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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 14
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Zwölfte Predigt

Kaudel, der etwas spät nach Hause gekommen ist, erklärt, daß er von nun an »einen Hausschlüssel haben will«.

Nun meiner Seel'! – ich sehe wirklich nicht ein, weshalb Du jetzt noch überhaupt zu Bett kommst; die Hähne werden den Augenblick wieder an zu krähen fangen. O ja – die Leute glauben, Du hättest Gefühl, Du hättest ein gutes Herz, das müßte denn aber nur für die da draußen und auf der Straße sein; hier im Hause zeigst Du das wahrhaftig nicht, denn es ist reine Tyrannei, Leute bis nach Mitternacht aufsitzen zu lassen.

Warum ich aufgeblieben bin? weil es mir Spaß macht – darum. – Das ist nun noch mein Dank. Nein, Kaudel – Dein Reden hilft Dir Nichts, das Mädchen soll nicht auf Dich warten und damit gut. Was sagst Du?

Warum sie dann doch mit mir aufbleiben muß? Du glaubst doch wohl nicht daß ich mich die ganze Nacht allein hierher setze? Was sagst Du?

Weshalb wir alle Beide da säßen? das ist meine Sache. Nein, Kaudel, das ist nicht wahr, es ist nicht blos darum, weil ich das Vergnügen haben will, darüber reden zu können. Du zeigst, ein ganz gefühlloses – undankbares Herz, daß Du mir so etwas sagen magst. Ich bleibe auf, weil ich aufbleiben will, und wenn Du die ganze Nacht nicht zu Hause kämst (und ich zweifle gar nicht daran, daß das bald geschehen wird), dann blieb' ich die ganze Nacht auf und sähe das Bett nicht an – also rede nur gar nicht darüber.

O ja, Euch Männern in Euren Bierhäusern vergeht die Zeit schnell genug – Ihr seht nicht nach den Stunden, Ihr könnt lachen und singen und Geschichten erzählen und denkt gar nicht daran, daß es ein Wesen auf der Welt giebt, das Eure eigene Frau ist und zu Hause sitzt und die Minuten zählt, allerhand schreckliche Dinge im Kaminfeuer sieht, und sich am Ende gar noch ängstigt was Euch vielleicht zugestoßen sein könnte. Freilich geschieht's den Närrinnen schon recht – weshalb kehren sie sich überhaupt an einen Mann, der sie so behandelt. Das ist aber Alles einerlei; wenn eine Frau erst einmal verheirathet ist, so mag sie sich nur als eine Leibeigene betrachten, und vielleicht als noch was Schlimmeres und muß Alles ertragen.

Ich möchte nur wissen, was Ihr Männer könnt halbe Nächte lang zu reden haben. Anstatt aber ordentlich zu Hause bei der Frau zu bleiben und zu christlich anständiger Stunde in's Bett zu gehen, lauft Ihr in Eure Wirthshäuser und Klubs, und unterhaltet Euch mit Leuten die sich nicht so viel aus Euch machen. Es ist entsetzlich. Was sagst Du?

Du gehst nur einmal die Woche? Das ist ganz einerlei, und hat hiermit gar nichts zu thun. Eben so gut könntest Du alle Abende gehen, und wirst es auch wohl bald. Wenn Du's aber thust, dann kannst Du auch sehen wie Du herein kannst – ich warte nicht auf Dich – darauf magst Du Dich verlassen. Meine Gesundheit wird auch durch die ewigen Nachtwachen eine hinter der andern – total ruinirt. Oh so schweig doch nur mit Deinem »blos einmal die Woche!« das hat gar nichts hiermit zu thun, sag' ich Dir. Wenn Du nur Deine Augen gebrauchen wolltest, so müßtest Du selbst sehen wie schwach und elend ich bin, Du hast aber nur für fremde Leute Augen, für Deine Frau und Deine Kinder nicht. Das ist Recht – sage nur, ich quälte und ärgerte Dich; die Frau möcht' ich sehen, die so Nachts auf ihren Mann wartet wie ich es thue.

Du willst gar nicht, daß ich warte? das ist wohl noch mein Lohn, das ist Deine Dankbarkeit? Erst ruinir' ich mir meine Gesundheit, und dann werd' ich auch noch dafür beleidigt. Schöne Grundsätze lernst Du in Deinem Klub, Kaudel. Einen Trost hab' ich aber, einen großen Trost: es kann nicht lange mehr dauern; mein Leiden muß bald ein Ende nehmen, denn ich fühl' es; wenn ich auch nicht darüber rede, Kaudel, ich fühl' es doch – es kann nicht mehr lange dauern. – Dann möcht' ich aber wissen, was Deine zweite Frau – was sagst Du?

Du willst nie mit einer zweiten geplagt sein? geplagt? nun Gott sei Dank! Hab' ich Dich etwa geplagt, Kaudel? Nein wahrhaftig – wenn Jemand geplagt hat, so bist Du es gewesen, und das weißt Du auch, denn wie eine wahre Närrin habe ich Alles ertragen, und kein Wort gesagt. Es kann aber nicht lange mehr dauern, das ist ein Trost. – O wenn so ein unglückseliges Weib nur Alles das vor der Hochzeit wüßte, was sie zu dulden hat –

Brumme nur nicht daß ich Dich soll schlafen lassen; wenn Du hättest schlafen wollen, so gehörte es sich daß Du auch zur rechten Zeit nach Hause kämest. Es ist bald wieder Zeit zum Aufstehen, und ich würde mich gar nicht wundern, wenn wir die Milch in fünf Minuten hörten. Da sind wahrhaftig die Sperlinge schon! Ja, ich sage die Sperlinge, und Du solltest Dich schämen sie zu hören, Kaudel.

Du hörst sie nicht? sag' lieber: Du willst sie nicht hören, das ist es. Ich höre sie, Kaudel, ich höre sie.

O nein – es ist nicht der Wind der durch das Schlüsselloch pfeift; so thöricht bin ich doch nicht als Du mich gerne machen möchtest; ich hoffe wenigstens Wind und Sperlinge von einander unterscheiden zu können.

Ach, wenn ich daran denke was Du für ein Mann warst, ehe wir uns verheirateten. Jetzt bist Du eine ganz andere Person – reine ausgetauscht. So seid Ihr aber Alle, Einer wie der Andere, jede arme Frau hat ihr Kreuz – nur hoffentlich nicht Alle so arg wie ich. Nein in der That – so arg wohl nicht. – Halbe Nächte ausbleiben – wo die Frau draußen sitzen kann und – Was?

Einen Hausschlüssel? Nicht so lange ich lebe, Kaudel – nicht so lange ich lebe! – Nein – und die Thüre bleibt auch nicht blos zugeklinkt – nicht für den besten Mann, der jemals Athem geholt hat.

Dann willst Du einen Schlüssel haben? Gut! versuch' es! Das ist Alles, was ich sage, Kaudel, versuch' es! Du sollst mich nicht ärgerlich machen, aber ich sage weiter Nichts als – versuch' es!

Das wäre was Schönes für einen verheirateten Mann, einen Hausschlüssel mit in der Tasche herumzuschleppen – Das wäre so gut wie eine Lebensbeschreibung. Hübsch das – sehr hübsch, für einen Familienvater. Einen Schlüssel – So? damit Du also aus- und einkönntest wie Du wolltest; mitten in der Nacht wie ein Dieb in's Haus geschlichen kämest, anstatt an die Thüre zu klopfen, wie andere anständige und ordentliche Leute?

O sage nur nicht, daß Du mir blos das Aufsitzen ersparen willst. Wenn ich aufsitzen will, was geht das Dich an? Manche Frauen würden freilich Spektakel machen, wenn sie aufsitzen müßten, Du aber hast doch wohl hoffentlich keine Ursache Dich zu beklagen, der Himmel weiß es. – Es kommt aber immer besser; was werd' ich nun nächstens noch erleben sollen? Den Hausschlüssel in der Tasche mitzutragen! Von alten, liederlichen Junggesellen läßt man sich das schon gefallen, bei denen macht sich Niemand etwas daraus was aus ihnen wird; ein verheiratheter Mann aber – schweig nur mit Deinen Rücksichten für mich – schöne Rücksichten die Du für mich hast.

O ja, Du hast gut reden – wolltest den Schlüssel, nur der Ruhe und des Friedens wegen haben. Schweig nur mit Deinen Reden, Kaudel – es hilft Dir alles Nichts. Das sag' ich Dir aber, schickst Du mir einen Schlosser her, um einen Schlüssel machen zu lassen, so rufe ich die Polizei, so wahr ich Deine angetraute Frau bin, Kaudel, ich rufe die Polizei.

Nein – wenn ein Mann erst einmal einen Hausschlüssel haben will, dann ist es Zeit, daß er wieder Junggeselle wird, und ich werde Dir dabei nicht im Wege sein, Kaudel – ich wahrhaftig nicht. Du brauchst mir gar nicht zu sagen, daß ich den Mund halten soll, Kaudel, das ist ganz unnöthig, denn ich – Was?

Ich machte Dir Kopfweh? so? Nein, Kaudel, ich nicht, Dein Klub macht die – der Tabaksqualm und – nein, es ist wahrhaftig bald nicht mehr mit Dir auszuhalten. Du gehst fort – lebst wie ein Prinz, kommst um Mitternacht oder Gott weiß wann, nach Hause und drohst einen Schlüssel machen zu lassen und – und – und –

*

»Ich schlief wirklich zuletzt ein,« sagt Kaudel, »und hörte nur noch so einzelne abgebrochene Phrasen wie: die Kinder aus dem Hause thun – Trennung – will keine Leibeigene sein« etc. ect.

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