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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 49
Quellenangabe
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authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
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Spätsommer-Vignetten

Ausflugsmenschen auf der Bahn, auf dem Schiff, auf jeder Art von Fahrzeug, sie mögen noch so erwachsen, alt, würdig sein, haben immer was vom Glück einer Maiausflugs-Klasse an sich.

Die Freude am eroberten Platz, daß alle so schön beieinandersitzen, daß man sich zum Wagenfenster hinaus-, über das Schiffs-Geländer hinweglehnen kann, daß dann nach Pfiff oder Glockenton das Vehikel zu Land oder zu Wasser plötzlich gleitet, fährt – fährt ...! Das ist es. Die alte Kinderlust am Fahren macht alle vergnügt, und selbst über die zerknittertsten Hypochonder- und Grantlhauergesichter geht bei der Abfahrt ein Schimmer von gewesenem Kinderglück.

Das kleine, breithüftige Amperschifferl trägt uns zum See, an Weiden, Schilf und silbrigen Horizonten vorüber. Im dichten Dschungel und Sumpf zu beiden Seiten des Wassers quarrt und quakt, quietscht und quillt es, alte Pfadfinder-, Indianer- und Abenteuerbüchl-Erinnerungen werden wach.

Das Plustern und Pruschten des Schiffs schreckt einen großen Vogel aus einem Weidenbaum hoch und mit gemachem Flügelschlag streicht er über das Schilf. »Schaug, Reserl, a Storch!« sagt die Mutter zu ihrem kleinen Mäderl. Der Vater weiß es besser: »Des is koa Storch – des is a Reiher!« Aber die zoologische Aufklärung läßt Mutter und Kind ganz kalt. Ihnen ist ein Storch lieber. Dabei bleibt es. Ringsum ist emsiges Frühstücken mit Eiern, Wurstsemmeln, Birnen.

In Stegen gibt das Schifferl seine Passagiere ans Ufer ab. – Nach wenigen Minuten haben sie sich in der Gegend verloren, in den Wald, zum See hinüber, auf den Dampfer, ins Bad oder ins Bräuhaus.

Im hohen, reinen Blau des Nachsommers ruht der köstliche Sonntagshimmel über dem grünen Land, über dem glitzernden See. Die Landschaft leuchtet. Wie weit der Herbst noch ist ... Im Weitergehn legt sich übers Gesicht ein verwehter, silberner Faden, den ein zärtlicher Wind von den Gärten her durch die Luft schwimmen läßt – Altweibersommer.

*

Die alten rissigen Holztische in dem kleinen Bauernwirtsgarten stehen unterm Laub der Nußbäume geborgen wie in einem dämmergrünen Zelt. Die Sonne kringelt durch die Laublücken auf die grauen Bretter ihr Licht, und der schwanke Schatten der Zweige läßt sie über Tisch, Bank und Rasen spielen. Ganz still ist's da in dem Winkel. Gegen Süden zu geht über Wiesen und Stoppelfelder weg der Blick zum fernen blauen Riß der Berge. – Ein Apfelbaum steht auf dem Angerl, die schweren Zweige gestützt von Brettern und Stangen. Über einem Restl Wein im Glas brummeln trunksüchtige Wespen um den einschichtigen Gast. Blauer Tabaksrauch wölkt in die Bäume. Man muß sich lang auf der Bank ausstrecken, die Joppe im Genick. Es liegt sich gut. Irgendwo pfeift ein Vogel zwei, drei zage Pfifflein in den wachsenden Mittag und läßt es wieder sein, Hennen kratzen unentwegt und gefräßig im Boden, der Hahn ist schön und sonst nichts, aber überlegen und resigniert zugleich bei seinem Harem.

Ein paar weiße Leintücher sind zum Trocknen zwischen den Bäumen aufgehängt, hinter ihnen geistert lautlos eine Katze. Beim Apfelbaum drüben fällt mit leisem Klaks ein Frühreiter ins Gras, ein gilbes Blatt vom Nußbaum und noch eines schwebt an uns vorbei, und stille steht die Zeit ...

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