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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 40
Quellenangabe
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typenarrative
authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
year1965
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Möwen

Der Herr und die Frau, in Mantel und Pelz wohl eingehüllt, stehen am Isarufer, und die Frau füttert aus einer Stranitze heraus die Möwen mit kleinen Fleischstückchen.

Sie: Da siehgst as glei, daß des Fleisch koan Stich g'habt hat, sunst schnappat'n de Vögel net so danach.

Er: Wenn i a Vogel waar, schnappat i aa danach.

Sie: Schöne Vögel san s', de Möwen!

Er: No – passiert scho! A Schwaiberl is ma liaber ...

Sie (verschnupft): Und a Brathenndl is dir no liaber!

Er (ablehnend): Wia i jung war, hat's no gar koane solchana Möwen geb'n bei uns. De san ei'g'führt wor'n vom Meer. Wer'n scho Norddeutsche mitbracht ham.

Sie: Geh zua – als ob si de mitbringa lassat'n wia Kanari!

Er (hartnäckig): Merkwürdi is ja des scho: überall, wo si Breiß'n o'g'siedelt ham, gibt's aa Möw'n. Da, in Bog'nhausen – am Starnberger See ...

Sie: Du magst as halt net, de Vögerl! Was von de Viecher net auf der Speiskart'n steht, des gilt nix bei dir!

Er: Hab i net g'sagt, daß ma d'Schwaiberl liaber san!

Sie: Da mag i net streit'n. Schaug s' nur o'! De reinst'n Flugkünstler san s'. De ham ja eine Geschwindigkeit ...!

Er: Ham ja aa Mordstrümmer Flügel!

Sie: San so liabe Viecher. Bstbst! Da geh her. – So, jetzt ham ma nix mehr. Staunenswert is des, wia de Vögel mitten im Fliag'n de Bröckerl z'samm'fanga! (Nachdenklich) Wenn des wahr is, was der Frau Scheggl ihr Zimmerherr sagt, daß ma a Seel'nwanderung durchmacht: – i möcht glei in so a Möwe nei'fahr'n!

Er: Da tat'st di aber schwer mit'n Platz ham.

Sie (ärgerlich): Is schad um jedes Wort, wo ma mit dir über so was red't. – Des is nur seelisch, sozusag'n, des Nei'fahr'n!

Er: Vo mir aus ko a jed's hi'fahr'n wo's mag. Aber a Möwe suchat i mir net grad aus! Überhaupts ...

Sie (verträumt): Der Schegglin ihr Zimmerherr sagt, er is scho amal z' Indien drüb'n a Hirsch g'wes'n.

Er: A Hirsch – des is er scho no. Da hätt' er si gar net verwandeln braucha. Frißt ja heut no nix wia Gras und Kräut'ln. Siecht aber aa aus wia d' Henn unterm Schwoaf ...

Sie: Des ewige Fleischessen is aa net g'sund. – Er hat g'sagt, daß bei der Fleischnahrung de geistingen Saftin z'samm'genga wia a g'stöckelte Milli, koan Fluß mehr ham s' ...

Er: Soll nur er aufsdhaug'n, der Hirsch, der damisch, daß er net ausa'nanderfallt. Wenn natürli a Fleisch an Stich hat, wie heut, kann scho sei', daß des ...

Sie (gekränkt): ... Hat gar koan Stich g'habt, sunst hätten 's d' Möwen net g'fress'n.

Er: Möwen fressen alles. Des san Wuidsäu!

Sie (wütend): Mit dir red i überhaupts nix mehr.

Er (unbetroffen): Na red'st halt net.

Das Ehepaar wandelt schweigend in Halbmeter-Abstand isaraufwärts. Die Möwen schwirren noch ein Stück am Ufer entlang. Dann hebt sich die größte von ihnen mit einem resignierenden Schrei in die Lüfte, und wenn nicht zufällig ein Zimmerherr von der Frau Scheggl in ihr Wohnung genommen hat, so ist noch Platz frei für eine empfindsame und unverstandene Frauenseele.

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