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Martin Paz

Jules Verne: Martin Paz - Kapitel 7
Quellenangabe
typenarrative
authorJules Verne
booktitleDer Chancellor
titleMartin Paz
publisherA. Hartleben's Verlag.
seriesCollection Verne
volumeBand 21
printrunVierte Auflage
translator
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid6d594f91
created20070401
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VII.

Die Verheiratung Andreas Certa's mit der Tochter des reichen Samuel bildete ein wahrhaftes Ereigniß. Die Señoras fanden keinen Augenblick Ruhe mehr; sie erschöpften sich in der Erfindung eines reizenden Kleides, eines neuen Haarschmucks, und versuchten bis zur Ermüdung die verschiedenartigsten Toiletten.

Auch im Hause Samuel's, der Sarah's Vermählung mit größtem Glanze feiern wollte, war man mit vielfachen Vorbereitungen beschäftigt. Die Fresken, welche nach spanischer Sitte seine Wohnung schmückten, erfuhren eine sorgfältige Erneuerung; geschnitzte Möbel von kostbarem, wohlriechendem Holze erfüllten die Salons, die eine wohlthuende Frische athmeten; seltene Gewächse, Erzeugnisse der heißen Zonen, umwanden die Balustraden und schmückten die Terrassen.

Das junge Mädchen aber hatte keine Hoffnung mehr, da der Sambo keine hatte, und der Sambo hoffte nicht mehr, da er am Arme jenes Zeichen der Hoffnung nicht trug! Liberia hatte den alten Indianer wiederholt beobachtet ... er hatte Nichts entdecken können!

O, wären der armen Sarah die Regungen seines Herzens bekannt gewesen, sie wäre in ein Kloster entflohen, um dort ihr Leben zu beschließen! Unwiderstehlich durch die Lehren der katholischen Kirche angezogen, und durch den Pater Joachim heimlich getauft, hatte sie sich dieser Religion, welche mit der Sehnsucht ihres Herzens so wunderbar übereinstimmte, voll und innig angeschlossen.

Pater Joachim, der jedes Aufsehen vermeiden wollte, und übrigens mehr in seinem Breviarium, als im Menschenherzen zu lesen pflegte, ließ Sarah unbeirrt an Martin Paz' Tod glauben. Die Bekehrung des jungen Mädchens kümmerte ihn am meisten, und weil er diese durch eine Verbindung mit Andreas Certa am besten gesichert glaubte, so versuchte er ihr, da ihm die Nebenumstände bei jener unbekannt blieben, nur noch zuzureden.

Endlich war der bestimmte Tag, der Tag der Freude für den einen und der des Herzeleids für den andern Theil gekommen. Andreas Certa hatte wohl die ganze Stadt zu seiner Hochzeitsfeier eingeladen; von den vornehmen Familien, die sich durch mehr oder weniger begründete Ausreden entschuldigten, wurden seine Einladungen insgesammt höflich abgelehnt.

Inzwischen war die Stunde zur Vollziehung des Ehecontractes gekommen, doch das junge Mädchen erschien nicht ...

Der Jude Samuel wurde von einer geheimen Unruhe geplagt; Andreas Certa runzelte die Augenbrauen mit einer Miene, welche seine Ungeduld verrieth. Auf den Gesichtern der Gäste malte sich eine gewisse Verlegenheit, während Tausende von Kerzen, deren Licht die prächtigen Spiegel zurückwarfen, die Salons mit blendendem Glänze erfüllten.

Draußen auf der Straße irrte ein Mann in tödtlicher Angst umher: es war der Marquis Don Vegal.

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