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Meine Gefängnisse

Silvio Pellico: Meine Gefängnisse - Kapitel 99
Quellenangabe
typefiction
authorSilvio Pellico
titleMeine Gefängnisse
publisherPhilipp Reclam jun.
translatorF. Zschech
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071105
projectid417b3774
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98.

Stundberger begleitete mich bis an den Wagen, in den ich mit dem Gendarmeriewachtmeister, dem man mich überwiesen hatte, einstieg. Es regnete und die Luft war frisch.

»Wickeln Sie sich gut in Ihren Mantel ein,« sagte Stundberger; »bedecken Sie sich den Kopf besser und sorgen Sie dafür, daß Sie nicht krank zu Hause ankommen; Sie neigen so sehr dazu, sich zu erkälten! Wie sehr bedaure ich, nicht bis Turin Ihnen meine Dienste leisten zu dürfen!« Alles dies sagte er sehr herzlich und mit bewegter Stimme.

»Von jetzt ab werden Sie vielleicht nie mehr einen Deutschen neben sich haben,« fügte er hinzu; »vielleicht werden Sie unsere Sprache nie wieder hören, welche die Italiener so hart finden. Und wahrscheinlich werden Sie sich nicht viel daraus machen. Unter den Deutschen haben Sie so viel Mißgeschick zu erleiden gehabt, daß Sie nicht leicht das Bedürfnis fühlen werden, sich unserer zu erinnern. Dennoch werde ich, dessen Namen Sie schnell vergessen werden, ich, mein Herr, werde stets für Sie beten.«

»Und ich für Sie,« versetzte ich, indem ich ihm zum letztenmal die Hand drückte.

Der wackere Mann rief mir noch zu: »Guten Morgen! gute Reise! Leben Sie wohl!« Es waren die letzten deutschen Worte, die ich aussprechen hörte; sie klangen mir so angenehm, als wären sie in meiner eignen Sprache geredet worden.

Ich liebe mein Vaterland mit Leidenschaft, aber ich hasse kein anderes Volk. Bildung, Reichtum, Macht, Ruhm sind bei den verschiedenen Nationen verschieden; aber bei allen gibt es Herzen, welche dem hohen Berufe der Menschheit, zu lieben, mitzufühlen und zu helfen, obliegen.

Der Wachtmeister, welcher mich begleitete, erzählte mir, daß er einer von denen gewesen, welche meinen unglücklichen Freund Confalonieri verhafteten. Er teilte mir mit, wie dieser einen Versuch zu fliehen gemacht hätte, wie ihm der Streich mißglückt, daß man ihn aus den Armen seiner Gattin gerissen; sie und Confalonieri wären erschüttert gewesen, ertrügen aber ihr Mißgeschick mit Würde.

Brennende Fieberglut erfaßte mich, da ich diese traurige Geschichte vernahm, und es war mir, als ob mein Herz von einer eisernen Hand gepackt würde.

Der Erzähler, ein Mann von braver Gemütsart, der sich mit vertraulicher Ungeniertheit unterhielt, bemerkte nicht, daß ich (obwohl ich nichts gegen ihn hatte) mich des Schauders nicht erwehren konnte, indem ich auf die Hände blickte, welche meinen Freund fortgeschleppt hatten.

Zu Bussalora frühstückte er; mein Herz war mir zu beklommen, ich konnte nichts essen.

Als ich vor langen Jahren mit den Söhnen des Grafen Porro zu Arluno auf dem Lande wohnte, damals machte ich zuweilen einen Spaziergang den Tessin entlang nach Buffalora.

Laut brach meine Freude aus, als ich jetzt die schöne Brücke vollendet erblickte, wozu ich damals das Material auf dem lombardischen Ufer hatte umherliegen sehen, während auch ich zu jener Zeit die allgemeine Ansicht geteilt hatte, daß diese Arbeit nie zustande kommen würde. Laut jubelte ich, als ich diesen Fluß überschritt und den piemontesischen Boden wieder betrat. Ach! ob ich schon alle Völker liebe, so weiß Gott doch, wie groß meine Vorliebe für Italien ist; und so sehr ich auch für Italien schwärme, Gott weiß es, daß unter allen Namen italienischer Staaten mir der Name Piemonts, des Landes meiner Väter, am lieblichsten klingt.

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