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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 7
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Fünfte Predigt

Kaudel hat einen Freund zu sich geladen und ist, bis über Bettzeit, mit ihm aufgesessen.

»Eine schöne Ordnung das – nach Mitternacht in's Bett zu kommen – und – Jesus! die Kälte – wie ein Stück Eis; das kann Einem den Tod zuziehen.

Was? ich hätte die Kohlen nicht wegzuschließen gebraucht?

So? daß der Mosje unten die ganze Nacht hätte dableiben können, nicht wahr? Es ist überhaupt recht schön und gut, Leute Abends mit nach Hause zu bringen, Kaudel, wäre dann aber auch sehr wünschenswerth, daß sich der Herr zuerst erkundigte, was es zu essen giebt. Die wunderschöne Schweinskeule hätte noch für morgen ausgereicht – jetzt ist sie fort. Auf solche Art kann ich mit meinem Hausstandsgelde nicht auskommen; jeden Abend ein Haufe Volks, der die Schränke leer frißt – Nein, Kaudel, das geht nicht länger. Ich will nur sehen, wer Dir einmal ein Abendessen geben wird, wenn Du ein's brauchst, denn daß eine solche Wirthschaft nicht lange dauern kann, liegt auf der Hand.

Oh sei nur ruhig, ich weiß, daß ich Recht habe; zuerst werden sie Dich ausziehen bis auf's Hemd, und dann auch noch hinterdrein auslachen. – Ich kenne die Welt.

Nein, wahrhaftig nicht, Kaudel, ich glaube nicht von Jedem das Schlechteste, das brauchst Du mir nicht vorzuwerfen, ich kann aber nicht ruhig zusehen wie mir eine ganze Schweinskeule aufgezehrt wird, ohne mich selbst zu fragen was daraus werden, und wie das enden soll. Und dann mußte der Mosje auch noch Eingemachtes haben, konnte er nicht mit meinem Kraut zufrieden sein?

Nein Kaudel – ich lasse Dich nicht schlafen. Das schickt sich auch wohl, sich da hin zu legen und zu sagen: »Laß mich schlafen,« wenn Du mich bis jetzt wach gehalten hast.

Weshalb ich gewacht habe? und ich soll hier oben meinen Kopf ruhig auf's Kissen legen können, wenn ich weiß, daß unten ein Mann sitzt, der unser Vermögen in Rum und Zucker vertrinkt? Du solltest wahrhaftig ein reicher Mann sein, Kaudel, ein steinreicher Mann, denn Du hast solche vortreffliche Freunde; aber ich möchte nur wissen, wer Dir Rum und Zucker giebt, wenn Du ausgehst.

O Gott bewahre – kein Gedanke d'ran, mein Kraut war ihm lange nicht gut genug, und den möchte ich kennen, der besseres Kraut macht; nein, er mußte was Süßes haben; und Du auch, Kaudel, wie ein richtiger Hans Narr – sei nur ja ruhig; ein armes, unglückliches Weib soll sich zu Tode mißhandeln lassen und nachher noch nicht einmal ein Wort d'rein reden. – Und Du auch; ich möchte wissen, wer Dir was Süßes giebt, wenn Du Nichts mehr hast.

Besteht darauf, daß das arme Mädchen eingemachte Wallnüsse holen muß; und bei solchem Wetter, in solcher Nacht, bei einem Schneegestöber. Oja – Du hast ein weiches Herz, Kaudel, ein merkwürdig weiches Herz; aber schade nur, daß Dich die Leute nicht so kennen wie ich; ein herrliches Herz – ein vortreffliches Gemüth, das arme Mädchen in Sturm und Schnee nach eingemachten Wallnüssen hinauszujagen, wo ich es sogar noch Dir und Deinem Freunde – (auch ein prächtiges Exemplar von einem Menschen) – gesagt hatte, daß das arme Ding den Schnupfen und Frostbeulen an den Zehen hätte.

Nein – keinen Schnupfen an den Zehen, Kaudel – Du brauchst mir die Worte nicht im Munde herumzudrehen, ich weiß aber schon, was jetzt kommt; krank wird sie und dann kannst Du Dich auf eine herrliche Doktor- und Apothekerrechnung freuen. Ich bezahle keinen Pfennig davon, das sag' ich Dir im Voraus.

Du wolltest Du wärest todt? o ja, das ist bald gesagt, so leichtsinnige Worte sind schnell gesprochen, aber ich weiß auch, daß, wenn Einer von uns so etwas zu wünschen brauchte, so ich es bin. Fluche nur nicht auf so eine schreckliche Art, bist Du denn nicht bange, daß sich das Bett aufthut und Dich verschlingt? Und wirf Dich nicht so herum; das hilft Dir Nichts, das bringt die Schweinskeule nicht wieder, und den Rum auch nicht, den Ihr in Eure beiden Kehlen hinuntergegossen habt.

Oh gewiß weiß ich, daß der Schlüssel stak, ich dachte d'ran sobald ich im Bette lag, und wenn es mich nur nicht so gefroren hätte, so wär' ich schon lange wieder heruntergekommen.

Ihr würdet Euch ungemein gefreut haben? o Kaudel, ich durchschaue Deine Schlechtigkeit, ich weiß wie Du das meinst; und solche Reden muß ich nun noch anhören wenn ich endlich einmal Ruhe zum Schlafen zu haben glaubte.

Du hinderst mich nicht am Schlafen? nein, Du hinderst mich nicht, schöne zwei Stunden hab' ich hier oben im Bett verlebt, wo ich Euch Beide, mit dem Schlüssel im Schranke, unten wußte, und schön mögt Ihr da gewirthschaftet haben. Ich sah Dir's gleich an wie Du in die Kammer tratst. – Ihr seid bis an die zweite Flasche gekommen. Ich freue mich nur über etwas – Du sagtest mir, ich sollte vom besten Rum, vom allerbesten, für den anderen sauberen Herrn holen lassen, der am letzten Mittwoch da war, und ich habe den billigsten besorgt, den ich bekommen konnte; wirklichen Kartoffelrum; ha – ha – ha – ich hoffe nur zu Gott, daß Ihr es Beide morgen früh spüren sollt.

Von der ganzen Schweinskeule habt Ihr nichts als den Knochen übrig gelassen den blanken Knochen; das kann ich Dir aber sagen, daß es morgen Nichts zu Mittag als den Knochen giebt. Es ist freilich schrecklich, daß die unschuldigen Kinder darunter leiden sollen, ich kann ihnen aber nicht helfen, warum haben sie einen solchen Vater, die armen Würmer.

Beinahe eine halbe Flasche Rum und eine ganze Schweinskeule – eine Flasche Schweins – keule und – Rum – flasche –.

*

»Bei den letzten Worten,« schreibt Kaudel, »übermannte sie, zu meinem Heil, der Schlaf, und ich hatte Ruhe.«

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