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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 15
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Dreizehnte Predigt

Madame Kaudel hat ihre »gute Mutter« besucht und Kaudel bei dieser »freudigen Gelegenheit« eine Gesellschaft gegeben.

Es ist wirklich schrecklich, Kaudel, wenn ich mir denke, daß ich nicht einmal den Rücken wenden und ein oder zwei Tage von zu Hause fortbleiben kann, ohne daß meine Wohnung in ein Wirthshaus, ein Wirthshaus? nein, eine Bierkneipe verwandelt werden muß. Es war mir doch gleich so, als ob Du mich gerne los sein wolltest – Du hättest auch sonst gar nicht darauf bestanden, daß ich bei der guten Mutter über Nacht bleiben sollte. Du warst bange daß ich mich erkälten würde, wenn ich spät nach Hause käme, warst Du? o ja – Du kannst sehr aufmerksam und besorgt sein, Kaudel, wenn es in Deinen eigenen Kram paßt, und die Welt soll dann staunen was Du für ein guter Ehemann bist; wenn Dich die Welt aber nur halb so gut kennte wie ich, weiter wünscht' ich Nichts.

Und der Tabaksgeruch – den krieg' ich in vier Wochen nicht wieder heraus – Die Gardinen sind ordentlich schwarz und vergiftet davon.

Dann soll ich sie herunter nehmen? Du hast gut reden von herunter nehmen? vor einem Monat sind sie erst aufgesteckt. Doch das weiß ich schon lange, Kaudel, eine haushälterische Frau ist an Dich weggeworfen; Du solltest eine große Dame geheirathet haben, die Deine Wirtschaft in Grund und Boden hinein ruinirt hätte, wie ich es in Zukunft thun will. Leute, die sich nicht um ihre Familien bekümmern, werden höher geachtet, als die, die sich abquälen und martern; das habe ich lange eingesehen. – Und wie der Teppich aussieht! Ein Drittel des Werthes haben sie wenigstens mit ihren schmutzigen Stiefeln und Absätzen herausgetreten, und dort am Kamin auch noch ein Loch hineingebrannt. In meinem ganzen Leben ist mir keine solche Wirtschaft vorgekommen. Wenn Du ein paar Freunde einladen wolltest warum konnte das dann nicht geschehen so lange ich zu Hause war, wie es andere Männer thun, und nicht daß sie wie Räuber und Spitzbuben angeschlichen kommen, sobald die Frau den Rücken wendet.

Schöne Herren müssen das sein, saubere Herren – elende Wichte die kein Herz haben einer Frau in's Gesicht zu sehen. – Und Ihr nennt Euch die Herren der Schöpfung? Ich möchte nur sehen was aus der Schöpfung würde, wenn man Euch allein damit wirtschaften ließe. Der Schöpfung würd' es wohl werden, und in acht Tagen hättet Ihr sie verspielt und vertrunken – Was sagst Du?

Ihr habt Nichts getrunken? Nichts getrunken, so? Unten in der Küche steht ein solches Regiment von Flaschen, daß ich noch gar nicht einmal die Courage gehabt habe, sie zu zählen. – Und auch Punsch – konnten nicht ohne Punsch auskommen, mußten auch Punsch machen. Ein ganzes Hundert halbe Citronen liegt unten in der Küche.

Woher ich das weiß? Susanne, das brave Mädchen, hat sie aufgehoben und mir gezeigt. Nein, Kaudel, Susanne soll nicht fort. Was sagst Du? Sie hätte kein Recht zu klatschen und Du wolltest Herr in Deinem eigenen Hause sein? Du willst? Nun, wenn Du Dich dann nicht bald änderst, Kaudel, so wirst Du in sehr kurzer Zeit gar kein Haus mehr haben, um Herr darüber zu sein.

Ein ganzer Hut Zucker stand noch unten im Schrank ehe ich fortging und jetzt ist keine Tasse voll mehr da. Glaubst Du, ich soll Dir den Zucker halten, um für funfzig Menschen Punsch zu machen? –

Es waren keine funfzig? Das ist einerlei. So viel mehr Schande dann für Euch, denn ich weiß gewiß daß Ihr für funfzig getrunken habt. Glaubst Du, ich kann mit meinem Bischen Haushaltungsgelde Zucker für Punsch, für die ganze Welt bestreiten!

Du wolltest das nicht? Oh Kaudel, spiele nicht auch noch den Hypokrit, denn wenn ich nur einmal einen Groschen extra haben will, so ist gleich das Haus in Aufruhr; aber einen ganzen Hut Zucker kann der Herr an eine Bande –

Nein, ich will nicht still sein, und Du sollst auch nicht schlafen. Wärst Du gestern Abend zu richtiger, gehöriger Zeit zu Bette gegangen, so würdest Du jetzt nicht so schläfrig sein. Aber nein, aufbleiben kannst Du mit einem Haufen wüsten Volkes, das sich nicht so viel aus Dir macht, und Deine arme Frau soll nicht einmal ein Wort dazu sagen. – Und dort steht die Porcellanfigur, die ich schon hatte ehe ich verheirathet war. Kein Geld hätt' ich dafür genommen, das weißt Du recht gut, und wie find' ich sie wieder? Mit dem armen kleinen Kopf heruntergeschlagen. – Und was noch gemeiner – erbärmlicher ist, als alles Andere, daß er wieder aufgesetzt war, als ob gar Nichts vorgefallen wäre.

Du wußtest Nichts davon? Kaudel! Kaudel! wie kannst Du da so ruhig in Deinem christlichen Bette liegen und so etwas sagen? Du weißt recht gut, daß der Mensch – der Betsenberger, den Kopf mit der Feuerzange abgeschlagen hat – Du weißt das, und hattest nicht einmal so viel Gefühl für Deine Frau, ja – Gefühl, Kaudel, das zu beschützen, was ihr so am Herzen lag – O nein – ja wer es nur wüßte, wer Dir nur in's Herz sehen könnte, fände am Ende noch gar daß Du Dich darüber gefreut hättest.

Auf jede Art bin ich außerdem beleidigt und verspottet worden. Ich möchte nur wissen, wer das gewesen ist, der dem Bild meiner guten Tante einen Schnurrbart gemalt hat.

Oh – Du lachst? so – das ist wohl sehr spaßig?

Du lachst nicht? Sage das nur nicht, Kaudel! wovon schüttelte denn das ganze Bett wenn Du nicht lachtest? Ja, einen Schnurrbart in ihr liebes ehrwürdiges Gesicht hineingemalt! und sie war Dir stets zugethan, Kaudel, und Du besonders solltest Dich in Deine Seele hinein schämen sie so mißhandelt zu haben.

O Du magst lachen, lachen kann ein Jeder, ich wollte aber nur, Du hättest auch ein Herz für andere Leute und nicht nur für Dich allein. – Nachher die Lase, die ich schon hatte wie ich noch ein Mädchen, – wie ich noch glücklich war. Ich möchte wissen wer den Henkel von der Lase abgebrochen hat?

Nein, sie war nicht schon geborsten, Kaudel – das ist eine schändliche Verläumdung. Kein Sprung war drin, nicht der kleinste Riß, und jetzt – ich hätte weinen können wie ich sie zuerst sah –.

Sage nur nicht sie wäre keine vier Groschen werth gewesen. Woher willst Du das wissen? Du kaufst keine Lasen. – So sind die Männer aber – Nichts im Hause, glauben sie, kostet etwas. Und vier Gläser sind noch zerbrochen, und neun gesprungen – so viel habe ich wenigstens bis jetzt gesehen, ich werde aber wahrscheinlich morgen früh ein Dutzend finden. – Und dann möcht' ich wissen wo der baumwollene Regenschirm hin ist? und wer die Klingelschnur abgerissen hat? und dann weißt Du auch wohl noch gar nicht, daß von dem einen Stuhle ein Bein ab ist, und daß –

*

»Hier,« schreibt Kaudel, »kam mir Morpheus zu Hülfe und ich schlief – ja ich glaube sogar, ich schnarchte.«

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