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Mein Fliegerleben

Ernst Udet: Mein Fliegerleben - Kapitel 13
Quellenangabe
typereport
authorErnst Udet
titleMein Fliegerleben
publisherIm Deutschen Verlag - Berlin
printrun301.-350. Tausend
year1942
firstpub1935
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140331
projectid7be51fde
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Anhang

Die Tabelle »Luftsiege von Ernst Udet« an dieser Stelle kann aus technischen Gründen nicht widergegeben werden. Re.

 

Ernst Udet zum Gedächtnis

Der GL

Ein Tag in der Luftwaffenschmiede

Morgens um sieben – er ist eben aufgestanden – schrillt das Telefon. Schneller Griff nach dem Hörer: die bereits aus dem Bett verlangte Wettermeldung wird durchgegeben. Hastiges Anziehen, eine Tasse Tee, ein paar Brötchen heruntergeschlungen. Dazwischen wieder Telefonate. Auch der Adjutant meldet sich und ruft ihm das festgelegte Tagesprogramm nochmals ins Gedächtnis. Frage: Was liegt sonst vor? Dann kurz und knapp die Dispositionen.

Am Apparat ist der Befehlshaber der Nachtjagd. Er berichtet: »Diese Nacht famos! Fünf oben an der Küste erwischt, darunter zwei Viermotorige!«

Schnell aufschießende Freude. »Großartig, die Jungens, einfach großartig! Wenn's so weitergeht, kommt bald keiner mehr rüber.«

Unten wartet der Wagen. Fahrt zum Amt in mehr als zulässigem Tempo. Er zwingt allen sein eigenes Tempo auf, Menschen und Maschinen. Halb neun Eintritt in den riesigen Bau des Luftfahrtministeriums, die Stätte seines Wirkens. Kurzer Gruß. Und während er im Arbeitszimmer den Mantel ablegt, ruft er schon hinüber durch die offene Tür: »Laßt mal gleich laufen!«

Und schon sind die ersten da. Männer der Forschung. Man berichtet über neue Schleppversuche. Der Chef des Stabes und der General-Chefingenieur sind hinzugekommen. Udet hört zu, die hellblauen Augen in der Konzentration des Nachdenkens auf den Vortragenden gerichtet. Er fährt mit einer kurzen Frage dazwischen: »Haben Sie die Filme mitgebracht?«

»Sind schon im Vorführraum!«

Sofort geht's über den Gang hinüber, zu Udets eigenster Erfindung. Hinfliegen, die Sache ansehen, kostet einen Tag oder mindestens einen halben. Ein Film sagt in fünf Minuten alles Wesentliche. Und Zeit sparen, heißt die Parole, schneller sein als der Gegner, auf allen Gebieten, immer schneller. Der Film rollt ab. Sowie es hell wird, kurze Anweisung: »Sache weiter verfolgen!«

Der Industrierat wartet schon. Sein Wortführer erstattet Bericht über seine letzte Rundreise. Tag und Nacht dröhnt es in den Fabrikhallen, und der Wald rauchender Schlote erstreckt sich über Deutschland, Europa. Ein Großteil des deutschen Volkes lebt und webt heute für die Luftwaffe. Hier ist das Hirn, und das Hirn dieses gewaltigen Trusts ist er, Ernst Udet, der Generalluftzeugmeister, in der abstrakten Sprache der Büros »GL« genannt.

Mitten in den Bericht hinein klirrt der Apparat. Feldmarschall Milch: »Heute nachmittag 16 Uhr Besprechung beim Reichsmarschall.«

»Jawohl, bin dann gerade zurück von der Erprobungsstelle.«

Klirr! Wieder der Fernsprecher: »Der Erfinder einer neuen Leuchtbombe wünscht Herrn Generaloberst zu sprechen.«

»Augenblick warten, soll die Sache zunächst mit der Bombenabteilung besprechen.«

Die Industriebesprechung nähert sich ihrem Ende: »Die Industrie ist voll angelaufen, sie wird den gewaltigen Programmforderungen gerecht werden und die Voraussetzungen ...«

Udet unterbricht: »Werden wir schaffen, und der Eiserne will's!«

Der »Eiserne«, das ist der Reichsmarschall Hermann Göring.

Der nächste, einer der vielen »nächsten«, der Leiter der Flakentwicklung. Er macht Vorschläge für die neuesten schweren Abwehrwaffe«.

»Jawohl, sofort!«

Der Adjutant kommt mit der Post. Kurzer Stoßseufzer: »Verdammtes Papier!« Dann geht's über die Mappen her. Es ist alles nach Wichtigkeit geordnet, aber Reste bleiben immer übrig. Er liest schweigend, macht Randbemerkungen, unterschreibt. Die Sekretärin ruft durch: »Der Bevollmächtigte für Sonderaufgaben möchte sich als Neubeförderter melden.« Alter Kriegskamerad, denkt er, soll kommen! Blick auf die Uhr: Kurz vor zwölf, höchste Zeit, zur Erprobungsstelle zu starten.

Hinein in den Mantel, Ruf ins Vorzimmer: »Ist der Wagen da?« Die Sekretärin öffnet das Fenster, klatscht in die Hände, im Hof fährt das Auto vor.

Sausende Fahrt zum Flughafen Tempelhof, wo die »Siebel« schon mit laufenden Propellern wartet. Nach knapp halbstündigem Flug Landung auf dem Flugplatz der Erprobungsstelle. Viele Hallen, dröhnender Maschinenlärm, grüner Rasen, Startbahnen, sich dehnend bis ins Grau des Horizonts, und darüber der endlose Himmel: Flugplatzatmosphäre.

Der Kommandeur der Erprobungsstellen, von zahlreichen Mitarbeitern umgeben, wartet auf dem Rollfeld. Begrüßung, Handschlag. Mitten unter den Männern Hanna Reitsch, der Flugkapitän mit dem EK.

Und da der neue Typ. Er geht um ihn herum, betrachtet ihn wie ein passionierter Reiter ein edles Rassepferd. Er hat schon erfaßt, was in ihm steckt. Dazwischen kurze, messerscharfe Fragen.

Und dann wartet er nicht lange, steigt ein, startet. Die Maschine zieht pfeilschnell zum Himmel hinauf, kurzes Einfühlen, man merkt es, dann schärfste »Gangart«, Sturzflug bis dicht über den Boden, wieder hochgezogen. Ein Meister regiert sie.

Er landet, die anderen laufen hinzu. Kurzes Frage- und Antwortspiel unter Fachmännern. Diskutierend gehen sie über den Flugplatz, manches andere, Neue lockt noch an, und – eine Stunde später wieder in Berlin – geht der GL diskutierend mit Feldmarschall Milch durch den Garten zum Ministerbüro hinüber, dem Sitz des Reichsmarschalls, unterm Arm die dickgeschwollene Mappe mit Akten über Rüstungsprogramme, Fliegerwaffen, Industriebelegschaften und manches mehr, vorsichtshalber.

Zwei Stunden später ist er zurück, die Arbeit rollt weiter. Der Chef des Nachschubamtes will noch über die Auswertung russischer Beute referieren, der Bevollmächtigte für das Luftfahrtindustriepersonal spricht über Anwerbung und Einsatz spanischer und holländischer Arbeiter, der Amtschef für Wirtschaft und Haushalt berichtet über Finanzfragen der Industrie.

19 Uhr 30... und um 20 Uhr beginnt die Sitzung der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung. Zum Umziehen daheim reicht's nicht mehr, aber neben dem Arbeitszimmer ist das Bad, im Büroschrank sind Uniformen, und pünktlich betritt er im Abendgesellschaftsanzug den Saal im Haus der Flieger.

Ein paar Vorträge steigen. Vor diesem fachmännischen Auditorium kann man sich auf das Wesentliche beschränken. Gespräche, die die Hast des Tages nicht erlaubte, können hier weiter ausschwingen. Er unterhält sich mit Industrieführern, er spricht lange und eingehend mit einem jungen Oberleutnant von der Front über dessen Erfahrungen mit neuesten Jagdtypen. Er spricht noch mit vielen anderen, Wirtschaftlern, Technikern, Fliegern, und immer dreht sich das Gespräch um dasselbe Thema: um seine Arbeit, um die Luftwaffe, für deren Rüstzeug er Führer und Reichsmarschall bürgt.

Es ist lange nach Mitternacht, als sein Wagen über die menschenleere Heerstraße heimwärts rollt.

Das war sein Leben, Tag für Tag bis zum letzten Tage. Im ersten Weltkrieg der für Millionen sichtbare Frontkämpfer und Sieger am Himmel, im zweiten ein für Millionen unsichtbarer Luftwaffenschmied. Seine Leistung so oder so: Unvergleichlich, unvergänglich!

Oberst Angermund
GL/Adjutantur

 

Generaloberst Udet tödlich verunglückt

DNB Berlin, 18.11.1941

Der Generalluftzeugmeister Generaloberst Udet erlitt am Montag, dem 17. November 1941, bei Erprobung einer neuen Waffe einen so schweren Unglücksfall, daß er an den Verletzungen auf dem Transport verschied. Der Führer hat für den auf so tragische Weise in Erfüllung seiner Pflicht dahingegangenen Offizier ein Staatsbegräbnis angeordnet.

In Anerkennung der hervorragenden Leistungen des im Weltkrieg in 62 Luftkämpfen siegreichen Jagdfliegers und in Würdigung der hohen Verdienste bei dem Aufbau der Luftwaffe hat der Führer den Generaloberst Udet durch Verleihung seines Namens an das Jagdgeschwader III ausgezeichnet.

 

Abschied von Udet

Die Trauerrede des Reichsmarschalls am 21. November 1941

Jetzt müssen wir Abschied nehmen. Unfaßbar ist uns der Gedanke, daß Du, mein lieber Udet, nicht mehr unter uns weilst. Noch können wir es nicht verstehen, denn gerade Deine Art war so kraftvoll, so belebend und so fröhlich, und Du warst uns ein so guter Kamerad, daß jeder einzelne von uns sich Dir auf das innigste verbunden fühlte.

Deine Verdienste zu rühmen, ist nicht meine Aufgabe; denn durch Deine Tat bist Du unsterblich geworden. Du wirst immer zu Deutschlands größten Helden zählen.

Ich denke zurück vor Jahren, da waren wir beide noch jung und Jagdflieger, und Du warst der fröhlichste unter uns. Und doch – wie hart war Dein Wille und wie stahlklar Dein Auge, wenn es galt, den Feind zu vernichten! Nächst unserem Manfred von Richthofen warst Du der Siegreichste unter uns und hast in jungen Jahren schon Ruhm auf Ruhm geerntet. Unbesiegbar galtest Du uns, und wo immer Du auftratest, wußten wir, daß der Feind weichen mußte.

Und dann zerbrach unsere herrliche Waffe, aber nicht Du und nicht wir sind damals zerbrochen. In uns blieb der Glaube lebendig, daß solche Taten, die ein Richthofen, ein Boelcke und ein Udet vollbracht hatten, niemals vergehen können. Dein ganzes Leben galt ja immer unserer geliebten Luftwaffe, und vom ersten Tage ihrer Zerstörung an warst Du schon wieder tätig an ihrem Aufbau. Dein Name ging damals durch das ganze Reich; auf jedem Flugtag sahen wir Dich starten. Durch Deine kühnen Flüge gabst Du dem Volk immer wieder den Glauben an unsere Luftfahrt, an unsere Luftwaffe, und auch draußen in der Welt vertratest Du weiter den kühnen Geist unserer Waffe. Ob über den eisigen Gletschern Grönlands oder den tropenheißen Wüsten im Innern Afrikas, in Asien oder Amerika – überall bliebst Du der siegreiche Flieger.

Und wie oft sprachen wir, daß wir den Tag ersehnten, da unsere Luftwaffe neu und stärker erstehen sollte! Und dieser Tag kam. Als damals, an jenem 30. Januar, unser Siegesbanner das leuchtende Hakenkreuz, über Deutschland aufstieg, da war auch der Tag für uns gekommen. Und als der Führer mir die ehrenvolle Aufgäbe übertrug, die neue Luftwaffe aufzubauen, da rief ich meine Kameraden von einst, und unter den ersten – wie es gar nicht anders denkbar war – warst Du.

Ich übertrug Dir damals die Waffe, die Du zum größten Sieg geführt hattest, den Aufbau unserer Jagdfliegerei. Wir waren Dir besonders verbunden. Wir waren Jäger der Luft und sind es geblieben. Du legtest die ersten Grundlagen.

Und dann kam die Stunde dort drüben in meinem Arbeitszimmer, da wir in gegenseitigem Gedankenaustausch eine neue Waffe schufen. Damals sprachst Du zum ersten Male davon, daß auch die Kampfflieger dem Feind dichtauf gehen müßten, so wie der Jäger seine größten Erfolge erzielt, wenn er dichtauf läuft und aus kürzester Entfernung die Waffe gebraucht. In diesem Gespräch vertratest Du Deine Auffassung, daß auch der Kampfflieger seine Bomben nicht aus unendlicher Höhe, sondern aus kürzester Entfernung und mit größter Kraftwirkung dem Feind entgegenschleudern müßte.

Damals sprachst Du zum ersten Male vom Sturzkampfflieger. Unvergessen sind mir Deine begeisterten Worte, mit denen Du – Soldat und Künstler zugleich – mir das auseinandergesetzt hast. Aus diesen Gedanken, die, wie mir plötzlich vor Augen stand, so unendliche Möglichkeiten boten, erwuchs der Entschluß, eine neue Waffe zu schaffen. Die Meisterung dieser neuen Aufgabe, diesen völlig neuen Weg, konnte ich nur Dir anvertrauen. Damit habe ich Dir die Entwicklung der gesamten Technik unserer Waffe übertragen. Denn gerade unsere Waffe ist darauf angewiesen, höchste Vollendung in der Technik zu entfalten. All den hoffnungsfreudigen, tapferen, kühnen Jungen, die zu uns kamen, die in Dir auch ihr Vorbild sahen, habe ich Waffen geben müssen, mit denen sie kraft ihres kühnen Geistes auch wahrhaft Großes leisten konnten. Du warst der Geeignete für die Schaffung dieser Waffen. Ein sechster Sinn befähigte Dich, zu erkennen, welche Maschine die richtige war.

Aber damit allein war es nicht getan. Wo gab es wohl einen Chef des technischen Amtes, der selbst jede neue Maschine ausprobierte! Zweimal mußtest Du beim Erproben einer technisch noch in den ersten Anfängen befindlichen Maschine mit dem Fallschirm abspringen. Wie glücklich waren wir damals alle, als Du damit uns Dein wertvolles Leben erhalten hattest.

Nirgends sonst ist es gewesen, daß der oberste Chef das alles selber tat. Durch Deinen persönlichen Einsatz gabst Du unseren tapferen jungen Fliegern das gewaltige Vertrauen in ihre Waffen. Denn was Du erdacht und erflogen hattest, das nahmen sie als selbstverständlich hin. Und unendlicher Stolz mußte Dich erfüllen, wenn ich Dir immer wieder sagen konnte, daß unsere Flugzeuge, wie wir immer wieder vergleichen konnten, die besten waren und die besten sind und kraft Deiner Arbeit immer die besten bleiben werden.

So standest Du kraftvoll und unermüdlich in ununterbrochener Arbeit, immer wieder Neues erfindend. Und ich war glücklich, daß die Natur Dir nicht nur die starke Pflichttreue des Soldaten, sondern auch das künstlerische Element gegeben hatte, und daß gerade diese doppelte Befähigung es Dir vergönnte, das Richtige zu erfassen und uns das Beste zu geben.

Und so bist Du nun auch für uns gefallen, wiederum weil Du alles selbst machen wolltest. Und wenn Du jetzt von uns gehst, so hinterläßt Du uns mit Deinem Lebenswerk ein Erbe, das die Zukunft mitgestalten wird, ein Erbe, welches sicherstellt, daß unsere Waffe stark und mächtig bleiben wird, unsere Waffe, die Dein ganzes Denken, Fühlen und Sehnen ausgefüllt hat.

Und neben Deiner rastlosen Arbeit warst Du uns immer der beste Kamerad, wie man sich ihn denken konnte. Mit Licht und Freude erfülltest Du uns, wenn wir Dich sahen. Optimistisch warst Du wie Dein ganzes Tun und Handeln. Lustig konntest Du sein, damals als ganz junger Jagdflieger, so auch jetzt als Generaloberst unserer Waffe. Und Du warst so ein eigener Mensch, uns allen so herzlichst verbunden; nicht nur denen, mit denen Du von Anfang an zusammen warst, auch unseren Jungen, besonders unseren jungen Jagdfliegern warst Du immer der ältere gute Kamerad. Und wie stolz warst Du auf sie, wenn sie ihre Erfolge errangen, wie stolz an jenem Tage, als zum erstenmal die Zahl Deiner Luftsiege überflügelt wurde. Da freute sich wohl niemand mehr als Du selber. Und so war es immer: bescheiden, vielleicht viel zu bescheiden bist Du gewesen.

Noch wissen wir nicht, wie wir die Lücke, die Du gelassen hast, ausfüllen sollen. Du warst ein so lebendiger Mensch, daß wir fast fühlen: Du bist immer unter uns. Und alle haben wir nur einen Wunsch: bleibe unter uns!

Der Allmächtige hat Dich abberufen, und nun kannst Du zu den anderen gehen, die vor Dir gefallen sind. Ich weiß nicht, wie es sein wird, aber wenn Du sie siehst, dann kannst Du ihnen melden, daß die neue Luftwaffe getreu dem Geist der Kämpfer des Weltkrieges stark geblieben ist, siegreicher geworden ist und der Garant des Sieges sein wird, den auch Du mit heißem Herzen in jeder Stunde erfleht hast.

Mit der Sicherheit und Siegeszuversicht, mit der Du gelebt hast, wollen wir weiter leben. Dein Tod soll uns darin bestärken. Und nun kann ich als letztes nur noch sagen: Mein bester Kamerad, leb wohl!«

Verewigt!

 

Tagesbefehl an die Luftwaffe

Kameraden der Luftwaffe!

Der Generalluftzeugmeister, Generaloberst Ernst Udet, ist am 17. November 1941 den Folgen einer bei der Erprobung einer neuen Waffe erlittenen schweren Verletzung erlegen. Ein kämpferisches Leben, das nur ein Ziel kannte – die fliegerische Erstarkung Deutschlands – ist damit beendet.

Mit Ernst Udet hat das deutsche Volk den nächst Richthofen siegreichsten Jagdflieger des Weltkrieges, die fliegerische Jugend ein leuchtendes Vorbild, die deutsche Luftwaffe den kühnen und zielbewußten Wegbereiter verloren. In stolzer Trauer senken sich an der Bahre des Ritterkreuzträgers und Inhabers des Ordens Pour le mérite die Fahnen seiner über alles geliebten Waffe. Ihr hat Generaloberst Udet in den dunklen Jahren nach Versailles, vor allem aber seit seinem Wiedereintritt in unsere Reihen den Weg zum Wiederaufbau und zum Sieg gebahnt. Als Generalluftzeugmeister sorgte er für die Rüstung, die die deutsche Luftwaffe der Heimat zum starken Schild, für den Feind zu einem furchtbaren Schwert werden ließ. In tapferstem persönlichem Einsatz hat Generaloberst Udet, beladen mit ungeheurer Verantwortung, oft selbst die letzte und entscheidenste Flugerprobung neuer Baumuster vorgenommen. Erst dann, wenn ein solches Flugzeug den höchsten Anforderungen des Kampfes entsprach, überließ er es den Kameraden an der Front. Sein Wort »Soldat sein, heißt an den Feind denken und an den Sieg und sich selbst darüber vergessen« ist uns das Vermächtnis eines Heldenlebens und bleibende Verpflichtung.

Sein Ruhm ist unsterblich. Darum erfüllte ich heute den Willen des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht und verleihe in seinem Auftrage dem Jagdgeschwader 3 den Namen

Jagdgeschwader Udet.

So wird das Andenken an einen unserer Größten in der Luftwaffe für alle Zeiten verewigt sein.

Göring

Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches
und Oberbefehlshaber der Luftwaffe

 

*

 

Die Fotos zu den Abbildungen sind der Sammlung Udet entnommen. Die Grönlandfotos stammen zum Teil aus dem Fanck-Film »SOS! Eisberg!« Aufnahmen Vogel-Sandau; das Bildnis beim Titel ist von Eitel Lange / Heinrich Hoffmann, Berlin

Gedruckt im Deutschen Verlag, Berlin 1942

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