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Mary Ferrera spielt System

Edgar Wallace: Mary Ferrera spielt System - Kapitel 4
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
booktitleGeheimagent Nr. 6/Mary Ferrera spielt System
titleMary Ferrera spielt System
publisherGoldmann Verlag
editorFriedrich A. Hofschuster
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
printrun13. Auflage
isbn3442002362
year1982
created20111027
projectid8dceba26
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3

Bill riß hastig seinen Hut vom Haken und eilte aus dem Zimmer, während wir noch am Fenster standen.

Inzwischen war noch ein anderer Herr hereingekommen und hinter Thomson Dawkes getreten. Als ich sein rotes Gesicht und seine schweren Augenlider sah, fühlte ich mich unbehaglich.

Allem Anschein nach hatte er mich zuerst nicht entdeckt, aber nun wandte er sich mir zu.

»Hallo, Mont, ich dachte, Sie wären auf Urlaub?« sagte er unfreundlich.

»Das stimmt auch. Aber heute habe ich einen alten Freund besucht.«

»Ist er Ihr Freund?« fragte er abweisend. Ich erkannte sofort, daß Billy in nicht besonders gutem Verhältnis zu Inspektor Jennings stand.

»Ja, wir waren zusammen in Frankreich an der Front.«

»Hm, persönlich mag ich Stabbat nicht leiden. Er ist viel zu oberflächlich für meinen Geschmack. Auf keinen Fall hätte ich Mr. Dawkes den Rat gegeben, sich an ihn zu wenden. Ich riet ihm, sich mit Seinbury in Verbindung zu setzen. Das ist die beste Auskunftei hier in der Stadt.«

Zufällig wußte ich, daß Seinbury Jennings' Schwager war, aber ich hielt es im Augenblick nicht für günstig, ihn daran zu erinnern.

»Aber es haben schon viele Leute Stabbat empfohlen«, fuhr der Inspektor mit einem Achselzucken fort. »Der Mann scheint direkt in Mode zu sein.«

»Dort geht sie«, sagte Thomson Dawkes eifrig, »und Stabbat ist hinter ihr her. Das war wirklich ein glücklicher Zufall!«

Er wandte sich um und sah Jennings liebenswürdig an. Der Inspektor bemühte sich auch sofort, seine Freude über diese Begegnung zu zeigen.

Dawkes war groß und stattlich. Er hatte eine Adlernase, gutmütige Augen und volle Lippen. Sein Kinn war ein wenig zu rund für einen Mann, aber er sah wirklich gut aus.

Seine Sprache klang etwas rauh und ungeschliffen, und er äußerte sich über die junge Dame, wie es ein Gentleman eigentlich nicht hätte tun sollen. Sein Vater war ein Grubenbesitzer in Staffordshire und hatte ihm ein beträchtliches Vermögen hinterlassen. Dawkes selbst interessierte sich für Ringkämpfe, besaß einen Rennstall, eine Motorjacht und zwei große Landsitze, aber nicht die nötige Lebensart und Bildung, um in guten Kreisen verkehren zu können. Dagegen mußte er stets Schmeichler um sich haben, die alles, was er tat, gut fanden. Er war daher meistens von Leuten umgeben, die Respekt vor seinem Vermögen hatten.

Jennings stellte mich Dawkes nicht vor. Er hielt es wahrscheinlich für unter seiner Würde, einen Polizeisergeanten zu kennen. Als die beiden das Zimmer verließen, hörte ich nur die Worte: »Einer von unseren Leuten.«

Ich ließ einen Zettel auf dem Tisch zurück und ging zu meiner Wohnung in Bloomsbury. Merkwürdigerweise traf ich Leslie Jones an derselben Stelle wieder, wo ich mich von ihm verabschiedet hatte.

»Sie gehen doch noch nicht, Mr. Mont?« fragte er erstaunt. »Ich dachte, Billy hätte Zeit?«

»Er ist ausgegangen«, erklärte ich.

»Ach so! Wahrscheinlich in der Sache Dawkes? Ich sah, wie Dawkes mit Inspektor Jennings die Bond Street entlangging. Die beiden scheinen ja große Freunde zu sein.«

Als ich ihm kurz erzählte, was geschehen war, rieb er nachdenklich seine Nase.

»Hoffentlich interessiert sich Billy nicht für diese junge Dame. Wenn sie in einem Mansardenzimmer lebt und eine alte Mutter unterstützt oder einen schwindsüchtigen Bruder hat oder einen Jungen, den sie nach Eton schicken will, dann ist Billy gleich bei der Hand und tut alles für sie. Morgen bricht er in die Bank von England ein, um das nötige Geld zu beschaffen, das ihren Fehltritt wieder gutmacht. Wir werden ja sehen. Ich wette, daß Billy augenblicklich dasselbe sagt, besonders wenn sie nett ist.«

Ich lachte.

»Ich dachte nicht, daß Sie Billy so gut kennen.«

»Ich kenne ihn nur zu gut!« sagte er und lächelte grimmig.

Bevor ich mich von ihm trennte, fragte er noch, ob er mich am Abend besuchen könne, und da ich keine Verabredung hatte, lud ich ihn ein. Ich mochte Leslie ganz gern.

Pünktlich auf die Minute erschien er in meiner Wohnung. Wir spielten Karten und sprachen über Billys Heldentaten. Während Leslie gerade mitten in einer Erzählung war, trat Stabbat ins Zimmer. Meine Wirtin hatte ihn anmelden wollen, aber er hatte sie einfach beiseitegeschoben.

Er lächelte mich an und schien in angeregter Stimmung zu sein.

»Leslie ist ja auch da!« sagte er. »Großartig. Ich wollte nämlich gerade mit Ihnen sprechen.«

»Und ich mit Ihnen«, erwiderte Leslie bedeutsam. »Sie haben mir doch den Auftrag gegeben, so schnell wie möglich Informationen über den Brand bei Griddlestone einzuziehen –«

»Ach, das hat Zeit«, entgegnete Billy ungeduldig und setzte sich an den Tisch. »Hören Sie zu, Mont.«

»Was gibt es denn?« fragte ich.

»Sie begleiten mich ans schöne Mittelmeer. Miss Hicks fährt morgen früh wieder dorthin.«

»Woher wissen Sie denn das?«

»Ich habe sie gefragt«, erklärte er ruhig. »Und eben habe ich mit Dawkes gesprochen. Er kommt in ein paar Tagen nach. Die ganze Angelegenheit läßt sich wahrscheinlich auf die einfachste Art und Weise erklären. Warum sollte sie denn kein Geld haben? Und wenn sie reich ist, kann sie sich doch auch einmal eine billige Tasche kaufen. Bei wohlhabenden Leuten kommt es nicht darauf an; die können es sich leisten, auch billige Dinge zu tragen.« Er lehnte sich über den Tisch und sah mich ernst an. »Und wenn überhaupt eine Frau jemals Herz und Seele hatte, dann ist es Mary Ferrera! Sie sollten nur einmal in ihre Augen schauen, in diese klaren, tiefen Sterne –«

»Um Himmels willen!« stöhnte Leslie. »Ich habe Ihnen ja schon gesagt, was für Dummheiten er machen wird, Mr. Mont, wenn das Mädel ihn erst einmal angesprochen hat – dann ist es um ihn geschehen.«

Bill wurde nicht wütend und ärgerlich, wie ich erwartet hatte. Er lächelte nur.

»Leslie, Sie sind ein armer, phantasieloser Tropf! Passen Sie einmal auf – dieses junge Mädchen ist vollkommen unschuldig. Wir werden ja sehen! Aber sicher handelt es sich dabei um eine große Geschichte. Ich bringe schon noch alles heraus. Sie kümmern sich um das Geschäft, bis ich zurückkomme, das heißt, bis wir zurückkommen«, verbesserte er sich.

»Aber ich kann es mir doch nicht erlauben, nach Monte Carlo zu gehen! Sie glauben doch nicht etwa, daß ein Polizeisergeant –«

»Selbstverständlich vergüte ich Ihnen alle Ihre Auslagen,«, unterbrach mich Billy. »Dawkes ist damit einverstanden, daß ich einen Assistenten mitnehme.«

Was mochte er Miss Hicks wohl gesagt und wie mochte er ihre Bekanntschaft gemacht haben? Leslie und ich fragten ihn eingehend danach, aber er gab nur ausweichende Antworten.

Aber daß die beiden in der kurzen Zeit bereits miteinander Freundschaft geschlossen hatten, entdeckte ich zwei Tage später, als Miss Ferrera im Speisewagen des Riviera-Expreß zum Frühstück erschien.

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