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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 33
Quellenangabe
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authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
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Die Obstlerin

Da, wo die Salzgasse in den Marktplatz läuft, hat sie ihren Stand. Man übersieht von hier aus den ganzen Platz, alle Fenster und Tore, und vom Frühling bis in den Spätherbst sitzt die alte Kathrein da über ihren zwei Körben, strickt und strickt, und unter dem grünen Augenschirm gehen die flinken Augen unablässig Patrouille nach allem, was da kreucht und fleucht.

Die alte Kathrein weiß alles. Sie weiß, was man bei Notars heut mittag als Gemüse hat, wieviel Mitgift die Zilli vom Wachszieher Scholler mitkriegt, daß der Lump, der Otto vom Sternbräu, neulich in aller Früh mit dem Annerl vom Doktor Huber zu den Flußanlagen spazieren ging und daß der Herr Amtsgerichtssekretär am letzten Mittwoch am hellichten Werktag graue Handschuhe anhatte. Der Kathrein ist gar nichts, weder Kleines noch Großes, in Webelstetten verborgen. Sie kennt alle Mägde und Köchinnen, die Ladenfrauen und den Postboten und hält mit allen ihren Bekannten so im Vorbeigehen kleine Konferenzen über die Angelegenheiten der Stadt, und sie tauscht, wie ein emsiger Briefmarkensammler Doubletten, alte und beschädigte Neuigkeiten, nicht ganz echte oder bereits kolportierte, vermutete und erdachte gegen die allerneuesten aus. Das Kocherl vom Apotheker weiß was von der Frau vom Kaufmann Schmid und kriegt dafür brühwarm und delikat von der alten Kathrein serviert: einen Kuß des Assistenten Schmörgerle, verabfolgt an die Rosa Haberer im dunklen Hausgang der »Glocke«. An sonnigen Tagen spannt sich ein grauer Schirm über den »Stand« der Kathrein. Das hindert die Fliegen vom Postbräustall und die Bienen aus dem Notarsgarten nicht, sich an den warmen, schon halb in Gärung übergehenden Pflaumen, Birnen oder Äpfeln gutzutun.

Manchmal scheucht sie die Kathrein mit dem Strickstrumpf wedelnd weg, aber meist sagt sie sich: Leben und leben lassen und gönnt den Brummern ihr Platzl an Frucht und Sonne.

Realschüler mit grünen Mützen holen sich nach der Schule eine Stranitze voll Zwetschgen, eine Tasche Süßholz oder Johannisbrot. Manchmal hat einer das Zehnerl nicht »dabei«. Nun, dann ist die Kathrein auch nicht so und sagt: »Bringst es halt 'as nächste Mal!«

Die Stricknadeln klappern, die Äuglein gehen, der Hals reckt sich: Da schaug her! – A Fremder.

Und die Augen gehen dem fremden Herrn mit dem Koffer nach – lang – lang. Er geht ins »Lamm«.

Gleich morgen wird die Kathrein die Lamm-Fanni fragen ... Oder vielleicht geht sie nach dem Gebetläuten noch hinüber ... Dös möcht i doch wissen, wer er is, der Herr – der fremde ...

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