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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 32
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Dreißigste Predigt

Madame Kaudel beklagt sich über das »Taubennest«. Entdeckt schwarze Käfer. – Hält es nicht mehr als Recht, daß sich Kaudel ebenfalls eine Kutsche und einen Bedienten anschaffen sollte, und will ein »Goldband und Stulpenstiefeln« haben.

Nein, Kaudel, in Deinem Leben hättest Du mich nicht in diese Wildniß gebracht, wenn ich vorher gewußt hätte wie es hier zugeht – So? wirf mir auch jetzt noch vor, es wäre meine eigene Wahl gewesen. Das ist wohl ein männliches Betragen? Als ich zuerst hierher kam, schien die Sonne und es sah Alles wunderschön aus; jetzt hat sich das aber schrecklich geändert.

Nein, Kaudel – ich will nicht daß Du über die Sonne befehlen sollst ganz und gar nicht; wenn Du aber auf solch entsetzliche Art über Josua an zu spotten fängst, so steh' ich auf. Daß Du nichts in der Sonne zu befehlen hast, Kaudel, weiß ich recht gut, was hat das aber hiermit zu thun? ich rede von einer Sache, und Du fängst von einer anderen an. So machst Du's jedesmal.

So viel weiß ich, eine Frau könnte gerade so gut im Grabe liegen, als hier wohnen. Mir ist es überhaupt als wenn ich lebendig begraben wäre; ich fühle es ordentlich. – Drei lange Stunden habe ich heute am Fenster gestanden und keinen lebendigen Menschen gesehen wie den Briefträger, der nicht einmal zu uns kam.

Nein, es ist nicht schade, Kaudel, daß ich nichts Besseres zu thun hatte – genug hatt' ich; aber das ist meine Sorge und ich sollte doch wenigstens denken, ich wäre Herrin in meinem eigenen Hause, sonst möchte ich lieber hinaus gehen.

Und den ersten Abend wo wir hier waren, hatten wir die ganze Küche voll schwarzer Käfer. Eine Lügnerin will ich sein wenn es nicht aussah, als ob der ganze Platz von ihnen bedeckt wäre – es wimmelte Alles.

Was hustest Du denn, Kaudel? ich sehe hier gar Nichts zu husten. So machst Du's aber immer; im Dunkeln, wenn Du nicht die Nase rümpfen kannst, hustest Du. – Millionen von schwarzen Käfern; und wie die Glocke acht schlägt, marschiren sie heraus.

Sie sind sehr pünktlich? Das weiß ich, und ich wollte nur, andere Leute wären halb so pünktlich wie die, es würde anderen Leuten viel Aerger und wieder anderen viel Geld ersparen. Du weißt aber daß ich die Käfer hasse.

Nein, Kaudel, ich hasse nicht so viele Sachen, aber ich hasse schwarze Käfer, Kaudel, und ich hasse schlechte Behandlung; jetzt aber habe ich genug von beiden – dem Himmel sei's geklagt. – Gestern Abend kamen sie in's Besuchzimmer und nächstens werden sie natürlich auch bis in die Betten kriechen. Regimenter von ihnen seh' ich schon hier auf den Decken herumlaufen. Was machst Du Dir aber daraus; Du weißt nur daß es mich kränkt, und damit bist Du zufrieden. Recht angenehm das –schwarze Käfer im Bette zu haben. Warum ich sie nicht vergifte? Das wäre noch schöner, Gift in's Haus zu stellen; Du mußt viel von Deinen Kindern halten. Ein wunderschöner Platz ist dies auch, um Taubennest zu heißen – Käferloch wäre besser.

Ich hätte ihn selbst getauft? das weiß ich, damals wußte ich aber noch Nichts von schwarzen Käfern. Ueberdies sind solche Namen nur für die Leute außer dem Hause, ohne daß ich damit jedoch sagen will, daß überhaupt Jemand hier vorbeikäme das unsrige anzusehen. Hat Madame Digby zum Beispiel nicht darauf bestanden ihr neues Haus »Liebe im Stillleben« zu nennen und weiß nicht trotzdem Jedermann, daß der Lump, der Digby, seine Frau fast alle Tage mißhandelt? Aber leider ahnen die Leute die draußen »Rosenhütte« lesen, selten, wie viel Dornen inwendig sind.

Nein, Kaudel, ich werde nicht sentimental werden. Du brauchst keine Angst zu haben, aber in dieser Welt sind Namen manchmal die Hauptsache; und das brauch' ich Dir doch nicht zu sagen.

Wieder der Husten – Du hast Dich erkältet, Kaudel, das wird Dir aber in einem fort so gehen, denn Du wirst regelmäßig den Omnibus verfehlen wie am Dienstag, und dann regelmäßig naß werden. Das kann keine Constitution aushalten und Du weißt gar nicht wie mir am Dienstag zu Muthe war, als ich es so gießen hörte und glauben mußte, Du könntest in dem Regen sein. Was?

Ich bin sehr gütig? Das ist wenigstens mein Bestreben, Kaudel, ich wünsche es zu sein. Sieh' also, Balthasar, da hab' ich mir denn die Sachen so überlegt, ob es nicht besser und vorteilhafter wäre, wenn wir eine kleine Chaise halten könnten.

Du kannst und willst das nicht? Sage das nur nicht, Du wirst sogar Geld dabei sparen. Ich habe so für mich nachgerechnet, was Du monatlich an Omnibusse bezahlst und bin überzeugt, Du kommst – das Anständige und Gentile der Sache selbst gar nicht zu erwähnen, – noch besser und billiger dabei weg, als so.

Und wie oft könnte ich dann selbst mit Dir in die Stadt fahren oder Dich gar, wenn Du einmal ein Bischen länger im Klub bleiben wolltest, dort abholen. Siehst Du, Kaudel, jetzt mußt Du manchmal machen daß Du nur fortkommst, wo Du, wenn Du eigenes Fuhrwerk hättest, bleiben und Dich vergnügen könntest. Und nach Deiner Arbeit brauchst Du auch wirklich eine Erholung, ich kann ja doch nicht verlangen, daß Du immer gleich zu mir nach Hause laufen sollst. Das thu' ich auch nicht', nicht wahr, Kaudel? – So eine hübsche, nette, elegante Chaise. Was? Du willst sehen? o ich weiß, Du bist immer ein braver, herziger Mann gewesen und Du glaubst gar nicht, wie glücklich es mich machen wird, wenn Du nicht mehr von den Omnibussen abhängen mußt. So eine kleine hübsche Chaise denn, mit dem Wappen auswendig am Schlag gemalt. Was?

Wappen wären Unsinn und Du wüßtest gar nicht ob Du eins hättest? Unsinn? gewiß hast Du eins und im schlimmsten Falle wäre das doch immer schnell genug für Geld zubekommen. Ich möchte wissen wo Kalkbergs, des Milchverkäufers, Wappen hergekommen wäre, wenn er es nicht gekauft hätte, und auf dem Platze sind doch auch wohl noch mehr zu haben. Früher fuhr er auf einem grünen Karren und jetzt hat er eine große gelbe Kutsche mit zwei mächtigen Katzen im Wappen, die an den Schlägen – mit einer ganzen Menge Lateinisch d'runter – aufgerichtet stehen und aussehen, als ob sie ihre Bärte eben in Milch getunkt hätten. Du magst die Chaise kaufen, Kaudel, wenn es Dir Spaß macht, aber mich kriegst Du nicht hinein, außer die Wappen sind draußen d'ran; das weiß ich. Nein – nie! Ich sollte doch denken, was die Kalkbergs sind, sind wir auch. – Wenn Du übrigens kein Wappen hast, so habe ich eins, und das der Frau ist eben so gut wie das des Mannes. Morgen werd' ich an meine gute Mutter schreiben und sie einmal fragen, was wir gleich darin führten – wie? weißt Du es nicht?

Ein Mangelholz und ein Reibeisen? Kaudel, Du legst es ordentlich darauf an, meine Familie zu beleidigen, wo Du nur Gelegenheit dazu bekommst. Heute Abend sollst Du mir aber meine gute Laune nicht verderben; wenn Du übrigens nur diese Mamsell Betsenberger geheiratet hättest, dann würdest Du auch bald genug ein Wappen gefunden haben; daran zweifle ich gar nicht.

Gut – ich will ruhig sein, und der »jungen Dame« Namen nicht mehr erwähnen, eine hübsche Dame ist es übrigens, und ich möchte nur wissen wie viel sie – gut, gut, Kaudel, ich habe Dir ja gesagt daß ich sie nicht mehr erwähnen will, und doch wirfst Du Dich umher, als wenn Dir das Bett zu enge würde.

Also die Chaise und das Familienwappen d'ran; dann brauchen die Kalkbergs nachher die Nase nicht mehr zu rümpfen, unser Landhaus ist ebenfalls so gut wie ihres, und wenn sie's auch das »kleine Paradies« nennen, so bin ich doch fest überzeugt, sie haben gerade so viel Käfer drinnen als wir, und vielleicht noch mehr. Der Platz sieht just so aus, als ob sie dort gedeihen müßten.

Chaise und Wappen und – nicht wahr, Kaudelchen , das kostet nicht viel, fast gar Nichts, Sonntag um Johannes Hut ein Goldband zu nähen, wie?

Nein, Kaudel – ich will keine vollständige Livree, wenigstens jetzt noch nicht, obgleich ich gehört habe, daß Kalkbergs Kutscher Sonntags aussieht wie eine Stechfliege, und gerade nicht begreife, warum wir unseren Johann nicht eben so aufputzen könnten wie die. Doch das bei Seite, ich will mit einem Goldband und Stulpenstiefeln zufrieden sein und –

Nein, Kaudel – ich würde nicht nächstens gleich Aufschläge und Tressen wollen, gewiß nicht, aber ein Goldband auf jeden Fall. Was?

Du willst es nicht und ich wüßte es? O ja, Kaudel, das ist so eine von Deinen Ideen. Du magst keine Livreen leiden, und jeder Andere wäre froh, wenn er sie anschaffen könnte. Ich sollte überhaupt denken, daß man seine Tisch- und Betttücher und sein anderes Leinen zeichnen kann, wie man will, nicht wahr, Kaudel?

Nun, wenn ich mir also einen Bedienten halte, warum soll ich den denn nicht ebenfalls zeichnen dürfen wie ich will? Was ist da für Unterschied? keiner – keiner wenigstens den ich sehen könnte.

*

»Ich versprach ihr endlich,« schreibt Kaudel, »ein Kabriolet anzuschaffen, Johann ging aber ohne Goldband und Stulpenstiefeln.«

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