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Magellan

Stefan Zweig: Magellan - Kapitel 6
Quellenangabe
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typebiography
authorStefan Zweig
titleMagellan
publisherS. Fischer Verlag
printrun55.-58. Tausend
editorKnut Beck
year1994
isbn3-596-25356-X
firstpub1938
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120810
projectid31ae7d32
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Eine Idee verwirklicht sich

20. Oktober 1517 - 22. März 1518

Magellan steht nun vor einen verantwortlichen Entschluß. Er hat einen Plan, wie ihn ähnlich kühn kein anderer Seemann seiner Zeit im Herzen trägt, und er hat dazu die Gewißheit (oder meint, sie zu besitzen), daß dank seinen besonderen Informationen dieser Plan unbedingt zum Ziele führen müsse. Wie aber ein so kostspieliges und gefährliches Unternehmen verwirklichen? Sein eigener König hat ihn von sich gestoßen, bei den befreundeten portugiesischen Reedern kann er kaum auf Unterstützung hoffen, denn sie werden nicht wagen, einem Manne, der bei Hof in Ungunst steht, das Kommando anzuvertrauen. So bleibt nur ein Weg: sich nach Spanien zu wenden. Dort und dort allein kann Magellan auf Unterstützung hoffen, nur diesem Hofe kann seine Person von Wert sein, denn nicht nur bringt er die kostbaren Informationen aus der Tesoraria von Lissabon mit, sondern er bietet Spanien auch, was nicht minder wichtig ist für das geplante Unternehmen: einen moralischen Rechtstitel. Sein Partner Faleiro hat errechnet – ebenso falsch errechnet, wie Magellan unrichtig informiert war –, daß die Gewürzinseln schon jenseits des portugiesischen Bereichs in der Spanien vom Papst zugewiesenen Teilungszone liegen müssen und somit Eigentum der spanischen und nicht der portugiesischen Krone sind. Die reichsten Inseln der Welt und den kürzesten Weg zu ihnen bietet dieser kleine portugiesische Kapitän Karl V. als Morgengabe; wenn irgendwo, so kann er darum am spanischen Hofe Förderung erwarten. Dort und nur dort kann er das Höchste verwirklichen, seine Lebensidee, allerdings um den schmerzhaftesten Preis. Denn wenn Magellan sich nun nach Spanien wendet, so weiß er, daß er seinen ritterlichen, seinen portugiesischen Namen Magelhaes sich wird abreißen müssen wie die eigene Haut, daß sein König ihn ächten wird und er für Jahrhunderte seinen Landsleuten noch als Verräter, als »traidor«, als ehrloser Überläufer, als »transfuga« gelten wird. In der Tat ist es untunlich, Magellans freiwillige Ausbürgerung und verzweifelten Übertritt in fremden Dienst mit der Handlungsweise eines Columbus, Cabot, Cadamosto oder Vespucci zu vergleichen, die gleichfalls fremde Flotten über die Meere geführt. Denn Magellan verläßt nicht nur sein Vaterland, sondern – man darf dies nicht verschweigen – er schädigt es, indem er die Gewürzinseln, die er schon von seinen Landsleuten besetzt weiß, dem eifersüchtigsten Rivalen seines Königs in die Hände spielt, und er handelt mehr als verwegen, er handelt sogar völlig unpatriotisch, indem er nautische Geheimnisse über die Grenze schafft, die er nur dank dem Zutritt zur Tesoraria in Lissabon erlangen konnte. Ins Zeitgenössische übersetzt, hat Magellan in seiner Eigenschaft als portugiesischer Edelmann und früherer Kapitän der portugiesischen Flotte kein geringeres Delikt begangen, als wenn heute ein Offizier geheime Generalstabskarten und Mobilisationspläne einem rivalisierenden Nachbarstaat überlieferte. Und das einzige, was seinem dunkeln Verhalten eine gewisse Größe gibt, ist, daß er nicht feig und ängstlich wie ein Schmuggler über die Grenze schlich, sondern mit offenem Visier und bewußt all der Schmähungen, die ihn erwarteten, zum Gegner überging.

Aber der schöpferische Mensch untersteht anderem und höherem Gesetz als dem bloß nationalen. Wer ein Werk zu schaffen, wer eine die ganze Menschheit fördernde Entdeckung oder Tat zu vollbringen hat, dessen wahre Heimat ist nicht mehr sein Vaterland, sondern sein Werk. Nur einer einzigen Instanz wird er sich im letzten verantwortlich fühlen, der ihm zugeborenen Aufgabe; viel eher wird es ihm erlaubt sein, die staatlichen, die zeitlichen Interessen zu mißachten als die innere Verpflichtung, die ihm sein besonderes Schicksal und seine besondere Begabung auferlegt. Magellan hat nach Jahren der Treue zu seinem Vaterlande in der Mitte seines Lebens seine Aufgabe erkannt. Da ihm sein Vaterland verweigerte, sie zu verwirklichen, mußte er nun seine Idee zu seinem neuen Vaterlande machen. Entschlossen vernichtet er seinen zeitlichen Namen und seine bürgerliche Ehre, um aufzuerstehen und aufzugehen in seiner Idee und in einer unsterblichen Tat.

 

Die Zeit des Wartens und Geduldens und Planens ist für Magellan vorüber. Im Herbst 1517 wird sein verwegener Entschluß zur Tat. Seinen weniger mutigen Partner Faleiro vorläufig in Portugal zurücklassend, überschreitet Magellan den Rubikon seines Lebens, die spanische Grenze. Am 20. Oktober 1517 langt er mit seinem Sklaven Enrique, der ihn seit Jahren wie ein Schatten begleitet, in Sevilla an. Sevilla ist in diesem Augenblicke zwar nicht Residenz des neuen Königs von Spanien, Carlos I., den wir als Herrn beider Welten Karl V. nennen; der achtzehnjährige Monarch ist eben erst aus Flandern in Santander eingetroffen und auf dem Wege nach Valladolid, wo er von Mitte November an Hof halten will. Aber doch kann Magellan die Wartezeit inzwischen nirgends besser verbringen als in Sevilla. Denn dieser Hafen ist die Schwelle zu dem neuen Indien, von den Ufern des Guadalquivir segeln die meisten Schiffe nach dem Westen, und so groß ist der Zustrom der Kaufleute, der Kapitäne, der Makler und Faktoren, daß der König ein eigenes Handelshaus errichten läßt, die berühmte Casa de la Contratacion, auch Indiahaus, »domus indica«, oder »Casa del Oceano« genannt. In diesem Hause werden alle Akten und Mappen, die Informationen und Berichte aller Seefahrer und Kaufleute gesammelt und aufbewahrt. (Habet rex in ea urbe ad oceana tantum negotia domum erectam ad quam euntes, redeuntesque visitores confluunt.) Das Indiahaus ist zugleich Warenbörse und Schiffahrtsmaklerei und am besten könnte man es eine nautische Handelskammer nennen, eine Auskunfts- und Beratungsstelle, wo sich die Geschäftsleute, welche Expeditionen finanzieren, und anderseits die Kapitäne, die sie führen wollen, unter Aufsicht der Behörde verständigen. Jedenfalls muß, wer eine neue Unternehmung unter spanischer Flagge beabsichtigt, sich zunächst in der Casa de Contratacion vorstellen und dort Erlaubnis oder Unterstützung einholen.

Nichts beweist nun besser die außerordentliche Fähigkeit zur Zurückhaltung, sein besonderes Genie des Schweigenkönnens und Wartenkönnens, als daß Magellan diesen notwendigen Schritt nicht voreilig unternimmt. Niemals Phantast, niemals verschwommener Optimist oder eitler Selbstbelüger, sondern immer genauer Rechner, Psychologe und Realist, hat Magellan seine Chancen im voraus erwogen und zu leicht befunden. Er weiß, daß er die Casa de Contratacion erst betreten darf, wenn ihm zuvor andere Hände die Klinke gelockert. Denn ihn selbst, wer kennt ihn hier? Daß er sieben Jahre im Osten gefahren ist, daß er unter Almeida und Albuquerque gekämpft hat, will nicht viel heißen in einer Stadt, deren Schenken und Tavernen von abgetakelten Aventurados und Desperados wimmeln und wo noch die Kapitäne leben, die unter Columbus gesegelt, unter Cortereal und Cabot. Daß er aus Portugal kommt und sein König nichts mit ihm anzufangen gewußt, daß er Emigrant ist und im strengen Sinn sogar Überläufer, hat gleichfalls wenig Empfehlendes. Nein, die Casa de Contratacion wird ihm, dem Unbekannten, dem Namenlosen, dem Fuoroscito kein Vertrauen schenken; deshalb überschreitet Magellan zunächst überhaupt nicht ihre Schwelle. Er ist erfahren genug, um zu wissen, was in solchem Falle not tut. Erst muß er sich wie jeder Projektemacher und Proponent »Verbindungen« und »Empfehlungen« verschaffen: er muß vorerst Macht oder Geld hinter sich stellen, ehe er mit den Herren der Macht und des Geldes zu verhandeln beginnt.

Eine Verbindung dieser unentbehrlichen Art scheint der lang vorausdenkende Magellan schon von Portugal her angeknüpft zu haben. Jedenfalls wird er sofort herzlich in dem Hause Diego Barbosas empfangen, der gleichfalls seine portugiesische Staatsbürgerschaft seit Jahren abgelegt hat und im spanischen Dienst seit vierzehn Jahren die wichtige Stellung eines Alcalden des Arsenals bekleidet. Hochgeachtet in der ganzen Stadt und Ritter des Ordens von Santiago, stellt er für den frisch Zugereisten einen idealen Bürgen dar. Nach manchen Angaben wären die Barbosas mit den Magellans blutsverwandt gewesen; was aber diese beiden Männer von der ersten Minute an inniger verbindet als irgendeine weitläufige Vetternschaft, ist der Umstand, daß Diego Barbosa schon Jahre und Jahre vor Magellan selbst Indienfahrer gewesen war. Von ihm wiederum hat sein Sohn Duarte Barbosa die Abenteuerlust geerbt. Auch er ist kreuz und quer durch die indischen, persischen und malaiischen Meere gesegelt und hat sogar ein zu jener Zeit sehr geschätztes Reisebuch »O livro de Duarte Barbosa« verfaßt. Diese drei Leute schließen sofort Freundschaft. Denn wenn noch heute Kolonialoffiziere oder Soldaten, die während des Kriegs am gleichen Frontabschnitt gekämpft haben, lebenslang eine geschlossene Gilde bilden, in wieviel höherem Maße mußten die paar Dutzend Seeveteranen, die durch ein Wunder von all diesen mörderischen Fahrten und Fährlichkeiten lebendig heimgekehrt waren, zu jener Zeit sich verbunden fühlen! Barbosa fordert Magellan gastfreundlichst auf, in seinem Hause zu wohnen; es dauert nicht lang, und seine Tochter Barbara hat an diesem siebenunddreißigjährigen energischen und imponierenden Manne Gefallen gefunden. Noch vor Jahresende wird Magellan sich Schwiegersohn des Alcalden nennen dürfen, und damit hat er in Sevilla Anker und Halt. Der in Portugal Ausgebürgerte hat sich in Spanien eingebürgert. Von nun ab gilt er nicht als Hergelaufener mehr, sondern als »vecino de Sevilla«, als heimisch in Sevilla. Wohl akkreditiert durch seine Freundschaft und bevorstehende Verwandtschaft mit Barbosa, gedeckt durch die Mitgift seiner Frau, die 600 000 Maravedis beträgt, kann er ohne Bedenken die Schwelle der Casa de Contratacion überschreiten.

Über die Besprechungen, die er dort gehabt hat, und die Aufnahme, die er gefunden, fehlt jedweder verläßliche Bericht. Wir wissen nicht, wieviel von seinem Projekt Magellan, der durch seinen Eid an Ruy Faleiro gebunden war, jener Kommission unterbreitete, und wahrscheinlich ist es bloß aus plumper Analogie zu Columbus erfunden, daß die Kommission seine Vorschläge schroff abgelehnt oder gar verlacht habe. Gewiß bleibt nur, daß die Casa de Contratacion nicht auf eigene Verantwortung und Gefahr sich in das Unternehmen dieses Unbekannten einlassen wollte oder konnte. Fachleute müssen gewerbsmäßig mißtrauisch gegen alles Außerordentliche sein, und so ist auch diesmal eine der entscheidenden Leistungen der Geschichte nicht dank der Unterstützung der zuständigen Ämter, sondern ohne sie und gegen sie entstanden.

 

Das Indiahaus, die wichtigste Instanz, hat Magellan keinen Beistand gewährt. Gleich die erste Türe von den unzähligen, die in das Audienzzimmer des Königs führen, hat sich nicht aufgetan. Es muß ein dunkler Tag gewesen sein für Magellan. Vergeblich die Reise, vergeblich die Empfehlungen, vergebens die Berechnungen, die er vorgelegt, vergebens die Beredsamkeit, die Leidenschaft, die ihn wahrscheinlich gegen seinen innersten Willen überwältigt: alle seine Argumente haben die drei Männer, die drei Fachleute der Kommission nicht bestimmen können, sich vertrauensvoll mit seinem Projekt zu befassen.

Aber oft im Kriege glaubt sich ein Feldherr besiegt, schon rüstet er zum Rückzug, schon bereitet er sich, das Schlachtfeld zu räumen, da kommt, mit Engelsmund redend, ein Bote und meldet, der Feind habe sich zurückgezogen und die Walstatt und damit den Sieg ihm überlassen. Eine Minute dann, eine einzige, und die Waagschale schnellt auf von düsterer Tiefe zur Höhe der Beglückung. Eine solche Minute erlebt Magellan jetzt zum erstenmal, da er unvermuteterweise die Meldung empfängt, eines der drei Mitglieder der Kommission, die gemeinsam – wie er meinte: mürrisch und ablehnend – sein Projekt angehört, sei persönlich von seinem Plane ungemein beeindruckt gewesen. Juan de Aranda, der »Factor«, der Geschäftsführer der Casa de Contratacion, wünsche sehr, von diesem hochinteressanten und, wie er glaube, auch aussichtsreichen Plane privatim mehr zu hören: Magellan möge sich mit ihm in Verbindung setzen.

Was dem beglückten Magellan als eine Himmelsfügung erscheint, ist in Wahrheit eine sehr irdische Angelegenheit. Juan de Aranda geht es wie all den Kaisern und Königen, Kapitänen und Kaufleuten seiner Zeit keineswegs (wie die Geschichtsbücher unserer Jugend dies so rührend darstellten) um die Entdeckung der Erde, um die Beglückung der Menschheit. Nicht Edelsinn oder reine Begeisterung machen Aranda zum Protektor dieses Plans, sondern der Faktor der Casa de Contratacion wittert als gewerbsmäßiger Geschäftsmann in dem Vorschlag Magellans irgendein gutes Geschäft. Etwas muß diesem gewiegten Kenner imponiert haben, sei es die klare Beweisführung, sei es das männliche, sichere Auftreten dieses unbekannten portugiesischen Kapitäns, sei es die fühlbare innere Überzeugtheit: jedenfalls, er spürt, vielleicht mit seinem Verstand, vielleicht mit dem bloßen Instinkt hinter der Größe des Plans die mögliche Großartigkeit des Geschäfts. Daß er innerhalb seiner offiziellen Stellung als königlicher Beamter den Vorschlag Magellans als unrentabel für die Krone abgelehnt hat, hindert also Aranda nicht, das Geschäft als Privatmann »in sich« zu machen, wie man im Kaufmannsjargon sagt, es zu finanzieren oder bei der Finanzierung zum mindesten eine Vermittlerprovision herauszuholen. Sehr honorig, sehr korrekt kann man diese Handlungsweise, als Kronbeamter, als Hofbeamter ein Projekt abzulehnen und es als Privatmann unter der Hand weiterzuverfolgen, allerdings nicht nennen; tatsächlich hat auch die Casa de Contratacion später Juan de Aranda um seiner finanziellen Beteiligung willen einen Prozeß gemacht.

Magellan aber handelte wie ein gebrannter Narr, wollte er für seine Person moralische Bedenken einschalten. Er muß jetzt vor seine Sache spannen, was immer den Karren vorwärtszieht, und in dieser seiner kritischen Lage vertraut er Juan de Aranda wahrscheinlich mehr von dem gemeinsamen »Geheimnis« an, als er gemäß seinem Ruy Faleiro gegebenen Wort verraten dürfte. Zu seiner Freude zeigt sich Aranda für die Idee vollkommen gewonnen. Freilich, ehe er Geld und seinen Einfluß in dies riskante Geschäft mit einem völlig Unbekannten investiert, tut er, was jeder geschulte Finanzmann in gleicher Lage auch heute noch täte: er holt zuerst Auskunft in Portugal über Magellans und Faleiros Glaubwürdigkeit ein. Die Vertrauensperson, an die er sich im geheimen wendet, ist niemand anderer als Christopher de Haro, der jene ersten Expeditionen nach dem Süden Brasiliens seinerzeit finanziert hat und die ausgebreitetste Sach- und Personalkenntnis besitzt. Seine Auskunft fällt – abermaliger Glücksfall! – vortrefflich aus: Magellan sei ein erfahrener, erprobter Seemann, Faleiro gelte als Kosmograph von Rang.

Damit ist die letzte Klippe umschifft. Von dieser Stunde an ist der Geschäftsführer des Indienhauses, dessen Wort in nautischen Dingen bei Hof als ausschlaggebend gilt, entschlossen, die Geschäfte Magellans und damit seine eigenen zu führen. Die ursprüngliche Partnerschaft Magellan und Faleiro ist um einen dritten Teilhaber erweitert; bei diesem Trifolium bringt Magellan seine praktische Erfahrung, Faleiro die theoretischen Kenntnisse und Juan de Aranda seine Beziehungen als Grundkapital ein. Von dem Augenblick an, da die Idee Magellans mit sein eigenes Geschäft geworden ist, versäumt Aranda keine Möglichkeit mehr. Ohne zu zögern, schreibt er einen längeren Brief an den Staatskanzler von Kastilien, in dem er die Wichtigkeit der Unternehmung klarlegt und Magellan als einen Mann empfiehlt, »der Seiner Hoheit große Dienste leisten könne«. Er verständigt weiter die einzelnen Staatsräte und sichert Magellan damit die Audienz. Und mehr sogar noch: der eifrige Makler erklärt sich nicht nur bereit, Magellan persönlich nach Valladolid zu begleiten, sondern streckt aus seinem eigenen Gelde ihm die Unkosten der Reise und des Aufenthalts vor. Über Nacht hat sich der Wind gewendet. Magellan sieht seine kühnsten Hoffnungen übertroffen. Innerhalb eines Monats hat er in Spanien mehr erreicht als in seiner Heimat während zehn Jahren aufopfernden Dienstes. Und nun, da die Türen in den königlichen Palast schon offen stehen, schreibt er an Faleiro, er solle unbesorgt und eiligst nach Sevilla kommen: alles ginge vortrefflich.

 

Mit Begeisterung, möchte man meinen, wird der wackere Astrologus den überraschenden Fortschritt der Verhandlungen begrüßen und dankbar seinen Partner umarmen. Aber in Magellans Leben – die Zukunft wird ständig in sinnvoller Folge diesen Rhythmus einhalten – gibt es keinen hellen Tag ohne Gewitter. Schon daß er durch die erfolgreiche Initiative Magellans in das Hintertreffen geraten war, scheint Ruy Faleiros schwierigen, cholerischen und empfindlichen Charakter erbittert zu haben. Fürchterlich aber bricht die Empörung des in irdischen Dingen höchst unkundigen Sterndeuters erst aus, da er erfährt, daß Aranda nicht aus reiner Menschenliebe die Einführung bei Hofe übernommen hat, sondern eine bare Beteiligung an dem zukünftigen Gewinn beansprucht.

Es kommt zu heftigen Szenen. Faleiro beschuldigt Magellan, sein Wort gebrochen und das »Geheimnis« ohne sein Einverständnis einem Dritten verraten zu haben. In hysterischem Zorn weigert er sich, gemeinsam mit Aranda die Reise an den Hof von Valladolid zu machen, obwohl Aranda ihnen die Kosten bereits vorgestreckt hat. Schon ist durch Faleiros dummen Trotz das Unternehmen ernstlich bedroht, da erhält plötzlich Aranda die Glücksbotschaft vom Hofe, die Audienz beim Könige sei bewilligt. Erregt beginnt ein zweitägiges Handeln oder vielmehr Hin- und Herhandeln um die Provision, und erst im letzten Augenblick, knapp vor den Toren von Valladolid, werden die drei Partner glücklich einig. Des Bären Haut wird, ehe die eigentliche Jagd begonnen, redlich verteilt, Aranda für seine Maklertätigkeit ein Achtel zugestanden, und mit diesem Achtel an dem zukünftigen Gewinn (von dem Aranda ebensowenig wie Magellan und Faleiro jemals einen Groschen sehen wird) sind die Dienste dieses klugen und energischen Mannes wahrhaft nicht überzahlt. Er kennt die Situation und weiß sie zu meistern: vor dem König selbst, der noch unerfahren vor seiner ungeheuren Macht steht, muß der Kronrat des Königs gewonnen werden.

In diesem Kronrat scheint es zunächst schlimm zu stehen für Magellans Plan. Denn von seinen vier Teilnehmern sind drei, der Kardinal Adrien von Utrecht, der Freund des Erasmus und zukünftige Papst, ferner der alte Erzieher des Monarchen Guillaume de Croix und der Staatskanzler Sauvage Niederländer; ihr Blick ist mehr auf Deutschland gerichtet, wo der spanische König Carlos demnächst die Kaiserkrone empfangen und Habsburg zum Herrn der Welt machen soll. Für diese feudalen Aristokraten oder bücherfreundlichen Humanisten liegt ein überseeisches Projekt, dessen möglicher Vorteil ausschließlich zugunsten Spaniens sich auswirken könnte, weitab vom Wege. Der einzige Spanier wiederum im Kronrat und zugleich der einzige Mann, der in Dingen der Seefahrt als Protektor der Casa de Contratacion unbedingte Fachkenntnisse besitzt, ist verhängnisvollerweise der berühmte oder berüchtigte Kardinal Fonseca, der Bischof von Burgos. Redlich muß Magellan erschrocken sein, da Aranda ihm zum erstenmal Fonsecas Namen nennt, denn jeder Seefahrer weiß, daß Columbus zeitlebens keinen erbitterteren Gegner hatte als diesen realistischen und merkantilen Kardinal, der mit schärfstem Mißtrauen jedem phantastischen Plane gegenübersteht. Aber Magellan hat nichts zu verlieren, er hat nur zu gewinnen: entschlossenen Herzens und erhobenen Haupts tritt er vor den versammelten Kronrat, seinen Gedanken zu verteidigen und seine Sendung zu erzwingen. Was in jener entscheidenden Sitzung vorgegangen, darüber haben wir verschiedene und um dieser Verschiedenheit willen unverläßliche Berichte. Gewiß ist nur, daß irgend etwas in der Haltung und in der Darstellung dieses sehnigen und sonnverbrannten Mannes vom ersten Augenblick an Eindruck gemacht haben muß. Die Räte des Königs sehen sofort: dieser portugiesische Kapitän ist keiner jener Windmacher und Phantasten, wie sie scharenweise seit dem Erfolg des Columbus den spanischen Hof mit Projekten überlaufen. Dieser Mann ist tatsächlich so weit nach Osten gelangt wie kaum ein anderer, und wenn er von den Gewürzinseln erzählt, von ihrer geographischen Lage, von ihren klimatischen Bedingungen und ihrem unermeßlichen Reichtum, erweisen sich seine Nachrichten dank der Bekanntschaft mit Varthema und der Freundschaft mit Serrão verläßlicher als die aller spanischen Archive. Aber noch hat Magellan die entscheidenden Trümpfe nicht ausgespielt. Mit einem Wink befiehlt er seinem Sklaven Enrique vorzutreten, den er sich aus Malacca mitgebracht. Mit merklicher Verwunderung blicken die Ratgeber des Königs auf den feingliedrigen, schlanken Malaien: einen Mann dieser Rasse haben sie bislang niemals gesehen. Angeblich holt Magellan auch noch eine Sklavin aus Sumatra heran, und sie spricht und zwitschert in unverständlicher Sprache, als ob plötzlich ein buntfarbener Kolibri in den königlichen Audienzsaal geflattert wäre. Schließlich liest Magellan als gewichtigstes Zeugnis noch aus den Briefen seines Freundes Francisco Serrão, des neuen Großwesirs von Ternate, vor, daß hier »ein Land sei, größer und reicher als die Welt, die Vasco da Gama entdeckt«.

Nun erst, nachdem er das Interesse der hohen Herrschaften erweckt, beginnt Magellan mit seinen Folgerungen und Forderungen. Wie er selber dargetan habe, lägen die kostbaren Gewürzinseln, deren Reichtum gar nicht zu berechnen sei, derart östlich von Indien, daß es überflüssiger Umweg wäre, sie wie die Portugiesen von Osten her erreichen zu wollen, indem man zuerst Afrika umfahre, dann den ganzen indischen Meerbusen, dann noch die Sundasee. Viel sicherer sei die Fahrt von Westen her, und dies sei ja auch die Richtung, welche der Allerheiligste Vater den Spaniern zugewiesen. Zwar liege da auf dem Wege quer wie ein Sperrbalken der neuentdeckte Kontinent Amerika, von dem fälschlich behauptet werde, er sei im Süden nicht umfahrbar. Aber er, Magellan, habe gewisse Nachricht, daß ein Durchlaß, ein »paso«, ein »estrecho« dort vorhanden sei, und er mache sich anheischig, dieses sein und Ruy Faleiros Geheimnis in den Dienst der spanischen Krone zu stellen, falls man ihm eine Flotte zur Verfügung stellen wolle. Nur auf seinem Wege könne Spanien den Portugiesen noch zuvorkommen, die schon ungeduldig die Hände ausstreckten nach dieser Schatzkammer der Erde, und – Verbeugung vor dem schmächtigen, blassen jungen Mann mit der vorspringenden Habsburger Unterlippe – Seine Majestät, der König, nun schon einer der mächtigsten Monarchen der Zeit, würde durch deren Besitz zugleich auch zum reichsten Fürsten der Erde werden.

Aber vielleicht – schaltet Magellan nun ein – hätte Seine Majestät Bedenken, mit einer Expedition nach den Molukken in die Sphäre einzugreifen, die Seine Heiligkeit der Papst bei der Teilung der Erde den Portugiesen zugewiesen. Diese Besorgnis erübrige sich. Dank seiner genauen Kenntnis des Standorts und den Berechnungen Ruy Faleiros könne er, Magellan, erweisen und beweisen, daß diese Schatzinseln unbezweifelbar innerhalb jener Zone gelegen seien, die Seine Heiligkeit der Papst Spanien zugesprochen; es sei darum ein Fehler von Spanien, trotz seinem zweifellosen Vorrecht so lange zu warten, bis die Portugiesen auf diesem königlich spanischen Hoheitsgebiet sich festgesetzt hätten.

Magellan hält inne. Nun, da der Vortrag sich vom Praktischen ins Theoretische wendet, da an Hand von Meridianen und Karten zu beweisen ist, daß die islas de la especeria spanisches Kroneigentum sind, tritt Magellan zur Seite und überläßt seinem Partner Ruy Faleiro die kosmographische Argumentierung. Ruy Faleiro schleppt einen großen Globus heran; deutlich kann man an Hand seiner Demonstrierung feststellen, daß sich die Gewürzinseln auf der andern Hemisphäre jenseits der päpstlichen Trennungslinie und somit im spanischen Hoheitsgebiet befinden, und mit dem Finger zeichnet er gleichzeitig nach, welchen Kurs Magellan und er zu nehmen beabsichtigten. Zwar werden sich später all diese Längen- und Breitenberechnungen Ruy Faleiros als völlig phantastisch erweisen, denn nicht annähernd ahnt dieser Stubengeograph die Weite des noch unentdeckten und undurchfahrenen Pazifischen Ozeans. Zwanzig Jahre später wird man überdies auch feststellen, daß alle seine Folgerungen falsch, daß die Gewürzinseln doch nicht im spanischen, sondern im portugiesischen Hoheitsgebiet gelegen waren. Alles, was der erregte Astronom mit vielen Gestikulationen vorbringt, ist völlig danebengerechnet. Aber alle Menschen aller Stände glauben immer gerne, was ihnen Vorteil bringt. Und da dieser hochgelehrte Kosmograph erklärt, die Gewürzinseln gehörten zu Spanien, so haben die Räte des spanischen Königs keinerlei Interesse, seiner erfreulichen Auslegung zu widersprechen. Freilich, als dann einige von ihnen, neugierig geworden, auf dem Globus jene Stelle sehen wollen, wo sich die vielgesuchte Durchfahrt durch Amerika, der »paso«, der »estrecho«, die künftige Magellanstraße befinden soll, da finden sie nichts eingezeichnet, und Faleiro erklärt, mit Absicht habe er die Stelle der Durchfahrt nicht vermerkt, damit bis zur letzten Stunde dies große Geheimnis nicht verraten werden könne.

Der Kaiser und seine Räte haben zugehört, vielleicht gleichgültig, vielleicht bereits interessiert. Doch nun geschieht das Unerwartetste. Nicht die Humanisten, die Gelehrten begeistern sich für diese Fahrt um die Welt, die endgültig den Umfang der Erde feststellen und alle bisherigen Atlanten zuschanden machen soll, sondern gerade der von allen Seefahrern so gefürchtete Skeptiker Fonseca, der Bischof von Burgos, erklärt sich für Magellan. Vielleicht ist er sich im geheimen bewußt seiner welthistorischen Schuld, einen Columbus verfolgt zu haben, und will nicht ein zweites Mal als Feind jedes großen Gedankens verlästert werden, vielleicht überzeugen ihn auch die langen privaten Gespräche, die er Magellan gewährt; jedenfalls dringt infolge seines Zuspruchs der Beschluß durch. Im Prinzip wird das Projekt genehmigt, und Magellan und Faleiro erhalten die amtliche Aufforderung, ihre Forderungen und Vorschläge schriftlich dem Rat Seiner Majestät zu unterbreiten.

 

Mit dieser Audienz ist eigentlich schon alles gewonnen. Aber wer hat, dem wird gegeben, und wenn einer das Glück einmal an sich herangepfiffen, so läuft es ihm gehorsam nach. Mehr schon haben diese knappen Wochen Magellan geschenkt als sonst Jahre und Jahre. Er hat eine Frau gefunden, die ihn liebt, Freunde, die ihm beistehen, Förderer, die seine Idee zu der ihren machen, einen König, der ihm vertraut: nun fällt ihm bei dem erregenden Spiel noch ein entscheidender Trumpf in die Hand. Unvermutet erscheint in diesen Tagen in Sevilla der berühmte Reeder Christopher de Haro, jener reiche flandrische Großspekulant, der mit dem ganzen internationalen Großkapital der Zeit, den Welsers, den Fuggers, den Venezianern Hand in Hand arbeitet und der auf seine eigenen Kosten schon eine ganze Reihe Expeditionen ausgerüstet hat. Bisher hatte er in Lissabon seine Hauptniederlassung gehabt. Aber auch ihn hat König Manoel durch Geiz und Undank erbittert; darum kommt alles, was König Manoel verärgern kann, ihm ausgezeichnet zupaß. Er kennt Magellan, er hat zu ihm Vertrauen, und da er überdies vom geschäftlichen Standpunkt das Unternehmen für aussichtsreich hält, sichert er ihm bindend seine Bereitschaft zu, falls der spanische Hof und die Casa de Contratacion das nötige Geld nicht selbst investieren wollten, die von Magellan erbetene Flotte gemeinsam mit seinen Geschäftsfreunden zu finanzieren.

Karte von Südamerika.
Kupferstich aus Bry's Reisewerk (1624).

Dank diesem unerwarteten Angebot hat Magellan mit einmal zwei Eisen im Feuer. Als er an die Tür der Casa de Contratacion klopfte, war er noch bittstellend gekommen, man möge ihm eine Flotte anvertrauen, und noch nach der Audienz sucht man an seinen Ansprüchen zu mäkeln und seine Forderungen herabzudrücken. Jetzt aber, mit Christopher de Haros Angebot in der Tasche, kann Magellan als Kapitalist, als Anbietender auftreten. Wenn der Hof das Risiko nicht übernehmen wolle, gefährde das keineswegs mehr seine Pläne, kann er stolz erklären, denn er benötige kein Geld mehr und erbitte nichts als die Ehre, unter spanischer Flagge fahren zu dürfen, für welche Ehre er großzügig der spanischen Krone ein Fünftel des Gewinns abliefern wolle.

Dieser neue Vorschlag, der dem spanischen Hofe jedwedes Risiko abnimmt, ist dermaßen günstig, daß paradoxerweise oder vielmehr in richtiger Argumentierung der Kronrat beschließt, ihn nicht anzunehmen. Denn wenn – so kalkuliert der spanische Kronrat – ein so ausgepichter Kommerzmann wie Christopher de Haro sein Geld in eine Unternehmung stecken will, dann muß sie eine besonders einträgliche sein. Besser darum, das Projekt aus dem königlichen Schatz zu finanzieren und sich damit den Hauptgewinn und überdies den Ruhm zu sichern. Nach kurzem Feilschen werden alle Forderungen Magellans und Ruy Faleiros angenommen; mit einer Eile, die im offenen Gegensatz zu dem Tempo spanischer Staatskanzleien steht, durchjagt jetzt die Angelegenheit alle Instanzen. Und am 22. März 1518 unterschreibt Karl V. im Namen seiner (wahnsinnigen) Mutter Juana und mit dem eigenhändigen feierlichen »Yo el Rey« die »Capitulacion«, den bindenden und gültigen Vertrag mit Magellan und Ruy Faleiro.

 

»Da Ihr« – so beginnt dieses weitschweifige Dokument – »Hernando de Magallanes, ein Ritter, im Königtum Portugal gebürtig, und der Aldermann (bachelor) Ruy Faleiro, gleichfalls aus diesem Königreich, Uns einen großen Dienst zu erweisen beabsichtigt innerhalb der Grenzen, welche Uns in dem Uns zugemessenen Teil des Ozeans gehören, ordnen Wir an, daß die folgende Vereinbarung mit Euch zu diesem Zwecke getätigt werde.«

Nun folgt eine Reihe von einzelnen Klauseln. Die erste gewährt Magellan und Faleiro das Vorrecht und Alleinrecht in jenen unbekannten Meeren. »Ihr habt«, heißt es wörtlich im gewundenen Stil der Hofkanzlei, »mit gutem Glück zu gehen, um jenen Teil des Ozeans innerhalb Unserer zugemessenen Grenzen zu entdecken, und weil es nicht rechtens wäre, daß, während Ihr dorthin gehet, andere gleichzeitig Euch schädigen, indem sie dasselbe tun, da Ihr doch die Mühe dieser Unternehmung auf Euch genommen habt, ist es Meine Gunst und Mein Wille und Ich verspreche es, daß für die ersten zehn folgenden Jahre Wir niemandem Erlaubnis geben wollen, auf demselben Weg und Route zu gehen, um Entdeckungen zu machen, welche Ihr geplant habt. Falls aber jemand wünschen sollte, derlei Reisen zu unternehmen und Unsere Erlaubnis dafür erbitten, wollen Wir, ehe Wir diese Erlaubnis geben, Euch davon verständigen, damit Ihr innerhalb der gleichen Zeit mit der gleichen Ausrüstung und ebenso vielen Schiffen wie die andern, die eine solche Entdeckung beabsichtigen, selbst sie unternehmen könnt.« In den nachfolgenden Finanzartikeln wird Magellan und Faleiro »in Anbetracht ihres guten Willens und ihrer geleisteten Dienste« ein Zwanzigstel aller Einkünfte zugesprochen, die aus den von ihnen aufgefundenen Ländern gezogen werden, sowie ein Sonderrecht auf zwei Inseln, falls ihnen mehr als sechs neue zu entdecken gelinge. Außerdem wird ihnen wie im Columbus-Vertrag der Titel eines Adelantados oder Gouverneurs aller jener Länder und Inseln für sie selbst und ihre Söhne und Erben verliehen. Daß ein königlicher Faktor (veedor), ein Schatzmeister (tesorero), ein Zahlmeister (contador) den Schiffen zur Kontrolle der Verrechnung beigegeben werden, soll die Aktionsfreiheit der Kapitäne keineswegs einschränken. Ausdrücklich verpflichtet sich überdies der König, fünf Schiffe von bestimmtem Tonnenmaß auszurüsten und sie mit Mannschaft, Lebensmitteln und Artillerie für zwei Jahre zu versehen; und mit den feierlichen Worten schließt dieses welthistorische Dokument: »In bezug auf all dies verspreche Ich und verbürge Ich Meine Ehre und Mein königliches Wort, daß Ich anordnen will, es solle in allem und jedem genau so eingehalten werden, wie es in obigem dargelegt ist, und dieszwecks habe Ich befohlen, daß diese vorliegende Capitulacion ausgestellt werde und mit Meinem Namen unterzeichnet.«

Aber nicht genug an dem. Ausdrücklich wird noch festgelegt, daß alle Ämter und Angestellten Spaniens, vom obersten bis zum geringsten, von dieser Vereinbarung verständigt werden sollten, damit sie Magellan und Faleiro in allem und jedem (en todo é por todo, para agora é para siempre) Förderung zukommen lassen sollten, und zwar wird dieser Befehl übermittelt »al Ilustrisimo Infante D. Fernando, é á los Infantes, Prelados, Duques, Condes, Marqueses, Ricos-homes, Maestres de las Ordenes, Comendadores é Subcomendadores, ... Alcaldes, Alguaciles de la nuestra Casa é Corte é Chancillerías, é á todos los Concejos, é Gobernadores, Corregidores é Asistentes, Alcaldes, Alguaciles, Meriones, Prebostes, Regidores é otras cualesquier justicias é oficiales de todas las ciudades, villas é logares de los nuestros Reinos é Senorios«, also allen Ständen und Ämtern und Personen vom Erbprinzen bis zum letzten Soldaten. Klar und deutlich ist verkündet, daß von dieser Stunde an eigentlich das ganze spanische Reich in den Dienst zweier unbekannter portugiesischer Emigranten gestellt ist.

 

Mehr konnte Magellan in seinen kühnsten Träumen nicht erwarten. Aber noch ein Wunderbareres und Wichtigeres geschieht: Karl V., gerade in diesen jugendlichen Jahren sonst eher von zögerndem und verhaltenem Temperament, erweist sich persönlich als der ungeduldigste und leidenschaftlichste Anwalt dieser neuen Argonautenfahrt. Etwas in der männlichen festen Art Magellans oder in der Kühnheit der Unternehmung muß den jungen Monarchen ungewöhnlich passioniert haben. Denn er selbst drängt von allen am meisten auf Rüstung und Ausfahrt. Woche für Woche läßt er sich Bericht über die Fortschritte erstatten, und wo immer sich ein Widerstand zeigt, braucht Magellan nur an ihn sich zu wenden, und sofort bricht ein Brief des Königs jeden Gegenwillen: fast das einzige Mal im Lauf seiner langen Regierung hat mit unverbrüchlicher Treue dieser sonst schwankende und beeinflußbare Kaiser einem großen Gedanken gedient. Einen solchen Kaiser und König als Helfer, ein ganzes Land zu seiner Verfügung – wunderlich muß Magellan selbst dieser traumhafte Aufstieg erschienen sein, der ihn, den Heimatlosen, den Stellungslosen, den Verschmähten und Verachteten, über Nacht zum Generalkapitän einer Flotte macht, zum Ritter des Ordens von Santiago, zum zukünftigen Gouverneur aller neuen Inseln und Länder, zum Herrn über Leben und Tod, Herrn einer ganzen Armada und Herrn vor allem – endlich und zum erstenmal – seines eigenen Weges.

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