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Martin Eden. Zweiter Band

Jack London: Martin Eden. Zweiter Band - Kapitel 21
Quellenangabe
authorJack London
titleMartin Eden. Zweiter Band
publisherUniversitas
year1927
printrun21. ? 40. Tausend
translatorErwin Magnus
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170916
projectid5004ade4
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Herr Morse traf Martin in der Halle des Hotels Metropol. Ob es der Zufall war, der ihn dorthin geführt hatte, oder ob er zu dem ausdrücklichen Zweck gekommen war, Martin zum Essen einzuladen, erfuhr Martin nie, wenn er auch eher der zweiten Annahme zuneigte. Jedenfalls wurde er zum Essen eingeladen von Herrn Morse, dem Vater Ruths, der ihm verboten hatte, seine Füße in sein Heim zu setzen, und der die Verlobung zwischen ihm und seiner Tochter aufgehoben hatte.

Martin war nicht zornig. Er war nicht einmal abweisend. Er duldete Herrn Morse und dachte während des Gesprächs darüber nach, was für ein Gefühl es sein mußte, diese Suppe auszulöffeln, in die er gespuckt hatte. Er lehnte die Einladung nicht ab. Er schob sie jedoch auf unbestimmte Zeit hinaus und erkundigte sich nach der Familie, namentlich nach Frau Morse und Ruth. Er sprach ihren Namen ohne Zaudern aus, obwohl er heimlich darüber erstaunt war, daß er nicht die geringste Bewegung spürte, nichts Derartiges, wie das alte wohlbekannte hastige Klopfen in Puls und Blut, das ihn wie eine warme Woge durchschossen hatte.

Er erhielt viele Mittagseinladungen, und einige davon nahm er an. Leute ließen sich ihm vorstellen, um ihn zum Essen einladen zu können. Und er grübelte weiter über das Kleine, das jetzt zum Großen wurde. Bernard Higginbotham lud ihn zum Essen ein. Er grübelte mehr als je. Er dachte an die Tage, als er so wahnsinnig gehungert und niemand ihn zum Essen eingeladen hatte. Damals hätte er solcher Einladungen bedurft, er war matt und krank geworden, weil er kein Mittagsessen bekam, und hatte aus bloßem Hunger abgenommen. Das war das Paradoxe dabei. Als er Einladungen brauchte, erhielt er keine, und jetzt, da er sich so viel Essen kaufen konnte, wie er wollte, und schon den Appetit zu verlieren begann, jetzt wurden ihm von allen Seiten Einladungen aufgenötigt. Aber weshalb? Er konnte weder Gerechtigkeit darin sehen noch ein Verdienst von seiner Seite. Er war nicht anders, als er stets gewesen war. Alle Arbeit, die er geleistet hatte, war zu dieser Zeit schon getan. Herr und Frau Morse hatten ihn verurteilt als einen Tagedieb und Pflichtvergessenen und hatten durch Ruth verlangt, daß er eine Stellung als Kontorist annehmen sollte. Andererseits hatten sie wohl gewußt, welche Arbeit er leistete. Eines seiner Manuskripte nach dem andern war durch Ruth in ihre Hände gelangt, sie hatten sie gelesen. Es waren dieselben Arbeiten, die alle Zeitungen sich mit ihm hatten beschäftigen lassen, und eben der Umstand, daß sein Name in alle Zeitungen gekommen war, hatte sie veranlaßt, ihn einzuladen.

 

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