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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 50
Quellenangabe
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authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
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»Spezi«

Da sind die »Spezi«. – Sie sind seit den ersten Schultagen dicke Kameraden, und wenn's auch manchmal eine kleine Rempelei zwischen dem Maxi und dem Xaverl gibt – sie vertragen sich immer wieder und halten fest gegen ihren gemeinsamen Gegner, den langen Schorsch von der achten Klass', zusammen. Um dreiviertel auf acht pfeift's unten am Haus vom Maxi. Das Signal: Wannst net kummst – na geh i! Der Xaverl ist da. Schnell noch im Stehen nimmt er den letzten Schluck aus der Frühstückstasse. Dann poltert er die Stiege hinunter und hört den alten Feind und Widersacher, die Hausmeisterin, gerade noch aus der Tür herauskeifen: »Saubua, elendiger, muaßt allweil a solchas Getrapp macha, daß d' fei net über d' Stiagn abigeh kannst wia andere Leut!«

Nein, das kann der Maxi nicht, und der Appell der Hausmeisterin ist schon seit Jahren umsonst.

»Servus Xari! Servus Maxl.«

»Du, was kommt denn bei dera damischn Bruchrechnung raus?«

»Was, fünfazwanzg? I hab dreitausendvierhundertsex rausbracht. Geh laß mir's gschwind a bißl abschreibn.« Und am Fensterbrettl im Stiegenhaus wird mit fliegender Eile die Korrektur auf der Tafel vorgenommen. Das ist doch praktisch, daß man Papier sparen muß und die kleineren Hausaufgaben auf die Tafel machen darf.

Nach dieser »dienstlichen« Angelegenheit zieht der Maxi einen Automobilkatalog aus der Tasche, und im Weitergehen betrachten die Spezi mit glühendem Kopf die neuen Modelle. Der Xaverl entscheidet sich für ein kleines Kabriolett. Aber das findet beim Maxi keinen Anklang. »Je, was wuist denn mit dem Kinderwagl, da bringst ja höchstens siebzge 'raus. – Des da – des waar des meinige. Siehst den Rennwagen da mit dem Kompresser. – Da taat i dir so gspassig säuseln, mei Liaber!«

Der Xaverl: »Mei großer Bruader kriagt jetzt bald an Zwoazylinder mit an Sozius. – Wennst mi an dei'm Apfi beißn laßt, vielleicht derfst na a amal mitfahrn.«

Der Maxi läßt sich auf diesen Zukunftswechsel ein und hält dem Spezi den Apfel unter die Nase. »Aber fei net glei so fest!«

Jetzt ist das Täuscheln im Gang. »Maxi, gib mir dein' Autokatalog, nacher kriagst von mir den Schraubnziager.« – Und aus der Tasche holt der Xaverl das verlockende Tauschobjekt. In solchen Bubentaschen haben Dinge Platz, von »denen sich die Schulweisheit nichts träumen läßt«. – Da wickeln sich auf der hohlen Hand aus Spagatresten heraus Briefmarken, Reklamebilder, Nägel, ein Magneteisen, eine Holzkugel, eine invalide Füllfeder, Blechschachterln, ein Porzellanhündchen, ein Kittbatzen, da kommen beim Täuschler daneben Kastanienmanndln, Nickeluhrketten, Brausepulver, ein Klümpchen Kandiszucker, beklebt mit Wollwutzerln, Spielmarken und abgebrochene Schlüssel zum Vorschein.

Eine Bubentasche ist unergründlich wie der Hut eines Zauberers.

Jetzt kommt der lange Schorschl von der »Achten« vorbei. Aha! Heut pfeift er ganz harmlos vorüber, weil er die »stärkeren Bataillone« gegen sich hat: die zwei Spezi. Der scheinheilige Tropf! Der wenn heut was wollte! Der Maxi und der Xaverl haben vereint Schneid gegen die längsten Achtklaßler. Sie riskieren es heut sogar, dem Schorsch nachzupfeifen. Der dreht sich – sozusagen aus Prestigegründen – um. »Was möchts denn, ihr zwoa Hosensch ...« Aber der Xaverl und der Maxi nehmen den Fehdehandschuh auf: »Gel, tua fei net koppeln, du langgstackeltes Elend!« So wörteln sie hin und her, aber beide Parteien sind heimlich doch froh, daß sie ihren Heldenmut nicht beweisen müssen, weil gerade der gestrenge Herr Lehrer um die Ecke biegt. Der lange Schorsch »verzupft« sich. Die Spezi sagen: »Ogfangt wenn er hätt, a' solche Schelln hätt er von mir scho' gfangt! – Mei, der is' mir ja vui zweni, daß i eahm was taat!«

Da kommt der feine Knabe Eduard vorbei, der mit der großen Schleife auf der Bluse. Der geht immer mit den Mädchen seinen Schulweg; denn seine Mama will nicht, daß er mit den bösen Gassenbuben »verkehrt«. Dem rufen die Spezi verachtungsvoll über die Straße zu: »Madlbua! Madlbua!« – Sie sind noch in dem Alter, wo der Umgang mit Mädchen dem Mann kein Renommee gibt, sondern ihn verächtlich macht. – Nach zehn Jahren werden auch die Herren Maxi und Xaverl nichts mehr dagegen haben, »Madlbuam« zu sein. Ein Fünferl soll noch bei der Frau Kramerin Wittenzellner in »Bärendreck« umgesetzt werden, da schaut der Maxi auf die Turmuhr. »Schiab Xari, schiab! Zwoa Minut'n hat's no' bis achti!« Und die Spezi setzen sich in Trab und witschen gerade noch durch die Schulzimmertür, als draußen die Schulglocke bimmelt. »Ihr zwei müßt natürlich wieder als die letzten kommen«, sagt der Lehrer. – »Bittschön, Herr Lehrer«, entschuldigt der Maxi, ein bißen außer Atem: »D'Uhr is z'spät ganga« – »und bei uns war der Kaffee so heiß«, sagt der Xaverl. »Na, dann schert euch jetzt in die Bank, ihr zwei« – der Kathedermann schaut sie hinter den strengen Brillengläsern mit leisem Schmunzeln an – »ihr zwei Spezi...«

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