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Gutenberg > Ludwig Fulda >

Maskerade

Ludwig Fulda: Maskerade - Kapitel 2
Quellenangabe
typedrama
booktitleMaskerade
authorLudwig Fulda
year1906
firstpub1904
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart und Berlin
isbn
titleMaskerade
pages204
created20091101
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Erster Aufzug

Zimmer bei Gerda Hübner. Mitteltür und eine Seitentür rechts hinten; links zwei Fenster, mit Blumenstöcken davor. Dutzendmäßige Chambregarnie-Einrichtung. Rechts vorn Tisch mit Sesseln und Stühlen; links vorn Schreibtisch. An der Mittelwand links Kleiderschrank, rechts Kommode; in der Ecke rechts Ofen. Zwischen den Fenstern Wandspiegel. Auf dem Schreibtisch Bücher und eine große Photographie im Stehrahmen. Nur einige Bilder und bescheidene Dekorationen an den Wänden bekunden den persönlichen Geschmack der Bewohnerin.

Erster Auftritt

Frau Schwalb. (Gleich darauf) Gerda

Frau Schwalb (sitzt auf einem Sessel, in ein Zeitungsblatt vertieft. Sie liest, die Lippen bewegend und leise mitsprechend. Dazwischen trocknet sie sich die Tränen, die ihr vor Rührung über die Wangen laufen)

Gerda (in Hut und Mantel, durch die Mitte, sieht sie sitzen; erstaunt) Frau Schwalb . . .?

Frau Schwalb (erschrocken) Ach Herrje! – Nehmen Sie's man nicht für ungut, Fräuleinchen, daß ich mir zu Ihnen 'reingesetzt habe. Da drüben bei mir is es so duster, und den Gas will man doch auch nich immer brennen am helllichten Tage. (Sie ist aufgestanden) 6

Gerda (hat Hut und Mantel abgelegt und gibt sie in den Schrank) Warum sollt' ich denn . . . (Sie sieht sie an) Aber Sie haben ja geweint!

Frau Schwalb Ach, nur von wegen den dämlichen Roman im Lokalanzeiger. Heut is es wieder zum Steinerweichen.

Gerda (lachend) Wenn's weiter nichts ist . . .

Frau Schwalb Das müssen Sie lesen, Fräuleinchen. Was hab' ich schon vor vierzehn Tagen gesagt? Er wird zu guter Letzt klein beigeben.

Gerda Wer?

Frau Schwalb Nun, Kurt, für den sie alles verlassen hat, ihren Mann, ihre Kinder, ihre Familie, ihre fürstliche Villa im Tiergarten. Und nun hat er sich vor ihr auf die Knie gestürzt und leise geflistert: Mein süßes Lieb, da bin ich wieder; ich hab' ja doch die ganze Zeit an nichts anderes denken können als an dir!

Gerda Das ist allerdings erschütternd. – War der Herr Assessor nicht hier?

Frau Schwalb Noch nicht. Na, jetzt mach' ich mir dünne. Sie werden müde sein, Fräuleinchen. 7

Gerda Keine Spur!

Frau Schwalb Haben doch heut schon wieder zwei Stunden gegeben.

Gerda Drei sogar.

Frau Schwalb Was wahr is, is wahr. Sie sind 'n braves, fleißiges Mädchen. Das muß Ihnen der Neid lassen.

Gerda Aber ich bitte Sie . . .

Frau Schwalb Nee, reden Sie nich! Habe doch nun schon viele bei mir zu wohnen gehabt, seit mein Seliger selig is. Ein Dutzend reicht nicht. Aber da war nicht eine einzigste bei wie Sie. So anständig und so solid und so unverdorben . . .

Gerda Frau Schwalb, Sie wissen nur zu gut, daß diese lobenden Worte nicht auf mich passen; jetzt nicht mehr.

Frau Schwalb Warum denn nich? Wieso denn nich? Weil Sie 'nen Freund haben? Nu frag' ich einen! So 'nen feinen, hochanständigen Kavalier!

Gerda Ich verstehe ja selbst nicht, wie es so mit mir gekommen ist. 8

Frau Schwalb Darum werden Sie doch den Kopf nicht hängen lassen! Schön dumm wären Sie. So 'ne Beziehung in allen Ehren – was is denn da weiter bei? Ich und mein Seliger – wir haben auch so angefangen. Na, und ich weiß doch, daß Sie nich 'n Groschen von ihm nehmen. Sie könnten's ganz anders haben. Ganz anders könnten Sie's haben. Im Golde schwimmen könnten Sie – so 'n bildhübsches Mädchen, wie Sie sind.

Gerda Nein, nein, das Rechte ist es nicht. Für mich nicht.

Frau Schwalb Seien Sie man stille. Seien Sie man ganz stille. Hätten vielleicht warten sollen, bis 'n Volksschullehrer kommt oder 'n Tapezier! Und noch ist nicht aller Tage Abend. Was hab' ich Ihnen neulich aus den Karten aufgeschlagen? Geben Sie mal acht, der heiratet Ihnen noch. Der vorige Roman im Lokalanzeiger – das war ganz 'ne ähnliche Geschichte.

(Die Glocke im Flur schlägt an)

Gerda Es hat geläutet.

Frau Schwalb Nun sehen Sie, das wird er sein. (Schnell ab Mitte)

Zweiter Auftritt

Gerda. (Gleich darauf) Edmund. (Zuletzt) Frau Schwalb

Gerda (tritt zum Spiegel und ordnet ihr Haar. Lauschend, mit glücklichem Ausdruck) Ja, er ist es. 9

Edmund (durch die Mitte, mit Hut und Pelz) 'Tag, Maus.

Gerda (auf ihn zu) Edmund! (Sie umschlingt ihn)

Edmund Nicht so stürmisch. Man hat ja so wie so keine Puste mehr, wenn man deine drei Treppen 'raufgetanzt ist.

Gerda (übermütig) Das alte Männchen! Der Wackelgreis! Der Atem geht ihm aus beim Treppensteigen.

Edmund Nein, beim Küssen. (Er faßt sie am Kinn) Laß dich mal anschauen. Stillgestanden! Kopf hoch! – Niedlich, wie immer. Zum Aufessen niedlich.

Gerda (mit leichtem Schmollen) Du böser Mensch, geh fort! Ich mag gar nichts von dir wissen.

Edmund (sie umfassend) Nicht? Wirklich nicht? Ehrenwort?

Gerda Volle sechs Tage hast du dich nicht bei mir blicken lassen.

Edmund (ablegend) Ja, mein sehr verehrtes gnädiges Fräulein, da unterschätzen Sie augenscheinlich, was ein königlich preußischer Assessor zu schuften hat. 10

Gerda Früher, im Anfang, da hat der königlich Preußische mehr Zeit für mich gehabt – viel mehr Zeit!

Edmund Allerdings. Wurde mir auch eklig verdacht. Die Nasen, die ich da zu besehen kriegte – ich danke!

Gerda Aber am Abend, da brauchst du doch nicht zu schuften . . .

Edmund Erst recht. Was glaubst du wohl, was das für 'ne Arbeit ist, sich durch all die Diners und Soupers durchzufuttern und mit all den häßlichen Geheimratstöchtern 'rumzuhopsen! Jetzt ist grade die tollste Zeit.

Gerda Hättest du nicht mir zuliebe mal absagen können?

Edmund Absagen? 'ne Einladung bei 'nem Vorgesetzten? Hast du 'ne Ahnung von der Staatskarriere!

Gerda Hast du dich denn wenigstens ein bischen nach mir gesehnt?

Edmund Riesig! Unheimlich! – Darum bin ich doch jetzt hier. Und morgen ist Sonntag; da hab' ich für den Abend alles abgewimmelt. Da können das gnädige Fräulein über Endesunterzeichneten frei verfügen. Nun – was bekomm' ich für diese amtliche Bekanntmachung? 11

Gerda (küßt ihn)

Edmund Übrigens, sag mal, merkst du gar nichts?

Gerda Was denn?

Edmund Effektiv nichts?

Gerda Nein.

Edmund Die Haare hab' ich mir schneiden lassen.

Gerda Geck!

Edmund Also ist es wieder nichts mit der Verschönerung. Und ich bildete mir schon ein, ich wäre unwiderstehlich.

Gerda Für mich bist du's ja gewesen. Leider!

Edmund Leider? Mäuschen – schau mich an! Spaß oder Ernst?

Gerda Siehst du, wenn du so lange von mir fern bist wie diesmal, da mach' ich mir allerlei Gedanken, allerlei dumme, traurige Gedanken . . .

Edmund Na, wenn du schon selber sie dumm findest . . . 12

Gerda Da denk' ich mir manchmal, es wäre besser gewesen, besser für uns beide, wir hätten uns nie kennen gelernt.

Edmund Großartig! Wir uns nie kennen gelernt! Brillant!

Gerda Nein, laß jetzt die Scherze. Es gibt eine innere Stimme, Edmund; ganz gewiß.

Edmund (mit ihrer Hand spielend) Diese kleinen zarten Fingerchen – eine Prinzessin könnte sie nicht feiner haben.

Gerda An dem Tag, als wir uns zum erstenmal begegneten . . .

Edmund Bei Tante Ellen.

Gerda Grade bei ihr, die sich so freundlich meiner angenommen hat, die mich ihren Schützling nennt . . .

Edmund Grade bei meiner Taute trafst du ihren Neffen. Das ist äußerst wunderbar.

Gerda Da überfiel mich nachher eine so furchtbare, unerklärliche Angst . . .

Edmund Angst – wovor? 13

Gerda Vor dir. Oder auch vor mir selbst, ich weiß nicht mehr. Ich hatt' es ja bis dahin für ganz unmöglich gehalten, daß mir ein Mann gefährlich werden kann.

Edmund (sie an sich ziehend). Du bist meine süße kleine Maus. Mein süßes kleines Mäuschen bist du.

Gerda Und als du mir dann schriebst, mich um ein Wiedersehen batest . . .

Edmund Worauf eine gewisse Dame mir keine Antwort gab.

Gerda Als du mir nachgingst, mir täglich Blumen schicktest, auf der Straße mich abpaßtest, immer wieder in mich hineinsprachst, mit deinen Liebesbeteuerungen mich förmlich belagertest . . .

Edmund Ja, weiß der Kuckuck, du hast es mir verdammt schwer gemacht.

Gerda Warum bin ich denn nicht fest geblieben? Warum hab' ich dich angehört? Es war doch ganz gegen meinen Willen; gegen meine klare Einsicht. Und ich war ja tausendmal mehr gewarnt als andere; ich hatte ja das Schicksal meiner Mutter vor Augen.

Edmund (ernster) Deiner Mutter? Das war doch ein ganz anderer Fall. 14

Gerda Sie war nie verheiratet, meine Mutter.

Edmund Weiß ich.

Gerda Der Mann, den sie liebte, den sie über alles liebte, hat sie verlassen. – Edmund, wenn du mich je verließest . . .

Edmund Aber was sind denn das für Einfälle!

Gerda Ich würde sterben.

Edmund Na, das würdest du dir hoffentlich erst überlegen.

Gerda Sterben würd' ich, Edmund.

Edmund Oder vielleicht auch dich trösten.

Gerda (wendet sich schroff von ihm ab) Pfui! Daß du so etwas sagen kannst! Das ist schlecht, das ist abscheulich von dir. (Sie drückt ihr Taschentuch vor die Augen)

Edmund Gerda! Maus! Liebchen! (Er sucht ihr das Taschentuch wegzuziehen und sie sanft umzudrehen.) Sei doch nicht gleich so. Ich nehme alles zurück. Ich revoziere und depreziere und erkläre mich für einen Ehrenmann. Wer redet denn überhaupt von Verlassen? 15

Gerda (noch abgewendet, mit ihrem Taschentuch spielend) Wüßtest du nur, wie meine Mutter mit mir gesprochen hat – noch kurz vor ihrem Tod. Mit was für Worten sie mich beschworen hat, daß ich ein kurzes Glück nicht so teuer erkaufen soll wie sie. Und weshalb hat sie sich für meine Erziehung das Geld vom Mund abgespart? Weshalb hat sie mich so viel lernen lassen? Nur damit es mir einmal besser erginge als ihr; nur damit ich unabhängig und stolz dastünde und was andres im Sinn hätte als die treulosen Männer.

Edmund Also ganz einfach, du bereust? Du bereust deine Liebe zu mir – he?

Gerda (sich ihm zuwendend) Ach nein, wie könnt' ich denn das! Wenn du bei mir bist; wenn ich dich ansehe, deine Hand halte – da kann ich mir ja die Welt gar nicht mehr vorstellen ohne dich, du schlechter Mensch du.

Edmund Dann ist mir total schleierhaft, was du willst.

Gerda Ach, ich möchte leichtsinnig sein können, nicht nachdenken, in den Tag hinein leben . . .

Edmund Dazu hast du kein Talent.

Gerda Oder mit dir fliehen, fort, weit fort, wo kein Mensch uns kennt. Es geht ja nicht so weiter! Ich kann es ja nicht lange mehr ertragen. 16

Edmund Was kannst du nicht ertragen?

Gerda All dieses Heucheln und Heimlichtun und Versteckspielen. Vor nichts hat meine Mutter mir größeren Widerwillen eingeflößt, als vor der Unwahrheit. Und ist nicht jetzt mein ganzes Leben eine einzige große Lüge geworden?

Edmund Inwiefern denn? Gegen wen denn?

Gerda Nach außen stell' ich noch immer das tadellose Fräulein vor, das in herrschaftlichen Häusern zugelassen ist, von vornehmen Damen protegiert wird, ab und zu an ihrem Tische mitspeisen darf, ihre Töchter unterrichtet und in die Museen führt. Und in Wirklichkeit . . .

Edmund Na, so 'was bindet man doch den Leuten nicht auf die Nase! Bist du denen vielleicht Rechenschaft schuldig über . . . na, sagen wir über deine Privatverhältnisse?

Gerda O, manchmal möcht' ich's ihnen ins Gesicht rufen: Jagt mich doch hinaus! Ich bin ja längst nicht mehr, wofür ihr mich haltet. Ich bin ja in euren Augen eine Verlorene, eine Verworfene. Hütet eure unschuldigen Lämmer vor mir, damit meine Nähe sie nicht vergiftet!

Edmund Pah, die haben's höchst wahrscheinlich dicker hinter den Ohren als du. 17

Gerda Und Frau von Tönning, die mich dort überallhin empfohlen hat, der ich so viel zu verdanken habe, und die ich zum Lohn dafür so unverantwortlich hintergehe! Wenn die wüßte . . .!

Edmund Taute Ellen ist 'ne forsche, lebenslustige Frau. Die würde darum noch nicht gleich die Sturmglocke läuten.

Gerda Aber verachten würde sie mich.

Edmund Nun sag mal, Maus, was ist denn in dich gefahren! Was sind denn das für lachhafte Quälereien! Haben doch samt und sonders keinen vernünftigen Hintergrund. Vorerst hat doch niemand 'ne blasse Ahnung . . .

Gerda Frau Schwalb!

Edmund Na ja, Frau Schwalb; wenn schon! Dies Biederweib kriegt doch nicht umsonst jedesmal was von mir in die Hand gedrückt.

Gerda (zusammenschauernd) Ach, wie das alles häßlich ist!

Edmund Und die Hauptsache bleibt doch, sollt' ich meinen, wie wir zwei mit'nander stehen.

Gerda (lebhaft, ihn umschlingend) Ja, das ist wahr, Edmund; das ist wahr. (Sie läßt ihn 18 los) Und doch – du mußt nicht böse sein, wenn ich dir das sage, grad in diesem Augenblick . . .

Edmund 'raus mit der Sprache!

Gerda Sieh, Edmund, ich habe jetzt so häufig das Gefühl, als ob ich dir nicht mehr so viel wäre wie zuerst. Gewiß, du bist noch immer lieb und gut zu mir; aber mir ist mitunter, als ob es dich Mühe kostet; als ob Gedanken in dir auftauchten, die du mir nicht eingestehen kannst. Und fürchten zu müssen, daß du eines Tages nur noch bei mir ausharren wirst, weil du es mir versprochen hast . . .

Edmund (ungehalten) Weißt du, das ist Tusch!

Gerda Du hast recht; ich habe ja kein Versprechen von dir verlangt. Aus freien Stücken hast du mir immer wieder beteuert, daß du mich ewig lieb behalten wirst, daß du nie eine andere lieben wirst als mich.

Edmund (formell) Wenn du mich daran erinnerst, mein liebes Kind, so vergiß auch nicht, daß ich dir gleichzeitig über meine Verhältnisse reinen Wein eingeschenkt habe. Ich habe dir gesagt, daß ich Staatsbeamter bin, von meinem Vater abhängig, der selbst keine großen Sprünge machen kann . . .

Gerda Wie kommt das hierher?! Hab' ich denn je etwas andres von dir haben wollen als dich! 19

Edmund Immerhin . . .

Gerda Ich leide keine Not. Und wenn ich Lust hätte, da könnt' ich von meinem Vater so viel Geld bekommen, wie ich will.

Edmund So? Das ist mir neu.

Gerda Aber ich mag nichts von ihm annehmen.

Edmund Warum nicht?

Gerda Weil er meine Mutter unglücklich gemacht hat.

Edmund Hm, das find' ich nun eigentlich übertrieben von dir. Der Mann ist doch der Nächste dazu. Der Mann ist doch gewissermaßen moralisch verpflichtet . . .

Gerda O, am liebsten möcht' ich ihm auch das Geld zurückgeben, das meine Mutter seinerzeit von ihm angenommen hat – um meinetwillen. Nur darum such' ich immerzu nach einer gut bezahlten Stellung . . .

Edmund Wie heißt er, dein Vater? Weshalb verweigerst du mir jedesmal die Antwort, wenn ich dich danach frage? Wo lebt er? 20

Gerda Länder und Meere liegen zwischen uns. Und sie sind es nicht allein, die uns trennen. (Wieder zärtlich, leidenschaftlich) Ich habe niemand, niemand auf der weiten Welt als dich. – Sag es mir, daß du mich lieb hast!

Edmund Kuß! (Er küßt sie wieder) Noch einen! (Ebenso) Wieviele soll ich dir geben, damit du's glaubst?

Gerda (glücklich) Ich glaub's dir so gerne! – Und so wird es bleiben, Edmund? Nicht wahr, so wird es immer, immer bleiben?

Edmund Na ja, wozu gleich an die fernste Zukunft denken?

Gerda (angstvoll) Aber . . .

Edmund (ihr den Mund zuhaltend; mit Empfindung) Ruhig, Maus. Ich hab' dich lieb – Ehrenwort. Brauche mich nur zu besinnen, wie's vorher war, bevor ich dich kannte – äh! Könnt' es mir nicht besser wünschen als so – so, wie jetzt. Meine Eltern, die haben's freilich ganz anders mit mir vor. Na, ich lasse sie dabei, selbstredend.

Gerda (mitleidig) Auch du mußt heucheln und lügen.

Edmund Tu' ich mit Wonne. 21

Gerda (seufzt) Daß so etwas notwendig ist, wenn zwei sich lieb haben.

Edmund Und rat mal, was mir neulich geträumt hat?

Gerda Nun?

Edmund Mir hat geträumt, meine Eltern hätten dich kennen gelernt und wären entzückt von dir gewesen.

Gerda (strahlend) Wirklich? Und darüber hast du dich gefreut?

Edmund Diebisch!

Gerda Und als du aufwachtest?

Edmund Na, da war der Traum eben futsch, und ich machte mir klar, daß keine Wunder geschehn.

Gerda Keine Wunder! –

Edmund Also – sind wir nun zufrieden? Hab' ich die Grillen und Raupen nun ausgetrieben aus dem kleinen Köpfchen da?

Gerda Ich . . . (Anschlagen der Flurglocke. Sie horcht auf) Es läutet draußen! 22

Edmund Erwartest du Besuch?

Gerda Nein. Wen sollt' ich denn erwarten? (Sie geht nach der Mitteltür)

Edmund Vielleicht für Frau Schwalb. – War auf alle Fälle schlau, daß ich meinen Pelz nicht im Korridor deponiert habe; was? Vorsicht ist die Mutter der . . .

Gerda (lauschend) Still! – (Es klopft an die Mitteltür. Gerda öffnet die Tür ganz wenig) Wer ist da?

Frau Schwalb (von außen, halblaut) Fräuleinchen, kann ich mal 'reinkommen?

Gerda Ja. (Sie öffnet die Tür so weit, daß Frau Schwalb sich durchschieben kann) Wer ist es?

Frau Schwalb Frau von Tönning.

Edmund (mit gedämpfter Stimme) Oho!

Gerda (zitternd) Mein Gott! – Was haben Sie ihr gesagt?

Frau Schwalb Ich sagte, ich wollte mal nachsehen, ob das Fräulein zu Hause ist. 23

Gerda Das wird sie jetzt wohl gemerkt haben.

Frau Schwalb Was soll ich ihr . . .

Gerda Einen Augenblick! Ich lasse sie bitten, einen Augenblick zu warten.

(Frau Schwalb nickt verständnisinnig; dann ebenso wieder ab)

Edmund (hat nach Mantel und Hut gegriffen; immer mit gedämpfter Stimme, rasch) Tante Ellen – das ist 'ne Nummer!

Gerda So geht's, wenn man nicht mehr ehrlich sein darf.

Edmund Armes Mäuschen, bist ganz blaß geworden.

Gerda Schnell, geh durch mein Schlafzimmer.

Edmund Weg ist mir nicht unbekannt. (Er geht zur Tür rechts)

Gerda Nur leise!

Edmund (ihr Kußhände zuwerfend) Auf morgen also!

Gerda Auf morgen. (Edmund ab rechts. Gerda preßt die Hand auf ihr klopfendes Herz, öffnet dann die Mitteltür und ruft hinaus) Gnädige Frau, darf ich bitten? 24

Dritter Auftritt

Gerda. Ellen von Tönning

Ellen (Frau von fünfunddreißig Jahren, frisch und rotwangig, mit distinguierter Eleganz gekleidet, tritt lebhaft ein, streckt ihr die Hand entgegen) Guten Tag, Fräulein Gerda.

Gerda (sucht ihre Befangenheit zu bemeistern) Verzeihen Sie nur, gnädige Frau, daß ich Sie einen Moment warten ließ.

Ellen Keine Ursache. Sie waren bei der Toilette. Sie sehen wenigstens so frischgewaschen aus. Das tun Sie zwar immer. Und was das Wartenlassen betrifft – da bin ich der schuldige Teil. Es ist reichlich lange, daß ich mich nicht nach Ihnen umgesehen habe. Wohl seit vergangenem Herbst nicht mehr. (Sie schaut sich mit der Lorgnette um) Aber, wie mir scheint, hat sich hier nichts verändert.

Gerda Finden Sie, gnädige Frau?

Ellen Wahrhaftig, es war nicht Mangel an Interesse, liebes Fräulein . . .

Gerda O, ich habe nie bezweifelt . . . Ich war ja auch inzwischen wiederholt bei Ihnen.

Ellen Aber ich versichere Ihnen, sobald der Winter kommt, 25 da ist der Teufel los. Da könnte der Tag achtundvierzig Stunden haben, und ich wüßte nicht, wohin sie sich verkrümeln. All die Vereine und Wohltätigkeitsgeschichten, von Gesellschaften ganz zu schweigen; all die Nebenmenschen, denen ich raten oder helfen soll; all die Freundschaftspflichten und all die anderen Pflichten – Sie können mir glauben, ich weiß oft nicht, wo mir der Kopf steht.

Gerda Sie laden sich zu viel auf, gnädige Frau.

Ellen I bewahre; ganz im Gegenteil! Unter uns, ich kann gar nicht genug kriegen. Leben ist Bewegung – voilà. Ich kann nicht stillsitzen; ich muß immer was vorhaben, am liebsten ein Dutzend Sachen auf einmal. Keinen Mann mehr, keine Kinder, nicht mehr jung, noch nicht alt – schauderhaft, wenn man da Zeit übrig behielte, um sich zu fragen, wozu man auf der Welt ist. Nur eine einzige unausgefüllte, zwecklose Stunde, da würd' ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach aufhängen.

Gerda Das wollen wir nicht hoffen!

Ellen Seien Sie unbesorgt. Vorerst gar keine Aussicht. Wenn ich ein ganzes Schiepel eigener Göhren hätte, sie könnten mir nicht mehr zu schaffen machen als die großen Kinder, die ich bemuttere, die mir ihre Herzensnöte anvertrauen. Sie gehören auch dazu, ça se comprend. Falls Sie jemals Bedarf haben sollten . . . 26

Gerda Gnädige Frau sind zu gütig zu mir.

Ellen Pst! Sie beschämen mich. Mein Gewissen ist ohnehin schlecht genug.

Gerda Nein, wirklich – ich verdiene es gar nicht . . . .

Ellen Na, na, nur nicht zu bescheiden, mein Kind. Und was hab' ich denn für Sie getan? Was hab' ich Großes tun können? Ein paar lumpige Privatstunden hab' ich Ihnen verschafft; wohl der Rede wert! Nicht einmal die feste Stelle, die Sie so gern haben möchten, konnt' ich bisher für Sie ergattern! Sie sind eben zu hübsch. Wer nimmt sich denn heutzutage eine beauté ins Haus? Da mag man predigen von Ihrer Tugend und Sittsamkeit, soviel man will – Zündstoff, sagen die Leute, und sie haben gar nicht mal so unrecht.

Gerda Nie, nie werd' ich Ihnen vergelten können, was Sie an mir getan haben! Als meine Mutter starb und ich plötzlich ganz verlassen dastand, was wäre da aus mir geworden ohne Sie! Wie Sie mir damals über das Schwerste hinweghalfen, mich trösteten und stützten, so viel warmherzige Teilnahme übrig hatten für eine Wildfremde . . .

Ellen Sie waren mir keineswegs so fremd, wie Sie wohl meinen. 27

Gerda Wie?

Ellen Ja, ich muß Ihnen jetzt ein Geständnis machen. Die Sympathie, die ich für Sie faßte, als ich Sie einmal kannte, die mögen Sie meinethalb auf mein persönliches Konto setzen. Aber daß ich mich Ihnen überhaupt näherte, das geschah nicht so ganz aus eigener Initiative.

Gerda Ich verstehe nicht . . .

Ellen Das tat ich auf Wunsch Ihres Vaters.

Gerda Meines . . .

Ellen Ja, Ihres Vaters, des Freiherrn von Wittinghof, den ich mit Stolz zu meinen Freunden zähle.

Gerda Warum haben Sie mir das bis heute verschwiegen, gnädige Frau?

Ellen Das werden Sie sich selber beantworten können, liebes Kind, wenn ich Sie an ein paar Tatsachen erinnere. Als die Nachricht vom Tode Ihrer Mutter – ungefähr vor zwei Jahren, nicht wahr? – als diese Nachricht zu Ihrem Vater übers Meer gelangt war, da schrieb er Ihnen einen langen, überaus herzlichen Brief. – Ist es nicht so?

Gerda (gequält) Ja; aber was soll das nur . . . 28

Ellen Er bat Sie darin, Sie möchten ihm nicht länger grollen, möchten seine ausgestreckte Hand ergreifen, möchten ihm rückhaltlos mitteilen, was er für Sie tun könne. Sie erwiderten darauf kurz und kühl, es fehle Ihnen an nichts.

Gerda Die Wahrheit.

Ellen Er war über diese Zurückweisung seiner besten Absichten sehr betrübt, und in seiner Ratlosigkeit wandte er sich an mich. Er schrieb mir, ich könne ihm keinen größeren Freundschaftsdienst leisten, als wenn ich mich Ihrer annähme, ein Auge auf Sie hätte, vor allem verhütete, daß Sie jemals in Not gerieten. Und von da an mußt' ich ihm regelmäßige Bulletins über Sie schicken. Sie machten mir das leicht, ma chère. Ich brauchte ihm nur immer das gleiche Loblied zu singen über Ihre Musterhaftigkeit.

Gerda Waren Sie deren so sicher?

Ellen Todsicher. Oder hätt' ich Ihnen nachspionieren sollen? Fi donc! Dafür hat unsereins doch ein flair. Das merkt man doch auf hundert Schritte, wenn man einigermaßen Übung hat.

Gerda Hätt' ich von alledem das Geringste geahnt . . .

Ellen Dann hätten Sie auch mich abgewiesen. Eben darum mußte es Ihnen verborgen bleiben. 29

Gerda Gnädige Frau, Sie werden mir nachfühlen, daß ich nicht gleich die rechten Worte finden kann . . . Was Sie mir da entdeckt haben, ist so peinlich für mich . . . Ich darf Ihnen keinen Vorwurf machen; Sie haben es gewiß gut gemeint. Aber . . .

Ellen Aber Sie wollen Ihrem Vater nichts zu verdanken haben; nicht einmal indirekt.

Gerda Ganz recht, ich will nicht.

Ellen Er ist Ihr Vater!

Gerda Er hat deutlich gezeigt, daß er es nicht sein wollte, als er meine Mutter mitsamt ihrem Kinde verließ, um eine reiche Frau zu heiraten.

Ellen Sie würden ihn weniger hart beurteilen, wenn Sie ihn kennten.

Gerda Daß ich ihn nicht kenne, darin liegt das Urteil schon.

Ellen Und wenn er diese Situation all die Zeit über nicht minder schmerzlich empfunden hätte wie Sie, ohne die Möglichkeit, sie abzuändern? Wenn er schwer darunter gelitten hätte als ein Mann, der seine einstige Schwachheit längst eingesehen hat und ehrlich bereut – würden Sie ihm auch dann nicht verzeihen? 30

Gerda Wozu sollen wir dies unerquickliche Thema fortsetzen, gnädige Frau? Er ist ja weit vom Schuß, und . . .

Ellen Er ist hier.

Gerda Hier? In Berlin?

Ellen Vor ein paar Tagen hier angelangt. Er wird nicht mehr auf seinen südamerikanischen Posten zurückkehren; denn er hat den Dienst quittiert.

Gerda Und . . . seine Familie?

Ellen Er besitzt keine mehr. Er ist da drüben ein einsamer Mann geworden, Ihr Vater. Das einzige Kind, das aus seiner Ehe hervorgegangen ist, eine von Geburt an kränkliche Tochter, verlor er schon vor mehreren Jahren, und im vorigen Sommer hat er auch seine Frau begraben.

Gerda Es gibt also doch eine Gerechtigkeit!

Ellen Außer seinem Bruder, dem Minister, hat er keinen legitimen Blutsverwandten mehr . . .

Gerda Darum denkt er jetzt an mich! 31

Ellen Er denkt an Sie, wie er immer an Sie gedacht hat.

Gerda Und Sie – Sie kommen zu mir in seinem Auftrag?

Ellen Sie haben es erraten. Ich bin gekommen, Sie auf seinen Besuch vorzubereiten.

Gerda Seinen Besuch?! Er denkt . . . er will . . .

Ellen Er will mit Ihnen sprechen.

Gerda (in großer Aufregung) Nein, nein . . . das wird nicht geschehen! Sagen Sie ihm . . .

Ellen Wir haben verabredet, daß ich zu Ihnen vorausgehe und daß er etwa eine halbe Stunde später mir nachfolgt.

Gerda O, das ist ein abgekartetes Spiel – eine Überrumpelung . . .

Ellen (mütterlich) Fräulein Gerda, niemand will Sie überrumpeln. Ein Vater wird in wenigen Minuten vor der Tür seines Kindes stehn und um Einlaß bitten. Sie können nicht gezwungen werden, ihm diese Tür zu öffnen. Sie haben das Recht, ihn von Ihrer Schwelle zu weisen, wie einen lästigen Fremdling. Aber, liebes Fräulein Gerda, tun 32 Sie's nicht! Schneiden Sie nicht ihm und sich selbst von vornherein die Möglichkeit ab, zu einer Verständigung zu gelangen. Hören Sie ihn wenigstens an . . .

Gerda Was kann er von mir wollen? Mir wieder Geld anbieten!

Ellen Ich sage, hören Sie ihn an! Das verpflichtet Sie zu nichts; damit vergeben Sie sich nichts. Die Gefahr, bei Ihrer Unterredung gedemütigt zu werden, droht nur ihm. Und wenn ein Mann wie er diese Gefahr nicht scheut; wenn er trotzdem zu Ihnen kommt, weil er nicht anders kann . . . (Anschlagen der Flurglocke) Hören Sie, nun ist er da.

Gerda (ist bei dem Läuten zusammengezuckt; ein aufsteigendes Schluchzen niederkämpfend) Es ist ja undenkbar! Wohin soll das führen? Sie wissen ja nicht . . .

Ellen Darf ich ihn eintreten lassen?

Gerda (sinkt in einen Sessel am Tisch, ihr Gesicht mit ihren Händen bedeckend) Meine Mutter! Meine arme Mutter!

Ellen Glauben Sie, daß Ihre Mutter nicht damit einverstanden wäre? Daß sie Ihnen raten würde, unerbittlich zu bleiben? Sagen Sie mir, ob Sie das glauben?

Gerda (schüttelt fast unmerklich den Kopf) 33

Ellen Nicht wahr, nein? (Sie geht zur Mitteltür, öffnet sie, spricht hinaus) Exzellenz . . .

Vierter Auftritt

Vorige. Freiherr Max von Wittinghof

Freiherr (erscheint auf der Schwelle) Will sie mich empfangen?

Ellen Kommen Sie!

Freiherr (eintretend, halblaut) Sie ist bereit . . .?

Ellen (halblaut) Es hat Mühe gekostet.

Freiherr Ich dacht' es mir.

Ellen (zu Gerda, die in ihrer Position unbeweglich verblieben ist) Fräulein Gerda . . .

Gerda (erhebt sich langsam und zitternd; mit Überwindung wendet sie sich nach dem Freiherrn um. Beide sehen sich an. Lange Pause)

Freiherr Frau von Tönning sagt mir, daß Sie mir erlauben wollen, mit Ihnen zu sprechen. 34

Gerda (stammelnd) Ich . . . ich bitte . . .

Ellen (zum Freiherrn) Nun komm' ich mir überflüssig vor.

Freiherr (ihr die Hand küssend) Sie haben mich mehr als je zu Ihrem Schuldner gemacht, liebe Freundin.

Ellen Pas de quoi. Aus Wiedersehen, Exzellenz. (Ab Mitte)

Fünfter Auftritt

Gerda. Freiherr

Freiherr (nach einigem Zögern) Ich bin keiner von den Furchtsamsten. Ich habe den Feldzug mitgemacht; ich habe auch danach allerlei Wettern getrotzt. Aber so habe ich noch nie vor einem Menschen gestanden, wie jetzt vor Ihnen.

Gerda Exzellenz . . .

Freiherr Um Gottes willen, nennen Sie mich nicht auch mit diesem schrecklichen Titel, den man mir als Bonbon nachgeworfen hat in den Ruhestand!

Gerda Ich weiß nicht, wie ich Sie nennen soll. 35

Freiherr Sie haben recht. Den Namen, auf den die Natur mir Anspruch gegeben hätte, den hab' ich mir bei Ihnen verscherzt. obwohl ein enges, ein heiliges Band zwischen Ihrem Dasein und dem meinigen besteht, erblicken Sie mich heute zum erstenmal.

Gerda So werden Sie mir auch nicht verargen . . .

Freiherr Nichts verarge ich Ihnen. Vielmehr bin ich Ihnen dankbar. Ja, wie feindselig Sie mir auch gesinnt sein mögen, ich danke Ihnen, daß Sie mir den Wunsch langer Jahre erfüllt haben, Sie einmal von Angesicht sehen zu dürfen. Das ist eine Freude für mich, eine noch größere, als ich mir versprach. Denn das Bild, das ich von Ihnen besitze, wird durch die Wirklichkeit weit übertroffen.

Gerda Mein Bild?

Freiherr Ihre Photographie. Frau von Tönning hat sie mir geschickt. Als Illustration zu den Berichten über Ihr aufrichtiges Wesen, Ihre Strebsamkeit, Ihre vielseitigen Kenntnisse. Und auch Ihre Wohnung hat sie mir beschrieben. Das Haus, das Zimmer, die Blumen beim Fenster, und hier den Schreibtisch . . . (Er hat sich genähert und bemerkt auf dem Schreibtisch die Photographie)

Gerda Dabei ist weiter nichts Interessantes. 36

Freiherr Doch, doch! Ich will mich nicht daran vorüberschleichen. Auch dieser stummen Mahnung will ich standhalten. (Er ergreift die Photographie und betrachtet sie in tiefer Bewegung) Sie war noch immer schön. Diese Art von Schönheit altert nicht, weil ein unversiegbarer Lichtquell sie von innen heraus durchleuchtet. (Er stellt das Bild langsam nieder hin; dann, sich umwendend) Sagen Sie mir nur das eine: wie hat sie von mir gesprochen?

Gerda (leise) Sie sprach selten von Ihnen.

Freiherr Bitter und grollend?

Gerda Nein.

Freiherr Versöhnlich?

Gerda Wozu fragen Sie? Es kann Ihnen ja doch keine Entlastung sein. Und wenn auch sie in ihrer Weitherzigkeit Ihnen verziehen hatte . . .

Freiherr (freudig) Hatte sie das?

Gerda Ich kann Ihnen nicht verzeihen! Ich, die ich schon in meiner ahnungslosen Kindheit darunter zu leiden hatte, daß ich nur den Namen meiner Mutter trug; die ich von Lehrern und Mitschülerinnen behandelt wurde wie eine Gezeichnete und meine heißen Tränen darüber vor ihr 37 verstecken mußte, um sie nicht noch unglücklicher zu machen, als sie geworden war durch Sie.

Freiherr Nun will ich Ihnen etwas bekennen. Ja, Sie sollen es erfahren, obwohl die Rücksicht auf einen noch frischen Grabhügel mir Schweigen gebieten müßte. Aber den Toten kann man ja durch die Wahrheit nicht mehr wehe tun. – Ihre Mutter war die einzige Frau, die ich je geliebt habe.

Gerda (wider ihren Willen ergriffen) Die einzige? – Und dennoch . . .

Freiherr Dennoch habe ich sie verlassen. Die Geliebte, die Mutter meines Kindes verlassen. Ich habe damit getan, was Tausende von hochgeachteten Männern vor mir getan haben, und was Tausende nach mir tun werden. Aber ein Unrecht wird dadurch nicht gemildert, daß es von vielen begangen wird. Und je älter ich wurde, je mehr ich den Sinn und den Zweck des Lebens begreifen lernte, desto größer, desto ungeheuerlicher ist dieses Unrecht mir erschienen.

Gerda (milder) Aber – wenn Sie selbst es so betrachten, wie konnten Sie dann . . .

Freiherr Ja, wie konnte ich? Das hab' auch ich mich oft gefragt, hinterher, als es zu spät war. Ich war ein junger Dachs. Meine Laufbahn hatte unter den günstigsten Umständen begonnen. Ich war erfüllt von Ehrgeiz. Nicht von dem niedrigen, der nur um jeden Preis Karriere machen will. Ich hatte hochfliegende Träume, schwärmerische 38 Ideale: unter meinen Standesgenossen hieß ich der blaublütige Revolutionär. Ich fieberte vor Betätigungsdrang. Ich glaubte ungewöhnliche Kräfte in mir zu spüren, hoffte meinem Land hervorragende Dienste leisten zu können, wenn ich nur erst an der rechten Stelle stünde. Auf all das hätt' ich um Ihrer Mutter willen verzichten müssen. Aber ich war zu diesem Verzicht bereit . . .

Gerda (macht eine Gebärde des Erstaunens)

Freiherr (nach einer kleinen Pause fortfahrend) Da kam denn die ganze Phalanx gegen mich angerückt. Ich blieb fest, auch als das schwerste Geschütz aufgefahren wurde. Die Pflichten gegen meinen Namen, gegen meine Zukunft, gegen meine Familie; die Eltern, der Bruder, eine damals noch unversorgte Schwester! Es gab furchtbare Auftritte. Meine leidende Mutter fiel von einer Ohnmacht in die andre; mein Vater, ein Mann von stählernem Willen, wies mir die Tür. Und als ich gehen wollte, da erklärte er mir, an dem Tag, an dem ich diese Schande über ihn und sein Haus brächte, würde er sich eine Kugel durch den Kopf jagen. Ich war der Verzweiflung, dem Wahnsinn nah. Man wollte mich in eine Anstalt befördern. Aber noch vorher brach ich körperlich zusammen und lag wochenlang zwischen Leben und Tod. (Kleine Pause) Als ich zum Bewußtsein kam, da war alles geregelt. Man hatte Ihrer Mutter meine Krankheit so hingestellt, als wäre sie durch die Angst vor einer Verbindung mit ihr verursacht. Sie hatte mir entsagt. Ich fühlte mich zu schwach, um den ungleichen Kampf von neuem aufzunehmen. Meine Widerstandskraft war gelähmt. Und nun schickte ich selbst ihr mein Lebewohl . . . 39

Gerda (leise) Auch Sie haben viel gelitten.

Freiherr Es folgte eine Zeit, wo ich ganz stumpf, ganz wehrlos war. Man konnte mit mir anfangen, was man wollte. Und so gelang es bald darauf den Überredungskünsten meiner Familie, hauptsächlich meines Bruders, mich in eine sogenannte vorteilhafte Partie hineinzudrängen. Das – so behaupteten sie – wäre das beste Heilmittel für mich. Ja, nun durften sie beruhigt sein; nun hatten sie weise für mich gesorgt! In meinem Haus keine Wärme und in meinem Beruf keine Befriedigung! Es war nichts mit den Idealen, für die ich ein reales Glück aufgeopfert hatte. Die Luft, selbständig zu denken und eigenen Zielen nachzugehen, wurde mir gründlich ausgetrieben. Aber man hatte meine Gesinnungstüchtigkeit doch hinreichend verdächtig gefunden, um mich kaltzustellen. So hab' ich die besten Jahre meines Lebens in exotischen Republiken zugebracht und dort zu Nutz und Frommen meines Vaterlandes Geschäfte erledigt, die mit wenigen Ausnahmen jeder intelligente Referendar ebensogut verrichtet hätte.

Gerda Konnten Sie sich denn nicht frei machen?

Freiherr Mir waren die Hände gebunden. Ich mußte meiner Lebensgefährtin, der ich das Beste nicht geben konnte, zum mindesten das geben, was ihr wertvoll schien. Ich verzehrte mich in Sehnsucht nach dem Unwiederbringlichen. Ich zergrübelte mir das Hirn, wie ich den beiden Wesen, die mir so nahe standen und doch so entrückt waren, etwas 40 zuliebe tun könnte. Aber es gab ja keine Brücke mehr zwischen uns. Den letzten Notsteg hatte der Stolz Ihrer Mutter eingerissen . . .

Gerda Der Stolz ist die einzige Waffe der Schwachen – gegen die Stärkeren.

Freiherr Ja – und Sie hatten ihn von ihr geerbt. Als Sie allein zurückgeblieben waren und die Sorge um Sie, das Gefühl der Verantwortlichkeit für Ihr Schicksal mich Tag und Nacht quälten – Sie wissen, daß ich da nichts unterließ, was mir in meiner damaligen Lage möglich war. Sie wissen auch, mit welchem Erfolg. Inzwischen aber ist vieles anders geworden . . .

Gerda (will ablenken) Sie . . . haben die Absicht, Ihre ganze Tätigkeit aufzugeben?

Freiherr (feurig) Meine Tätigkeit? O nein, ich denke nicht daran! In meinem Alter schließt man noch nicht ab. Mit dreiundfünfzig Jahren streckt man sich noch nicht auf die Bärenhaut. Ich habe nur die letzte Fessel abgeschüttelt, die mich hinderte, mir selbst treu zu sein. Ich will nur niemand mehr dienen als meiner Überzeugung; ich will nur keinen anderen Vorgesetzten mehr haben als mein Gewissen. Jetzt bin ich frei, und ich will von meiner Freiheit Gebrauch machen. Ich habe mancherlei auf dem Herzen, was so noch nicht ausgesprochen worden ist – wenigstens nicht öffentlich, und nicht von meinesgleichen. Eine gesunde Erbitterung hab' ich in mir gegen diese 41 wohlanständige Gesellschaft, die mit ihrer Borniertheit und Gleisnerei mir die Suppe versalzen hat; gegen diese Pharisäer, die sich für Elitemenschen halten, weil sie vor allen menschlichen Dingen die Augen zudrücken. Ich will ein wenig rütteln an dem morschen Gebälk, das sie so lange für unantastbar erklären, bis es ihnen über dem Kopf zusammenfällt. Aber nicht nur durch Worte will ich meine Gesinnungen bekräftigen, sondern auch durch die Tat. Ich will gutmachen, was ich verschuldet habe, soweit ich es noch kann. Und deshalb sehen Sie mich jetzt hier.

Gerda Ich danke Ihnen, daß Sie so offen und ehrlich mit mir gesprochen haben . . . Daß Sie mich gelehrt haben, besser von Ihnen zu denken. Das ist mir wie eine Erleichterung; wie ein unverhofftes Geschenk. Es ist ja so schön, wenn man nicht nötig hat zu hassen . . . Sie dürfen sich sagen, daß diese Stunde nicht vergeblich war. Aber nun . . . nun gehen Sie, ich bitte Sie darum!

Freiherr Sie stehen also noch immer auf dem Standpunkt Ihres damaligen Briefes?

Gerda Ja. Ich bedarf Ihrer Hilfe nicht.

Freiherr Meiner Hilfe? So fassen Sie es auf?

Gerda Wie soll ich es sonst auffassen? Sie haben kein anderes Mittel, um mir Ihren guten Willen zu beweisen. 42 Sie sind der Baron Wittinghof, und ich heiße Gerda Hübner. Die Scheidewand zwischen uns können Sie nun einmal nicht beseitigen, und . . .

Freiherr O doch, das kann ich.

Gerda Aber . . .

Freiherr Und das will ich.

Gerda Wie?

Freiherr Ich will Sie vor aller Welt als meine Tochter anerkennen.

Gerda (starrt ihn an; stammelnd) Das – das wollten Sie . . .?!

Freiherr Sie brauchen nur einzuwilligen, und ich tue noch heute die erforderlichen Schritte, um Ihre Legitimitätserklärung zu erwirken.

Gerda (mechanisch wiederholend) Das – wollten Sie!

Freiherr Nach Erfüllung dieser gesetzlichen Formalität treten Sie in alle Rechte eines ehelichen Kindes.

Gerda (wankend) O Gott im Himmel! 43

Freiherr Was ist Ihnen? Hab' ich Sie damit so erschreckt? Oder so verwundet? Sie machen mir ja wahrhaftig Angst . . . Ich konnte doch nicht voraussehen . . .

Gerda (streckt beschwörend die Hände nach ihm aus) Gehen Sie . . . bitte, gehen Sie!

Freiherr Und das ist alles, was Sie auf meinen Vorschlag zu erwidern haben? – Sagten Sie mir nicht eben, daß Sie mir nicht mehr zürnen? – Darf ich nicht wenigstens erfahren, aus welchem Grund . . .

Gerda (mühsam) Ich bin nicht im stand, eine solche Wohltat . . .

Freiherr Wohltat? Das ist nicht das rechte Wort. Und wenn es eine wäre, so würde sie auf Gegenseitigkeit beruhen. Ich bin allein, und mein Herz möchte auch noch einmal wissen, wozu es da ist.

Gerda Warum foltern Sie mich so? Mit jedem Augenblick machen Sie mir es schwerer, Ihnen die Wahrheit zu verschweigen. Und wenn ich sie Ihnen gestünde, dann würden Sie ja doch gehen! Deshalb . . .

Freiherr Sie sprechen in Rätseln. Ich habe kein Recht, mich in Ihre Geheimnisse zu drängen. Aber fühlen Sie denn noch immer nicht, daß Sie mir vertrauen dürfen; daß ich 44 es wahrhaft gut mit Ihnen meine; daß Sie einen Freund in mir haben könnten, wie Sie ihn so leicht nicht wieder finden . . .?

Gerda (heiser) Ich bin ja nicht, wofür Sie mich halten! Ich bin ja nicht würdig – in Ihren Augen nicht würdig . . .

Freiherr Was heißt das?

Gerda Frau von Tönning hat Ihnen Falsches berichtet. Ich habe ihr Vertrauen getäuscht. Ich . . .

Freiherr So reden Sie doch!

Gerda Ich hab' einen Geliebten!

Freiherr (erschüttert und leise) Das – freilich, das ahnt' ich nicht.

Gerda Nun wissen Sie's. Und nun können Sie gehen. Ich bin ehrlich gegen Sie gewesen, wie Sie gegen mich. Wir sind quitt. Vergessen Sie mich, und alles ist wie vorher; alles ist . . . (Sie bricht in Schluchzen aus)

Freiherr Armes Kind! (Er tritt näher und streicht ihr über das Haar) Armes Kind! – Komm zu dir! – Beruhige dich doch! – Ich bin bei dir; ich gehe nicht. – Oder hast du wirklich geglaubt, ich würde jetzt den Tugendmantel um die Schultern schlagen und dich verlassen? 45

Gerda (noch von Schluchzen unterbrochen) Nachdem Sie gehört haben, was aus mir geworden ist . . .

Freiherr Nichts Besseres und nichts Schlimmeres, als was aus deiner Mutter geworden ist durch mich. Und meine Schuld ist auch dies! Denn ich bin dein Vater und habe dich nicht beschützt.

Gerda Nein, nein, nein – ich hätte mich selbst beschützen müssen!

Freiherr Nun gewiß, klüger wär' es gewesen. Und mir wär' es lieber gewesen, um deinetwillen.

Gerda Sie sehen doch nun ein . . .

Freiherr Ich sehe ein, daß die Dinge ein wenig anders liegen, als ich sie mir vorgestellt habe. Aber daß ich jetzt hier nichts zu tun hätte, das kann ich nicht einsehen. Im Gegenteil! Und jedenfalls bin ich der letzte, der einen Stein auf dich werfen darf. Hab' auch gar keine Lust dazu.

Gerda (ihn unter Tränen anblickend) Das ist ja . . . das ist ja ein Wunder! Es geschehen also doch noch welche!

Freiherr Ja, Kind, so verhält sich's in dieser närrischen Welt: das Natürlichste kommt einem immer als das Wunderbarste vor. – Aber nun wollen wir nicht länger philosophieren 46 über das, was nicht mehr zu ändern ist. Sondern wir wollen miteinander überlegen, wie es weitergehen soll. Nun komm mal her; ich werde mich hier zu dir setzen, und du wirst mir alles sagen. Willst du?

Gerda (nickt)

Freiherr (nachdem sie rechts vorn Platz genommen) Du hast ihn wohl sehr lieb?

Gerda (leise) Ja.

Freiherr Und er dich auch?

Gerda Er hat es mir hundertmal beschworen.

Freiherr Hat er je vom Heiraten gesprochen?

Gerda Davon war nie die Rede zwischen uns.

Freiherr Wie meinst du, daß er darüber denkt?

Gerda Es sind sehr große Hindernisse vorhanden . . .

Freiherr Du glaubst, daß nur diese ihn abhalten . . .?

Gerda Ja, das glaub' ich. Das muß ich glauben! 47

Freiherr Und worin bestehen diese Hindernisse?

Gerda Er ist Beamter.

Freiherr So, so!

Gerda Und vor allem seine Eltern . . .

Freiherr Aha! – Wie hast du ihn denn kennen gelernt? (Da Gerda schweigt) Frag' ich zu viel?

Gerda (entschlossen) Nein. – Bei Frau von Tönning.

Freiherr Was der Tausend! Das hätt' ich ja hübsch arrangiert! Das nennt man den Teufel durch Beelzebub austreiben!

Gerda Es war nur eine flüchtige Begegnung . . .

Freiherr O ja, das genügt – Sein Name? (Da Gerda wieder zögert) Ich verrat' ihn nicht.

Gerda Er ist ein Neffe von ihr. Der Sohn des Geheimrat Schellhorn.

Freiherr Schellhorn? Sieh mal an! 48

Gerda Sie kennen ihn?

Freiherr Den Vater – ja, sehr gut. Wir waren auf Universität zusammen. Ein großer Streber vor dem Herrn. Zu waschecht für meinen Geschmack. Drum hab' ich auch die Beziehungen allmählich einschlafen lassen. Zu seinem tiefen Schmerz. Mein Bruder ist nämlich sein Chef. – Na, der wird eine Freude haben!

Gerda Wie meinen Sie das?

Freiherr Jetzt bekommt doch die Sache ein praktisches Gesicht. Jetzt kann ich doch zwei Liebenden den Weg ebnen.

Gerda Wieso denn?

Freiherr Nun, grade durch das, was ich dir vorhin vorgeschlagen habe.

Gerda Daran denken Sie noch immer?

Freiherr Erst recht.

Gerda (fassungslos) Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll.

Freiherr Jetzt hat es ja noch einen anderen Zweck als nur die Wiederherstellung meiner Seelenruhe. Denn wenn 49 du Freiin Wittinghof wirst, da bleibt dem jungen Mann keine Wahl; da wird er dich heiraten müssen.

Gerda (bestimmt) Nein, dahin darf es nicht kommen. Unter keinen Umständen! Ein Zwang darf nicht auf ihn ausgeübt werden. Dazu ist auch gar kein Anlaß. Er hat mich lieb. Er muß frei entscheiden dürfen, was er für das richtige hält.

Freiherr Hm, ja, dagegen läßt sich nichts einwenden. Nur – sobald ich mit ihm spreche . . .

Gerda Das eben sollen Sie nicht. Vorerst nicht.

Freiherr Aber was sonst? Irgendwie muß ich doch auf der Bildfläche erscheinen. Denn die Situation ist kritisch, das mach dir nur klar, mein Kind. Viel Zeit haben wir nicht zu verlieren. Auch wenn Frau von Tönning reinen Mund hält – mein heutiger Besuch bei dir und seine Konsequenzen können schwerlich lange verborgen bleiben.

Gerda Ich selbst werde mit ihm reden – morgen.

Freiherr Und da sind noch die Eltern. Es wird sehr viel davon abhängen, auf welche Art sie zuerst von der Geschichte erfahren. Bei meinem alten Gönner Schellhorn könnt' ich ja mal auf alle Fälle das Terrain sondieren . . .

Gerda (wie entrückt) Wenn jetzt sein Traum in Erfüllung gehen könnte . . . 50

Freiherr Was für ein Traum?

Gerda Ihm träumte, ich hätte seine Eltern kennen gelernt und hätt' ihnen gefallen.

Freiherr Haben sie dich nie gesehen?

Gerda Nein.

Freiherr Wetter auch, das ist gar kein übler Gedanke! Das wäre ein Husarenstückchen, zu dem ich ganz in der Stimmung bin. – Gut! Seine Eltern sollen dich kennen lernen, und zwar als meine Tochter.

Gerda Ja, aber . . .

Freiherr Bist du's denn nicht? Wirst du's nicht in kurzem auch dem Gesetz nach sein? Und diese kleine Vorwegnahme sollt' ich vor dem ehrenfesten Schellhorn nicht verantworten können? Etwas muß man doch davon haben, daß man sich Exzellenz schimpfen läßt!

Gerda (mit leuchtenden Augen) Und Edmund! Wenn ich ihn damit überraschen könnte! Wenn ich ihm sagen könnte: du Kleingläubiger, was du für undenkbar gehalten, hat sich verwirklicht . . .

Freiherr Hast du Vertrauen zu mir, mein Kind? 51

Gerda Wie können Sie noch fragen!

Freiherr Willst du mir blindlings folgen in allem, was ich zu deinem Besten ratsam finde?

Gerda Ich will!

Freiherr (sich die Hände reibend) Nun, da gibt es ja sogleich allerhand Arbeit für mich. Und du kannst nicht ermessen, was mir das für ein unbeschreibliches Vergnügen macht! Mir ist zu Mut wie einem Veteranen, der wieder mal Pulver riecht.

Gerda Ist denn das alles auch wahr? Ist es nicht auch nur ein Traum? Das Zimmer tanzt vor mir im Kreis herum . . . Ich möcht' Ihnen danken und weiß nicht wie.

Freiherr Nichts einfacher als das. Nenne mich nur ein einziges Mal bei dem Titel, den niemand auf der Welt mir verleihen kann als du allein.

Gerda (schlicht und warm) Vater! – 52

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