Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Douglas Jerrold >

Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
Schließen

Navigation:

Dritte Predigt

Kaudel ist Klub-Mitglied bei den »Lerchen« geworden.

Soviel ist sicher, eine arme, unglückliche Frau läge viel besser und sanfter in ihrem Grabe als in ihrem Bette, heißt das, wenn sie sich an keinen ordentlichen Mann hat verheirathen können.

Nein Kaudel, es ist mir ganz gleichgültig, ob Du müde bist oder nicht, Du sollst nicht schlafen.

Ich kann Dir auch nicht morgen sagen, was ich Dir zu sagen habe; ich fühle jetzt Lust dazu und ich sage es jetzt. Sehr schön das, der Herr will nach Hause kommen, wann es ihm beliebt – es muß schon halb eins vorbei sein – und mir dann auch noch den Mund verbieten, damit er schlafen kann; ich bin doch neugierig, was nun noch folgt. – Da war' man ja gleich lieber schwarz und ein Sclave, nachher wüßte man doch warum.

Also Du bist Klub-Mitglied geworden, so? »die Lerchen?« so Kaudel? nun eine schöne Lerche werden sie aus Dir machen, daran zweifle ich nicht – aber ich will nicht bei Dir bleiben und auch zu Grunde gerichtet werden. Ich nehme die Kinder mit mir fort und dann kannst Du Dir Jemanden miethen, der für Dich Haus hält; das heißt, so lange Du ein Haus zu halten hast und das wird gar nicht mehr so lange dauern, so viel weiß ich.

Wie nur ein Mann, der das Mindeste auf sich hält, seine Nächte in einem Wirthshaus verbringen kann, das begreife ich nicht.

Vernünftige Unterhaltung? – o ja Kaudel, o ja – das kann ich mir ungemein lebhaft vorstellen – vernünftige Unterhaltung – ja Du gehst gerade in ein Wirthshaus wegen vernünftiger Unterhaltung. – Ich möchte wissen, wie viele von Euch sich aus dem, was Du,»vernünftige Unterhaltung« nennst, etwas machen würden, wenn sie ohne den ekelhaften Grog und das Bier und den widerwärtigen Tabaksqualm genossen werden sollte. Wie Du das letzte Mal nach Hause kamst, hatt' ich acht Tage Kopfschmerzen. Ich weiß aber, wer Dich in einem fort zu Deinem Verderben und Unglück verführt; Niemand weiter als der Galgenstrick, der Betsenberger. Er hat einer Frau das Herz gebrochen und nun glaubt er, will er auch der – aber nein, Kaudel – glaub' Du das ja nicht, ich lasse mir meine Gefühle nicht untergraben, nicht von dem besten Mann der je eine Frau unglücklich gemacht hat.

Ich weiß freilich wohl, daß Du Dir Nichts daraus machst was ich sage, so lange Du nur vor der Welt hellgelb und glänzend dastehst; die Leute sollen es aber erfahren, wie Du Dich gegen mich beträgst. Verlaß Dich darauf, sie sollen es erfahren.

Wie kann nur ein Mann seinen eigenen Herd verlassen um sich in ein Wirthshaus hinzusetzen und mit Menschen zu trinken und zu rauchen, Menschen, die nicht einen Finger aufheben würden und wenn sie ihn dadurch vom Galgen retten könnten; wie ein Mann seine Frau – eine gute Frau, und wenn ich das auch selbst sage, verlassen, einer Gesellschaft solcher Trinkbrüder wegen. O das ist schrecklich, das ist mehr als schrecklich, das ist schändlich, Kaudel, das ist gefühllos, und kein Mann der nur noch ein Fünkchen von Liebe für seine Frau hätte, würde es thun. – Und das soll jetzt an jedem Sonnabend geschehen? aber ich weiß was ich thue.

Das hilft Dir nichts, Kaudel– schöne Namen helfen Dir jetzt gar Nichts; eine solche Närrin bin ich, Gott sei Dank, nicht, daß ich mich dadurch bestechen ließe, wenn ich's auch einmal früher war; nein, wenn Du schlafen wolltest, dann solltest Du auch in gehöriger, christlicher Zeit nach Hause kommen und nicht nach halb ein Uhr.

Es war einmal eine Zeit, wo Du so regelmäßig nach Hause kamst wie der Nachtwächter; damals betrugst Du Dich aber auch noch als rechtschaffener, anständiger Mann und liefst nicht mit, der Himmel weiß wem alles, herum, blos um zu rauchen, zu trinken und Witze zu machen, wie Du glaubst.

Ich habe noch nie gehört, daß etwas Ordentliches aus einem Manne geworden wäre, der Witze machte – kein ehrbarer Kaufmann that das. Aber laß Du mich nur sorgen, Deine Lerchen will ich schon fortscheuchen. Das Haus hält Wirthschaft offen bis nach zwölf Uhr an Sonnabend Abenden und wenn ich das nicht auf der Polizei melde, daß sie ihm die Concession nehmen, so will ich nicht heute Abend gesund in diesem Bette liegen.

Ja wohl – nenne mich nur eine Närrin, ich bin aber keine, Du bist der Narr; nein, noch schlimmer wie ein Narr, Du bist ein Bösewicht, Kaudel, ein schwarzer, pechrabenschwarzer Bösewicht, und wenn Du morgen stürbest (Leute, die stets in Wirthshäuser laufen, thun überhaupt Alles, was in ihren Kräften steht, ihr Leben abzukürzen), wenn Du morgen stürbest, dann möcht' ich doch den sehen, der auf Deinen Grabstein schreiben wollte: »ein zärtlicher Gatte und ein liebevoller Vater.«

Ich? glaubst Du ich schriebe solche Lügen? nein, darauf kannst Du Dich verlassen.– Herumlaufen und Dein Geld verschwenden –

Sage nicht nein, und wenn Du's mir auf den Knieen zuschwürest, ich glaubte Dir nicht, daß Du dort Sonnabend Abends blos acht Groschen verzehrtest. So lange dort sitzen und nur acht Groschen, das weiß ich besser. So ein Narr bin ich auch nicht, Kaudel, dem man Alles aufbinden kann. Was wirst Du denn Großes für acht Groschen bekommen? – Und der ganze Klub, verheirathete Männer und Familienväter, es ist himmelschreiend.– Lerchen, ja, schöne Lerchen, Geier solltet Ihr Euch nennen, Geier, die ihren unglücklichen Weibern und Kindern das letzte Herzblut aussaugen.

Acht Groschen die Woche? und wenn es nur acht Groschen wären, weißt Du, was zwei und sechzig Acht-Groschen-Stücke das Jahr über machen?

Das Jahr hat nur zwei und fünfzig Wochen? das ist einerlei, Kaudel, das bleibt sich ganz gleich, Du brauchst mich nicht auch noch hier, mitten in der Nacht, durch Deine bitteren, malitiösen Bemerkungen zu ärgern, das hab' ich nicht um Dich verdient, Kaudel. Wenn auch nur zwei und fünfzig.

Sieh nur die Röcke an, die ich tragen muß. Aus dem Hausstandsgelde kann ich mir kein Nadelkissen kaufen, obgleich ich schon eins diese letzten sechs Monate nothwendig gebraucht hätte; nein, keine Stecknadel; aber was machst Du Dir daraus, wenn Du nur Deinen Grog und Dein Bier trinken kannst. – Und wie sehen Deine Kinder aus? – die Mädchen – sieh nur die an, was die Alles nöthig hätten. Im Leben sind sie nicht wie anderer Leute Kinder angezogen, was kümmert aber das ihren Vater; wenn Der nur mit seinen Lerchen herumlaufen kann, dann mögen sie Sackleinewand anstatt Lätzchen, und Bindfaden statt der Strumpfbänder tragen.

Halt mir nur den Herrn Betsenberger aus den Augen, wenn Du ihn lieb hast – oder nein, bring' ihn mir einmal her, o ich möcht' ihn nur ein einziges Mal sehen. Der sollte dran denken. Ein Mann, der sein ganzes Leben lang, man könnte sagen, in einem Spucknapf zubringt, so ein Wirthshauskönig, mit einem Schwarm gerade solcher Narren hinter sich, wie Du einer bist, die darüber lachen müssen, was er sagt, und was er für spaßig hält.

Nein, Kaudel, Deine guten Worte helfen Dir gar nichts. Ich sollte Dich schlafen lassen? Schlafen, jetzt? – es ist wahrhaftig bald wieder Zeit zum Aufstehen, ich sehe auch gar nicht ein, warum Du Dich überhaupt noch niedergelegt hast.

Die Lerchen – o ja – nächstens wirst Du Dir wohl so einen kleinen »Schmetterer« anschaffen, und auch an zu singen fangen. Einen schönen Ruf wirst Du in der Nachbarschaft bekommen, und ein schönes Gesicht dazu; Deine Nase wird schon mit jedem Tage röther, denn es ist ordentlich als ob sich der Spiritus hineinzöge.

Du siehst nicht, daß sie roth ist? Nein, das glaub' ich wohl, aber ich seh' es, ich sehe Manches, Kaudel, was Du nicht siehst. Das geht aber nun so fort mit Deinem Grogtrinken und wird nur noch immer ärger.

O sage mir nicht, daß Du blos zwei kleine Gläser trinkst, ich weiß wohl, was bei den Männern zwei kleine Gläser sind. Es dauert gar nicht lange so hast Du ein Gesicht, wie ein rothglühender Kupferkessel, und dann möcht' ich nur wissen, wer mit Dir umgehen soll. Ich gewiß nicht, darauf kannst Du Dich verlassen; komm Du ja nicht zu mir.

Schöne Manieren lernen die großen Herren in den Klubs. Jokel, zum Beispiel, war früher ein ganz braver, anständiger Mann und jetzt, hab' ich gehört, hat er seiner Frau schon ein paar Mal Ohrfeigen gegeben. Der gehört auch zu den Lerchen, und vielleicht gedenkst Du ebenfalls einmal in kurzer Zeit Deine Frau mit Ohrfeigen zu tractiren. – Versuche das nicht, Kaudel; ich sage Dir's, versuche das nicht.

O ja, Du kannst jetzt wohl leicht behaupten, Du dächtest nicht daran, ich sage aber weiter Nichts als versuche es ja nicht, Kaudel, Du würdest es bis an Deine Sterbestunde bereuen.

Vier volle Glockenstunden im Wirthshaus. Von was sich nur Männer ohne ihre Frauen, vier Stunden hintereinander unterhalten können, das möchte ich wissen. Von nichts Gutem, das ist ausgemacht.

Acht Groschen die Woche und Rum genug getrunken, daß ein Kahn drauf schwimmen könnte,– und geraucht wie ein Dampfbootschornstein – und ich selbst – kann's nicht so weit bringen, daß ich mir eine Elle Zeug – Es ist – scheußlich – Kaudel – sehr scheußlich – Kau – del.

*

»Hier,« sagt Kaudel in seinem Mannscript, »fing sie an zu gähnen und schlief mit Gottes Hülfe endlich ein.«

.
 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.