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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 44
Quellenangabe
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authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
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Ofen-Temperamente

Öfen gibt es, die sind Sanguiniker. Sie sind verhältnismäßig leicht zu behandeln und zu ertragen. Mit ein bißchen Holz und Kohlen im Leib werden sie leicht entzündet, brennen lustig drauf los und verbreiten Wärme und Behagen ohne viel Schwierigkeiten und Problematik. Aber es ist kein Verlaß darauf. Ein hartes Holzscheit, eine verschlackte Kohle nimmt ihnen bald Lust und Stimmung, weiter zu brennen. Sie spielen erst noch ein bißchen damit herum, dann sind sie müde, und wenn's nicht leicht geht mit der Flammerei, lassen sie's sein. Strohfeuer-Öfen! Gibt man ihnen eine Handvoll Späne oder Papier – gleich sind sie wieder Feuer und Flamme. Für ihre leichte Lebensführung lieben sie leichten Brennstoff. Sie sind keine Bohrer und Tüftler, keine Prinzipienbrenner und Justament-Öfen. Brennt's is' recht – brennt's nicht – is' auch recht!

Die Choleriker sind die ganz Schwierigen. Erst fauchen und rauchen sie giftige schwarzbraune und gelbe Schwaden aus jeder Ritze. Sie haben einen großen Ehrgeiz, mit einem Vulkan verwechselt zu werden. Sie brennen mit Wut und Verbissenheit. Jede Kohle sprengen sie mit Knall und Krach entzwei und tun so, als wollten sie jeden Augenblick bersten – in die Luft gehen, wie ein ergrimmter Familienvater, dem man zu viel zugemutet hat. Vor Hitze kriegen sie einen roten Kopf. Als Öfen sind sie trotzdem wegen ihrer Heißblütigkeit brauchbar, aber man darf nicht zu nahe hinkommen, sonst spucken sie einen mit Glutbrocken an.

Die Melancholiker unter den Öfen werden ganz langsam warm und brennen mit niederer Flamme. Sie seufzen oft herzbewegend durch das Ofenrohr und setzen viel Ruß an, der ihnen außen und innen etwas Trauriges gibt. – Sie sind immer ein bißchen verstopft, daher ihr Hang zu Sentimentalität. Gegen fremde Menschen sind sie scheu und voll Hemmungen beim Anschüren. Oft verlieben sie sich in ein kerniges Buchenscheit, und können sich aus lauter Gefühl nicht entschließen, es zusammenzubrennen. – Ihr Schmerz ist, daß sie als Ofen geboren sind und nicht als Stern. – Wie würden sie da leuchten!

Der Ofen-Phlegmatiker ist gut zu haben. Wenn er einmal ins Brennen gekommen ist, brennt er aus Faulheit gleichmäßig weiter und läßt nur von Zeit zu Zeit ein Stück Holz durch den Rost fallen, damit ihm leichter wird. – Er gibt nicht übermäßig viel Wärme her. »Richtet« man was daran, oder sucht man Neuerungen anzubringen, so leistet er passiven Widerstand. Er liebt keine Veränderungen. Sein Feind ist der Kaminkehrer. Gern hat er ein Haferl Kaffee auf sich stehen oder eine aufzuwärmende Suppe. Gar nicht mag er, wenn Spiegeleier oder Koteletts auf ihm gebraten werden, denn das Gebritzel und Gebrutzel stört ihn in der Sammlung und Beschaulichkeit. – Am liebsten ist ihm der Sommer, wenn ihn alles in Ruhe läßt und sein Herr verreist ist. Wenn er sich beim großen Wandel etwas wünschen dürfte: Portier in einer Glyptothek (Gemäldesammlung) möchte er gerne werden.

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