst, aber einer, den man doch lieber los ist. Ich gehe wohl ferner darin nicht fehl, wenn ich annehme, daß weder die Herren am Stammtisch – hochachtbare Herren sicherlich! – noch auch das Bier noch das Brot Ihres werten Herrn Vaters es sind, was Arnold bei Ihnen festhält – –? -

Liese Bänsch, kokett. Ich kann aber wirklich nichts dafür.

Kramer. Nein, nein, gewiß nicht, wie sollten Sie auch! – Was soll ich nun aber tun bei der Sache? –

Liese Bänsch. Herr Kramer, ich hab' solche Angst vor ihm. Er lauert mir immer auf an den Ecken, und dann werd' ich ihn stundenlang nicht los, und dann ist mir zumute, wahrhaft'gen Gott, als ob er mir könnte mal was antun.

Kramer. Hm! Hat er Sie jemals direkt bedroht?

Liese Bänsch. Nein, das gerade nicht, das kann ich nicht sagen. Aber trotzdem, es liegt so in seiner Art. Mir wird manchmal angst, plötzlich, wenn ich ihn anseh'. Auch wenn er so sitzt und sich ganz versinnt ... so stundenlang sitzt er und spricht keinen Ton, wie gar nicht bei sich, die halbe Nacht. Und auch wenn er seine Geschichten erzählt. Er lügt doch so tolle Geschichten zusammen ... Hu! Wissen Sie, und dann guckt er mich an ...

Kramer. Sie haben auch nichts für ihn übrig, was?

Eine Schelle geht.

Liese Bänsch. – – – Ach du mein Himmel! Sicherlich nicht.

Kramer. Gut. Wünschen Sie Arnold hier zu begegnen?

Liese Bänsch. Um Christi willen! Auf keinen Fall.

Kramer. Es ist Punkt elf, und es hat geklingelt. Auf elf Uhr ist er hierher bestellt. – Er öffnet ein Seitenkabinett. Bitte, treten Sie hier herein. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, was irgend an mir liegt, soll geschehn. Liese Bänsch ab in das Kabinett. Kramer öffnet die Haupttür und läßt Arnold ein. In seinem, schlaffen Gesicht kämpfen Trotz, Widerwille und Furcht. Warte hier hinten, ich komme gleich. Er geleitet Arnold durch den Vorhang, schließt diesen hinter ihm zu, öffnet das Kabinett. Liese kommt heraus. Er legt die Hand auf den Mund, weist nach dem Vorhang. Liese tut das gleiche. Er geleitet sie zur Haupttür, sie schlüpft hinaus. Kramer bleibt stehen, ächzt, faßt sich an die Stirn und fängt dann an, im Vorraum auf und ab zu schreiten. Man sieht, er braucht alle Willenskraft, um seiner tiefsten Erregung Herr zu werden und sein Röcheln zu unterdrücken. Nach mehreren Anfällen bezwingt er sich. Er öffnet den Vorhang und spricht hindurch. Arnold, ich wollte nur mit dir sprechen. Arnold kommt langsam vor. Bunter Schlips, Anläufe zur Geckerei. Du bist ja so aufgetakelt.

Arnold. Wie?

Kramer. Ich meine den roten Schlips, den du umhast.

Arnold. Wieso?

Kramer. Man ist das an dir nicht gewöhnt. Du tust auch besser, du läßt das, Arnold. Hast du denn nun die Entwürfe gemacht?

Arnold. Welche denn, Vater? Ich weiß ja von nichts!

Kramer. Hm! So was kann man vergessen!? So, so. Nun, wenn es dir nicht zu viel Mühe macht, vielleicht kannst du gefälligst ein bißchen nachdenken.

Arnold. Ach so, für den Tischler, meinst du wohl?

Kramer. Ja, meinetwegen auch für den Tischler. Das tut nichts zur Sache, was er ist. Also bist du wohl damit nicht vorwärtsgekommen? – Höre, sage ganz einfach nein. Grüble nicht erst nach Redensarten. Was treibst du denn so die ganze Zeit?

Arnold tut erstaunt. Ich arbeite, Vater.

Kramer. Was arbeit'st du denn?

Arnold. Ich zeichne, ich male, was man so macht.

Kramer. Ich dachte, du stiehlst unserm Herrgott den Tag ab. Das freut mich doch, daß ich mich täusche darin. Übrigens kümmr' ich mich nicht mehr um dich. Du bist alt genug. Ich bin nicht dein Büttel. – Und ich möchte dir auch mal gelegentlich sagen: wenn du irgend mal was auf dem Herzen hast ... ich bin nämlich, sozusagen, dein Vater. Verstehst du? Erinnre dich bitte daran.

Arnold. Ich habe doch nichts auf dem Herzen, Vater.

Kramer. Das sag' ich ja nicht. Das behaupt' ich ja gar nicht. Ich habe gesagt: wenn du irgendwas hast. Ich könnte dir dann vielleicht irgendwie helfen. Ich kenne die Welt etwas tiefer als du. Für alle Fälle! verstehst du mich? – Du warst letzte Nacht wieder außerm Hause. Du ruinierst dich. Du machst dich krank. Halte dir deine Gesundheit zu Rat. Gesunder Körper, gesunder Geist. Gesundes Leben, gesunde Kunst. Wo hast du denn gestern so lange gesteckt? – Laß nur, es geht mich ja gar nichts an. Was du nicht sagen willst, will ich nicht wissen. Sag es freiwillig oder schweig.

Arnold. Ich war draußen, mit Alfred Fränkel zusammen.

Kramer. So? Wo denn? In Pirscham oder wo?

Arnold. Nein, drüben in Scheitnig und da herum.

Kramer. Da wart ihr beide die ganze Nacht?

Arnold. Nein, später dann bei Fränkel zu Haus.

Kramer. Bis morgens um vier?

Arnold. Ja, beinah bis um vier. Dann sind wir noch durch die Straßen gebummelt.

Kramer. So! Du und Fränkel!? Ihr beiden allein!? Da seid ihr ja dick befreundet mitnander. – Was nehmt ihr so vor, wenn ihr da so sitzt und andere in ihren Betten liegen?

Arnold. Wir rauchen und sprechen über Kunst.

Kramer. So?! – Arnold, du bist ein verlorner Mensch!

Arnold. Wieso denn?

Kramer. Du bist ein verlorner Mensch! Du bist verdorben bis in den Grund.

Arnold. Das hast du schon mehr wie einmal gesagt.

Kramer. Ja, ja, ich hab' es dir sagen müssen. Ich hab' es dir hundertmal sagen müssen, und schlimmer als alles, ich hab' es gefühlt. Arnold, beweise mir, daß ich lüge! beweise mir, daß ich dir unrecht tue! die Füße will ich dir küssen dafür.

Arnold. Ich kann eben sagen, was ich will, ich glaube ...

Kramer. Was? Daß du verdorben bist?

Arnold, sehr blaß, zuckt mit den Achseln.

Kramer. Und was soll werden, wenn es so ist?

Arnold, kalt und feindlich. Ja, Vater, das weiß ich selber nicht.

Kramer. Ich aber weiß es, du gehst zugrunde!!! Er geht heftig umher, bleibt am Fenster stehn, die Hände auf dem Rücken, nervös mit der Fußsohle klappend.

Arnold, mit aschfahlem, böse verzerrtem Gesicht, greift nach seinem Hut und bewegt sich auf die Türe zu. Wie er die Türklinke niederdrückt, wendet sich Kramer.

Kramer. Hast du mir weiter nichts zu sagen?

Arnold läßt die Türklinke los und wirft lauernde Blicke, mit verstocktem Ausdruck.

Kramer. Arnold, regt sich denn gar nichts in dir? Fühlst du denn nicht, daß wir Martern leiden? Sage etwas! Verteidige dich! Sage doch etwas, wie Mann zu Mann. Sprich meinetwegen wie Freund zum Freund. Tat ich dir unrecht? Belehre mich doch! Rede! Du kannst doch reden wie wir. Warum kriechst du denn immer vor mir herum? Die Feigheit veracht' ich, das weißt du ja. Sage: Mein Vater ist ein Tyrann. Mein Vater quält mich. Mein Vater plagt mich. Er ist wie der Teufel hinter mir her. Sag das und sag es ihm frei heraus. Sage mir, wie ich mich bessern soll. Ich werde mich bessern, auf Ehrenwort. Oder meinst du, ich habe in allem recht?

Arnold, seltsam erregungslos und gleichgiltig. Es kann ja meintwegen sein, daß du recht hast.

Kramer. Gut. Wenn das deine Meinung ist. Willst du dich denn nicht zu bessern versuchen? Arnold, hier reich' ich dir meine Hand. Da, nimm sie, hier ist sie, ich will dir helfen. Nimm mich zum Kameraden an, nimm mich zum Freund an in zwölfter Stunde! Aber, Arnold, die zwölfte Stunde ist da. Täusche dich nicht, daß sie wirklich da ist. Raffe dich, reiße dich über dich selbst. Du brauchst nur zu wollen, dann ist es geschehen. Tue den ersten Schritt zum Guten, der zweite und dritte geht sich von selbst. Ja? Willst du? Willst du dich bessern, Arnold?

Arnold, mit gemachtem Befremden. Ja, wie denn? Worin denn?

Kramer. In allem, ja –? –

Arnold, bitter und bezüglich. Ich hab' nichts dagegen. Warum denn nicht. Mir ist nicht sehr wohl in meiner Haut.

Kramer. Das will ich wohl glauben, daß dir nicht wohl ist. Du hast den Segen der Arbeit nicht. Arnold, den Segen mußt du erringen. Du hast auf dein Äußeres angespielt. Er nimmt die Beethovenmaske. Da! sieh dir mal hier die Maske an. Sohn Gottes, grabe dein Inneres aus! Meinst du vielleicht, der ist schön gewesen? Ist es dein Ehrgeiz, ein Laffe zu sein? Oder meinst du vielleicht, Gott entzieht sich dir, weil du kurzsichtig bist und nicht geradegewachsen? Du kannst so viel Schönheit in dir haben, daß die Gecken um dich wie Bettler sind. – Arnold, hier hast du meine Hand. Hörst du? vertraue mir dieses Mal. Verstecke dich nicht, sei offen mit mir. Sei es um deinetwillen, Arnold! Mir liegt nichts daran, wo du gestern warst; aber sag es mir. Hörst du? um deinetwillen. Vielleicht lernst du mich kennen, wie ich bin. Nun also: Wo warst du gestern nacht?

Arnold, nach einer Pause, mit tiefer Blässe, nach sichtlichem Kampf. – Vater, ich hab's dir ja schon gesagt.

Kramer. Ich habe vergessen, was du gesagt hast. Wo warst du also? Verstehst du mich? Ich frage dich nicht, um dich deshalb zu strafen. Nur um der Wahrhaftigkeit frag' ich dich. Erweise dich wahrhaft und weiter nichts.

Arnold, mit Stirn, trotzig. Ich war doch bei Alfred Fränkel.

Kramer. So!

Arnold, wieder unsicherer. Wo soll ich denn sonst gewesen sein? –

Kramer. – Du bist nicht mein Sohn! – Du kannst nicht mein Sohn sein! Geh! Geh! Mich ekelt's! Du ekelst mich an!!

Arnold drückt sich sogleich hinaus.

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