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Madame Kaudel's Gardinenpredigten

Douglas Jerrold: Madame Kaudel's Gardinenpredigten - Kapitel 11
Quellenangabe
typenarrative
authorDouglas Jerrold
titleMadame Kaudel's Gardinenpredigten
publisherverlag von Otto Wigand
yearo.J.
translatorFriedrich Gerstäcker
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140402
projectid2a5123a6
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Neunte Predigt

Kaudel ist auf dem Jahrmarkt gewesen.

So, Kaudel? also auf dem Jahrmarkt bist Du gewesen?

Woher ich das weiß? ja frag' mich nur, Kaudel – Alles weiß ich was Dich angeht, Kaudel, und mehr noch als Du denkst. Wie Du nur aus dem Hause gingst, merkte ich gleich daß Du etwas vor hättest, ich sah es Dir an den Augen an, wenn ich auch Nichts sagte. Es wird aber fast zu arg – und Du nennst Dich einen achtbaren Mann? einen Familienvater? und gehst in Deinem Alter zwischen all' das rohe, fremde Volk auf einen Jahrmarkt? Daß Du dann noch wenigstens daran denken solltest Deine Frau einmal mitzunehmen, und ihr auch ein Vergnügen zu machen, aber o nein, Gott bewahre! Du kannst schon gehen, findest auch Leute, mit denen Du gehst, wenn ich sie auch nicht kenne, aber Deine arme Frau kann zu Hause sitzen bleiben und sich plagen und quälen, dazu ist sie da, während Du mit Fremden den Angenehmen spielst. Sei nur ruhig, Kaudel, ich hab' es schon von andern Leuten gehört, was für ein guter Gesellschafter der Herr Kaudel ist, und wie gutmüthig und munter dabei. Ich wollte nur, die Leute könnten Dich einmal zu Hause sehen; weiter wünsch' ich Nichts. So ist es aber mit den Männern; von ihrer guten Laune bekommt die Frau im Leben Nichts zu sehen. Du lieber Gott, es ist doch entsetzlich, wenn man so bedenkt, wie schlecht es eine arme, verlassene Frau hat.

Nein, Kaudel, ich bin nicht böser Laune, keineswegs; ich weiß wohl daß ich früher, als wir noch nicht lange mit einander verheirathet waren, manchmal so thöricht sein konnte mich über dergleichen zu ärgern, und daß ich mich halb zu Tode ängstigte und grämte, wenn Du einmal ausgegangen warst; darüber bin ich aber hinaus. Wer dankt es einer armen Frau auch, wenn sie daheim sitzt und sich sorgt? Niemand. Nein, die sich am wenigsten um ihre Familien bekümmern, von denen hält man am meisten. Ich wollte, ich könnte es auch dahin bringen, daß ich mir nichts mehr aus meiner Familie machte.

Warum konntest Du es denn aber nicht ordentlich und gerade heraus sagen, wie Du fort gingst, daß Du auf den Jahrmarkt wolltest, eh?

Du hättest damals noch nicht daran gedacht? o Kaudel, was hilft es Dir nur, jetzt noch zu lügen! Du bist schon mit der Absicht hier fortgegangen, und weißt das besser als ich es Dir sagen könnte.

Warum ich es dann sage? weil Du das gar nicht genug hören kannst wie Du Deine Frau behandelst. Und schöne Spiele werdet ihr dort gespielt haben, ich hätte nur mögen immer hinter Dir sein, das wünsch' ich, weiter Nichts, und Du in Deinem Alter. – Und ich soll im Leben nicht ausgehn, Gott bewahre; ich bleibe immer zu Hause bei der Katze. Daß Du einmal Deine Frau und Kinder mit auf den Jahrmarkt genommen hättest, wie es andere ordentliche Männer auch thun, o nein. Ich glaube wahrhaftig, es ist Dir nicht einmal recht mit uns gesehen zu werden, Du schämst Dich wohl gar unser.

Du schämst Dich nicht? nein, das weiß ich, Kaudel, und so mehr Schande für Dich daß Du Dich nicht schämst. Manche Leute wissen gewiß noch gar nicht daß Du verheirathet bist, weil sie Dich nie mit Deiner Frau und Deinen Kindern gesehen haben, o nein, jeder Andere lieber als Deine Familie.

Jahrmarkt – schönes Betragen für einen Ehemann auf einem Jahrmarkt allein herum zu hetzen, Reihe hinauf und Reihe hinunter, mit Gott weiß wem. Sei nur ruhig, ich weiß wie Du's machst wenn Du draußen bist. Du glaubst doch wohl nicht, Kaudel, daß ich den rothen Hut vergessen habe? was?

Nein ich werde nicht ruhig sein, und ich bin auch keine Närrin; das ist ganz einerlei, und wenn die Geschichte mit dem rothen Hut auch vor funfzig Jahren war, so bleibt sich das vollkommen gleich; ja wenn ich noch funfzig Jahre lebte, würd' ich die Geschichte nicht vergessen, und noch davon reden. Du solltest Dich schämen, Kaudel. Wie wenig Frauen wären Dir das gewesen was ich Dir gewesen bin, ich wollte aber nur, ich hätte das Alles noch einmal vor mir, ich würde diesmal klüger handeln, darauf kannst Du Dich verlassen.

Jahrmarkt! – Da hast Du Dir auch natürlich von den Zigeunern wahrsagen lassen, versteht sich; nun das Geld hättest Du sparen können, Deine Zukunft kann ich Dir auch prophezeihen, wenn Du so fortlebst. Ja – im Schuldthurm wirst Du einmal Dein Leben beschließen, Kaudel. Das würde aber gar Nichts ausmachen, gar Nichts, Kaudel, wenn Du nur nicht Dein armes Weib und Deine unschuldigen Kinder mit in's Elend hineinrissest. – Aber nein – auf den Jahrmarkt mußt Du, und auf einem Esel reiten auch –

Du bist auf keinem Esel geritten? ja das kannst Du freilich jetzt sagen; ob ich Dir's aber glaube ist eine andere Sache. Nein, Kaudel, ich weiß wie Du's treibst, wenn Du draußen bist; und keinem von Euch möchte ich trauen, Dir aber am allerwenigsten.

Und dann natürlich mußt Du mitten in die Menschenhaufen hinein, in's Gedränge mit Mädchen und Frauen.

Du konntest Nichts dafür, wenn Dich Mädchen .und Frauen drängten? Das ist eine schöne Behauptung, wer heißt Dich denn hingehen, Kaudel? Ein Mann in Deinen Jahren hat gar Nichts zwischen Mädchen und Frauen zu thun, und noch weniger Unsinn zu treiben und sich in Schaukeln zu setzen.

Du hättest in keiner Schaukel gesessen, und ich wär' eine Närrin daß ich das glaubte dann hast Du Dich doch wenigstens hineingewünscht, das weiß ich gewiß, und das ist eben so schlimm. – Und dann in Buden hineinzugehen. – Siehst Du wohl – Du läugnest das gar nicht, Du bist in Buden gewesen.

Was das weiter ist, Kaudel? sehr viel ist das, außerordentlich viel. Das Gedränge und Gedrücke erst, in den Plätzen, ist für einen verheirateten Mann, noch dazu in Deinem Alter, etwas Unerhörtes. Schöne Plätze das für einen Familienvater. Nein – ich will nicht ruhig sein, ich habe ein Recht zu reden. O ja, drohe nur mit Aufstehen, das alte Lied sobald ich den Mund aufthue. Ich soll nicht einmal reden, aber Du willst auf Jahrmärkte gehen und schaukeln und Pfänderspiele spielen. – Bah, es ist ordentlich widerlich, und wenn ich wie Du wäre, Kaudel, kröche ich unter die Decke und schämte mich zu Tode.

Was mich aber noch am allermeisten von Dir kränkt, und mir gar so knickerig, gar so erbärmlich vorkommt, ist daß Du Dir einen ganzen Tag Vergnügen machen kannst, und den armen Kindern nicht einmal ein paar Pfeffernüsse mitbringst.

Mehr wie ein Pfund Pfeffernüsse hätten sie Dir aus der Tasche genommen? Schöne Gesellschaft muß das sein, in der Du Dich herum getrieben hast, wenn sie Dir gar die Taschen plündern. Darüber werd' ich ja aber wohl das Nähere morgen erfahren. – Natürlich hast Du auch in der Krone getanzt, versteht sich; ich hätte Dich nur dabei sehen mögen.

Nein, Kaudel, ich mache mich nicht lächerlich; Du bist der, der sich lächerlich gemacht hat, und Jeder der Dich kennt sagt das auch. Jeder weiß, was ich schon von Dir ertragen habe.

Auf einen Jahrmarkt gehen – in Deinem –

*

»Hierbei,« sagt Kaudel, »fing ich an einzuschlafen, und hörte nur noch die unter einander gemischten Wörter von Buden – Pfefferkuchen – rothem Hut – Schaukeln – Zigeuner –«

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