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Mathias Sandorf. Zweiter Band

Jules Verne: Mathias Sandorf. Zweiter Band - Kapitel 6
Quellenangabe
authorJules Verne
titleMathias Sandorf. Zweiter Band
publisherA. Hartleben's Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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VIII.
Ein Zusammentreffen im Stradone.

Peter's Tod machte in der Stadt gewaltiges Aufsehen, doch Niemand ahnte den wahren Beweggrund von Peter Bathory's Selbstmord, namentlich argwöhnte kein Mensch, daß Sarcany und Silas Toronthal Schuld an diesem Unglück hatten.

Am nächsten Tage, dem 6. Juli, sollte die Hochzeit Sarah Toronthal's mit Sarcany gefeiert werden.

Von dem unter so rührenden Umständen erfolgten Selbstmorde hatten weder Frau Toronthal noch ihre Tochter eine Ahnung. Silas Toronthal hatte im Einverständnisse mit Sarcany seine Vorsichtsmaßregeln in dieser Hinsicht getroffen.

Man war übereingekommen, daß die Heirat in bescheidener Form vollzogen werde. Man wollte einen Todesfall in der Familie Sarcany's vorschützen. Dergleichen entsprach zwar nicht den prunkliebenden Gewohnheiten Toronthal's, doch unter diesen Umständen hielt er es selbst für besser, daß die Dinge ohne großes Aufsehen zu erregen ihren Verlauf nahmen. Die Neuvermälten sollten nur wenige Tage in Ragusa bleiben und dann nach Tripolis abreisen, wo Sarcany's ständiger Wohnsitz wäre, so sagte man. Ein Empfang im Hotel des Stradone sollte ebenfalls nicht stattfinden, weder bei Verlesung des Ehecontractes, welcher der jungen Frau ein beträchtliches Vermögen sicherstellte, noch nach der kirchlichen Handlung in der Franziskaner-Kirche, welche unmittelbar der standesamtlichen Trauung folgen sollte.

An jenem Tage lustwandelten, während im Hotel Toronthal die letzten Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen wurden, zwei Männer aus der gegenüberliegenden Seite des Stradone.

Es waren Kap Matifu und Pointe Pescade.

Doctor Antekirtt hatte Kap Matifu von Ragusa mit zurückgebracht. Seine Gegenwart war in Cattaro nicht mehr von Nöthen und daß die beiden Freunde, die beiden »Zwillinge«, wie Pointe Pescade sie nannte, über ihre Wiedervereinigung sehr glücklich waren, kann kaum bezweifelt werden.

Als der Doctor kaum in Ragusa angelangt war, hatte er sofort den Besuch in der Marinella-Straße gemacht; dann hatte er sich in ein bescheidenes Hotel in der Vorstadt Plocce zurückgezogen, woselbst er die Heirat Sarcany's mit Sarah Toronthal abwarten wollte, ehe er weitere Schritte unternahm.

Bei einem zweiten Besuche, den der Doctor am folgenden Morgen Frau Bathory machte, hatte er selbst geholfen, Peter in seinen Sarg zu legen; er war dann wieder in sein Hotel zurückgekehrt, nachdem er Pointe Pescade und Kap Matifu beauftragt hatte, den Stradone zu überwachen.

Während Pointe Pescade ganz Auge und Ohr war, hinderte ihn nichts am Sprechen.

»Ich finde, Du bist dicker geworden, mein Kap, sagte er und richtete sich auf, um die Brust des Hercules zu befühlen.

– Ja ... und stets solid.

– Ich habe es schon an Deiner Umarmung gemerkt.

– Doch das Stück, von dem Du mit mir sprachst? fragte Kap Matifu, der an seiner Rolle festhielt.

– Es geht vorwärts, es geht vorwärts! Du mußt bedenken, daß die Handlung eine sehr verwickelte ist.

– Eine verwickelte?

– Ja! Es ist kein Lust-, sondern ein Trauerspiel und schon der Anfang ist sehr packend.«

Pointe Pescade schwieg. Ein schnell heranrollendes Coupé hielt vor dem Hotel des Stradone.

Der Schlag des Wagens, in welchem Pointe Pescade Sarcany erblickt hatte, öffnete und schloß sich sofort.

»Ja! ... Sehr packend, wiederholte er, und er kündet einen großen Erfolg an.

– Und der Bösewicht? fragte Kap Matifu, den diese Persönlichkeit am Meisten interessirte.

– Nun, der Bösewicht triumphirt augenblicklich, wie das ja immer in einem gut aufgebauten Stücke der Fall ist ... Aber Geduld ... Warten wir das Ende ab!

– In Cattaro, sagte Kap Matifu, glaubte ich schon, daß ich sollte ...

– In die Handlung eingreifen?

– Ja, Pointe Pescade, ja!«

Und Kap Matifu erzählte Alles, was sich im Bazar von Cattaro zugetragen hatte, das heißt, wie seine beiden Arme für eine Entführung verlangt wurden, die nachher nicht zu Stande kam.

»Aha, es war also noch zu früh, erwiderte Pointe Pescade, der »sprach, um zu sprechen«, wie man sagt, wobei er unaufhörlich nach links und rechts blickte. Du sollst eben erst im vierten oder fünften Act auftreten, lieber Kap. Vielleicht erscheinst Du auch erst in der letzten Scene ... Aber sei unbesorgt, Du wirst eine erdrückende Wirkung ausüben ... Darauf kannst Du Dich verlassen.«

Jetzt ließ sich ein fernes Geräusch in dem Stradone von der Ecke der Marinella-Straße her vernehmen.

Ein Leichenconduct, der aus der letztgenannten Straße herauskam, wendete sich den Stradone entlang der Franziskaner-Kirche zu, wo eine Todtenfeier abgehalten werden sollte.

Wenige Personen nur waren bei dieser Beerdigung zugegen, deren einfache Erscheinungsweise die öffentliche Aufmerksamkeit nur in geringem Maße auf sich zog – ein schmuckloser, mit einem schwarzen Tuche bedeckter Tragesarg.

Der Zug ging langsam einher. Plötzlich faßte Pointe Pescade mit lautem Ausrufe des Erstaunens krampfhaft den Arm Kap Matifu's.

»Was hast Du? fragte Kap Matifu.

– Nichts! Es würde zu lange dauern, um es Dir zu erklären.«

Er hatte soeben Frau Bathory erkannt, welche hinter dem Leichname ihres Sohnes einherschritt.

Die Kirche hatte ihre Segnungen diesem Todten nicht verschlossen, den die Verzweiflung zum Selbstmorde getrieben hatte; der Priester, der ihn zum Kirchhofe begleiten sollte, erwartete ihn in der Capelle der Franziskaner.

Frau Bathory wankte trockenen Auges einher. Sie besaß nicht mehr die Kraft zum Weinen. Ihre unnatürlich vergrößerten Augen wendeten sich bald zur Seite, bald bohrten sie sich in das Bahrtuch, welches den Körper des Sohnes bedeckte.

Der alte Borik schleppte sich zum Erbarmen neben ihr her.

Pointe Pescade fühlte, daß ihm die Thränen in die Augen traten. Wenn der brave Mensch nicht auf seinem Posten hätte bleiben müssen, würde er nicht gezögert haben, sich den wenigen Freunden und Nachbarn anzuschließen, welche den Ueberresten Peter Bathory's die letzte Ehre erwiesen.

Gerade als der Leichenzug an dem Hotel Toronthal vorüber wollte, öffnete sich das große Portal desselben. Zwei Wagen standen vor dem Perron am Hofe zum Ausfahren bereit.

Der erste fuhr bereits zum Thore hinaus und wendete um, um den Stradone hinabzufahren.

Pointe Pescade erblickte in ihm Silas Toronthal, seine Frau und seine Tochter.

Frau Toronthal, vom Schmerz halb gebrochen, saß neben Sarah, die noch weißer als ihr Brautschleier aussah.

Sarcany, von einigen Verwandten oder Freunden begleitet, hatte im zweiten Wagen Platz genommen.

Wie bei der Bestattungsfeier fehlte auch bei der Feier der Hochzeit jeder Aufwand. Auf beiden Seiten dieselbe fürchterliche Traurigkeit.

Plötzlich hörte man, in dem Augenblicke, als der erste Wagen durch das Thor fuhr, einen herzzerreißenden Schrei.

Frau Bathory war stehen geblieben und die Hand gegen Sarah ausstreckend, hatte sie jene verflucht.

Sarah war es gewesen, die den Schrei ausgestoßen. Sie hatte die Mutter in Trauerkleidung gesehen und Alles begriffen, was man ihr verheimlichte ... Peter war gestorben, durch sie und für sie, sein Leichenzug war es, der an ihr vorüberging, gerade als sie der Wagen zur Trauung führte.

Sie fiel ohnmächtig zurück. Frau Toronthal, völlig kopflos, suchte sie ins Leben zurückzurufen. Es war vergebens ... Sie athmete kaum noch.

Silas Toronthal konnte seinen Zorn nicht unterdrücken. Doch Sarcany, der eilends herbeigekommen war, wußte sich zu fassen.

Unter diesen Umständen war es unmöglich, vor den Priester zu treten und es mußte den Kutschern Befehl ertheilt werden, in das Hotel zurückzukehren, dessen Thor hinter ihnen lärmend zufiel.

Sarah wurde in ihr Zimmer getragen und auf ihr Bett gelegt, sie rührte sich nicht. Ihre Mutter sank vor dem Bett auf die Knie und ein Arzt wurde in aller Eile herbeigeholt. Währenddessen setzte der Leichenzug Peter Bathory's seinen Weg nach der Franziskaner-Kirche fort; nach abgehaltener Todtenfeier fand die Bestattung auf dem Kirchhofe von Ragusa statt.

Pointe Pescade hatte begriffen, daß Doctor Antekirtt so schnell als möglich von dem unvorhergesehenen Zwischenfalle unterrichtet werden mußte. Er sagte also zu Kap Matifu:

»Bleibe hier und gib Obacht!«

Er selbst eilte in die Vorstadt Plocce.

Der Doctor blieb während der Erzählung Pointe Pescade's stumm.

»Bin ich über meine Befugnisse hinausgegangen?, sagte er bei sich. Nein! ... Habe ich einer Unschuldigen wehe gethan? Zweifellos ja! Doch diese Unschuldige ist nun einmal die Tochter von Silas Toronthal!«

Er wandte sich dann an Pointe Pescade:

»Wo ist Kap Matifu?

– Vor dem Hotel im Stradone.

– Ich brauche Euch Beide heute Abend.

– Um wie viel Uhr?

– Um neun.

– Wo sollen wir Sie erwarten?

– Am Thor des Kirchhofes.«

Pointe Pescade suchte sofort Kap Matifu auf, den er auf seinem Posten vorfand.

Am Abend gegen acht Uhr ging der Doctor, in einen weiten Mantel gehüllt, auf das Thor von Ragusa zu. Links, an einem Vorsprunge der Mauer, suchte er eine kleine, zwischen den Klippen liegende Bucht auf, die oberhalb des Hafens in das Gestade einschnitt.

Der Ort lag völlig vereinsamt da. Weder Häuser noch Boote sah man hier. Die Fischerbarken ankerten hier nicht aus Furcht vor den zahlreichen Riffen, welche die Bucht einschließen. Der Doctor blieb hier stehen, sah sich um und stieß einen Ruf aus, der jedenfalls verabredet war. Denn alsbald näherte sich ein Matrose mit den Worten:

»Zu Befehl, Meister!

– Ist das Boot da, Pazzer?

– Ja, hinter diesem Felsen.

– Mit der ganzen Mannschaft?

– Ja.

– Und der »Electric«?

– Liegt weiter nördlich, drei Ankerlängen außerhalb der kleinen Bucht.«

Und der Matrose zeigte auf eine langgestreckte, in der Dunkelheit größer erscheinende Masse, deren Gegenwart kein einziges Licht verrieth.

»Wann ist er von Cattaro angekommen? fragte der Doctor.

– Vor einer Stunde ungefähr.

– Und er ist von Niemandem bemerkt worden?

– Von Niemandem! Er glitt an den Klippen entlang.

– Kein Mann soll seinen Posten verlassen, Pazzer; wenn es nicht anders geht, soll man hier die ganze Nacht auf mich warten.

– Ja Meister!«

Der Matrose ging zum Boote zurück, welches mit den letzten Uferfelsen fast in eins verschmolz.

Doctor Antekirtt hielt sich noch eine kurze Zeit am Ufer auf. Er wollte jedenfalls hier warten, bis die Nacht dunkler geworden war. Er ging zeitweilig mit großen Schritten auf und ab. Dann machte er wieder Halt und sein Blick verlor sich, während er mit gekreuzten Armen stumm und unbeweglich dastand, in das Adriatische Meer, als hätte er ihm seine Geheimnisse anvertraut.

Nicht Mond, nicht Sterne erglänzten am Himmel. Kaum einer der Landwinde, die sich am Abend zu erheben und einige Stunden zu dauern pflegen, machte sich fühlbar. Hochliegende, doch ziemlich dichte Wolken bedeckten den ganzen Himmelsraum bis zum westlichen Horizonte, wo der letzte Rauchstreifen aus dem Schlote eines Dampfers, der sich hell vom Himmel abgehoben hatte, soeben verflog.

»Vorwärts,« ermahnte sich selbst der Doctor.

Er ging an der Umwallung der Stadt entlang dem Kirchhofe zu.

Vor dem Thore desselben warteten Pointe Pescade und Kap Matifu; sie hatten sich hinter einem Baume verborgen, so daß sie nicht gesehen werden konnten.

Der Kirchhof war um diese Stunde bereits verschlossen. Ein schwaches Licht schimmerte noch im Hause des Wächters. Vor Anbruch des Tages kam Niemand mehr, um ihn zu betreten.

Der Doctor besaß augenscheinlich eine genaue Kenntniß von der Anlage des Kirchhofes. Seine Absicht war es jedenfalls nicht, durch die Thür einzutreten – wobei, wenn es hätte geschehen sollen, sehr verschwiegen hätte zu Werke gegangen werden müssen.

»Folgt mir!« sagte er zu Pointe Pescade und seinem Genossen, die auf ihn zugeeilt waren.

Sie gingen an der äußeren Mauer entlang, welche das wellenförmige Terrain zu einer ansehnlichen Höhe führte.

Nach einem Marsche von zehn Minuten blieb der Doctor stehen; er zeigte auf eine Lücke in der Mauer, welche von einem erst kürzlich stattgehabten Rutsche derselben herrührte.

»Dort hinein!« sagte er.

Er schlüpfte durch die Lücke. Pointe Pescade und Kap Matifu kletterten ihm nach.

Unter den großen Bäumen, welche die Gräber beschatteten, herrschte tiefe Dunkelheit. Der Doctor folgte ohne zu zögern einer Allee, dann einer Querallee, die zu dem höher gelegenen Theile des Kirchhofes führte. Einige in ihrem Fluge aufgescheuchte Nachtvögel flatterten hier und dort auf. Außer diesen Eulen und Käuzchen gab es ringsumher kein lebendes Wesen zwischen den im Grase lagernden Gedächtnißsäulen.

Bald machten die Drei vor einem bescheidenen Monumente Halt, einer Art kleiner Kapelle, deren Gitter mit keinem Schlüssel verschlossen war.

Der Doctor stieß das Gitter auf; dann drückte er auf den Knopf einer kleinen elektrischen Laterne; er ließ einen Strahl aus derselben fallen, doch so, daß ihn von außen Niemand bemerken konnte.

»Tritt ein!« sagte er zu Kap Matifu.

Kap Matifu betrat die kleine Capelle und sah sich einer Mauer gegenüber, in welche drei Marmorplatten eingelassen waren.

Auf der mittleren standen die Worte:

Stephan Bathory.
1867.

Die Platte zur Linken trug keine Inschrift. Die zur Rechten sollte bald eine solche erhalten.

»Hebe diese Platte aus!« befahl der Doctor.

Kap Matifu that das ohne Schwierigkeiten, da sie noch nicht vermauert war; er legte sie auf die Erde und ein Sarg wurde in der Wölbung, welche in der Mauer angebracht war, sichtbar.

Es war der Sarg, welcher den Körper Peter Bathory's enthielt.

»Ziehe den Sarg heraus!« sagte der Doctor.

Kap Matifu zog diesen hervor, ohne daß Pointe Pescade anzufassen brauchte, so schwer er auch war, und nachdem er mit ihm die kleine Kapelle verlassen hatte, stellte er ihn auf den Boden.

»Nimm dieses Werkzeug, sagte der Doctor zu Pointe Pescade und reichte ihm einen Schraubenzieher. Hebe damit den Sargdeckel ab.«

Das war in wenigen Minuten geschehen.

Doctor Antekirtt zog mit der Hand das weiße Tuch ab, welches den Todten bedeckte und legte seinen Kopf auf die Brust, um die Schläge des Herzens zu hören. Er erhob sich und sagte zu Kap Matifu.

»Nimm den Körper heraus.«

Kap Matifu gehorchte, ohne daß er oder Pointe Pescade, trotzdem sie wußten, daß es sich um eine verbotene Ausgrabung einer Leiche handelte, Einspruch erhoben hätte.

Als der Körper Peter Bathory's in das Gras gelegt worden war, wickelte ihn Kap Matifu wieder in das Leichentuch ein, über welches der Doctor nun seinen Mantel warf. Der Deckel wurde alsdann wieder aufgeschraubt, der Sarg in die Mauerhöhlung geschoben und die Platte wieder vor die Oeffnung gelegt, welche sie genau wie vorher bedeckte.

Der Doctor schloß das Licht der Laterne und die frühere Dunkelheit herrschte wieder.

»Nimm den Körper,« sagte er zu Kap Matifu.

Kap Matifu hob mit seinen robusten Armen den Körper des Jünglings auf, als wenn er ein Kind emporzuheben hätte. Dann ging es wieder, der Doctor voran, Pointe Pescade hinterher, durch die Querallee zurück, geraden Weges auf die Mauerbresche zu.

Fünf Minuten später war diese überschritten und der Doctor, Pointe Pescade und Kap Matifu gingen an der Stadtmauer entlang dem Gestade zu.

Nicht ein Wort war gewechselt worden; der gehorsame Kap Matifu dachte ja überhaupt nur wie eine Maschine; welche Folge von Gedanken aber wälzte sich in dem Kopfe Pointe Pescade's umher!

Auf der Strecke vom Kirchhofe zur Küste waren Doctor Antekirtt und seine Begleiter keinem einzigen Menschen begegnet. Doch als sie sich der kleinen Bucht näherten, wo das Boot vom »Electric« sie erwarten sollte, sahen sie einen Zollwächter auf den äußersten Klippen des Ufers entlang wandern.

Sie setzten ihren Weg fort, ohne über dessen Anwesenheit besorgt zu sein. Ein lauter Ruf, vom Doctor ausgestoßen, ließ den Führer des Bootes, das bis dahin unsichtbar geblieben war, herbeieilen.

Kap Matifu ging auf ein Zeichen an den Klippen hinunter und schickte sich an, den Fuß in das Boot zu setzen.

Der Zollwächter aber war auch schon zur Stelle und da er die Anstalten zur Einschiffung sah, so rief er die Fremden an:

»Wer seid Ihr?

– Leute, die Euch die Wahl zwischen zwanzig Gulden baar und einem Faustschlag lassen – ebenfalls baar,« erwiderte Pointe Pescade, indem er auf Kap Matifu zeigte.

Der Zollwächter zauderte nicht: er nahm die zwanzig Gulden.

»In See!« commandirte der Doctor.

Einen Augenblick später war das Boot in der Dunkelheit verschwunden. Nach ferneren fünf Minuten legte es an dem spindelförmigen Fahrzeug an, das man vom Ufer aus nicht bemerken konnte.

Das Boot wurde an Bord gehißt, und der von seiner geräuschlosen Maschine in Bewegung gesetzte »Electric« hatte bald die offene See gewonnen.

Kap Matifu hatte den Körper Peter Bathory's auf einen Divan in einer schmalen Cabine gelegt, die keine Luftöffnung besaß, durch welche ein Lichtstrahl hätte nach außen dringen können.

Der Doctor blieb allein hier zurück; er beugte sich über Peter und seine Lippen küßten die entfärbte Stirn.

»Erwache jetzt, Peter, sagte er. Ich will es!«

Sofort öffnete Peter die Augen, als wäre er nur in einen magnetischen Schlaf, der dem Tode so ähnlich sieht, versunken gewesen.

Etwas wie Widerwillen malte sich zuerst auf seinen Zügen, als er den Doctor Antekirtt erkannte.

»Sie? murmelte er. Sie, der Sie mich verlassen haben?!

– Ich bin es, Peter!

– Aber wer sind Sie eigentlich?

– Ein Todter, wie Du!

– Ein Todter?

– Ich bin Graf Mathias Sandorf!«

Ende des zweiten Theiles.

 

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