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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 6
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Vierte Predigt

Kaudel ist Nachts aus dem Bette geholt, um für Herrn Betsenberger auf der Wache Bürgschaft zu leisten.

Pfui Kaudel – pfui! Das hab' ich mir aber gedacht, daß es noch einmal so weit kommen müsse; und prophezeite ich Dir das nicht gleich, wie Du mit den saubern Lerchen Gemeinschaft machtest?

Zu jeder Stunde in der Nacht Leute aus dem Bett zu schreien, um Trunkenbolde, die sich ein Geschäft daraus machen, ehrbare Leute zu verführen und zu ruiniren, von der Wache zu holen.

Was nur die Nachbarschaft davon denken wird, wenn Dich Polizeidiener Morgens um zwei Uhr herausklopfen.

Unsinn, rede mir nicht vor, daß dem Menschen Unrecht geschehen sei – Unrecht – ja, schönes Unrecht – das wäre mir der Rechte, und Du mußt gerade der sein, der für ihn Bürgschaft leistet.

Ich sehe auch schon, wie das Alles kommen wird, der geht durch, und Du mußt das Geld bezahlen.

Ich möchte nur wissen, weshalb ich mich jetzt das ganze Jahr plage und quäle, um jeden Pfennig zusammen zu halten, wenn Du naher das Geld thalerweis hinter Deinen Lerchen herwirfst. Und die Erkältung, die Du morgen haben wirst, aus dem warmen Bett in so ein Wetter hinaus. Glaube nur ja nicht, daß ich Dich pflegen soll; keine Tasse Thee kriegst Du – nicht eine.

Eigentlich, sollt' ich denken, gäbe es doch noch andere Ausgaben, auf die Du Dein Geld besser verwenden könntest als es gerade einem solchen Pack von Ruhestörern in den Hals zu stopfen.

O ja, Du hast jetzt gut sagen, daß das Geld nicht verloren ist, es wird aber verloren werden. Daß der Mensch fortläuft, ehe sein Verhör ankommt, ist sicher, und dann kannst Du Dir ein Vergnügen mit Bürgschaftbezahlen machen.

Es wäre kein Verhör in der Sache? und das soll ich Dir jetzt glauben Kaudel? nein, das weiß ich besser, der ist für mehr eingesteckt, als blos weil er sich mit einem Nachtwächter geprügelt hat; dafür werden Leute nicht in's Gefängniß gethan; nein, das war Raub oder Einbruch oder sonst 'was Schreckliches.

Die Leute werden nun Dich natürlich für nichts Besseres halten als ihn; denn weshalb hülfe sonst auch wohl Einer dem Andern aus der Patsche?

Du konntest es ihm nicht abschlagen, für ihn gut zu sagen? und warum nicht? Du hättest Dich als ordentlicher Mann zeigen sollen und ihn in's Gefängniß schicken lassen. Jetzt wissen die Leute nun erst recht, daß Du allen liederlichen Vagabonden und Trunkenbolden aus der Verlegenheit hilfst, und nun wirst Du wohl keine Nacht mehr Ruhe haben; jeden Augenblick werden sie Dich herausholen.

Nein Kaudel– ich bin auch nicht um Dich besorgt, aber Deine arme Frau ist's die d'runter leidet. Natürlich kommt jetzt die ganze Geschichte in die Zeitungen und es sollte mich gar nicht wundern, wenn sie sogar Dein Bild mit hineinsetzten, wie bei anderen Verbrechern.

Und die armen Kinder, die unschuldigen Würmer leiden ebenfalls darunter wenn ihr Vater in einen solchen Ruf kommt; vielleicht müssen sie gar einmal später ihren Namen ändern.

Nein, nicht allein die Mädchen, Kaudel – alle, es ist schrecklich genug, wenn sich Kinder schämen müssen, einen solchen Vater gehabt zu haben.

Ich will aber nicht schlafen. – Du hast hier gut reden, daß ich schlafen soll, wenn man auf solche Art in der Nacht gestört wird. – Da kann man nicht – schlafen.

*

»Wunderbar ist es,« sagt Kaudel in seinem Manuscript, »aber hier schlief sie wirklich ein und ich war diesmal, wenn man das Thema annimmt, das sie vor sich hatte, sehr gnädig weggekommen!«

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