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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 9
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Siebente Predigt

Kaudel hat sich unterstanden Beschwerde über sein Mittagessen, Hammelfleisch ohne Pudding, zu führen, und Madame Kaudel vertheidigt das Hammelfleisch.

So? – also weiter Nichts? jetzt bin ich nur neugierig was nun kommt. Also gegen Alles hat der große Herr etwas einzuwenden? gar nichts sagt ihm mehr zu? Du solltest Dir doch lieber jemand Anderes zum Haushalten hernehmen, denn es scheint als ob ich der Sache nicht mehr gewachsen wäre; ich bin blos im Wege hier, ich möchte lieber die Kinder nehmen und fortgehen.

Was ich jetzt zu toben habe? und das fragst Du auch noch? ich wollte doch wahrhaftig lieber nicht auf der Welt sein, als – da geht's schon wieder los, nicht wahr? Nein, Kaudel, ich will reden; es geschieht selten genug, daß ich den Mund aufthue, der Himmel ist mein Zeuge, aber jetzt muß ich reden. Das weiß ich wohl, daß Du Niemanden anders hören willst, als nur immer Dich selbst, Du hättest aber lieber sollen eine Schwarze, eine Sclavin heirathen, als eine ordentliche, respectable Frau.

Im Hause willst Du den ganzen Tag herumtoben und Gesichter schneiden, und ich soll kein Wort dazu sagen? nicht wahr? Wo soll denn der Pudding jeden Mittag herkommen, heh? und was für ein Beispiel giebst Du dabei Deinen leiblichen Kindern, wenn die hören, daß sich ihr Vater, der doch alt genug ist um vernünftig sein zu können, über ein süßes, herrliches Stück Hammelfleisch beklagt und die Nase rümpft, weil er keinen Pudding bekommt. Das ist die beste Art, Verschwender aus ihnen zu ziehen; hübsche Lehren durch die Welt zu kommen. Weißt Du denn was Puddings kosten, oder glaubst Du, sie kommen zum Fenster hereingeflogen?

Du magst kein kaltes Hammelfleisch? so viel schlimmer denn, Kaudel; schämen solltest Du Dich, Du hast einen Magen für einen Grafen oder Prinzen, das ist, was Du hast.

Ragout hätt' ich daraus machen sollen? nein, Kaudel, ich wollte kein Ragout; Du kannst Dich da wohl in's Bett legen und Ragout bestellen, ich weiß aber was man in Hammelfleisch verliert, wenn's gehackt wird, eine Mittagsmahlzeit wenigstens.

O ja – andere Leute haben Pudding mit Hammelfleisch, sicher, andere Leute können das auch, und andere Leute machen auch Bankerott; wenn Du aber jemals auf die schwarze Liste kommst, Kaudel, soll es wenigstens nicht meine Schuld sein; ich thue meine Pflicht als Frau, und Du sollst nie sagen können, daß meine Haushaltung Dich an den Bettelstab gebracht hätte. – Du magst jetzt über kaltes Fleisch schimpfen, ich will aber nur zu Gott hoffen, daß Du den Tag nie erleben mögest, wo Du Dich nach so einem Stück Hammelfleisch sehnst, wie wir heute gehabt haben. –

Du auch? das magst Du auch, und wenn Du zehnmal drohst in ein Wirthshaus gehn und dort essen zu wollen, so kann ich Dir doch nicht helfen. Mit unseren jetzigen Mitteln bekommst Du von mir kein Stück Pudding zu sehen, keine Krume, und nichts anders als das kalte Hammelfleisch; so wahr ich eine arme christliche Sünderin bin; jetzt weißt Du's.

Aha – nun wirfst Du mir wieder die Hühner vor – ich weiß wohl, daß Du mir einmal ein Paar mit nach Hause gebracht hast; ich weiß es, und Du warst nachher knickerig genug sie mir von meinem Wochengelde abziehen zu wollen; o die Erbärmlichkeit – die Eigennützigkeit der Männer! – Aus dem Hause gehn sie und werfen das Geld nicht groschenweis, nein thalerweis auf die Straße und vergeuden es an Leute, von denen sie hinterdrein nur noch ausgelacht werden, aber wenn sie etwas für ihren eigenen Hausstand anschaffen sollen, dann können ihre armen Weiber sehen wie und auf welche Art sie's bekommen. Es wundert mich wirklich, daß Du Dich nicht schämst die Hühner noch einmal in den Mund zu nehmen; ich wenigstens, möchte mich um Alles in der Welt nicht so in den Augen einer Frau herabsetzen.

Was willst Du thun? aufstehen? höre, Kaudel, mache Dich nicht lächerlich; ich kann den Mund nicht aufthun und, wie andere Frauen, eine Meinung äußern, ohne daß Du gleich oben hinausfährst und mit Aufstehen drohst. Du schämst Dich gar nicht.

Puddings – Puddings – ja – weiter fehlte Nichts, als immer nur Puddings. Hast Du nicht vor drei Wochen gekochten Reis gehabt? und ist dies denn überdies die Zeit für Puddinge? Das wäre auch noch Alles recht gut, wenn ich Geld genug bekäme eine Wirthschaft ordentlich zu führen. O ja, dann könnt' ich auch Eingemachtes haben, aber so – nein Kaudel, es ist schändlich, schmutzig von Dir, daß Du nur so etwas verlangst.

Aepfel sind nicht so theuer? So? was Du nicht von Aepfeln weißt; ich kenne die Preise, Kaudel, ich kenne sie, ohne daß Du Deinen gewichtigen Senf dazu giebst; ich sollte aber denken, es gehörte mehr zu einem Pudding als blos Aepfel; Zucker kostet doch auch etwas, he? oder bekommst Du den zu, wenn Du Aepfel kaufst? So ist es aber, so kommt eine Ausgabe nach der anderen und auf die Art ruiniren sich die Leute.

Pfannkuchen? warum wälzt Du Dich denn im Bett herum und brummst »Pfannkuchen«? bekömmst Du nicht jede Fastnacht Pfannkuchen, und kann irgend ein mäßiger, anständiger Mann mehr verlangen?

Pfannkuchen – ja wohl – weiter fehlte gar Nichts; ach – bemüh' Dich nicht mir gute Worte zu geben, daß ich Dich schlafen lasse; es geschieht nicht. Sag' einmal, weißt Du wohl zufällig was jetzt die Eier kosten? keins ist zu bekommen, dem Du unter fünf bis sechs Pfennig das Stück trauen dürftest; so, nun brauchst Du nur nachzurechnen wie viele Eier – o – liege nicht da und verwünsche mit so gotteslästerlichen Worten die liebe Himmelsgabe, die Eier, Kaudel, die Haut schaudert Einem ja vom bloßen Zuhören. Und Du nennst Dich einen achtbaren Kaufmann? o, ich wollte nur, die Welt kennte Dich wie ich Dich kenne; verfluchst Eier; aber Kaudel, ich will Dir nur sagen daß ich mir diese Behandlung nicht länger gefallen lasse. Ich bin es müde so behandelt zu werden, und es ist mir jetzt einerlei, wie bald der Sache ein Ende gemacht wird.

Ich weiß doch gewiß daß ich weiter Nichts thue als mich plage und quäle und das ist mein Lohn nachher. Die Frau möcht' ich sehen, deren Hammelskeulen länger ausreichen als die meinigen. So ist es aber, wenn ich Dein Geld aus dem Fenster würfe, oder Putz und Flitterwerk dafür anschaffte, dann würdest Du Dir mehr aus mir machen. Die Frau, die sich mit ihrem Mann und ihren Kindern aber quält, wird immer nur als Magd behandelt, die leichten Hei-di-del-di-Weiber haben allein die beste Zeit von allen.

Was liegst Du jetzt da und stöhnst? deßwegen hör' ich doch nicht auf, das solltest Du wenigstens wissen; oder denkst Du Deinen Willen allein durchzusetzen? Nein, Kaudel, daraus wird Nichts, das kann ich Dich versichern. Du glaubst auch wohl, Du kannst auf mein Essen schimpfen und das Hammelfleisch ansehen als ob Du es verschlingen wolltest.

Du wolltest es gar nicht verschlingen? das weiß ich wohl, und so viel schlimmer ist es; brauchst mir das auch gar nicht noch einmal vorzuwerfen; es ist ein gutes, gesundes Stück Fleisch, Kaudel, und tausende leben, tausend bessere Männer als Du Einer bist, Kaudel, die dem Himmel für eben solches Hammelfleisch danken würden. Ich soll dann immer kein Wort sagen und ruhig zusehen, aber nein, Kaudel, da hast Du die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Ich will reden, und will Dir sagen, Kaudel, daß die Art in der Du mich behandelst, schändlich, abscheulich und eines Mannes unwürdig ist. Ich wollte auch nur, die Stadt wüßte was Du für ein Mann bist. Sie soll es aber hoffentlich eines Tages erfahren.

Pudding – o ja – ich werde wohl jetzt weiter Nichts zu hören bekommen als Pudding, und immer wieder Pudding; ich weiß auch recht gut, wie das nachher weiter ginge. Zuerst möchtest Du alle acht Tage einen Pudding, oh ich kenne Deine Verschwendung; und dann Fisch – und dann sollt' es mich gar nicht wundern wenn Du auch Braten verlangtest – natürlich, und zuletzt gar noch ein Dessert. – O ja, ich sehe das Alles so klar und deutlich wie das Deckbett hier vor mir, aber nein, Kaudel, nein und abermals nein; wenigstens nicht so lange ich lebe. Was Deine zweite Frau thun mag, das weiß ich nicht; sie ist vielleicht eine Dame, wer weiß; ich will aber Deinen Ruin nicht zu verantworten haben – ich nicht, Kaudel.

Puddings – o ja, weiter fehlte gar Nichts als nur Puddings – Pud – pud – dings – pud. –

*

»Die erschöpfte Natur,« schreibt Kaudel, »konnte nicht länger widerstehen; hierbei schlief meine Frau glücklicherweise ein.«

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