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Jakob Wassermann: Melusine - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
booktitleMelusine
authorJakob Wassermann
firstpub1896
year1935
publisherQuerido Verlag
addressAmsterdam
titleMelusine
pages3-8
created20050705
sendergerd.bouillon
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IX.

Es war wenige Tage nach Weihnachten. Das Geläute der Sonntagsglocken erweckte Fräulein von Erdmann aus ihrem Morgenschlummer. »O Gott,« murmelte sie zerstört, »diese katholischen Städte sind fürchterlich!« Und sie stieß die Arme in die Höhe und schüttelte die Fäuste.

Das Mädchen brachte den Kaffee. Auf dem Servierbrett lag ein Kuvert. Das Fräulein öffnete es: Frau Bender bat dringend um die Bezahlung der rückständigen zweihundertfünfzig Mark, oder wenigstens eines Teils. »Wisch!« machte die übelgelaunte Dame, zerknitterte das Papier und warf es von sich.

Bald erschien Fräulein von Mahnke, um ihre Morgenvisite abzustatten. Vorsichtig zwischen den herumliegenden, schmutzigen Wäschestücken, Zigarrenschachteln, Unterröcken und Briefschaften hindurchschreitend, gelangte die greise Dame zum Bett des Fräuleins.

»Nun, Sie haben sich recht hübsch da eingenistet,« bemerkte sie anerkennend. Bei sich jedoch dachte sie: Welch ein Stall! Und die Bewohnerin ist die reinste Vogelscheuche. Die starrenden Haare, dies dicke Gesicht – puh. Ein Schwamm, eine Fettblase.

»Wie mich das freut, daß Sie gekommen sind,« versicherte Fräulein von Erdmann. »Und wie reizend Ihnen das Kleidchen steht –berauschend – parole d'honneur. »Sie dachte jedoch: was tut denn die alte Schachtel jetzt schon da? Dies Kleid ist für einen Backfisch. Kurze Ärmel, – lächerlich! Dabei braucht sie einen Stock, um gerade gehn zu können. Puh, ihr ganzes Gesicht ist eine Malerei. Diese alten Jungfern sind schrecklich.

»Sie bewundern meine schönen Arme?« fragte sie, als sie den Blick des Fräuleins von Mahnke auf ihren entblößten Armen ruhen sah. »Ja, das kann ich Ihnen nicht verdenken,« fügte sie seufzend hinzu, ohne eine Antwort abzuwarten und sah mit heimlicher Ironie auf die dünnen Ärmchen des alten Fräuleins.

Das sollen Arme sein? dachte die Mahnke. Würste sind es, dicke, plumpe Würste. »O der Begriff ›schön‹ ist doch sehr individuell, man kann schon sagen willkürlich,« sagte sie mit einer seltsamen Mischung von Demut und Haß.

Fräulein von Erdmann streichelte liebevoll ihren Arm. »Vergessen Sie nicht, meine Teure,« erwiderte sie, überlegen lächelnd, »daß der berühmte Bildhauer – na! sein Name ist mir jetzt entfallen – vor meinen Füßen gelegen hat und mich bat, ihn meinen Arm für eine Venusbüste modellieren zu lassen. Ich schlug es aber aus. Warum den profanen Augen der Menge preisgeben, was solange unentweiht in stolzer Heimlichkeit keinem menschlichen Auge zu sehen vergönnt war? Das war zu jener Zeit, wo Fürst Lubanoff, – ein Kavalier ersten Ranges – mir seine Hand anbot und Graf Lajos Waldenburg mit dem Marquis Etienne de Grève jenes berühmte Duell hatte. Und wissen Sie warum? Es ist lächerlich, es zu erzählen. Ich hatte im Theater meinen Handschuh aus der Loge ins Parterre fallen lassen und dem Marquis, der ihn mir brachte, eine Blume ins Knopfloch gesteckt. Komisch wie?« Mit teuflischem Lächeln musterte sie die gebrechliche Gestalt des Fräuleins von Mahnke. Dann aber begann sie plötzlich zu wimmern. »Ach, das ist vorbei! Was ist aus mir geworden! Ich kann keine Nacht mehr schlafen. Heute nacht, – sehen Sie die verbrannten Papiere in der Waschschüssel? – heute nacht wollte ich meinem Leben ein Ende machen. Sie erschrecken?« Mit einem Satz sprang Fräulein von Erdmann aus dem Bett und wanderte unbeschuhten Fußes aufgeregt umher. »Erschrecken Sie nur. Aber ich habe dieses Leben gründlich satt! Dreimal verflucht sei dies unerbittliche Schicksal, das mich verfolgt, dieser Vampyr, – o Gott!« Und sie stampfte auf den Boden, daß die Fenster klirrten und die Tassen auf dem Servierbrett tanzten. Fräulein von Mahnke machte sich immer kleiner, sie schrumpfte förmlich zusammen. »Liebstes, bestes Fräulein!« fuhr die dicke Dame fort, »ich habe Romane hinter mir, – die Phantasie eines Dante ist kindisch dagegen. Immer bin ich nur einem nichtigen Phantom nachgerannt und das Glück habe ich von mir gestoßen, bis es – futsch! – nie mehr kam. Amphimelas! Amphimelas! Das ist der Hohn des Lebens!«

»Um Gotteswillen, mäßigen Sie sich doch, Teure!« beschwichtigte die Mahnke beinahe heulend. »Bedenken Sie doch Ihre Nerven!«

»Und nicht schlafen können, nicht essen können, – wenn man so jung ist, so lebenskräftig, so liebeskräftig, – o es ist grausam! Und dann noch die Sorge ums Allernötigste, der Kampf mit dem Drachen Not, – es ist himmelschreiend. Ich habe ja nichts mehr« – plötzlich wurde ihre Stimme ganz sanft und schmelzend – »nichts woran ich mich aufrichten kann, außer einem. Wissen Sie, daß ich ihn liebe, daß ich ihn anbete, vergöttere, – den jungen melancholischen Zigeuner, Vidl Falk –? Ich liebe ihn wahnsinnig!« Und sie schleuderte einen Strumpf, der auf dem Tisch lag, durchs Zimmer, daß er am Spiegelrahmen hängen blieb. »Aber wissen Sie auch, daß dieses Haus eine Schlange beherbergt, ein niedriges und verworfenes Geschöpf, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diesen jungen, herrlichen Menschen in ihre Netze zu locken? Wir, bestes Fräulein, wir, die wir Vertreterinnen der Intelligenz, der Bildung und Moral hier sind, wir müssen dafür sorgen, daß dem Treiben dieser Dame Einhalt getan werde. Meinen Sie nicht? Sie stimmen mir doch bei?«

Die gepuderten Wangen des älteren Fräuleins färbten sich mit dem Rot sittlicher Entrüstung.

»Denken Sie,« fuhr Emilie von Erdmann fort, »neulich kam diese nette Dame zu mir herein. Weinend fällt sie auf die Ottomane und als ich sie frage, was denn los sei, antwortet sie schluchzend, der Herr Oberst, – ich bitte Sie, der »Herr« Oberst – sei ihrer überdrüssig geworden und darüber sei sie ganz verzweifelt. Stellen Sie sich meine Indignation vor. Natürlich, jetzt geht sie einer höchst unsicheren Zukunft entgegen und da heißt es: einen Mann angeln. Was sagen Sie dazu? Frau Bender kann Ihnen übrigens die ganze Komödie ausführlich berichten.«

Erregt und empört verließ Fräulein von Mahnke das Zimmer der noch immer im Hemd promenierenden, verliebten Dame. Das erste, was sie unternahm, war: bei Frau Bender die Wohnung zu kündigen. »Es ist mir unmöglich, mit Personen obskuren Charakters in einem Hause zu logieren, liebe Frau Bender,« sagte sie bekümmert. Dann flüchtete sie in ihr Gemach und griff mit tendenziöser Hast nach dem Riechfläschchen.

Eintönig verlief das Mittagsmahl. Selbst Fräulein von Erdmann sprach wenig. Der Pole war der Einzige, der redete, obwohl ihm niemand zuhörte. Um zwei Uhr waren Mely und Falk allein. Helene war ausgegangen. Frau Bender schlief; sie schlief wohl vierzehn Stunden im Tag.

Sie sprachen nichts, beide. Wieder entstand jene wortlose Konversation, die nur in Blicken besteht. Es ist ein stilles Hinüber- und Herüberträumen, so wie die Welle von Ufer zu Ufer schaukelt.

»Was für eine schöne Hand haben Sie,« sagte endlich Falk. Er stand auf wie unter einem glücklichen Gedanken und nahm eine Feder vom Schreibtisch. Dann ergriff er lächelnd ihre Hand und sie ließ es willenlos geschehn. Er schrieb auf die zarte Haut des Handrückens in kleinen, feinen Buchstaben: »Hier ruhten zwei Wandrer aus nach hartem Kampfe.«

Verständnislos und ängstlich sah ihn Mely an. »Wissen Sie nicht, was ich meine?« neckte Falk. Da begriff sie. Aber sie zeigte nicht, daß sie es verstehe, sondern tat, als könne sie es immer noch nicht fassen. Da nahm er noch mal ihre Hand und drückte die Lippen auf die Stelle, die er beschrieben hatte. Mely sträubte sich nimmer. Sie seufzte tief auf und grub die Zähne in die Unterlippe, starr auf das weiße Tischtuch blickend. Ihr Gesicht erschien noch blasser durch den Reflex des Schnees auf den Dächern.

»Ich muß fort,« sagte Falk nach langem Schweigen. »Ich darf es nicht aufschieben; es handelt sich um einen wichtigen Gang.«

»Aber wann kommen Sie wieder?« fragte Mely beunruhigt.

»Vor neun, halb zehn kaum.«

Sie entgegnete nichts. Sie senkte den Kopf so tief, daß Falk von ihrem Gesicht nichts mehr sehen konnte. In ihrer Hand ließ sie eine der kleinen Tonkugeln, mit welchen die Kinder spielen, unausgesetzt hin- und herlaufen. Bisweilen bebte sie wie vor Frost.

»Was haben Sie denn, Mely?« fragte Falk und nahm ihre Hände zwischen die seinen. Die kleine Kugel rollte zu Boden.

Mit einer schmerzlichen und gänzlich verzweifelten Geste erwiderte Mely: »Ach! – weil Sie jetzt schon wieder fortgehn!« Ungestüm erhob sie sich, ging zum Fenster und legte dort die Hand vor die Augen. Sie nahm ihr Taschentuch und zerknüllte es. Ihr Herz war voll zum Zerbrechen. Wie einen Strom bittern Leids fühlte sie es in der Brust und dies gab sich als körperlicher Schmerz kund. Sie bereute, was sie gesagt und sie fürchtete Falks Erwiderung. Zugleich aber wartete sie angstvoll darauf. Er trat zu ihr und legte schüchtern seinen Arm um ihre Taille. »Sei vernünftig,« sagte er sanft und rasch. »Nicht zürnen, bitte! – nicht böse sein,« (offenbar wollte er das du nicht wiederholen). »Ich muß ja wirklich fort.«

»Nein – nein!« erwiderte Mely mit dem Ausdruck eines Kindes, das gezüchtigt zu werden fürchtet. Der Kummer, den sie empfand, machte Falk ratlos. »Dann will ich bis sechs wieder da sein,« sagte er nachgiebig.

Mely entzog sich ihm hastig und setzte sich auf den Diwan, wo sie das Gesicht mit beiden Händen bedeckte. Ihr war, als hinge all das junge Glück davon ab, daß er bliebe. Und doch fühlte sie auch, wie kindisch das sei, und daß er nicht nachgeben dürfe, um von dem Unnahbaren, Bewunderungswürdigen, das er – Gott weiß wodurch – in ihren Augen besaß, nichts zu verlieren.

Aber Falk war schwach: er gab nach. Er bat sie, mitzugehen; im Vorbeigehen wollte er sich bei den Leuten entschuldigen. »Und dann streunen wir ein wenig,« meinte er lächelnd. Mely sah ihn von unten herauf mit einem schnellen, leuchtenden, verheißungsvollen Blick an.

Falk trat dicht vor sie hin und berührte mit den Lippen ihr Haar. »Nicht doch! Um Gotteswillen nicht hier!« rief Mely erschrocken. Aber er machte nur eine gleichgültige Handbewegung.

»Wie seltsam duftet das Haar,« sagte er. »Ich glaube, das kann man nie vergessen. Und wie es aussieht, – dies dunkle Wirrsal, ein wahrer Strudel, – und doch geordnet. Es ist eine sehr ordentliche Unordnung. Und diese eine, dicke Locke auf der Stirn sieht aus wie ein Fragezeichen. Sie kommen mir vor wie ein Buch und diese Locke ist der Titel: ein Fragezeichen.«

Wie ein glückliches Leuchten huschte es über ihr Gesicht und aller Kummer verschwand auf einmal.

»Kennen Sie das Märchen von der Prinzessin?« begann er wieder. »Die kommt an die Stadt und das Tor ist geschlossen. Und der König selbst geht und öffnet das Tor, damit die Prinzessin herein kann... das kennen Sie nicht? Sehen Sie, das sind wir. Nur bin ich in diesem Fall die Prinzessin und Sie der König. Wie hätte ich auch sonst zu Ihnen kommen können, wenn Sie nicht eigenhändig das Stadttor aufgemacht hätten! Ach, es ist närrisch, nicht? Es ist phantastisch,« murmelte er, sich selbst bespöttelnd und wie zerknirscht von dieser Kritik.

Die Tür öffnete sich und die Leisetreterin Helene in Hut und Mantel kam herein. Und obwohl sie ganz harmlos bei einander saßen wie Leute, die sich vom Wetter unterhalten, erröteten Falk und Mely zu gleicher Zeit. Diese Verlegenheit steigerte sich so sehr, daß Falk, der aufgestanden war, mit den Fingern das Rad der Nähmaschine so lange drehte, bis die Nadel knackend brach. –

Später saßen sie allein in einem Seitenzimmerchen des »Marco Polo«. Sie sprachen über die Zukunft, – immer in einer lächelnden und fast romantischen Weise, als ob keines von beiden so recht von Herzen daran glaube und es nur ein Wettstreit sei: wer den schönsten Traum erzählen könne. Mely war innerlich ruhig. Keine Sorge bedrückte sie, obwohl ihr stets gegenwärtig war, daß sie gestern das letzte Geld, das sie besessen hatte, Frau Bender gegeben und daß sie nun aller Mittel entblößt war. Sie war nicht leichtsinnig, aber wie die Wärme des Frühlings das Eis auftauen läßt, so schmolz all das Harte, Winterliche, Frostige ihres Lebens dahin vor dieser Wärme, die jetzt ihre Seele erfüllte. Bisweilen nur fühlte sie ein schweres Entsetzen, – ein kurzes Erwachen aus tiefem Schlaf. Oftmals brachte sie den größten Teil der Nacht wachend zu und da war sie voll von einer Schwermut, die sie weit emporhob über die Nahrungssorgen.

Als sie den Teesalon verließen, dämmerte es schon und schon brannten die elektrischen Bogenlampen. Rötliche Leuchtkugeln, hingen sie mitten im Winternebel, und oft flackerten sie und wurden rot oder violett. Dies Aufflackern und Zusammensinken hatte etwas von dem Flügelschlag eines sterbenden Vogels.

»Was haben Sie denn?« fragte Falk das junge Mädchen, das sichtlich zitterte und wie eine Schlafwandelnde dahin ging.

»Mir ahnt ein Unheil,« sagte sie leise und trostsuchend.

Als sie um die Ecke der Maffeïstraße bogen, wurden sie durch das heftige Gebell eines Hundes erschreckt. Es war Pitt, der auf ungestüme Art seine Freude zu erkennen gab und an Mely emporzuspringen versuchte. Sie lächelte zuerst dem Tiere ein wenig zerstreut zu. Falk wollte sich niederbeugen, um den Hund zu streicheln, als er voll Entsetzen die Veränderung in Melys Gesicht wahrnahm. Sie war so weiß geworden wie der Schnee und ihre Augen starrten wie trunken, ja wie blöde auf einen einzigen Punkt. Und plötzlich wurde sie so rot, wie Falk sie noch nie gesehen hatte. Ihr Gesicht wurde purpurn, Ohren, Stirn und Hals waren von glühender Röte bedeckt. »Der Oberst,« sagte sie, mühselig lächelnd. Dieses mühevolle, bedrückende Lächeln empfand Falk wie einen Schnitt ins Fleisch. Die Angst, die Scham und die Verzweiflung und der Trotz waren so deutlich darin ausgeprägt, daß sie wie ein Bild der Zerrissenheit aussah. Der Oberst war jetzt auf vier Schritte nahe gekommen und blickte Mely an. Nie in ihrem Leben vergaß sie diesen Blick. Weder Hohn, noch Zorn, noch Bitterkeit lagen darin; aber durch die namenlose Verachtung, die er enthielt, erschien er ihr wie ein Hieb mit der Peitsche. Einer seiner Freunde ging mit ihm, den Mely kannte. Und dieser Mensch stierte sie frech an mit einem breiten, lustigen Lachen, und sein rotes Gesicht glänzte wie bei einem guten Spaß. Wie der Oberst ging auch er vorbei, ohne zu grüßen. Dieser eine Umstand machte Mely ganz schwindlig vor Schmerz. Sie schämte sich so sehr, daß sie nichts tun konnte, als das mühselige Lächeln auf den Lippen behalten. Vor der ganzen Straße voll Menschen, von denen doch keiner auf sie achtete, schämte sie sich, und das Lächeln, das etwas Irrsinniges hatte, schien auf ihrem Gesicht erstarrt zu sein.

Falk ging mit ihr in einen Hausflur, wo sie sich an die Mauer lehnte und in die Höhe starrte. Wieder bedeckte eine große Blässe ihr Gesicht, das einen grauen, mehligen Ton hatte. Kraftlos stand sie da. Pitt war ihr gefolgt; das kluge Tier wandte keinen Blick von ihr. »Alles ist aus!« sagte sie leise.

Falk war ratlos. »Was ist aus?«

»Nun er hat mich gesehen mit Ihnen, – und...«

»Aber das macht ja nichts. Er weiß doch nicht, wer ich bin. Sie können ihm doch sagen.«

»Ach, wenn Sie wüßten! Er vermutet jetzt das Allerschlimmste. Er hat mir ja auch streng verboten, auf der Straße mit jemand zu gehen. Selbst mit einer Dame darf ich nicht gehen. Ich darf keine Freundin haben, nichts. Bah, es ist mir wirklich gleich; jetzt lach ich dazu. Es hat eben so sein sollen, das tröstet mich. Ja wirklich, das tröstet mich. Es wäre ja ohnehin zu Ende gewesen, – natürlich. Aber jetzt ist alles aus.«

Diese verworrenen Sätze fielen wie eine wilde Klage von ihren Lippen. Was soll jetzt mit mir werden? dachte sie. Diese Frage folterte sie, daß sie Kopfschmerz bekam. Sie war froh über diese Schmerzen; jetzt verschwand doch das aufdringliche Bild: der lachende Freund mit seinen gelben Zähnen, seinem grinsenden Gesicht. Sie seufzte.

Vidl Falk sah seinen Argwohn plötzlich groß geworden. Dieser Argwohn sah mit finsteren Augen aus seinem Versteck heraus. Er war hungrig und verschlang auch Nichtigkeiten, um sich zu sättigen. Aber er wurde niemals satt.

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