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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Zehnte Predigt

Ueber Kaudels Hemdknöpfchen.

Nun Kaudel, ich hoffe wenigstens daß Du jetzt in einer etwas besseren Laune bist, als heute Morgen. – Du brauchst nicht anzufangen zu pfeifen, man legt sich nicht in's Bett um zu pfeifen; das sieht Dir aber ähnlich, ich kann den Mund nicht aufthun, ohne daß Du mich beleidigst. – Früher glaubte ich immer, Du wärst die beste Seele von der Welt, jetzt kehrst Du nur die rauhe Seite nach außen.

Ich soll Dich schlafen lassen? nein ich will Dich nicht schlafen lassen. Dies ist die einzige Zeit wo ich mit Dir sprechen kann, und da sollst Du mich hören. Den ganzen Tag werd' ich gestört und umgangen und ich will doch sehen, ob ich denn nicht wenigstens Abends ein Wort reden darf, was überdies selten genug geschieht, der Himmel weiß es. Also weil Dir jetzt einmal ein Knopf am Hemde gefehlt hat, mußt Du beinahe das Dach vom Hause herunter fluchen?

Du hast nicht geflucht? Du weißt gar nicht was Du in der Hitze thust, Kaudel.

Du warst nicht in der Hitze, Kaudel? nun dann weiß ich wohl am Ende auch gar nicht einmal mehr was Hitze ist; das, denk' ich, sollte ich denn doch wissen. Ich habe lange genug mit Dir gelebt, um wenigstens das zu lernen, S' ist aber jammerschade, daß Du über weiter Nichts zu klagen hast, als eines Hemdknöpfchens wegen. Wenn Du nur eine von den andern Frauen hättest, dann solltest Du erst einsehen was Du an mir hast, Kaudel, das weiß ich. Den ganzen Tag lauf' ich mit Nadel und Zwirn herum, und um Dir und den Kindern in einem fort aufzuwarten, wird ein ordentlicher Sclave aus mir gemacht. Und welchen Dank hab' ich dafür? wenn nur ein einziges Mal ein Knopf am Hemde fehlt. –

Was rufst Du »oh« – he? ich sage es wieder, Kaudel, ein einziges oder auch zwei, höchstens dreimal. Und das ist gewiß, keines Menschen Knöpfe in der ganzen Welt werden besser nachgesehen als Deine, Kaudel. Ich wollte nur, ich hätte die Hemden aufgehoben die Du hattest als wir uns heiratheten; ich möchte wissen wo die Knöpfe damals saßen.

Ja – es ist der Rede werth; so machst Du es aber jedesmal. Erst wirst Du wüthend und tobst und lärmst, und wenn ich nur den Mund aufthue, so willst Du mich nicht hören. Auf die Art versucht Ihr Männer immer das Wort zu behalten und die armen Frauen sollen die Lippen nicht auseinander bringen.

Eine schöne Idee hast Du aber von einer Frau; Du glaubst wohl, sie hat an nichts Anderes zu denken als an ihres Mannes Hemdenknöpfe? ein herrlicher Begriff vom Ehestande, das muß wahr sein. Ach, wenn wir Frauen nur immer im Voraus wüßten was wir zu erdulden hätten, bald an Knöpfen, bald an dem und an jenem, wenn wir's nur im Voraus wüßten, der Mann müßte noch geboren werden, dem man sich dann für sein ganzes Leben lang zum Sclaven hingäbe.

Was sie denn thun sollten, Kaudel? nun sich doch ohne Euch behelfen, natürlich, und viel besser würden sie dabei fahren; das ist gewiß.

Uebrigens glaube ich jetzt noch nicht daß der Knopf wirklich am Hemde gefehlt hat. – Du hast ihn abgerissen, Kaudel, damit Du nur was zu zanken hättest. Oh Du kannst Einen genug ärgern wenn Du nur willst. Ich sage nur, es kommt mir wirklich sonderbar vor daß kein Knopf an dem Hemde gewesen sein sollte, denn das weiß ich, daß keine Frau eine größere Sclavin von ihres Mannes Hemdknöpfen ist als ich es bin. Ich sage nur, es kommt mir sehr sonderbar vor.

Nun ich habe wenigstens den Trost, daß es nicht lange mehr dauern kann. Dein Temperament hat mich aufgerieben und ich werde Dir nicht lange mehr zur Last fallen.

Ja – Du magst lachen, Kaudel, und ich weiß auch Du würdest lachen, ich zweifle gar nicht daran. Das ist aber Deine Liebe, das ist Deine Zärtlichkeit. Ich fühle es wie ich mit jedem Tage schwächer und schwächer werde, trotz dem daß ich Nichts d'rüber sage; aber wenn ich nur erst einmal nicht mehr bin, dann wollen wir doch sehen wie Dir Deine zweite Frau nach den Hemdknöpfen sieht. Dann wirst Du den Unterschied finden. Ja, Kaudel, dann wirst Du auch an mich zurück denken und ich hoffe zu Gott, daß Du nie wieder einen gesegneten Knopf am Leibe hast.

Nein – ich bin kein rachsüchtiges Weib, Kaudel, Niemand wie Du hat mich noch so genannt. – Was sagst Du?

Niemand hat mich auch noch so genannt, wie Du? Das hat gar Nichts hiermit zu thun – o Kaudel, ich möchte Dein reizbares, gehässiges Temperament nicht haben, nicht um alle Schätze der Welt. Es ist nur ein Glück, daß ich nicht so streitsüchtig bin wie Du; das würde sonst eine schöne Wirthschaft hier im Hause werden. – Ich wünsche übrigens weiter Nichts, als daß Du eine Frau bekommen hättest die wirklich ihre Zunge gebrauchte – dann hättest Du den Unterschied gesehen. So aber suchst Du mich zu unterdrücken, weil ich, wie eine gutmüthige Närrin die ich bin, nie etwas sage. Ich wollte mich in Deiner Stelle schämen, Kaudel, bis in meine Seele hinein schämen.

Und ein schönes Beispiel giebst Du dabei Deinen Kindern; Du wirst die Jungen so schlimm machen, wie Du selber bist. So lange das Frühstück dauerte, von nichts weiter als Hemdknöpfen zu sprechen, und noch dazu an einem Sonntag Morgen. Und Du nennst Dich einen Christen? Ich möchte nur wissen was die Kinder einmal von Dir denken, wenn sie größer werden, und das Alles wegen eines erbärmlichen Knopfs am Aermel – ein anständiger Mann hätt' es nicht einmal erwähnt.

Warum ich meinen Mund nicht halte? weil ich nicht willKaudel – sieh darum, gerade darum. Ich soll meinen Frieden untergraben sehen; soll eines erbärmlichen Knopfes wegen in das Grab hineingeärgert werden und dann auch noch den Mund halten? so machen es aber die Männer – so machen sie es jedesmal. Ich weiß aber was ich in Zukunft thue. Jeder Knopf, den Du am Leibe hast, mag abfallen, ehe ich wieder einen Faden anrühre. Ich bin doch neugierig was Du dann thun wirst.

Oh – Du willst sie Dir von jemand Anderem annähen lassen? Das schickt sich herrlich für einen Ehemann, seiner Frau damit zu drohen, und einer solchen Frau noch dazu, wie ich Dir stets gewesen bin – einer wahren Sclavin Deiner Knöpfe, wie ich mit Recht sagen kann. Jemand Anderem zum Annähen – so? Nein, Kaudel, nicht so lange ich lebe! Wenn ich einmal todt bin, – und nach dem was ich hier zu erdulden habe, kann kein Mensch sagen, wie bald das nicht geschehen mag – wenn ich einmal todt bin – was für ein hartherziges Ungethüm Du sein mußt, so schnarchen zu können!

Du schnarchst nicht– ja wohl, das sagst Du immer, das bleibt sich aber auch gleich, – Du mußt also Jemand Anders zum Annähen haben, so? ei sieh einmal. Es sollte mich auch gar nicht wundern; jetzt würde mich Nichts mehr überraschen. Die Leute haben mir es freilich schon lange gesagt, daß es so kommen würde, ich wollte es nur immer nicht glauben, aber die Knöpfe haben mir auf einmal die Augen geöffnet.

Doch Dein Betragen soll die ganze Welt erfahren, Kaudel – jetzt das und mir, Deiner Frau – einer solchen Frau – Jemand Anderes die Knöpfe annähen – ich soll nicht mehr Herrin in meinem eigenen Hause sein. O Kaudel, ich möchte das nicht auf meiner Seele haben, nicht um die Welt. – Ich möchte meine Frau nicht so behandelt haben.

Nein, Kaudel, ich bin nicht verrückt – aber Dein Kopf ist verdreht, oder gar Dein Herz, und das wäre noch schlimmer, denn ich kann nicht einmal von einem Hemdenknopf reden, ohne daß ich in meinem eigenen Hause beleidigt werde.

Du hast ein Herz wie ein Stein, Kaudel,– wie ein harter – felsenfester Stein; drohst mir, eines erbärmlichen Knopfes wegen – eines – elenden – Knop – fes – s – s –

*

»Die Natur erlöste mich hier, wenigstens für diese Nacht, von allen weiteren Debatten,« sagt Kaudel – »mein Weib schlummerte«.

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