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Mehr Goethe

Rudolf Huch: Mehr Goethe - Kapitel 2
Quellenangabe
typeessay
authorRudolf Huch
titleMehr Goethe
publisherGeorg Müller
printrunFünftes bis siebentes Tausend
year1904
firstpub1899
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151206
projectid03cbebcd
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Prolog

An Johanne Fahlner IV. 2. 123.

Daß meine Agentrin so langsam
geht, ist das Hurry burry schuld,
das seit acht Tagen um mich summt ...

Paralipomena zum Faust 56.

Auf diesem Wege rollt es eben
recht hurrliburrli durch das Leben.

Puppenspiel D. J. G. III. 195.

Jupiter.... schmeißt den Kerl
hurlurli burli ins Thal daher.

 

Auf das hier vorliegende Goetheproblem hat vor dem Verfasser noch niemand hingewiesen. Er darf es also wohl ohne Ueberhebung als seine eigenste Lebensaufgabe betrachten, das Buch über die Entwickelung vom Hurry burry über das hurrliburrli zum hurlurli burli dem deutschen Volke zu schenken. Mit zwanzig mäßigen Bänden wird es gethan sein.

– – – – – – – – –

In diesem Stil etwa leiten die Newtons der Goetheforschung ihre epochalen Entdeckungen ein.

Die neuesten Lebensbeschreibungen des Olympiers beginnen mit der Gründung Frankfurts am Main durch die Römer und sind am Ende des zwanzigsten Bandes bei der Geburt von Goethes Großvater Textor angelangt.

»Und dabei soll man noch mehr über Goethe reden? Ist denn dieser Mensch von Sinnen?«

Nein, geredet wird in der deutschen Litteratur allerdings sehr viel mehr als genug über Goethe und sein Werk. Aber das ist die schlechte Komödie, die schale Ironie, die sich in der Geschichte der Künste so gut findet wie in der der großen Welt, daß von einem wirklichen Einflusse Goethes auf die Litteratur unserer Zeit nichts, aber auch gar nichts zu spüren ist.

Wie ein Berggipfel, der die andern Höhen des Gebirges riesenhaft überragt, an den verschiedensten und entferntesten Stellen immer wieder unversehens auftaucht, so giebt es kaum eine Frage der Kunst oder Wissenschaft, sie sei auch noch so »modern«, in die nicht vernehmlich, unüberhörbar das Wort Goethes schallt.

Aber eben nur theoretisch läßt sich sein Wort nicht überhören. In der Praxis haben unsere bald glanzlosen, bald fieberleuchtenden Augen, und das große, helle Goetheauge nichts mit einander gemein.

Wenn ich mich nun im folgenden von meinem Thema häufig weit zu entfernen scheine, so möge man bedenken, daß ein Buch, dessen Inhalt man in einem Satze zusammen fassen könnte, offenbar überflüssig wäre. Nur um gewissermaßen eine Tonart anzugeben, sei es gesagt, daß Goethe, den man von so vielen Seiten aus betrachten kann, hier als der Natur gleichend aufgefaßt sein soll, der Natur in ihrer Reinheit und ihrem Reichtum; zugleich aber als die höchste bis jetzt erreichte Vernunft, sich selber in jedem Augenblicke mäßigend, ordnend, beschränkend.

Mir scheint heute weder von Reichtum noch von Mäßigung viel da zu sein – außer natürlich in Berlin, dieser treuen Hüterin der wahren, einfachen und keuschen Schönheit.

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