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Gutenberg > Hermann Stehr >

Meta Konegen

Hermann Stehr: Meta Konegen - Kapitel 4
Quellenangabe
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typedrama
authorHermann Stehr
titleMeta Konegen
publisherS. Fischer, Verla
year1904
firstpub1904
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20120214
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Zweiter Akt

Das große Gartenzimmer im Konegenschen Landhause, ein saalartiger Raum. Drei Fenster in den rechten Seitenwand, vor links Tür nach dem Flur. In der Hinterwand zweiflügelige Glastür, die geöffnet ist und den Ausblick in einen weitläufigen, parkartigen Garten gestattet. Von der Tür aus tritt man auf eine breite Rampe. Sie ist geschützt durch ein Glasdach, das auf gußeisernen Säulen ruht. Wilder Wein umrankt sie, einige Stufen führen in den Garten. Altmodisches Sofa mit geblümtem, verblichenem Überzug an der linken Seite; rechts in der Ecke ein alter Mahagoniflügel mit Wachstuchdecke, kleine Tischchen, Liegestühle, Sessel. Von der Decke hängt an einer Kette ein Messingkronleuchter für Kerzenlicht. Der Raum ist ausgestattet mit den ererbten Möbeln einer heimgegangenen Generation. An den Fenstern Zugvorhänge aus ziemlich dichtem Creton mit verblichenem Blumenmuster. Die Fenster der Glastür mit kurzen Vorhängen eines musselinartigen Stoffes. Es ist gegen fünf Uhr nachmittags an dem Tage des ersten Aktes.

Doktor Tetzner und Max Kullmann, an einem kleinen Tischchen in der offenen Tür, beenden die Vesper.

Max Kullmann, mittelgroß, sehnig, beweglich, hochgestirnt, blond, mit keckem aufgezwirbeltem Schnurrbärtchen und Pincenez. Fünfundzwanzig Jahre alt. Hahaha! – Da willste also wohl in die Liga zum besten der Steißtrommler, alias Lehrer eintreten. Natürlich inaktiv.

Doktor Tetzner. Es ist Geschmackssache, ernste Dinge leichtfertig zu nehmen.

Kullmann. Tu doch nicht so, als ob dir der Mann aufgegangen sei.

Doktor Tetzner. Aufgegangen, durchaus richtig. Unterschreib ich.

Kullmann. Der Mann ist 'n Heupferd mit dem Unterschiede, daß er Papier frißt statt Gras.

Doktor Tetzner. Wenn du Konegen heute morgen so gesehen hättest, wie ich ihn gesehen habe, würdest du wahrlich anders reden. Aber du hast eben nur zu ihm die Distanz des Rivalen.

Kullmann, gelangweilt. Schieb mir mal die Zigaretten rüber.

Doktor Tetzner tut es. Mit leiser, eindringlicher Stimme. Ich glaube, wir sind zu lange da.

Kullmann, in verhaltener Leidenschaftlichkeit. Jawoll, zu lange. Ich wollte – äh!! Schleudert die Hand durch die Luft und beginnt erregt zu pfeifen.

Doktor Tetzner. Hast du mich verstanden? – Ich dächte, es läge in unser aller Interesse, wenn wir so schnell wie möglich abbauten.

Kullmann, erregt den Rauch der Zigarette von sich blasend. Abbaun. Jawohl. Und das von Grund aus.

Doktor Tetzner, leise über den Tisch. Weil de heute nich rangekonnt hast, was? Den ganzen Vormittag nich, trotz der brünstigen Serenade.

Kullmann steht verstimmt auf. Du hast di gestern die Nase begossen. Da quassel nur gefälligst alleine.

Doktor Tetzner schiebt den Stuhl wieder zurecht. Max, setz dich mal her und hör. Du warst also gestern Abend mit mir in der Kneipe. Das heißt, du bist erst so um sieben rum nachgekommen, was?

Kullmann. Wer sagt dir denn den Stuß?

Doktor Tetzner. Ich. Weil er Lunte gerochen hat.

Kullmann nimmt wieder Platz. Wer?

Doktor Tetzner. Tu mir den einzigen Gefallen und mucke nich. Wer? Dein Onkel, Konegen. Er hat dich so um neune durch den Garten gehen sehen und dich an dem Rucken der Schulter erkannt. Na, siehste, wie ich dich kenne, is doch nur der Punkt da, wo der Kullmannsche Haken angebracht ist. Da habe ich geglaubt, zur Beruhigung des guten Mannes, im Interesse des allgemeinen Friedens, speziell aber wegen unseres sauberen Abganges das so arrangieren zu müssen.

Kullmann. Danke, Tetzner! War prompt und sicher. Die Geschichte is aber die, daß es leider nichts nützt.

Doktor Tetzner. Ich weiß nicht, wie du das meinst.

Kullmann. Na einfach. Ich bonze nich hinterher. Du kennst mich doch. Ich mag sonst so gehandelt haben, und zwar mit Recht und aus Notwendigkeit. Geb ich zu. Das ist aber keiner von den Fällen. Tetzner, die Sache ist mir verflucht ernst.

Doktor Tetzner. Weiß ich, insofern sie die Frau deines Onkels is und Mutter. Viel ja nich; aber doch genug, um die Sache noch verzwickter zu machen. Insofern haste recht, is das 'n andrer Trichter.

Kullmann. Es ist deine Sache, es so zu verstehn; ich meine es anders, wenn du willst, edler. Kurz: dein freundschaftlicher Schwindel war gar nicht nötig.

Doktor Tetzner. Na, er hat aber doch Wind in der Nase.

Kullmann. Mag er mißtraun. Er soll. Das führt am ehsten zum Ende.

Doktor Tetzner. Kannste denn nich so lange warten, bis wir in 'n Hotel mit guten Betten gekommen sind.

Kullmann. Du schmeißt eben nach allem mit dem Stiefelknecht.

Doktor Tetzner. Max, das ist ja purer Wahnsinn, so zur Unzeit in triefenden Ernst zu verfallen. Du verplemperst dir ja deine ganze Karriere.

Kullmann. Jawohl, ich bin entschlossen, hier den Weg des vollen, heiligsten Ernstes zu gehen, ganz gleich, ob er bitter ist oder nicht.

Doktor Tetzner, ironisch. Und da willste eben nu mal … nee, die heroische Pose paßt absolut nicht für dich. Das quietscht ja förmlich. Verneigt sich gegen die Fenster, hinter denen Pfarrer Hoheisel und Professor Konegen auftauchen und nach einem Blick auf die beiden sich wieder entfernen.

Kullmann. Wer waren denn die?

Doktor Tetzner. Ich glaube, dein Onkel und der hiesge Papst. Wollten wahrscheinlich hier rein und sind nun ins Haus zurück, . Da bist du also entschlossen, deinem Onkel die Frau abzudrucken.

Kullmann. Frau. Is ja gar nich seine Frau, is ja gar nich ihr Mann, schon lange nich, is nich die Spur von Ehe. Die Kinder sind wie in einem fremden Hause. Ich weiß besser. Hier gibts gar nichts zu schonen. – Tetzner, sei doch mal ernst.

Doktor Tetzner. Na. Gut. Also: da – nehmen wir mal an – gibts nichts zu schonen. Nehmen wir an, 's stimmt, und lassens mal einstweilen beiseite. Aber bei dir!

Kullmann. Herr Teufel! Meinst du etwa, ich soll den künftigen Amtsrichter in mir schonen? Ich unterwerfe mich der Souveränität einer großen Liebe. Das is mir!

Doktor Tetzner. Nee, das geht wirklich schon ins Aschgraue. Du bist, weiß Gott, wirklich durch dein halbes musikalisches Talent verpfuscht. eigentlich nich Fisch noch Vogel. Adieu, Mäxchen! Geht dem Ausgange zu, kehrt aber noch mal zurück.

Kullmann. Hm! Gerade in dem Punkte … na, ihr, laßt mich nur machen!

Doktor Tetzner. Noch eins, ich habe die Überzeugung: »Sie« will nich.

Kullmann. Amüsant!

Doktor Tetzner. Wie weit ihr in der Laube miteinander gekommen seid, weiß ich ja nich.

Kullmann. Wie denn Laube? Wie kommst du denn mit einemmal auf die Laube?

Doktor Tetzner. Kullmann! Zeigt kopfschüttelnd auf die Stirn. Die Geschichte springt doch wie 'n Floh jedem auf `n Hals. Du weißt doch, daß sie dem guten Konegen diese Nacht eine Szene gemacht hat, Ich konnte ja weiter nichts von ihm erfahren. Aber es muß doch böse gewesen sein, denn sie is, wie mir die Anna sagte – ach, du weißt ja ebenso gut wie ich.

Kullmann, überlegen lächelnd. Und da sagst du: »Sie« will nich. Sonderbare Logik.

Doktor Tetzner. Ich hab sie heute morgen untersucht, gerade auf Konegens Veranlassung nich, aber so ähnlich doch. Da war sie wie ein verprügeltes Kätzchen und klebte förmlich von »ihrem lieben Mann«.

Kullmann. Aha, jetzt kommt der Knacks.

Doktor Tetzner. Nee, das gerade nich– Die gesundheitliche Seite wär ja auch Nebensache für deine Verfassung. Aber, du hast sie ja doch lustwandeln sehn hier im Garten. Sie und ihn. Diesen Vormittag. Sie eingehängt, angeschmiegt, sage ich dir. Beide des Lebens allerschönstes Tier.

Kullmann. Du lügst. Das ist nicht wahr.

Doktor Tetzner. Weil dirs nich in den Kram paßt, deswegen lüg ich dir. Aber, nicht einen Deut kann ich abtun davon.

Kullmann. Verekeln willst du mir alles. In den Kot ziehen, mich platt machen, feig.

Doktor Tetzner. Denk, wie du willst.

Kullmann, nach einer Weile des Schweigens, währenddessen er mit der Spitze des Fußes Figuren auf den Boden gezeichnet hat. Mag alles sein, wie du's gesehn hast. Mag's selbst innerlich von ihr so gemeint sein. Da eben sah ich ihr großes, reines Wesen. Wo sie ist, ist sie ganz, und auch da glaubt sie Treue halten zu müssen, wo Treue ein Vergehen ist. Sie wär nicht sie selbst, wenn sie ohne Kampf und Not in meine Arme liefe. Aber unter Beben sehnt sie sich nach dem starken Hiebe, der sie von diesem unwürdigen Verhältnis lostrennt. Männchen, ärmliches, kluges Männchen, Tetzner! und – ich – will – ihn – führen!! Deiner ganzen Klugheit zum Trotze. Wie man Sand aus den Taschen wirft, so will ich von mir werfen: bequeme Hoffnungen, gutes Auskommen, guten Ruf, alles – und wenn es nicht anders sein kann, Freundschaft, Ich will dieses Weib herausführen aus ihrer Grube, mir zum Segen und ihr.

Doktor Tetzner. Gott, ich geh ja schon. Mäxchen, du bist komplett. Vor der Hand heißt das. Aber tob dich aus, das kuriert dich immer am besten. Hier hast du meine Hand. Kullmann kehrt sich ab. Auch gut. Ich bleibe dein Freund. Denn ich weiß, du bist ein goldner Kerl, trotz alledem.

Kullmann folgt dem Davongehenden, schneidet sich eine Rute aus dem Gesträuch und entblättert sie. Da kannst du warten! Steigt wieder herauf. Das Mal geht 's Grundeis! Lehnt am Türpfosten und schlägt die Rute erregt durch die Luft. So! _ und so – und so – ich geh aufs Ganze! Schlägt unter Murmeln weiter.

Hindemit, Schlossermeister, Mann in mittleren Jahren, weit vorspringende, gerötete Nase, kleines schwarzes Schnurrbärtchen, blaue Leinwandbluse, die Hände in den Taschen, kommt, leise vor sich hinpfeifend, von lins an die Tür geschlendert. Bleibt mit einem pfiffigen Gesicht stehen. Ah, guten Morgen ooch, Herr Studiosus! Pause. Sie sein, wenn man fragen darf, doch zu Besuch dahier.

Kullmann sieht erstaunt auf und schlägt dann weiter, ohne ihn zu beachten.

Hindemit sieht ihm eine Weile mit Kennerblicken zu. Nich schlecht! – Au! – Hern Se, wenn der wilde Wein da richtig mit eener Finte pariert hätt und drnach pfff!! Da könnten Se sich jetze 's Backe ei de Hand nehmen. Ich versteh nämlich das Fechten au a wing. Ich war Ölser Gelber.

Kullmann. Sie sehn doch, daß ich mit Ihnen nich reden will.

Hindemit. Da stehn Se of demselben Flecke wie ich: ich ha 's ooch satt mit mir; ich langweil mich schrecklich. Pause. Malitiös. Ich gloobe, ei dem Hause is der Wind nich richtig eingestellt. Das heeßt – Stimmen von links. Da kommt ja mei Schutchen! Schnell links ab. Gelächter. Gespräch kommt näher.

Stimme der alten Therese. Schlosser, Sie aler Alb, lassen Sie och das Mädel bei dr Arbt. Wern Sie glei gehn! Max tritt neugierig die Stufen hinunter, mit Schlagen fortfahrend.

Stimme Theresens. Barry, hier her! Heda! Lassen Sie das Geschwippel mit der Rutte. Wenn Sie der Hund … Das Tier knurrt. Barry, hier her! Die Rutte weg! Therese und Anna, üppiges, hübsches Dienstmädchen von zwanzig Jahren, mit einem hochbepackten Wäschekorbe, dahinter Hindemit. Kullmann ist zwei Stufen heraufgestiegen und schlägt weiter.

Hindemit. Ich gloobe Herr Studiosus … !

Therese. Sie sollens sein lassen.

Der Hund fährt aufbellend gegen Kullmann, der sich heraufrettet und angstvoll schlägt. Schrei der Frauen.

Kullmann. Verfluchte Bestie! Anna, da nehmen Sie das Vieh doch am Halsbande!

Therese. Ja, ich decht, der Herr Hintenrum! So a Hund weeß eefach,wer eis Haus geheert und wer nich. Na nu komm und greif zu.

Anna, besorgt zu Kullmann. Han Se sich was gemacht?

Kullmann. Ach laß nur.

Therese. Nu aber mach un komm! Mir kenn doch dahier nich stehn blein.

Hindemit. Anneken, Anneken!!

Anna. Schlosser, helfen Se amol, sein Se aso gut, den Korb da forttragen. Ich wer hier schnell vor der Vasper hier ufräumen und komm glei anoch.

Therese. I nu, wirst du denn glei rundergehn, sag ich! Hängt denn alles onander? Herr Kullmann, da sagen Sie 'r doch a Wort!

Kullmann. Wenn Anna hier zu tun hat, da is doch gut, und nun lassen Sie mich in Ruhe!

Hindemit verbeugt sich mit komischer Gravität vor Therese und ergreift den Henkel. Na, Madam, das miß mr ebens. Komm und mach kee solches Gesicht, als wenn de Traufe über de Nase ging. Beide, der Schlosser lachend, Therese mit allen Zeichen der Wut unter zornigem Murren, ab.

Anna. Nee, das konnte aber böse wern. Warten Se och, Sie han sich da vorne an a Hosen Flecke gemacht. Kniet nieder und beginnt mit der Hand die Hose zu reinigen.

Kullmann. Ich hätt dir die Kurasche nich zugetraut. Nimmt ihr die Hand weg. Anna! – Du? –

Anna. Was denn? Sie kenn doch nie aso gehn.

Kullmann zieht das Portemonnaie und reicht ihr ein Geldstück hin. Hier hast du. Und nu, Mädel, muß alle sein. Heiraten könn wir uns doch nich.

Anna, gekränkt. Da sehn Se's! Ne nee, Geld nimmt mer daderfier nich. Ich bin doch kee Mensch,

Kullmann. Du bist wohl meschucke, Mädel? D, mach nich erst Spitzpfeifereien und nimm die Mark.

Anna, weinerlich. Sehn Se, wenn Se noch wärn wie früher; aber so, nee. Ich ha Ihn doch nischte getan, alles gemacht, was ich Ihn an den Augen absehn kunnde, Aber ich weeß schon, warum ich nich meh gut genung bin!

Kullmann. Mach doch keinen Blödsinn, halt's Maul! Wenn jemand kommt!

Anna. Ja, Sie denken, weil ich bloß a Dienstmädel bin. Aber a so eene wie ich hat au ihre Ehre eim Leibe. Ich meen's doch wahrhaftig meiner Seele gut mit Ihn. Sehn Se, wenn ich hätt gewollt schlecht sein, vir a zwee Stunden, da hätt ich gekonnt. Da fragte mich dr Herr Professer, ob ich wär gestern abend in der Laube gewest. Na sehn Se, wenn ich gewollt hätt, da warsch um Sie geschehn. Um die Frau kimmer ich mich gar nich, die sellde amal orndtlich sellde sie was draufkriegen.

Kullmann. Du bist von Sinnen, Weibstück! Was du da faselst, ist ja der reine Unsinn. Hör mal an, ich verbiete dir ernstlich, zu irgend jemand so was zu sagen.

Anna. Weeß ich alleene. Nee, nee! aso dumm bin ich doch nich, da meen ich's zu gut mit Ihn. Ich ha getan wie Tulpe.

Meta, durch die Flurtür eintretend. Guten Tag, Max.

Kullmann, ihr entgegeneilend. Schönsten guten Tag, Meta! Wir haben wohl heute den Tag der unsichtbaren Götter?

Meta. Anna, was stehst du denn da? Mach mit dem Aufräumen ein wenig schnell! Zu Kullmann. Herr Tetzner ist weg? Er lauft wohl viel rum.

Kullmann. Ja, er is grade weggegangen.

Theresens Stimme. Anna! Anna!! Was is 'n das fir a Gebummel!

Meta. Hörst du nicht, Therese ruft. Da tändle doch nicht so!

Anna. Ich hersch. Aber ich kann doch nich fortlaufen und hierblein of eemal. Ich soll doch hier ufräumen.

Meta. Na ja, hier nimm das Tablett und geh, so. Zu Kullmann gegen den Ausgang hin. Der Tag ist kühler geworden, als man dachte.

Kullmann, mit galanter Ironie. Ja, a ganz charmantes Wetter geworden. Sehr richtig! Anna ab. Warum bist du denn so böse?

Meta. Ich kann das Mädel, die Anna, nicht leiden. Ich hab einen ordentlichen Haß auf sie, Was gab's denn, es war doch so 'n Lärm?

Kullmann. Der Barry hat mich attackiert.

Meta lehnt die Flügeltür zu, Kullmann springt hinzu, zu helfen. Hm, so. Nicht zumachen!

Kullmann. Liebstes, süßes Weib, warum läßt du mich denn den ganzen Tag schmachten! Du siehst furchtbar leidend aus. Was hat's denn bloß?

Meta weicht ihm aus und zieht sich von der Tür zurück. Sage mir, was Anna zu dir gesprochen hat.

Kullmann. Na gar nichts eigentlich. Die quasselt doch immer so.

Meta. Max!

Kullmann. Nun, das … aber versprich mir, dich nicht aufzuregen. Ja?

Meta. Gut.

Kullmann. Onkel hat sie gefragt, wer gestern abend in der Laube gewesen ist.

Meta, sinkt erschrocken auf einen Stuhlnahe an der Flurtür. Siehst du! Da, jetzt kommt die Strafe für meine Feigheit.

Kullmann. Was sagst du?

Meta fährt auf. Ich möchte mir das Gesicht peitschen. Dumpf. Hm, deswegen hat er auch den Pfarrer holen lassen. – Aber mag kommen was will, ich werde wenigstens jetzt ehrlich sein.

Kullmann. Ich begreife dich nicht. Das war doch klar, daß die Auflösung nicht so glatt gehen würde, wie es uns gestern abend schien. Außerdem versteh ich nich, was der Pope bei der ganzen Sache zu tun hat.

Meta. Pfarrer Hoheisel ist bei meinem Mann. Das hängt alles damit zusammen. – Tritt ein wenig hintern Pfeiler! In fünf Minuten müssen wir fertig sein.

Kullmann. Meta, du machst mich auf das Tiefste besorgt. Ich bitte dich, Liebste!

Meta. Wenn du noch einmal Miene machst, dich mir zu nähern, steh ich sofort auf und geh. Es ist aus, es muß aus sein zwischen uns, ganz, vollständig. Ich bleibe hier bei meinen Kindern, bei meinem Mann, vor allem bei meiner Pflicht. Versuche nicht, mich wankend zu machen.

Kullmann. Aber denke doch bloß an den gestrigen Abend. Was war denn das alles, wenn es jetzt aus sein soll?

Meta, entsetzt. Alles. Wie meinst du denn – alles?

Kullmann. Liebstes Weib, siehst du denn nicht, daß du gegen dich kämpfst, gegen dich allein? Denke doch nur an deine gestrigen Worte. Tore gehen auf, sagtest du, Licht aus heitern Sälen über breite Stufen fließt auf mich nieder, ich habe den Himmel wieder, die Sterne, meinen Atem, ich steh aus einer Grube auf. Meta, deine Worte! Das ist deine einzige Pflicht: aufstehen in Süße, nach diesem Rausche heilger Küsse.

Meta, erleichtert. Und wenn auch nur Küsse! Es war Sünde.

Kullmann, verächtlich. Sünde! Meta!

Meta. Jawohl, würdelos, ehrlos für dich und für mich. Ich war noch seine Frau und Mutter seiner Kinder, ich hatte noch kein Recht zur Liebe gegen dich. Es war unsauber, unnatürlich, noch nicht getrennt zu sein und schon sich binden. Wär gestern abend nicht gewesen, könnte ich heute vor ihn treten und mit freier Stirn fortgehen von hier. Nun darf ich's gerade deswegen nicht, auch wenn ich wollte. Aber ich will's nicht, nein!

Kullmann. Hierbleiben und veröden. Meta, vergißt du denn alle deine Worte?

Meta. Ja. Als Magd erdienen, was ich als Herrin verloren habe, du auch, durch meine Schuld. Meinthalb veröden, wenn's nur in Ehren ist. Du siehst, Max, ich bleibe. Geh, laß mich, fahre fort und das gleich, womöglich heute noch, weit weg. Vergiß mich, vergiß alles, alles. Erschöpft innehaltend. Im Hausflur kommen Schritte. Hörst du, Max, sie kommen! Leb wohl! es ist aus! Beide treten an die Flurtür.

Pfarrer Hoheisels Stimme von draußen. Das Haus ist wirklich äußerst praktisch gebaut.

Konegen klinkt an der verschlossenen Tür. Eklig! Wieder mal von innen durch die Kinder zugeriegelt. Max packt die Türklinke und macht eine Geste, zum letzten entschlossen zu sein. Meta faßt mit der einen Hand sein Gelenk, mit der andern hält sie ihm den Mund zu. Hoheisel und Konegen entfernen sich.

Max bedeckt unter Stammeln Metas Hand mit Küssen, er sucht sie in besinnungsloser Leidenschaft zu umfangen. Meta! Weib! Gott! Gott!

Meta, atemlos, verzweifelnd ringend. Max – sie kommen – ich kann nicht mehr leben, wenn man mich hier trifft! Laß los! – reise! – Reißt sich los, durch die Flurtür ab. Max wankt dem Gartenausgang zu und läßt die Tür hinter sich offen stehen. Konegen und Pfarrer Hoheisel steigen die Stufen herauf.

Hoheisel, weißhaariger, ehrwürdiger alter Herr mit gesunder Korpulenz und einem biederen, ausgepredigten Organ, Dreht sich auf den Stufen um. Ja, wie gesagt. Wer war denn der junge Herr?

Konegen gedrückt, reizbar, blaß. Mein Besuch, Herr Pfarrer.

Hoheisel. Ach so, der junge Herr, mh, mh. Zieht eine große Sandauer Deckedose, präsentiert, nimmt sie aber schnell wieder an sich. Richtig, Sie schnupfen ja nicht, Herr Professor. Bhhh, 'n schöner Garten, sozusagen herrschaftlich. Und hier ist's hübsch kühl. Bhhh, hier sind wir wirklich ungestört. Also, wie gesagt, in der vollen Diskretion meines heiligen Amtes, ich dränge mich nicht auf. Aber bei Ihrer Frau Gemahlin ist es durchaus, wenn ich meiner Meinung Ausdruck geben darf – Konegen hat Stühle bereit gestellt – ja, setzen wir uns den Augenblick, in dem Alter verträgt man das Stehen nicht mehr so gut – durchaus nicht ein körperliches Leiden. Irgend ein schwerer Schatten liegt über ihrer Seele, sozusagen eine düstere, bannende Gewalt. Sie ist ja wohl, im Grunde genommen, ein frommes Gemüt, und mit Gottes Hilfe überwindet sie's gewiß. Allein es könnten doch, trotz alledem, unvorhergesehne Komplikationen eintreten. Sehen, das Weib ist nämlich der Engel liebste Gespielin und des Teufels leichteste Beute.

Konegen, mühsam an sich haltend. Herr Pfarrer, ich darf diese letzten Worte wohl als Entgleisung betrachten, nicht wahr? –

Hoheisel. Gewiß, Herr Professor, so nur bildlich Teufel, als Prototyp des Unglücks. Sie verstehen mich falsch. Nein, nein! Bhhh. Wie könnte jemand von einer Dame so etwas bloß denken, die das größte Aufsehn erregt, wo sie sich nur blicken läßt. – Hehehe. – Also wie gesagt, es wäre doch angezeigt, wenn eine ihr nahestehende Person von überlegenem Alter einige Zeit unauffällig um sie wäre. – Ich bitte um Gottes willen, Sie zweifeln doch nicht an meiner reinen Gesinnung! – Ich meine das, damit sie durch die Empfindung, überwacht zu sein, nicht bedrückt wird, sondern sozusagen einen inneren Halt gewinnt, eine Gewalt, die sie förmlich aus sich selber heraufsteigen fühlte. In allem Göttlichen Vermehrung der Demut, in allem Menschlichen Stärkung der Eigenkraft: das ist der Weg aus aller Not wieder Erde. Bhhh. Fixiert den Professor scharf.

Konegen, gepreßt. In der von Ihnen eben angedeuteten Richtung ist mein Name von meiner Frau Ihnen gegenüber genannt worden, wenn ich Sie rech verstanden habe.

Hoheisel nimmt umständlich eine Prise. Name … sozusagen … e … wissen Sie, Herr Professor, ich bin nämlich Priester. Ich habe keinen Kummer, als den Kummer meiner Mitchristen, und meine Zunge liegt in Gottes Hut.

Konegen, tonlos. Ja oder nein?

Hoheisel, in lächelnder Überlegenheit. Ja und nein sind böse Worte, Herr Professor. Ich schlafe auch gerne meine Nacht.

Konegen erblaßt bis in die Zähne und sieht ostentativ auf die Uhr.

Hoheisel tut dasselbe und erhebt sich. Ja, 's ist schon halb sechs. Ich halte Sie von der Arbeit ab. Mh, ja?

Konegen, rauh. Mein Pensum ist allerdings noch nicht beendet.

Hoheisel trägt den Stuhl weg. Richtig, Sie wollen ja zum Lehrertage fahren, hahaha! Ich habe es von meinem Küster.

Konegen sieht ihn finster fragend an.

Hoheisel. Na ja, er ist sozusagen auch Hauptlehrer, der Herr – e – Müller nämlich.

Konegen, sarkastisch. Ja so, der Kandidat von Groß-Költschen!

Hoheisel. So ist es. Der Mann hat wirklich ein klares Urteil und Mut, Mut! Bhhh. Mein Gott ja, was sollen die Herren nicht auch mal öffentlich sozusagen Geist haben – hahaha! da der Lehrertag in Breslau. Aber es war zu erwarten, da hat jeder einen viel zu großen Respekt vor Ihrer Bedeutung. Sie haben eben eingesehen: Wir sind keiner der Heiland, um Wasser in Wein verwandeln zu können. Vollends nach dem Vorfall nicht. Ich meine das Leiden Ihrer Frau Gemahlin.

Konegen. Diese vollständig überflüssige Unterredung ist wohl nun zu Ende.

Hoheisel bewegt sich gegen den Ausgang hin. Ich nehm Ihnen Ihre Reizbarkeit nicht übel. Trösten Sie sich mit mir.

Konegen. Ihr Trost wäre wenig ehrenvoll für mich, mein Herr.

Hoheisel. Sie vergessen, dass ich Priester bin.

Konegen. Nein, weil Sie es sind, trotzdem Sie es nicht sind.

Hoheisel, wegwerfend. Erregen Sie sich doch nicht. Ihr Standpunkt wird dadurch nicht besser.

Konegen, am Ende seiner Beherrschung. Sie sind bei mir eingedrungen.

Hoheisel, durch die Tür schreitend, bleibt stehen. Weil ich der Hüter der öffentlichen Sitte. bin.

Konegen, in höchstem Zorn. Als Schurke!

Hoheisel, der über die Stufen hinuntergestiegen ist, lächelnd, Sagen Sie, was Sie wollen: Die Schule bleibt unser. In Gottes Namen.

Konegen. Das wird sich ja in Breslau zeigen, wem sie gehört.

Hoheisel, schon in der Ferne, lacht spöttisch. Das Pförtchen schlägt zu.

Konegen muß si89ch Heraufsteigen auf die Stufen setzen und verharrt verstört eine Weile. In der Ferne klingt eine Kinderstimme auf. Da reißt er jäh den Kopf aus den Händen und ruft erstickt und immer freier, wie um Hilfe. Willy! – Willy!! – Willy!! –

Willy, aus der Ferne. Was soll ich denn, Vatel?

Konegen, mit zur Erde gekehrtem Gesicht. – Mal herkommen – hier! – her! – hier!

Willy steht furchtsam, stürmisch atmend vor ihm.

Konegen bemerkt ihn nicht, immer seine Augen in den Boden bohrend. So – so – also, da wollt ihr mich – nun, wartet nur erst ab! sieht auf. Ja, wo steckst du denn? Ich will nichts hören! Du sollst sofort still sein! Gegen die Erde. – Nein, kaum zu glauben – gemein – gemein – pfui! fällt in heilige Sanftmut. Ja, mein liebes Jungele, ruf mal die Mutter, sie soll gleich mal zu mir kommen. Hierher, verstehst du?

Willy. Ja. Fängt im Fortlaufen an zu schreien. Muttel, du, Mut – tel – Muttel!

Konegen tritt ins Gartenzimmer herein, schließ, mit sich redend, die Vorhänge an Tür und Fenster. Als Schritte im Hause nahen, geht er schwerfällig und läßt sich auf einen Stuhl im Dunkel nieder, von wo er, die Augen weit geöffnet, stumpfsinnig nach der Flurtür hinstarrt.

Meta stutzt an der Flurtür. Joseph! – Konegen!! – Um Gottes willen … ach, dort sitzt du im Dunkel.

Konegen. Ja, es ist dunkel um mich.

Meta. Was sagst du?

Konegen, mit dumpfer Entschlossenheit. Schließ die Tür – riegel sie ab – zieh dort die Vorhänge besser zu – so – und n un setz dich dort in die Ecke – nein, komm näher – ja – hmhm … Warum bist du nicht du die Flurtür hereingekommen?

Meta. Ich stand in der Nähe der Haustür, als Willy nach mir rief.

Konegen. Die Klinke ist noch warm von Männerhänden … Atmet schwer aus. – Da, bitte, schließ auch diese Tür– Senkt die Stimme. Hast du mit etwas mitzuteilen? – Es ist ganz still – du kannst leise reden – ja? –

Meta. Joseph – du – ich will niemand anklagen – stockt – es war in all den Jahren – stockt – Mann … Bricht überwältigt ab. Man hört sie vergeblich nach dem Wort ringen.

Konegen hat sich mit den Ellenbogen auf die Kniee gestützt und wartet, das Gesicht zur Erde gekehrt, auf Antwort. Du willst mich anklagen. Jawohl, da hast du eigentlich recht. Warum habe ich mir den Zweifel nicht eingestanden? Es hat doch vor mir gestanden. Es hat mich bei der Hand genommen und wollte mich hinführen. – – Aber man wagt sich doch an einen so ungeheuerlichen Gedanken nicht heran.

Meta kaum hörbar. Du hast mich gehen lassen.

Konegen richtet sich auf aus seiner gebeugten Haltung. Ich habe dich gehen lassen, daß du zu dir kommen solltest, zu deinem Besseren in dir. – Aber du bist an dir vorbeigegangen und an mir – außen und innen, Denkst du, weil ich dich gewähren ließ und stumm blieb, ich hab es nicht gefühlt? Ich wußte alles, ich hab es hundertmal in Scham und Trauer hinunter gewürgt – – hm! – wenn du mich ansahst wie einen, mit dem man Mitleid haben muß – – mich, der für sich nichts will und für andere ekstatisch–schmerzvoll – alles – alles – alles – gegen die Erde murmelnd – für meine Brüder – – setzt sich starr auf – und nun soll mir alles zusammengestürzt sein? – Hm. – Ist das deine Seele, dich hinter meinem Rücken zum Liebesspiel mit einem faden Burschen fortzuschleichen, deine Kinder zu vergessen, deine Weibesehre, ist das herrlich, ist das Natur? –

Meta. Ich habe dich entbehrt.

Konegen. Was hast du getan?

Meta. Auf dich gewartet – nach Liebe gehungert – in Bedrängnissen – und wenn es ein gutes Wort gewesen wäre, ein lieber Blick –

Konegen, in bitterer Kälte – und weil ich nicht in die enge, überhitzte Grube zu dir stieg, dich mit dem Minderen getröstet. – Und womit willst du all die Lügen entschuldigen? – Zu diesem Pfaffen laufen, diesem Kerl, der nur darauf lauert, mir eins zu versetzen! Alles schamlos vor ihm auszubreiten! Streite doch, wenn's nicht wahr ist! – Blamiert bin ich; zum Narren hast du mich gemacht vor der ganzen Welt!

Meta. Schone mich, ich habe so viel gelitten, daß ich fast am Ende meiner Kraft bin. Glaube mir, ich will dir dienen, dir und unseren Kindern. Ich habe an euch gesündigt; aber ich bin noch keine Verlorne. Du darfst nicht verzweifeln – Mann – ich bitte dich … Erhebt sich und tut einige Schritte nach ihm hin.

Konegen wehr ab. Laß das! – Nein, ich werde nicht verzweifeln – ich werde nicht zerbrechen – noch nicht. Droht mit der Faust gegen den Ausgang. Laßt nur gut sein, frohlockt nicht zu früh, ich werde euch zeigen, daß nicht bloß den Kopf unter die Studierlampe halten kann! ––Aber … nun gut – das ganze Reden hat keinen Zweck. Also – höre: ich fahre morgen mit dem Frühzuge zum Lehrertage. Während ich dort bin, wird in meinem Hause nichts geändert, nichts!

Meta. Konegen, höre mich, ich bitte.

Konegen. Ich kann mir denken, daß nach allen Vorfällen eine gewisse Person eilig abreisen wird. Ich habe vorhin ja wohl den zärtlichen Abschied gestört.

Meta, gequält, fast schreiend. Ich beschwöre dich – Konegen!!

Konegen. Ich dächte, du müßtest wissen, daß ich für Theatralik unempfindlich geworden bin. – Also der – Mensch bleibt hier, bis ich aus Breslau zurückkehre.

Meta murmelt etwas.

Konegen. Was?

Meta, demütig. Ich bitte, lasse Max reisen.

Konegen. Wen? – Damit man die Tatsache seiner schleunigen Abreise als Beweis für die Wahrheit des Vorfalls ausnützt. Er bleibt, und ich werde ihm gegenüber die nötigen Schritte tun.

Meta, aufgelöst. Tu das nicht. Ich bin nur ein Mensch. Sei hart, quäle mich, du darfst es, ich habe es nicht besser verdient. Aber das ist grausam. Beginnt zu schluchzen.

Konegen. Nein, es wäre dumm. Man würde mit Recht sagen, ich hätte den Verstand verloren. Nein, er soll reisen und das gleich.

Meta, furchtsam. Und wenn du selbst hierbleiben könntest?!

Konegen, in zornigem Erstaunen. Nicht zum Lehrertage nach Breslau fahren, meinst du?!

Meta. Du weißt nicht, wie mir ist. Ich würde es dir auf den Knieen danken.

Konegen, in grimmem Hohne. Alles fahren lassen. Nicht wahr, zum Danke dafür, daß du mich betrogen hast.

Meta. So wahr ein Gott über uns ist – bei dem reinen Angedenken meiner Mutter – es ist nichts geschehen, was uns trennen müßte!

Konegen. Warum machst du davon ein solches Aufhebens, als ob du mir damit noch eine unverdiente Gnade erwiesen hättest, soll das etwa den Sinn haben, daß es doch vorgekommen ist? Weib, rede!!!

Meta, in machtlosem Aufstöhnen. Mann!

Konegen. Nun – merke dir das eine: wenn ich auch von deiner vollendeten Wertlosigkeit überzeugt wäre, ich würde trotzdem nicht anders handeln. Denn diese Frage ist eigentlich hier Nebensache – jawohl, Nebensache geworden!

Meta hört plötzlich auf zu weinen. Bin ich dir gar nichts?

Konegen. Nichts? – Nein, das gerade nicht. Aber die Sorge um meinen Ruf, um mein Werk ist mir – und das nicht bloß momentan – alles. Wie gesagt …

Meta, entsetzt. Dann ist alles vorbei. – Alles –

Konegen. Durchaus nicht. Ich habe absolut nicht alles Vertrauen zu dir verloren. Die Zeit und der reine Wille heilen vieles. Aber wenn du in meiner Abwesenheit abreisest, vielmehr und wäre es auch nur auf Stunden, so muß ich das als Eingeständnis deines vollständigen Falles hinnehmen.

Meta murmelt etwas.

Konegen. Hast du mir noch etwas zu sagen?

Meta, zerstört. Nein.

Konegen. Nun, lebe zu deinem Wohl.

Meta bricht nach Augenblicken in ein Lachen der Verzweiflung aus. Dann steht sie auf und schiebt die Vorhänge von den Fenstern zurück. Das volle Goldlicht der untergehenden Sonne durchflutet das Gemach. In dem Licht erwacht sie wie aus schwerem Traume. In die Sonne starrend. So war alles umsonst.

Vorhang

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