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Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts

Johann Heinrich Pestalozzi: Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts - Kapitel 12
Quellenangabe
typetractate
authorJohann Heinrich Pestalozzi
titleMeine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts
publisherLorenz Spindler, Nürnberg
editorW. J. Ruttmann
year1922
firstpub1797
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130730
projectid8eb4f447
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Einige Resultate meines wesentlichsten Gesichtspunkts.

Der gute Zustand meiner selbst als Werk der Natur, ruhet auf dem vollen Leben meines Instinkts.

Der gute Zustand meiner selbst als Werk des Geschlechts ruhet auf der Kraft meines tierischen Gedankens gegen meinen Instinkt oder vielmehr aus der Kraft meines durch diesen Gedanken erhöhten und gebildeten Tiersinns.

Der gute Zustand meiner selbst als Werk meiner selbst ruhet auf der Reinheit und Stärke meines Willens, die Kraft meines Gedankens nicht zur Verfeinerung meines Tiersinns sondern zur Veredlung meiner selbst gegen meinen Tiersinn zu gebrauchen.

Ich erhalte mich selbst als Werk der Natur in dem besten Zustand, in welchem ich als solches zu leben vermag, durch tierische Kraft.

Ich erhalte mich als Werk des Geschlechts in dem besten Zustand, in welchem ich als solches zu leben vermag, durch gesellschaftliche Kraft.

Ich erhebe mich als Werk meiner selbst durch meine sittliche Kraft zu der höchsten Würde, deren meine Natur fähig ist.

Die Unschuld meiner Natur thronet an den Grenzen aller dieser Beschaffenheiten meiner selbst.

Auf der ersten Stufe meines Daseins stehe ich ihrem Bilde am meisten aber in kindlicher Schwäche und nur träumend nahe.

Durch mein tierisches Verderben entferne ich mich von ihr ins Unendliche.

Im gesellschaftlichen Zustand verstärkt sich auf der einen Seite mein tierisches Verderben durch die rohe Härte der Gewalts- und Massaformen desselben, auf der andern Seite bringt mich derselbe durch die höhere Sicherung meines häuslichen Verhältnisses durch Treue und Glauben, die dieser Zustand, wenn auch nur gesellschaftlich begründet, von dieser Seite dem tierischen Wohlwollen meiner unverdorbenen Natur wieder näher.

Durch Sittlichkeit erhebe ich mich zu der obersten Höhe, zu der sich meine Natur nach ihrer Vollendung strebend zur Kindesunschuld empor, zu der göttliche Kräfte und göttliche Gnaden meine Natur fähig machen.

Erziehung und Gesetzgebung müssen diesem Gang der Natur folgen. Sie müssen ihm das tierische Wohlwollen durch das häusliche Leben zu einem menschlichen Wohlwollen umwandeln und selbiges durch die Treue und den Glauben, die der gesellschaftliche Zustand anspricht, mitten in der Gewaltsamkeit, mit welcher der gesellschaftliche Zustand auf das Verderben dieses Zustands einwirkt, dasselbe dennoch zu erhalten suchen.

Sie müssen ihn endlich durch Selbstverleugnung zu der Kraft emporheben, durch die er allein imstande ist das Wesen der Unschuld in sich selbst wieder herzustellen und sich selbst durch seine sittliche Kraft wieder zu dem friedlichen gutmütigen und wohlwollenden Geschöpf zu machen, das er in der Unverdorbenheit seines tierischen Zustandes auch ist.

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