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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 15
Quellenangabe
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authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
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Sie erzählt vom Faschingsfest bei den »Hasen«

Wissen S', Frau Baumhackl, mir san ja gwiß net genußsüchtig und ausschweifend, wissen Sie's ja so, wia's is, wenn ma sei Gerschtl zsammhaltn muaß – aber, wenn alle närrisch san, denkt ma si, tuat ma halt aa amol mit! I woaß gar koane Zeitn mehr, daß i auf an Ball oder a Redout komma bin. Aber as Fannerl is halt jetzt aa in deni Jahr, net wahr?

Des derfa S' ma glaabn, i hab in meiner Jugend auf de Ball allweil a Mordsgriß ghabt. Mei, wenn i drodenk, wia i amal als Postillion ganga bin. – Ganz narrisch warn d' Mannsbilder hinter mir her, wia i da in de weißn Hosna aufzogn bin. –

Jessas naa! Was hätt i da für a Partie machn kenna. Der Expeditor Zirngibl hätt mi vom Fleck weg gnomma. – Aber damals bin i schon mit meim Alisi ganga, mit mein Mo – und wo d' Liab hifallt, fallt s' hi, und wenn s' auf an Mist fallt –, Sie, der war net vui eifersüchtig, wia i da als Postillion ganga bin! – A Hosn ziagst mar nimmer o! hat er beim Hoamgeh gsagt. Ganz leidenschäftli ist er worn damals. Mei, des warn Zeitn. – Wenn ma denkt, wia sie alles ändert! – Jetzt hat ma selber a Madl, das ma ausführn muaß. – No, sagt mei Alisi, geh ma halt wieder aufs Fest vom »Verband der Stallhasenzüchter«. No ja, Sie wissen scho, wen i moan: an Hasenverein halt! – Das is allweil sehr nett, hervorragend! Frau Baumhackl, zünfti und grüawi.

Jetzt war's halt so a Sach mit de Kostümer! Als Postillion, wissen S', mag i heut doch nimmer geh – d' Hosen war ja no da – die is vo meim Bruader selig – und der Frack aa. Aber eng is halt schon alles! A bißl spanna tuat's, und nachher mag ma sie in so an Verzug doch nimmer zoagn! No, sag i, i mach an Kaminkehrer. I hab no an Posten schwarzen Satin. Da hab i mir na a Klüftl gschneidert. Sie, da hättn S' mi nimmer kennt! Und dazua an Alisi sein Zilinder, und vom Kaminkehrer Scheibl ha i an Drahtbesen z' leihn kriagt.

Unser Fannerl natürli, de is als was Gschupfts ganga. Sie wissen ja, wia de jungn Madln heut san. Sie is als Eton-Boy ganga oda wia ma sagt. A ganz a kurz Höserl, a schwarz Frackerl und aa an Zilinder. Den hat ihr unser Zimmerherr gliehn. No, mei Alter, der ziagt halt allweil sei kurze Wix o und sagt, als Gscherter da is am grüawigstn, da is ma halt ozogn! Na ja, is ja wahr: als Gscherter is allweil am bequemsten. Da braucht ma net lang Geckerl macha!

So san ma am Samstag abend furt. In der Trambahn hätt's bald an Krach gebn, weil so a Hammi auf draaht hat, weil i eahm mit meim Drahtbesen a bißl an sein Kohlrabi hikumma bin.

Sagt er: des is aa notwendig, daß de altn Weiber no Maschkra genga! Wissn S', de Leut san ja so gemein und ordinär! Aber da is er zu mir grad zur Rechtn kumma. I hab mir des Bürscherl z' leihn gnomma: Sie, hab i gsagt, leihn S' ma Eahna Gsicht, na geh i als Aff Maschkra! – Und mei Alisi hat gsagt: wenn er net staad is, na derlebt er was.

So san ma na in d' »Alhambra« kumma, und da war scho a Mordslebn. Der Vorstand hat uns glei begrüßt und an Vorstandstisch higsetzt, und da war d' Frau Offiziant Briesmüller gsessen und ihrer Rosl, und wia mir da uns hinsetzn – des Gsicht hättn S' sehng solln! Wia mi de ogschaut hat! Ihr schialige Rosl war als Türkin da. Aber scho so brennmager, sag i Eahna! Da hat sie de Briesmüllerin über mei Fannerl a so gift, daß grea worn is! Sie kenna mei Fannerl, guat gwachsn, wia s' is, des muaß ihr der Neid lassn. – Na ham mir unsern Aufschnitt auspackt und zerscht a mal richtig gessen! Mei Mo hat si an Niernbratn bstellt, und es war a sehr schöne Portion, schö unterwachsn, mit der Niern.

D' Frau Offiziant Briesmüller hat allweil auf den Bratn gschaut und hat na gsagt: Des kann si halt a Beamter net leisten! – Na hat s' mei Fannerl ogschaugt und sagt: A Schamgfui ham de Fraunzimmer heut gar koans mehr. Wenn ma s' so siecht, wia s' daherkumma!

Jetzt is der Saal finster worn, und nachher ham s' auf der Bühne a Stück gspuit: »Das blutige Edelweiß«. Wunderbar sag i Eahna, Frau Bamhackl. Der Kramer Bogner hat 'n König Ludwig Zweiter drin gspuit. I sag Eahna, täuschend! – Täuschend! Wia er dem armen Mädchen aus dem Volke übers Haar fahrt, wia's beim Edelweißbrocka abgstürzt is mit eahm auf de Lippen.

I geh ja selten in a Theater, ma siecht ja nix Gscheits mehr, aber des waar wert, daß Sie's gsehn hätten.

Nachher is der Tanz oganga! No, um mei Fannerl is zuaganga – dös kenna S' Eahna denka! De is überhaupts nimmer zum Sitzn kumma! Der Adjunkt Niedermaier hat ihr um zwoa Mark fufzig Pfennig a Glasl Champanjer kauft. Sie hat's fast ganz austrinkn derfa. A bißl was müassn S' für mei Frau drin lassn, hat er gsagt, sonst werd s' beleidigt. Zu mir is eigens der Vorstand kumma zum »Frasä«, und aa sunst warn de Herrn allweil so rumgschwanzlt um mi – aber des hat ja koan Wert mehr. – Mei Alisi natürli hat sie glei zu de zwoa Rallinger zu an Tarock zsammgsetzt, und i hab mir a Glas Punsch bringa lassn und a Schaumtortn.

D' Briesmüller-Rosl is allweil nebn ihrer Muatter gsessn und hat gsagt, so saudumme Tanz wia ma jetzt tanzt, kann a anständigs Madl gar net tanzn. Und leise hat s' zu ihrer Muatter gsagt – aber i hab's doch ghört –, wenn jetzt koaner kummt, na treten s' aus m' Hasenverein aus.

Der Offiziant Briesmüller is dagsessn und hat sei Pfeif graucht, und auf amal, da is – steht er auf und sagt: No Fräulein, wia hätt ma's denn mit der nächstn Tur? – Jessas naa – de Augn vo der Briesmüllerin! De Augn. Sie is glei feuerrot worn und hat gschrian: Zahln! Fräulein, zahln!

Und ihrn Altn hat s' am Arm packt und gsagt: Mir genga hoam. Bei so a ra gmischtn Gsellschaft kann si ja an anständige Familie net aufhaltn. – Da sag i: Pfiat Eahna Good, jetzt werd's na glei weniger gmischt sei, wenn Sie furt san. – Und eahnern Vater ham s' in d' Mittn gnomma und san mit eahm hoam. Wissn S', der war scharf auf mei Fannerl gwesn. – Des Sprichwort kenna S' ja: Wenn alte Häuser brenna, da hilft koa Löschn mehr!

Aber mir san no bliebn bis in der Fruah, und d' Herrn ham d' Weißwürscht nur so tellerweis herbracht, und mei Fannerl hat auf d'Letzt als de schönste Maske an Preis kriagt. – An sehr schöna Maßkruag, den ma aufziagn ko – na spuit er: In der Heimat ist es schön.

Ma werd halt wieder ganz jung an an solchen Abend, Frau Bamhackl. Mei Kaminkehrer war ganz derwutzelt und dadruckt vor lauter Tanzn. Aber des derfa S' glaubn, ma merkt halt doch, daß ma lang verheirat is.

Mei Alisi hat desmal koa Wort beim Hoamgeh gsagt, wia damals beim Postilliongwand, und wiar i ihn na a bißl eifersüchti machn will und sag: Heut ham s' mi schön herdruckt beim Tanzn, da sagt er: Ja, des is merkwürdig, wenn s' narrisch san, tanzatn s' mit an Kartoffelsack aa.

Und jetzt müaß ma's halt abwartn mit unsern Fannerl, ob 's was werd. De Männer san heut ja furchtbar anspruchsvoll. Schmetterlinge! sag i Eahna, Frau Baumhackl. – Nur bloß umanand fliagn von Blume zu Blume – wennst eahna an kloaner Finger gibst, möchtn s' de ganz Hand – aber nur net heiraten, des mögn s' net...! Es san halt schlechte Zeitn für a jungs Madl, Frau Baumhackl!

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