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Mei Ruah möcht i ham

Julius Kreis: Mei Ruah möcht i ham - Kapitel 14
Quellenangabe
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authorJulius Kreis
illustratorJulius Kreis
titleMei Ruah möcht i ham
publisherAlbert Langen ? Georg Müller Verlag GmbH
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Ein kleines Faschingsspiel

»Die Großzügigen«

I

Personen: Er und Sie, ein junges Ehepaar. Der Freund. Teestunde am Nachmittag vor dem Faschingsfest.

Der Freund: ... Ja, und dann gab's also eine richtige Szene mit Zimbeln und Posaunen. Mitten auf dem Fest! Denn so reizend und voll Scharm sie sein kann, so klug und beherrscht sie sonst ist – in ihrer Eifersucht wird sie manchmal geradezu kindisch ...

Die junge Frau: Und dabei ist er doch so ein herzensguter, rührend anhänglicher Mensch. Wie sie nur so einfältig und kleinlich sein kann in dieser Beziehung ...

Der junge Ehemann (überlegen): Solche Leute gehören auf kein Faschingsfest, wenn sie sich nicht ein paar Stunden voneinander frei machen können. Das ist doch gerade der Reiz: freie Bahn dem Tüchtigen! Großzügigkeit. Nicht wahr, Lilli! (Streichelt seiner Frau zärtlich das Haar.) Ich zum Beispiel bin richtig stolz, wenn mein kleiner Lump da recht viele Verehrer findet, wenn die Männer um sie rum sind wie die Bienen um den Zucker. (Mit pfiffiger Verruchtheit.) ... Und dabei bleibt mir dann freies Feld!

Die junge Frau: ... Ich würde ja auch für einen Mann danken, der auf einem Fest keine andere Eroberung macht als seine eigene Frau!

Beide: Wir legen uns an so einem Abend nichts in den Weg.

Er: Unsinn! An einer Faschingsnacht sich gegenseitig auf der Pelle liegen!

Sie: Ferien von der Ehe! Das ist's, lieber Freund!

Der Freund (kühn und burschikos): So was hör' ich gerne, Frau Lilli!

Das Ehepaar (sehr unternehmungslustig): Ach Sie! Sie zählen ja schon gar nicht!

II

(Auf dem Fest. – Musik, Farben, Jubel, Trubel, Menschen, Maskerade. – Das Ehepaar verabredet sich an der Garderobe): Also Punkt vier Uhr früh treffen wir uns hier wieder. Mach's gut, Lumperl! – (Beide großzügig ab in verschiedener Richtung.)

(Später. – Der junge Ehemann mit einer rassigen Odaliske, die junge Frau mit einem schlanken Spanier tanzen aneinander vorbei.)

Er (küßt seiner Frau im Vorbei die Hand): Amüsierst du dich gut?

Der Spanier: Geistvolle Anrede! Witzig sind die Leute! So ein dämlicher Bruder!

Sie (ein bißchen verlegen): ... ein guter Bekannter von mir. Sonst ein sehr netter Mensch ...

Der Spanier: Na, das Netteste an ihm ist wohl, daß er bekannt mit dir ist ... Übrigens: die Frau, mit der er tanzt – kennst du die? Das ist doch die Soviso Rosse! Stil! Viel zu schade für den.

Sie: Oh, das interessiert mich! Die Soviso! Finden Sie – findest du die wirklich so nett? Männer haben da ein ganz anderes Urteil. Ich finde sie ja auch sehr nett, sicher ... aber was Besonderes? Ein bißchen gewöhnlich, nicht ...?

Der Tänzer: Na, aber pikant ist sie schon. – Sie hat für Männer was fabelhaft Anziehendes ...

(Die junge Frau ist bestrebt, mit ihrem Tänzer möglichst in Sichtweite des anderen Paares zu bleiben.)

*

(Das andere Paar.)

Die Odaliske: ... übrigens, pussier' nicht so in der Landschaft herum! Was mußt du denn diesem Bäzimäh vorhin die Hand küssen, wenn du mit mir tanzst?

Der Ehemann: Geh, die war doch so nett!

Die Odaliske: Ich finde, Männer haben immer so ein komisches Urteil über Frauen. Ganz nett! Ja! Aber ihr Tänzer war mit Abstand der Nettere. Kennst du den nicht? Den Spanier! Das ist doch der Soundso! Der mit den vielen Affären. Begreiflich. – Ein Typ, der auf Frauen unwiderstehlich wirkt!

Er: Na, mein Typ war' er nun gar nicht ...

Die Odaliske: Du bist ja auch gar nicht gefragt. (Der Ehemann sucht mit seiner Tänzerin möglichst in Sichtweite des anderen Paares zu bleiben.)

*

(Der Spanier und die junge Frau nach dem Tanz an einem Tischchen. Der Spanier wirbt verliebt und zärtlich um die junge Frau.

Der Ehemann kommt mehrere Male mit der Odaliske dicht vorbei und legt den Arm sehr innig – fast ostentativ – um seine Schöne.

Worauf: Die junge Frau plötzlich dem werbenden Spanier einen Kuß gewährt.)

Der Spanier: Seltsame Frau! – Irgend etwas ist jetzt bei dir nicht im Lot ... Du bist unkonzentriert. – Nicht bei mir! Ich fühle das ...

Die junge Frau: Aber doch ... wie kommen Sie nur ... wie kommst du nur auf so was!

Die Odaliske (zum Ehemann): Wo schaust du denn nur immer hin. Suchst du jemand? Genüge ich dir nicht?

(Der junge Ehemann sieht seiner Partnerin mit zentralgeheiztem Glutblick in die Augen und sucht durch betonte Leidenschaftlichkeit zu versöhnen.)

(Pause.)

Die junge Frau (zum Spanier): Also ... auf Wiedersehn. Ja! Bestimmt! Zur Française! Hier an dieser Säule! Sicher. Die Leute sind nämlich furchtbar böse, wenn ich ihnen nicht wenigstens Grüß Gott sage ...

(Ab.)

Der Ehemann (zur Odaliske): Einen Augenblick. Die da draußen in der Garderobe müssen mir eine Nadel pumpen. – Mein ganzes Kostüm ... hier an dieser Säule ... ich komme bestimmt – einen Augenblick nur ...

*

(Das junge Ehepaar hat sich gegenseitig nicht aus dem Aug' gelassen. Er kreuzt – abseits vom letzten Schauplatz – ihren Weg, den sie, auf ihn zu, genommen hat.)

Er (mit verhaltenem Grimm): Dir geht's gut, wie? (Hält sie am Arm.)

Sie: Au! Gibt doch rote Flecken! Du lernst wohl diese Manieren bei deiner Faschingseroberung!

Er (zornig): Ausgerechnet diesen notorischen Gecken, diesen Fatzke, diesen Affen mußt du dir auswählen ...

Sie: ... Rede nur du! ... Wer an so ordinären, widerwärtigen Frauenzimmern Geschmack findet ...

Er: ... Ich bin großzügig. Das weißt du. Aber daß du ausgerechnet auf diesen Burschen hereinfällst ...

Sie: Daß du unter tausend Frauen ausgerechnet die gewöhnlichste, unappetitlichste ... (Mit Tränen) ... und überhaupt, ich geh jetzt heim. Ich will dich nicht stören bei deinen – Weibern ...

Er: Reizende Vorwürfe. Wenn solche Männer dein Typ sind ...! Ich danke!

(Sie pudert lautlos schluchzend Naschen und Wangen und nimmt mit unsicheren, aber schnellen Schrittchen Kurs auf die Garderobe. Dort dreht sie sich hilflos um. Er hat ja die Marken.)

Er (steht schon hinter ihr. Sehr zärtlich): Komm Lumperl, kleines, wir wollen wieder gut sein. Is' ja lächerlich ...

Sie (mit versöhnten, lächelnden, leuchtenden Augen): Also komm' du! Grad spielen sie unseren Tanz.

Er: Ich habe droben auf der Galerie ein reizendes Laubentischerl ...

(Der Spanier und die Odaliske tanzen Wange an Wange an dem Ehepaar vorbei.)

Er: Nichts als Odalisken! – Ein bißchen phantasielos sind die Mädchen schon ... Wie dick sie weiter weg aussieht ...

Sie: Findest du nicht, daß der Spanier die Nase schief sitzen hat ...

III

Teestunde am Tag nach dem Fest.

Der Freund: Und wie war's gestern auf eurem Fest?

Er und Sie: Ganz reizend! Entzückend! Fabelhafte Stimmung! So nett wie noch nie!

Der Freund: Erlebnisse? Abenteuer? Eroberungen?

Beide: ... einen ganzen Berg!

Der Freund (mit falscher Biederkeit): Ja, so wie Ihr es haltet, ist's natürlich sehr amüsant: Wie haben Sie gesagt, Frau Lilli: Ferien von der Ehe?

Beide: Natürlich! Ein bißchen großzügig muß man an so einem Fest schon sein!

Der Freund: Denn da hat kein's ein Vergnügen, wenn man eifersüchtig ist ...

Er und Sie (umarmen sich jäh und innig. Zum Freund): Ach, Sie Neuling, Sie Idiot, Sie Kind! Das war ja gerade das Schönste: das Eifersüchtigsein!

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