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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 45
Quellenangabe
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authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
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Vom Münchner Oktoberfest

Im »Wiesen-Hippodrom« merkt man erst, wieviel aktive und passive Freunde der edlen Reitkunst in München zu Hause sind. Der Herr Katastersekretär Zeislmaier und der Herr Adjunkt Briesmüller, der Herr Galanteriewarenhändler Bimslechner und Herr Versicherungsinspektor Scheiferl, Herren, die sonst ihr Leben lang das Pferd als wildes Tier sich vorsichtig vom Leibe halten, entdecken da ihren Hang zu diesem ritterlichen Geschöpf, ihre Freude am unentwegten Anblick seiner graziösen Bewegung und überhaupts ... Wer sagt, daß sie etwa wegen der Fülle schlanker seidener Beine und dem lieblichen Drum und Dran Hippodromler wären, der lügt und sollte sich schämen, hinter dem Interesse an Sport und Tier solchene Unsachlichkeiten zu wittern.

Und wenn der Ausrufer draußen in allen Sprachen der Welt und mit auserlesener mimischer Grandezza sein Unternehmen als den Treffpunkt der Sport- und Lebewelt bezeichnet, so rechnen sich Zeislmaier und Bimslechner natürlich zur Sportwelt. Vielleicht, daß der Adjunkt Briesmüller mit einem Fuß in der Lebewelt steht – aber nix gwiß weiß man nicht. –

Kavaliere spendieren hier ihrer Dame ein Markl, einen Taler, und ganz Noble lassen – berauscht vom Anblick ihrer Schönen – einen Zehnmarkschein draufgehen. –

»Xaverl, derf i' no amal?« schreit mitten aus der Manege eine kühne Sportlady mit etwas derangiertem Etonkopf und ebensolchen Dessous. Sie darf nochmal.

Aber sei es, daß das edle Vollblut Launen hat oder lassen die reiterlichen Künste der Schönen nach: ihr Sitz wird lockerer und lockerer. Schon fliegt sie wie ein Gummiball auf und nieder – schon klammern sich die Arme um den Pferdehals – ein Ruck – ein frischfröhliches Wiehern und Bäumen, ein markerschütternder Ruf: »Xaverl! –« mitten in das verlorene Herz von Heidelberg hinein – die Reiterin hängt wie ein Schlinggewächs am edlen Roß und rankt sich an ihm beinstrampelnd empor. – Hilfsbereite Hände bringen den kleinen reitsportlichen Zwischenfall wieder in Ordnung. – Tausend grinsende Gesichter werden glatt, und – hoch zu Roß sieht die Welt sich freier an – die Schöne sitzt wieder im Sattel. Der echte Sportgeist in ihr kennt kein Nachgeben. – »Xaverl, laß mi no amal!!« –

Der Xaverl läßt sie noch einmal. Seine Spezi sagen: »Da siehcht ma halt, was dro' is' an der Anni, dö is guat beinand mit'm G'stell und mit'm G'wand!«

Der Herr Realitätenbesitzer Schwegl mit Frau und Freund sitzt als passionierter Oktoberfest-Pferdefreund ganz vorn an der Rampe. Die kleine Schwarze, Leichtgeschürzte, findet sein mehr als wohlwollendes Interesse. – Er sagt zu den Seinen: »Das is' der schönste Gaul, der da! Da is' grad a' Freud zum Zuaschaug'n, wia schö' der trappt.« Und die Freude macht seine Augen sichtlich glänzend.

Frau Schwegl ist ohnehin ungern in dieses Etablissement mitgegangen. – Sie »bimt« vor Wut »auf die Flitschna, de wo gar koa Schamg'fui mehr harn.« – »Is ja wahr aa! – I' wann a' Mannsbuid waar, i sagat ›Pfui Deifi!‹;« –

Aber ihre Beschützer und Begleiter sind toleranter. Sie sagen nicht Pfui Deifi. Und als Frau Schwegl meint, die dressierten Hunde möcht sie so gern anschaun und die Glasbläserei, da sagt Vater Schwegl: »Des pressiert net! De laffa uns net davo' mit eahnern gläsern' Hirsch!«

Nicht minder reiterlich ritterlich als die Damen sitzt die Herrenwelt zu Pferd.

Der Beppi, gesprochen José, zeigt seinem Fräulein Braut einmal, wie er sich reiterlich ausnimmt. Er hat sein Jackett über den Stuhl gehängt, damit der neue Pullover zur Geltung kommt, und damit man sieht, wie er die Gefahr verachtet, raucht er hoch zu Roß eine Zigarette. – So trabt er – ein Colleoni aus Obergiesing – seine zwei Runden ab und wird von der stolzstrahlenden Braut unversehrt an Leib und Seele wieder in Empfang genommen.

»I' hab gar net g'wußt, José, daß du reit'n konnst.«

Er hat es auch nicht gewußt, aber er schweigt und sagt mit einer Handbewegung: »Kunststück! Net reit'n wer' i könna!« Und wenn jetzt der José Mirza Schaffy gelesen hätte, so würde er mit geschwellter Pulloverbrust seiner Fanni zitieren:

Das höchste Glück der Erde
Liegt auf dem Rücken der Pferde,
Liegt in der Kraft des Leibes
Und in der Schönheit des Weibes ...

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